DTM – Norisring
Dass Rennen der DTM als “schlecht” zu bezeichnen, wäre ein wenig unfair, aber wirklich spannend war die Sache selten. Dazu sollte man faierweise aber auch klarstellen, dass die anderen Rennen am Wochenende auch nicht wirklich besser waren. Die beiden Rennen des Seat Cups, die der Polos und des Porsche Cup waren eher eintönig. Einzig das zweite Rennen der F3 Euro Serie war sehr abwechslungsreich, was aber auch nur an den seltsamen Unfällen lag. Aber so ist das eben am Norisring. In manchen Jahren geht es zur Sache, in anderen spielt man Güterzug und fährt nur hinter einander her. Dabei mangelte es aber nicht mal an Überholmanövern. Es war nett anzusehen, wie Gary Paffett durchs Feld schnitt, auch wenn sein fünfter Platz nachträglich kassiert wurde, weil sein Wagen etwas zu leicht war. Auch der Duelle zwischen Scheider, Kristensen und Ekström oder Spengler und Green waren nicht schlecht. Wenn in einer Serie die beiden Führenden am Ende innerhalb ein oder zwei Sekunden liegen, dann ist das kein schlechter Motorsport. Ich hab mich während des Rennens selber ein wenig darüber gewundert, warum mir das Rennen so lahm vorkam.

Irgendwann hab ich die Schuld dann einfach der ARD zugeschoben. Mal abgesehen von der Szene, als di Resta sich drehte und man lieber das WM-Maskottchen zeigte, war die gesamte Übertragung irgendwie lahm. Man konnte es fast körperlich spüren, dass der Sender offenbar das EM-Finale im Kopf hatte und die DTM nur nebenbei abspulte. Selbst der sonst durchaus gute Philipp Sohmer wirkte ein wenig desorientiert und lustlos, was sich irgendwann dann auch auf Manuel Reuter übertragen hat. Über Claus Lufen muss man eh nichts mehr sagen. Warum die ARD den Musikact immer nach dem Rennen bringt, ist mir ein Rätsel. Dazu ein überflüssiges Interview mit Oliver Bierhoff, der auch gleich brav den “Norbert” grüßte und ihm die Daumen drückte. Mercedes sponsort die Nationalelf.

Am Ende war es wohl eine Mischung aus zwei Dingen. Einem eher unspektakulären Rennen und einer lustlosen Übertragung, die mir den Spaß etwas verdorben hat. Ich bin mal gespannt, was in zwei Wochen in Zandvoort ist. Da fährt die DTM nämlich mal wieder zeitgleich mit der Tour de France und was das normalerweise bedeutet, kennen wir ja aus den letzten Jahren.

NASCAR – New Hampshire
Wenn man die DTM kritisiert, muss man auch ehrlich in Sachen Sprint Cup sein. Das war jetzt auch nicht das Rennen des Monats. 100 Runden lang tat sich so gut wie gar nichts, dann gab es ein paar Cautions, aber gegen Ende wurde es immerhin ebenso hektisch, wie konfus. Denn die Teams waren mittlerweile alle mit unterschiedlichen Strategien unterwegs. Bei langen Grünphasen ja das einzige Mittel, mit dem man nach vorne kommen kann. Als dann, nicht ganz unerwartet, der Regen kam, lagen die Fahrer, die das Rennen bisher dominiert hatten (Stewart, Gordon, Harvick) irgendwo hinten, während die Top sich so zusammensetzten:

1. Kurt Busch
2. Michael Waltrip
3. JJ Yeley
4. Martin Truex
5. Elliot Sadler

> Den Sieger hatte es also im wahrsten Sinne des Wortes nach vorne gespült und Michael Waltrip wird sich in Hintern beissen, dass er am Ende nicht mehr gepusht hat. Auf der anderen Seite ist er damit jetzt erst einmal raus aus der Todeszone um Platz 35. Aber solche Rennen kommen vor, das kennen alle Piloten. Einzig Tony Stewart schaute nach seinem Rennen völlig frustiert aus dem Auto und konnte sein Pech nicht fassen. Er war der dominierende Mann des Rennens und hätte die letzten 16 Runden vermutlich locker abgespult. Aber so gewann wieder mal ein anderer und Stewart wartet weiterhin auf einen Sieg in 08.

Zwei Szenen machten das Rennen allerdings dann zu etwas, was man so schnell dann doch nicht vergessen wird. Zum einen war da der Crash zwischen Jamie McMurray und Junior. Letzter war auf dem Weg zur Box, klemmte weit unten über der gelben Linie und musste in der engen Einfahrt das Tempo reduzieren. McMurray kam von hinten angeflogen und knallte Earnhardt jr. volles Rohr ins Heck. Nach dem Rennen gab er an, dass er Junior nicht gesehen habe, was jetzt auch nicht zwingend für McMurray spricht, wenn einen riesigen NASCAR Wagen direkt vor einem nicht sieht. Ebenfalls gepennt hat wohl der Spotter von McMurray, dem der langsame Junior ja irgendwie dann doch mal hätte auffallen können/müssen/sollen. So groß ist die Strecke ja nun wirklich nicht.

Den Kampf des Tages lieferten sich aber Kyle Busch und Juan Pablo Montoya. Ich hab mich schon ein paar Mal gefragt, wann die beiden aneinander geraten und wie sowas wohl enden wird – gestern gab es dann ein Teilergebnis. Busch kam im ganzen Rennen nicht so richtig in Schwung und in den letzten Runden des Rennens lagen die beiden eng beieinander. Ein paar Kurven lang fuhr man nebeneinander her und Busch versuchte mal wieder seinen Konkurrenten nach oben zu drücken, was beim Kolumbianer nur so mittel an kam. Als Busch nach einer Caution auf der Zielgeraden Montoya wieder in die Tür fuhr, platzte dem der wohl eh schon enggewordene Kragen. Er zackte nach links und knallte Kyle Busch auf den hinteren Kotflügel, worauf dieser sich drehte.

Nach dem Rennen meinte er dann im Interview, dass man zwar viel mit ihm machen könne (also, was er so unter “viel” versteht), aber eben nicht alles. Kyle Busch hin, Meisterschaftsführender her, so ginge es ja nun auch nicht, da sei er ihm halt reingefahren. Die NASCAR mag solche Aktionen überhaupt nicht und bestrafte den Ganassi-Fahrer mit zwei Strafrunden in der Wertung. Allerdings – das war nur die Strafe der NASCAR vor Ort. Morgen wird es wohl den Rest geben.

Die Kommentatoren bei TNT verurteilten die Aktion von Montoya zwar auch, konnten sich aber eine gewisse Häme nicht verkneifen. Kyle Busch ist ja spätestens seit seiner Aktion gegen Earnhardt dafür bekannt, alles fort zu räumen, was ihm bei Sieg im Weg steht, aber da ist er bei Montoya an einer bekanntermaßen sehr schlechten Adresse. Ich glaube es war Petty, der meinte, dass Montoya halt nicht irgendein Pilot sei, sondern einer, der in allen wichtigen Rennserien der Welt gewonnen habe. Daran müsse sich auch Kyle Busch gewöhnen. Naja – so oft sehen sich die beiden ja nicht im Feld, außer wenn Montoya überrundet wird, aber sollten die beiden in Watkins Glen vorne liegen, bin ich jetzt schon mal gespannt. Kyle Busch kann ja mal Scott Pruett fragen, wie Montoya so in Sachen “Aktion Fair Play” in Anbetracht eines Sieges drauf ist. Dem Kolumbianer dürfte die Aktion bei den Fans allerdings einige Punkte eingebracht haben.

Und sonst?
Bei der British GT Meisterschaft in Thruxton hat es an diesem Wochenende einen ziemlich üblen Crash gegeben. Bradley Ellis flog nach der Woodham Hill Passage, kurz vor der Start/Ziel Schikane mit seinem Ginetta ab, weil ein Konkurrent ihn hinten angestubst hat. An diesem Punkt sind die Wagen mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs. Ellis rauschte über die Wiese und räumte bei seinem Aufprall ein Häuschen der Streckenposten ab, die sich aber vorher in Sicherheit bringen konnten (man rodelt ziemlich lange über die Wiese in Thruxton). Ellis wurde aber in Krankenhaus gebracht, wo man einen ganz leicht angeknacksten Halswirbel diagnostizierte. Aber nicht so schlimm, er ist schon wieder entlassen worden und es geht ihm gut.

IRL Rennen war eher öde und sehr zerstückelt. Nichts, was man sehen muss.

Nächstes Wochenende ist richtig was los: F1/GP2 in Silverstone (jetzt schon mal Regen bestellen), NASCAR in Daytona (kein Regen hier, nicht verwechseln), die IRL in Watkins Glen, WTCC in Estoril und die FIA GT fährt in Oschersleben.

30.06.2008

Aufz. 20:45 Uhr   NASCAR SC   NH   Premiere
Aufz. 22:45 Uhr   British F3   Snetterton   MotorsTV
Aufz. 23:35 Uhr   British GT   Snetterton   MotorsTV

01.07.2008

Aufz. 20:00 Uhr   IRL   Richmond   Premiere