Der September hat in den europäischen GT3-Sprintserien die endgültige Schlussphase der Saison eingeläutet. Während das GT Masters ihr zweites Wochenende außerhalb des DTM-Umfelds abhielt, ging es für die DTM in ihr vorletztes Saisonwochenende. Pünktlich zum Erscheinen dieser Ausgabe können wir nun auch den Punktestand für das Saisonfinale offiziell aufdröseln!
ADAC GT Masters am Salzburgring
Das Wochenende wurde auch dieses Jahr innerhalb des ADAC Racing Weekend abgehalten, womit das ADAC GT Masters das Flaggschiff des Wochenendes auf dem altehrwürdigen Salzburgring war. Im Vergleich zum letzten Jahr konnte der Hype der GT-Masters-Rennen in Österreich leider nicht gehalten werden, als es einige Gaststarter gab. Nachdem HRT zuvor von drei auf zwei Wagen reduziert hat, fiel auch der geplante Gaststart von Grasser Racing aus, was mit den heftigen Unfallschäden aus der DTM-Saison nach den Unfällen von Max Paul am Norisring und seinem Ersatzfahrer Christian Engelhart am Nürburgring zusammenhing. Der Zweikampf zwischen dem Lamborghini-Duo Zulauf/Hirsiger und dem BMW-Duo Zimmermann/Fourie sollte in die nächste Runde gehen. Beide Läufe wurden im Endurance-Format mit zwei Stopps über 80 Minuten ausgetragen.
Nachdem Finn Zulauf zunächst die Pole bei regennasser Fahrbahn für Rennen 1 rausfuhr, musste der Engstler Lamborghini mit technischen Problemen aus dem Grid geschoben werden, was somit kampflos die zwischenzeitliche Tabellenführung für FK Performance bedeuten sollte, auch wenn die vier BMW mit den Plätzen sieben sowie elf bis 13 unter ferner liefen in der Qualifikation landeten. Im Laufe des Rennens sollten Hirsiger/Zulauf jedoch verspätet ins Rennen gehen, da bei 13 Startern und einzelnen Ausfällen Punkte garantiert waren.
In der Startrunde folgte eine Kollision zwischen dem Razoon Porsche von Pavel Lefterov und dem Comtoyou Aston Martin von Romain Detout, womit es mit Razoon schon den ersten Ausfall gab, der im Nachhinein
Engstler Motorsport für die Meisterschaft helfen könnte. Das Schwesterauto mit Leo Pichler konnte die Führung bis zum ersten Stoppfenster vor Simon Connor Primm im starken Audi R8 von Seyffarth Motorsport sowie Emil Gjerdrum im ersten Haupt Mustang halten. Unverändert ging es für die drei mit Collin Jamie Bönighausen, Robin Rogalski und dem Neuling Fabian Dybionka, der Max Reis aus Budgetgründen ersetzte, in den zweiten Stint. Der Großteil des Feldes verwendete den ersten Stopp nur zum Tanken, nicht jedoch zum Reifenwechsel, womit der erste Stopp für den Großteil des Feldes 20 Sekunden kürzer ausfiel. Somit entstand der Langstreckencharakter des 80 Minuten Rennens. FK Performance mit Tim Zimmermann machte hingegen mit dem Reifenwechsel den Full Service und hoffte damit auf einen strategischen Vorteil für das Ende des Rennens.
Bönighausen im Porsche setzte sich in der Folge etwas ab, dahinter blieben die Verfolger vom zweiten bis fünften Platz dicht zusammen. Fabian Dybionka als Umsteiger aus der Porsche Sportscup Szene hatte ein starkes GT3-Debüt und kam schnell an Robin Rogalski im Audi vorbei und konnte zunächst auch seinen Teamkollegen Kiano Blum hinter sich halten. Abseits der Kameras konnte Tim Zimmermann innerhalb des 20 Sekunden Fensters der längeren Stopps dranbleiben, womit die engen Zweikämpfe um die Spitzenpositionen sowie die frischen Reifen auf dem BMW M4 geholfen haben. Somit übernahm nach dem zweiten Stopp Leyton Fourie die Führung vor den beiden Haupt Mustangs, die durch einen schnellen Stopp ebenfalls am Razoon Porsche von Leo Pichler vorbeikamen, nachdem dieser die Schikane nach dem Stopp in Folge einer Berührung abkürzen musste.
Mit knappen Abständen, aber ohne weitere Positionsveränderungen ging es dann auch ins Ziel, was am Samstag ein 25 zu 4 für FK Performance gegenüber Engstler Motorsport nach Punkten bedeutete, auch wenn Zulauf/Hirsiger noch gewertet wurden.
Für Rennen 2 schlug Felix Hirsiger mit einer Pole zurück, was ihn wiederum drei Punkte aufholen ließ. Dahinter waren es mit den beiden Mustang von Blum und Dybionka sowie dem Razoon Porsche von Bönighausen die gleichen Leistungsträger des Samstags. Erneut kam die Qualifikationsschwäche des M4 zum Tragen und Tim Zimmermann qualifizierte sich nun auf der siebten Position.
Doch auch dieses Mal sollte das Unheil für die Engstler-Truppe nicht lange auf sich warten lassen! Wegen Verstößen gegen die Parc Fermé Regeln nach der Qualifikation wurden alle Zeiten gecancelt, was den letzten Startplatz bedeutete. Wann hast du mal zwei Poles an einem GT-Masters-Wochenende? Und dann musst du einmal verspätet und einmal von hinten starten! Damit schien das Wochenende am Salzburgring zu
einem schwarzen Wochenende für die Allgäuer zu werden, doch dieses Mal sollten sie zeigen, was im Lamborghini Huracan und in der Fahrerbesatzung drinsteckt!
Der Haupt Mustang von Fabian Dybionka fiel in den Startrunden durch eine Penalty Lap zurück, während sein Teamkollege Kiano Blum vor Bönighausen und den beiden FK Performance BMW von Storm Gjerdrum und Tim Zimmermann anführte. Bereits vor den ersten Stopps tauchte bereits Felix Hirsiger direkt hinter dem Pulk auf, der wie schon am Samstag eng zusammenblieb. Unerwartet: Noch vor den Stopps kam er bis auf die vierte Position und brachte sich damit vor die Titelkontrahenten. Der Titelkampf, der sich im Grunde die gesamte Saison auf diese beiden Teams bezieht, ist dieses Jahr ein pures Auf und Ab!
Beide Titelkontrahenten wählten dieses Mal die identische Strategie des langen Stopps zu Beginn mit Reifenwechseln, während die Track Position zunächst an die beiden Porsche von Razoon ging. Ihnen spielte in die Karten, dass Niklas Kalus im Ford einen Resett vornehmen musste und damit weit nach hinten fiel, während u.a. Juliano Holzem und Jamie Day um die dritte Position kämpften. Dadurch blieb der Abstand auf die bereinigte Spitze bei etwa 20 Sekunden, was auf eine gute Position hoffen ließ. Den Ton gab jedoch klar der Lamborghini an, während Leyton Fourie zunehmend zurückfiel. Finn Zulauf übernahm noch vor dem zweiten Stopp gegen Pavel Lefterov die dritte Position, während Fourie einige Plätze dahinter lag.
Wie erwartet ging Hirsiger dann nach dem Stoppreigen in Führung, wohlgemerkt vom letzten Platz startend! Zu ihrer Belohnung waren auch noch einige Wagen
dahinter, so der Razoon Porsche von Bönighausen und der Comtoyou Aston Martin, der am Nürburgring einen Lauf gewinnen konnte. Nachdem sich vorne nichts mehr änderte und die Positionen bezogen waren, kam rettete Tim Zimmermann durch eine Teamorder noch den vierten Platz.
Das heißt nun für das Finale in Hockenheim: Fourie/Zimmermann 184 Punkte; Hirsiger/Zulauf 179 Punkte. Rein theoretische Chancen hätten noch Blum/Kalus, was jedoch bei garantierten Punkten angesichts des kleinen Starterfelds sehr unwahrscheinlich ist. So spannend war es seit der Neuformierung der Rennserie nicht mehr! In der Road-to-DTM-Wertung kämpfen Fourie und Zimmermann gleichermaßen um die finanzielle Förderung für ein Rookiejahr in der DTM.
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DTM am Sachsenring
Nachdem am Sachsenring unter Vorbehalt des abschließenden Berufungsverfahrens gegen das Ergebnis aus Oschersleben immer noch nicht feststand, ging es in das vorletzte Wochenende der Saison. Durch den Gaststart von Simon Connor Primm für Seyffarth Motorsport war damit nicht nur ein zweiter Lokalmatador neben dem Rückkehrer Maximilian Paul am Start, sondern erstmals in der Saison ein Audi R8 im nun 22 Auto starken Feld.
In der Qualifikation für Rennen 1 ging es für Lucas Auer da weiter, wo es am Nürburgring aufgehört hat: Mit einem Aufhängungsbruch schied er aus und musste damit vom letzten Platz ins Rennen gehen. Marco Wittmann konnte hingegen seinen Höhenflug fortsetzen und fuhr die Pole für das erste Rennen ein mit der
Gewissheit, die 20 Kilo Erfolgsballast für das Rennen mitnehmen zu müssen.
Wittmann gewann den Start vor Jules Gounon, der zumindest in den Qualifyings oft auf Niveau seiner Markenkollegen ist, sowie Kelvin van der Linde. In der Omega-Passage landete der Land Porsche von Bastian Buus im Kies, nachdem dieser von einem der Abt Lamborghinis umgedreht wurde, was zu einem ersten Safety-Car führte. Verlierer des Starts war Thomas Preining, der auf die vierte Position abrutschte. Trotz 20 Kilo Ballast führte Marco Wittmannn auch nach dem Restart das Feld souverän an und konnte sich gemeinsam mit Jules Gounon vom Feld mehrere Sekunden absetzen.
Dieses Mal wurde der Overcut zur beliebtesten Strategie. Gounon kam eine Runde später rein und übernahm die Führung vor Wittmann, während dahinter Preining und van der Linde ebenfalls die Plätze tauschten. Doch Wittmann konnte in der zweiten Runde wieder vorbeigehen, womöglich im letzten entscheidenden Moment, bevor die Reifen auf identischen Betriebstemperaturen gewesen wären. Die Top3 blieben daraufhin eng zusammen, während Van der Linde das Tempo nicht mitgehen konnte und sich erneut eine große Lücke, dieses Mal von rund zehn Sekunden bildete.
Marco Wittmann gewann damit sein zweites Rennen in Folge und ist damit mittendrin im Titelkampf, während Thomas Preining erneut aufs Podium fuhr und Maro Engel mit dem fünften Rang
Schadensbegrenzung betrieb. Für Lucas Auer schien der Titelkampf nach diesem Rennen gelaufen zu sein.
Nun zum Sonntag: Maro Engel fuhr die Pole für das zweite Rennen auf regennasser Fahrbahn heraus. Insgesamt waren mit Feller, Gounon, Buus und Preining die Porsche und Mercedes geschlossen in den ersten drei Startreihen. Nur Ben Dörr im McLaren tanzte hier etwas aus der Reihe und sollte die Hauptrolle für das Rennen spielen.
Nachdem die Strecke bis zum Rennen weitgehend abtrocknete, aber eben nicht vollständig, stand für die Teams eine schwierige Entscheidung bzgl. Slicks oder Regenreifen ins Haus. Aus der Spitzengruppe setzte
nur Bastian Buus für den Start auf die Regenreifen und zog in den Startrunden erstmal weg. Er hoffte, dass die Reifen bis zur frühen Öffnung des ersten Stoppfensters halten würden. Doch schon nach den ersten Rennrunden war der „Point of return“ schnell erreicht und die Slicks wurden zum Vorteil, weshalb vom Land Porsche bald nicht mehr viel zu sehen war. Ein Szenario mit jeder menge Überholmanövern, vor allem im Bereich Omega mit der Ausnutzung der trockenen Fahrspuren.
Der Mann des Rennens wurde eindeutig Ben Dörr im McLaren, die offenbar eines der offensivsten Regen-Setups aller Teams wählten. Nach dem ersten Stopp konnte er auf den Rest um Thomas Preining, Matteo Cairoli und Ricardo Feller über zehn Sekunden an Vorsprung rausfahren, womit es klar nach dem ersten Sieg
aus eigener Kraft aussah, nachdem er am Lausitzring von einer Disqualifikation profitierte. Doch wie üblich bei Dörr Motorsport: Geschenkt wird ihnen nichts und es kam, wie es bei einem großen Vorsprung kommen musste: Das Safety-Car musste nach einem Verbremser von Nicky Thiim, der in den Mercedes von Jules Gounon aus der Pitlane rauskommend reinrauschte. Für Thiim war es damit ein ähnliches Wochenende wie für Lucas Auer, was mutmaßlich das Ende der Titelhoffnungen bedeutete.
Dörr musste umso mehr um den Sieg bangen, da seine Slicks mit Abstand die ältesten im Vergleich zu den Verfolgern waren. Doch ein schwacher Restart von Thomas Preining und eine weitere Safety-Car-Phase sicherten den Sieg vorerst wieder ab. Maro Engel verschätzte sich und schob Kelvin van der Linde ins
Kiesbett, ebenfalls in Turn 1. Engel fiel damit nach einer Strafe noch aus den Punkten. Für beide Mercedes-Piloten, deren Titel durchaus überfällig wäre, ein herber Rückschlag!
Nach dem zweiten Restart passierte in der einen Rennrunde nichts mehr, womit es der erste McLaren-Sieg aus eigener Kraft mit einem richtigen Zieleinlauf vor den beiden Manthey Porsche wurde. Der Gewinner des Wochenendes ist zweifelsohne Thomas Preining, der eine schier unglaubliche Serie von sechs Podien in Folge fortsetzen konnte! Seine letzten Platzierungen: 1-2-2-3-3-2 bringen ihm damit 197 Punkte. Eine erstaunliche Serie und einem Championat, was bekanntlich nicht nur mit BOP agiert, sondern eben auch mit Erfolgsballast für die Top3. Maro Engel durfte seinen Sieg aus Oschersleben behalten und dennoch sind es nun 23 Punkte Rückstand, während Marco Wittmann 24 Punkte fehlen. Die letzten Jahre haben außerdem gezeigt: Hockenheim kann der Porsche sehr
gut, weshalb es nun klar nach dem zweiten Titel für Thomas Preining aussieht. Das Finale folgt dann wie auch beim ADAC GT Masters vom 9. bis 11. Oktober im Badischen!
Im nächsten GT3-Report soll es dann um die GT World Challenge aus Zandvoort mit ihrem vorletzten Wochenende im Sprintcup sowie um den NLS Double Header gehen.
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2614,2617,3557,3767)
