Die Abstimmung mag Max Mosely gewonnen haben – die Sympathien nicht. Der ADAC hat sich in die Schmollecke zurück gezogen, wohl auch, weil sich der ADAC Sportpräsident und FIA Vize Hermann Tomczyk schon gerne als einer der möglichen Nachfolger gesehen hätte. Aber auch der AAA, der US Automobil Club, ist unzufrieden. Die in moralischen Dingen ja eher etwas angespannten Amerikaner können und wollen es nicht akzeptieren, dass Mosley mit seiner Nutten-Nummer durchkommt. In den USA treten hohe Funktionäre und Politiker schon zurück, wenn sie nur in den Verdacht kommen, einen sexuellen Fehltritt begangen zu haben. Der ADAC hat schon angekündigt, dass man für den Moment erst einmal die Zusammenarbeit mit der FIA “einfriert”. Auch der AAA überlegt etwas in diese Richtung und spricht sogar von “Ausstieg” aus der FIA.

Das macht die politische Situation für die FIA nicht leichter. Wenn die beiden größten Vertreter der FIA, der ADAC und der AAA aus dem exklusiven Club austreten und eventuell einen neuen gründen, ist das für die FIA noch nicht weiter schlimm. In den USA hat die FIA sowieso nur wenig zu sagen, da populäre Rennserien wie die NASCAR, die Grand Am oder die IRL sowieso kaum bis nichts mit der FIA zu tun haben. In Deutschland gibt es mit dem AvD einen Konkurrenz-Club, der nur darauf wartet, den ADAC als Veranstalter bei vielen Rennen auszubooten. Schwieriger wird es, wenn auch andere Clubs dem Beispiel des ADAC in Europa folgen. Sollten die Spanier, die Engländer und andere Nationen zusammen mit dem ADAC und dem AAA eine Konkurrenzbehörde gründen, sieht die Sache allerdings schon anders aus. Für den Motorsport Fan wäre das allerdings nicht schön. Konkurrierende Clubs, die Fahrer, Rennställe und Strecken exklusiv an sich binden und sich gegenseitig mit Klagen überziehen sind nicht gerade eine gute Werbung. Aber soweit wird es die FIA nicht kommen lassen.

Die ganze Affäre dürfte ein hübsches Sommertheater werden, sollte Mosley sich nicht doch noch zu einem Rücktritt zum Ende des laufenden Jahres entschliessen. Der Ball liegt zumindest jetzt in seinem Spielfeld. Er hat die FIA zu der mächtigsten Sportbehörde der Welt gemacht, er hat die Formel Eins und damit auch viele andere Rennserien endlich so sicher gemacht, dass man nicht mehr alle paar Monate um einen Fahrer trauern muss und er hat den Skandal um seine Person zumindest technisch überlebt und die Geschichtsbücher werden die Sache mit dem Video gnädig vergessen. Es wäre keine schlechte Entscheidung, wenn er nun noch seine Projekte in diesem Jahr zu Ende bringt und die FIA dann in andere Hände übergibt.