Seit dem Tony Stewart ganz offen damit flirtet, seinen Vertrag bei Gibbs frühzeitig zu beenden, ist die “Silly Season” in der NASCAR richtig in Schwung gekommen. Nachdem man lange Greg Biffle bei Gibbs sah, heißt es jetzt, dass Biffle ziemlich sicher noch eine Saison bei Roush/Fenway dranhängen wird. Die guten Runs der letzten Rennen waren da sicher ein feines Argument. Gestern tauchte in der Chicago Tribune die Meldung auf, dass Juan Pablo Montoya der Nachrücker für Tony Stewart sein könnte. Montoya ist wohl sehr unzufrieden über den Status quo im Ganassi NASCAR Team. In der Tat geht da gerade gar nichts zusammen. Der Laden gleicht einem Hühnerhaufen in dem Crewchiefs getauscht und entlassen werden. Das Jimmy Elledge kurz nach seinem erzwungenen Wechsel zu Montoya rausgeworfen wurde, hat die gesamte Branche überrascht. Es gibt Gerüchte, dass Elledge und Ganassi massiv aneinander gerasselt sind, weil man sich nicht über Ausrichtung des Teams einigen wollte. Elledge wollte, dass man sich auf Montoya konzentriert, der immerhin noch ein paar Chancen hat, in den Chase zu kommen. Ganassi soll das abgelehnt haben, weil er die Sponsoren von Reed Sorenson (Target) nicht verärgern kann und/oder will. Gleichzeitig kommt Dario Franchitti nicht so richtig von der Stelle, obwohl er zwischendurch immer mal wieder gute Rennen zeigt. Ich hab mich angesichts der letzten Rennen auch schon gefragt, wann Montoya die Geduld ausgeht und offenbar ist das schon passiert.

Laut der “Tribune” hat es kurz vor dem Indy 500 ein Treffen zwischen ihm und Chip Ganassi gegeben, für das Ganassi sogar extra von Indianapolis nach Charlotte geflogen ist. Das bemerkenswerte daran: es war nicht umgekehrt. Montoya hätte als ehemaliger Sieger des Indy 500 auch durchaus mal kurz dort auftauchen und man hätte ein Treffen völlig unbemerkt abhalten können. Offensichtlich ist der Kolumbianer derartig genervt, dass Ganassi sich genötigt sah, in Indianapolis alles stehen und liegen zu lassen, um Montoya zu beruhigen. Das Treffen soll am Samstag vor dem Indy 500 stattgefunden haben, also nach der Quali für das Coca Cola 600, bei der Montoya nur 42 wurde. Verärgert ist Montoya wohl auch deshalb, weil er die guten Ergebnisse von Kasey Kahne sieht. Während er mit seinem Dodge hinten rum kurvt, fahren andere Dodge um den Sieg mit. Zudem war Montoya wohl sehr verärgert über die Entlassung von Elledge, mit dem er gut klar kam.

Wie man von Montoya ja nun aus seiner F1 Zeit weiß, gehört er nicht zu den geduldigsten Menschen auf der Welt. Der Wechsel zu Gibbs macht auch durchaus Sinn. Montoya mag noch nicht auf allen Ovalen gut sein, aber dass vorne mitfahren kann, hat er bewiesen. Für Gibbs wäre Montoya ein schwieriger, aber kein schlechter Ersatz für Stewart. Die Kombi Kyle Busch/Montoya dürfte allerdings nicht leicht zu kontrollieren sein. Auch der NASCAR täte ein Montoya, der vorne mitfährt, gut. Montoya selber dürfte es völlig egal sein, ob er in einem Dodge oder einem Toyota sitzt. Schwieriger dürfte allerdings die Sponsorenfrage sein. Texaco/Havoline ist ebenso wie Wrigleys an Ganassi gebunden, was mit Home Depot bei Gibbs geschieht, wenn Stewart geht, ist unklar.

Wie dem auch sei: Montoya soll Ganassi ein Ultimatum gestellt haben. Entweder die Ergebnisse kommen und das Team wird wieder unter eine vernünftige Leitung gestellt, oder er sucht sich halt was anderes. So weit ich weiß, läuft sein Vertrag zwar erst Ende 2009 aus, aber wie man ja in den letzten Jahren immer wieder gesehen hat, sind Verträge nicht unkündbar.