F1 – Teams unter Druck

– Bei BMW ist man eigentlich ganz froh. Erste Pole in diesem Jahr, erster Sieg, zweiter in der WM bei Fahrern und Konstrukteuren. Besser kann es kaum laufen, aber die bayerischen Schweizer können auch rechnen. Denn wenn man ganz vorne ein Wörtchen bei den Konstrukteuren mitreden will, dann braucht man zwei Fahrer, die einigermaßen gleich stark sind. Und genau das hat man nicht. Je stärker Kubica wird, desto größer wird die Krise, in die Heidfeld schlittert. Ich gehe nicht davon aus, dass Heidfeld das Fahren verlernt hat. Im letzten Jahr waren er und der Pole noch gleich auf, das wird sich von der fahrerischen Qualität sicher nicht so schnell geändert haben. Aber mental ist offenbar etwas passiert. Kubica hat im Winter hart an sich gearbeitet. Mehr als sieben Kilo nahm der ja nun auch nicht gerade füllige Mann ab, nur besser ins Cockpit zu passen und um eben sieben Kilo leichter zu sein, die vielleicht ein paar Tausendstel oder Hunderstel bringen. Dahinter steckt mehr als nur ein Gewichtsverlust. Das ist ein Statement in Sachen Disziplin, Willen und Bereichtschaft.

In einem so engen Duell sind es immer die Kleinigkeiten, die in einem Team für eine Verschiebung sorgen können. Man kennt das schon aus der Vergangenheit. Obwohl Alain Prost bei McLaren nicht minder erfolgreich war, hing die Liebe des Teams an Ayrton Senna. Michael Schumacher mag ein Ausnahmetalent gewesen sein, aber als er 1992 bei Benetton in einem englischem Team gegen den schnellen und etablierten Briten Martin Brundle antreten musste, hatte er das Team nach einem halben Jahr mit seinem Willen, seiner Disziplin und seiner Schnelligkeit überzeugt. Und da war da noch Fernando Alonso, der seinen nicht minder schnellen Teamkollegen Jarno Trulli innerhalb von wenigen Monaten völlig entnervte.

Alles Beispiele die zeigen, dass die Stimmung in einem Team schnell umschlagen kann, wenn man die richtigen Zeichen setzt. Nick Heidfeld hat noch das Glück, dass er in Teamchef Mario Theissen jemanden hat, der unbedingt an ihn glaubt. Immerhin opferte das Team einen Testtag neulich in Barcelona, damit er seine Probleme mit dem Wagen ausräumen konnte. Gebracht hat es ein bißchen was, aber nicht genug, damit er die zweite Quali-Hürde überspringen kann. Dabei sind seine mauen Ergebnisse nicht mal das eigentliche Problem. Im Rennen ist er meist mit einer ähnlichen Pace unterwegs wie der Pole, aber wer eben weit hinten startet, der hat auch keine Chancen nach vorne zu kommen. Der Rennen in Magny-Cours war sicher nicht das beste von BMW, aber es vor allem deswegen schmerzhaft, weil Heidfeld nicht in die Punkte gekommen ist. Statt der vier Punkte, die man erlangt hat, hätten es auch fünf, sechs oder mehr sein können, hätte Heidfeld weiter vorne gestanden. In Monaco das gleiche Spiel, ebenso in Spanien.

Das sind alles Dinge, die auch BMW in seine Überlegungen für das nächste Jahr mit einbeziehen wird. Kubica ist wohl für 2009 sicher, Heidfeld bei weitem nicht. Schon im letzten Winter hieß es unisono: Wenn BMW ganz nach vorne fahren möchte, dann brauchen sie auch einen Fahrer, der das kann. Offenbar kann der Pole das, auch wenn seine Rennpace mich immer noch nicht komplett überzeugt hat. Heidfeld kann es momentan nicht. Und auf dem Markt ist durchaus was los. Da lauert immer noch ein Alonso, der längst nicht bei Renault verlängert hat. Da ist ein Rosberg, der bei Williams zunehmend ungeduldig wird.

Ich vermute mal, dass man Heidfeld den Test in Barcelona nicht einfach so gegeben hat, sondern dass man ihn an ein Ultimum geknüpft hat. Entweder die Ergebnisse kommen bis Mitte/Ende Juli, oder der Vertrag wird nicht verlängert. Die fast depressive Miene von Heidfeld nach dem Rennen in Frankreich sprach jedenfalls Bände. Theissen mag an Heidfeld hängen, aber eine Nibelungen-Treue wird auch er nicht an den Tag legen. Im Endeffekt ist er Ingenieur – da zählt das Ergebnis.

Für Heidfeld wäre ein Rausschmiss natürlich mehr als unschön. Welches Topteam würde ihn, nach dem es bei Williams schon nicht so wirklich lief und er sich bei BMW im quasi eigenen Haus nicht durchsetzen konnte, schon nehmen?

– Ncht minder frustiert ist Nico Rosberg. Bei Williams läuft einfach wenig zusammen, dazu kommen seine eigenen Fehler, wie zum Beispiel in Kanada. Doch offenbar gibt es intern einige Reibereien. Man liest zumindest, dass die interne Struktur nicht so ganz intakt ist. Die Anzeichen sieht man auch auf der Strecke. Nakajima glänzt hier und da mit schnellen Runden, nur um dann wieder völlig abzusacken. Rosberg steht mal in Q3, mal schafft er mit Hängen und Würgen den Sprung in Q2. Das Grund liegt wohl unter anderem auch bei den Ingenieuren. Angeblich ist man sich intern auch nicht immer einig, mit welcher Abstimmung man am schnellsten unterwegs ist, und welche Taktik man wählen soll. In Frankreich tankte man Rosberg randvoll, in der Hoffnung, dass es ihn schon nach vorne spülen würde. Aber auf einer Strecke, auf der man schon gut 1.5 Sekunden schneller sein muss, wenn man überholen will, kreiste Rosberg wie eine fette Ente um den Kurs und hing hinter den Force India fest. Man hatte wohl übersehen, dass die Inder auch gerne in ihre Wagen bis zur Oberkante volltanken. Mit Mühe erreichte Rosberg einen Platz 16, sogar geschlagen von einem Honda. Da stimmte weder der Wagen, noch die Strategie. Rosberg wird langsam ungeduldig. Er sieht seine Felle wegschwimmen, denn als ewiges Talent macht man in der Formel Eins auch niemanden verrückt. Angeblich hat er einen wasserdichten Vertrag, aber selbst wenn er eine Ausstiegsklausel hätte, blieben ihm kaum Alternativen zu Williams. McLaren ist gut eindgedeckt, bei BMW würde man wohl eher Alonso nehmen und ob er mit einem Wechsel zu Renault nicht vom Regen in die Traufe käme, ist auch nicht ausgeschlossen. Keine bequeme Position für den Deutschen.

Und sonst?
Immer noch zu viel zu tun für die TV Vorschau. Es läuft aber auch wenig. Donnerstag geht wieder los.