Die beiden freien Trainings in Hockenheim zeigten nicht so viel, wie man sich vielleicht erhofft hat. Das lag zumindest im ersten Training am Wetter, denn die Bahn war klatschnass. Da der Wetterbericht für Sonntag immer noch Regen in Aussicht stellt, war aber trotzdem jede Menge los. In der zweiten Session war komplett trocken, aber die Bahn war halt sehr “grün”, hatte also wenig Grip. Dominierend in beiden Trainings: Hamilton. Der legte zwei Bestzeiten hin an denen sich der Rest die Zähne ausgebissen hat. Vor allem Ferrari machte keinen guten Eindruck, denn richtig schnelle Zeiten kamen nie zustande. Wenn man sich dazu die Zeiten aus der letzten Woche anschaut, kommt man wohl zum dem Schluss, dass Ferrari einfach nicht schneller kann und McLaren was gefunden haben muss. Viel hat wohl mit dem neuen Frontflügel zu tun, der jetzt über drei Platten verfügt und für noch mehr Abtrieb sorgen soll. McLaren schien auch als einziges Team wenig Probleme mit der Abstimmung zu haben, während man ansonsten viel Beschwerden in Sachen Untersteuern hörte.

Hinter McLaren und Ferrari hat sich das Loch stabilisiert. Es scheinen weiterhin drei oder vier Zehntel zu sein, die den anderen fehlen. BMW muss man mal wieder etwas aus dieser Wertung rausnehmen, weil die ja Freitags immer mit vollen Tanks unterwegs sind. Erstaunlich eng ist es allerdings zwischen Red Bull, Williams und Torro Rosso. Die Fahrer lagen, zusammen mit den BMW Piloten, innerhalb von einer Zehntelsekunde. Das wird schön eng morgen.

Einen Schritt nach vorne gemacht haben auch die Force India. Wenn man mal die sieben Zehntel Vorsprung von Hamilton abzieht, liegen sie nur noch 1.3 Sekunden hinter der Spitze. Gemeinerweise hat der Rest des Feldes auch zugelegt. Ansonsten waren die Sessions langweilig. Kubica flog im ersten Training eingangs Motordrom ab und verbog sich die vordere Aufhängung. Glock rasierte mal wieder über die Wiese, suchte einen Buckel, fand diesen und legte eine kleine Flugeinlage hin und zu Überraschung aller dreht sich Massa im Regen nicht.

Es wird schwer für Ferrari die Pole zu bekommen. Im Moment sieht alles nach McLaren und Hamilton aus, die die Sache im Griff zu scheinen haben. Wenn Ferrari am Freitag nicht schnell ist, dann sind sie es auch am restlichen Wochenende nicht.

– grandprix.com berichtet das führende Peugeot Sportmannen im Fahrerlager von Hockenheim gesichtet wurden. Jean-Claude Lefebvre von Peugeot soll sich den Trubel interessiert angeschaut haben und schon überlegt man im Fahrerlager, ob die Franzosen einsteigen wollen. Tatsächlich ist Peugeot in Sachen Sport ja nicht so breit aufgestellt. Nach dem Rückzug aus der Rally WM fährt man eigentlich nur in der LMS und in Le Mans. Das kostet zwar schon eine Menge Geld, bringt aber auch nicht so den Werbeeffekt. Peugeots Erfahrungen in der Formel Eins sind auch nicht gerade besonders gut. Man fuhr von 1994 bis 2000 in der Formel Eins. Erst mit McLaren, wo man aber von Mercedes ausgebootet wurde, dann mit Jordan und zum Schluss mit Prost. Als bestes Ergebnis konnte man zwei 2. Plätze 1994 verbuchen, danach passierte nichts mehr, außer dass es hieß, die Peugeot Motoren seien sehr anfällig. Bei Prost ging dann alles schief und die Streitigkeiten zwischen dem Team und dem Hersteller gingen so weit, dass man teilweise nicht mal mehr miteinander redete. Ich glaube, es war beim GP von Frankreich 2000, als Peugeot die dauernde Kritik von Alain Prost so sehr auf die Nerven ging, dass man sich kurzzeitig weigerte, neue Motoren bereit zu stellen.

Klar – es gibt zwei freie Teamplätze und die Formel Eins in Sachen des globalen Marketings vermutlich unschlagbar, aber es kostet ja auch zweieurofuffzisch. Das die Franzosen in der Lage sind im Spitzensport mitzuhalten, zeigen sie in der Le Mans Serie, aber die Formel Eins ist dann doch noch eine andere Sache. Und vor der Änderung des Reglements 2011 wird man wohl kaum antreten wollen.

Interessant ist der Besuch von Peugeot aber schon, denn er zeigt, dass sich hinter den Kulissen der F1 was tut. Es gibt zwei Teamplätze und wenn es der FIA gelingt ein neues Regelement mit einer vernünftigen Kostenreduktion zu installieren, könnten auch weitere Werke in die Formel Eins kommen. Für Peugeot wäre der Vergleich zu Renault spannend, VW hat neulich gesagt, man habe in den nächsten drei Jahren nicht vor in die F1 einzusteigen und aus Korea hört man auch immer wieder, dass man in einer gemeinsamen Anstrengung etwas erreichen möchte.