Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Aserbaidschan – Mercedes auf WM-Kurs

Formel Eins: Analyse GP von Aserbaidschan – Mercedes auf WM-Kurs

von DonDahlmann
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George Russell gewann in Baku nicht nur, weil Antonelli Fehler machte. Er war am Wochenende der klar schnellere Pilot.

Acht Zehntel betrug der Vorsprung von George Russell in der Qualifikation auf Charles Leclerc. Ein erstaunlich großer Abstand in dieser Saison, der den Rest des Feldes einigermaßen sprachlos hinterließ. Dass der Mercedes-Motor wie schon in Monza auch in Baku einen Vorteil haben würde, hatte man erwartet. Aber nicht mit einem solchen Abstand. 8 Zehntel war auch der Abstand zwischen P3 und P10 in der Quali. Wie hat Mercedes das hinbekommen? Die Grafik verrät es.

Der entscheidende Hinweis findet sich gleich am Anfang. Schaut man auf den Topspeed und den eingelegten Gang zu Beginn der Runde, sieht man, dass Russell rund 10 km/h langsamer und im siebten Gang war, während Leclerc im achten Gang unterwegs war. Am Ende der Runde war Russell aber schneller und ebenfalls im achten Gang. Kurz gesagt: Russell nutzte die Aufwärmrunde und den langen Sprint zur Zielgeraden fürs Super Clipping.

Zwar resettet auf der Ziellinie die erlaubte Menge Energie (springt also wieder auf 100 %), aber diese Menge muss auch da sein. Gleich auf der nächsten kurzen Geraden sieht man dann den Vorteil, den sich Russell herausfuhr. Er war deutlich schneller, obwohl er sogar früher vom Gas ging. Danach sieht man, dass er später vom Gas geht und in der Lage ist, mehr Speed mitzunehmen.

Interessanterweise schaltet er deutlich später, was mit der für dieses Jahr gewählten Übersetzung zusammenhängt. Während Leclerc aber vor der langen Geraden schon früh ins Clipping geht, um die Batterie Ausgangs T16 voll zu haben, kann Russell darauf weitgehend verzichten. Am Ende ist der Topspeed-Unterschied auf der Geraden gar nicht so entscheidend, zumal der schwächere Ferrari-Motor hier eine Rolle spielt. Die Zeit hat er quasi mit einer Clipping-Strategie auf der Aufwärmrunde geholt.

Es war ein fantastisches Wochenende von Russell, bei dem endlich mal wieder alles passte. Von der ersten Runde an war er schneller als Kimi Antonelli, der sich auf dem Kurs in Baku schwer tat. Der WM-Führende machte dann den Fehler, den Rückstand mit der Brechstange wettmachen zu wollen, was dann in Q2 zu seinem unnötigen Unfall führte. Mercedes war in Baku stark genug, um beide Autos in die erste Startreihe zu bekommen, und selbst ein zweiter Platz wäre für Antonelli völlig in Ordnung gewesen. So wurde es, trotz einer guten Aufholjagd dann nur P5.

Ferrari hatte für das Rennen zwar eine gute Ausgangsposition, aber das Rennen von Charles Leclerc fiel schnell auseinander. Er musste erst Piastri, später dann beide Red Bull passieren lassen und fuhr dann ohne Chancen abseits des Podiums sein Rennen zu Ende. Noch schlimmer erging es Lewis Hamilton. Der fand am gesamten Wochenende keinen Rhythmus und lag meist vier Zehntel hinter Leclerc. Im Rennen war es dann ein bisschen weniger, aber wirklich glänzen konnte der Brite zu keiner Zeit. Man schob es bei Ferrari auf den Motor, aber wie man oben sehen kann, ist es weniger der Verbrenner denn mehr die Software und die elektrische Seite des Antriebs, die bei Ferrari hinterher hinkt.

Statt Ferrari waren es die Red Bull, die Mercedes dank zweier SC-Phasen unter Druck setzen konnten. Verstappen hatte sich aufgrund eines Motorproblems in der Quali dem wieder genesenden Hadjar beugen müssen, rückte das im Rennen aber schnell zurecht. Beide Red Bull verfügten über einen erstaunlichen Rennspeed und Verstappen sprach von einem der besten Wochenenden des Jahres. Dass beide Red Bull auf dem Podium landeten, war dann auch mehr als verdient. Beeindruckt hat mich da aber mehr Hadjar, der nach sechs Wochen Zwangspause sofort wieder in Form war.

Während Leclerc nur den vierten Platz holte und am Ende nur 0,4 Sekunden vor dem heranstürmenden Antonelli lag und Hamilton auf einem blassen sechsten Platz reinrollte, ging es dahinter zur Sache. Schuld daran war der zweite Restart, nachdem Albon seinen Williams versenkt hatte. Der ging für Colapinto komplett in die Hose. Der Argentinier, an diesem Wochenende nicht auf der Höhe von Gasly, verbremste sich derartig, dass er nicht nur seinen Teamkollegen, sondern gleich auch noch Lando Norris aus dem Rennen kegelte.

Norris war verständlicherweise sauer, auch wenn die Pace der McLaren an diesem Wochenende trotz (oder vielleicht auch wegen) eines enormen Chassis-Updates einfach nicht da war. Bei Alpine brannte allerdings der Baum. Dass Colapinto mal einen Fehler macht – ok. Aber den auf P7 liegenden Teamkollegen aus dem Rennen zu nehmen und das in einem sehr engen WM-Kampf mit RB, die den Platz am Ende mit Lindblad erobern konnten, ist halt schlecht. Es dürften harte und laute Worte gefallen sein. Zudem muss Colapinto in Sepang fünf Plätze weiter hinten starten.

Lindblad hatte sich beim Restart aber auch nicht mit Ruhm bekleckert, weil auch er seinen Teamkollegen abschoss. Lawson hatte vor ihm gelegen und Lindblad hatte wohl eine Lücke gesehen, die einfach nicht da war. Lawson war verständlicherweise sauer, merkte aber auch an, dass er kaum gegen seinen Teamkollegen Protest einlegen konnte. Lindblad entschuldigte sich zwar vor laufender Kamera, aber das half Lawson dann auch nicht mehr. RB dürfte sich über den siebten Platz gefreut haben, allerdings hat man durch die Kollision auch Punkte verloren, weil Lawson aus den Top 10 flog.

Begünstigte des ganzen Chaos waren die beiden Haas. Die waren in Baku eigentlich auch fernab der Punkte, aber profitierten vom Ausfall beider Alpine, beider McLaren und der Kollision bei RB. Ocon lag dabei knapp vor seinem Bearman, was das Wochenende gut zusammenfasst. Sicher scheint aber auch zu sein, dass Ocon nächstes Jahr nicht mehr Haas fahren wird. Er bezeichnete sich als “free Agent”. Ich wüsste aber nicht, bei welchem Team der als schwierig geltende Franzose unterkommen sollte. Es gibt Gerüchte, dass es in Richtung WEC für ihn geht.

Den letzten Punkt holte Carlos Sainz. Williams hatte in Baku endlich das große Update gebracht und das zahlte sich aus. Dabei hat man von außen gar nicht so viel verändert, aber man hat ein neues Chassis, das wohl satte 20 Kilo leichter sein soll. Man sah den Williams aber an, dass er einen guten Sprung nach vorn gemacht hat. Das Auto wirkte weniger träge, agiler und stabiler. Das erfolgreiche Update war ein wichtiger Schritt für Williams, nachdem die Entwicklung des diesjährigen Autos so schiefgelaufen ist.

Und McLaren? Die hat ein Rennen zum Vergessen. Piastri kam mit dem runderneuerten Auto in Baku besser zurecht als Norris und lag im Rennen auch lange auf Podiumskurs, während sich Norris mit Hamilton herumschlug. Aber beide beendeten ihre Rennen mit einem Bremsfehler in T1. Norris fiel deswegen zurück und lag auch aus diesem Grund dann in der Gruppe, in der Zielscheibe von Colapinto wurde. Piastri verbremste sich ebenfalls in T1 und musste dann das gesamte Feld passieren lassen. Mehr als P13 kam dann nicht raus.

Man würde ja schon gerne wissen, was bei Aston los ist. Alonso merkte an, dass man allein auf der Geraden etwas mehr als eine Sekunde verlieren würde. Und sicher ist der Honda-Motor weiterhin eine Katastrophe. Aber schaut man in den ersten Sektor, verlor Aston auch da, und das ist kein Motoren-Sektor. Insgesamt summierte sich der Verlust im Renntrimm auf rund 3 Sekunden gegenüber den Alpine. Was auch dem entspricht, was man in der Quali sehen konnte. Mag sein, dass Monza und Baku nicht die Strecken sind, die dem Honda-Motor liegen, und man deswegen langsam ist. Aber das Problem ist ja auch, dass man nicht mal ins Ziel kommt.

Nächste Woche geht es weiter mit demBahrain-GP in Sepang. Die Strecke ist zwar nicht gerade dafür bekannt, dass man hier gut überholen kann, dafür aber für ein schwer vorherzusehendes Wetter.

Bilder: Pirelli

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