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GT3-Report: GT World Challenge – Vorschau 24 Stunden von Spa

von Nils Otterbein
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Natürlich lohnt sich auch in diesem Jahr ein Blick auf das größte GT3-Rennen der Welt! Die Starterzahlen von etwa 70 GT3-Wagen haben sich mittlerweile beim letzten großen 24 Stunden Rennens des Jahres etabliert, woran auch eine Terminüberschneidung nichts ändert.  

Im inzwischen sehr dicht gestaffelten GT- und Langstreckenkalender ist es üblich, dass es von Jahr zu Jahr Gewinner und Verlierer von Terminüberschneidungen gibt. Im letzten Jahr war es das 24 Stunden Rennen am Nürburgring, was im „Sandwich“ zwischen Le Mans und Spa stattgefunden hat und obendrein parallel zum 6 Stunden Rennen der IMSA in Watkins Glen stattfand, womit das GT3-Feld etwas mauer als üblich ausfiel. Im Hinblick auf die 24 Stunden von Spa wird der Effekt erst beim zweiten Hinsehen deutlich. Dieses Jahr ist es nämlich der Langstreckenklassiker in Belgien, bei dem einige Werksfahrer, mitunter ehemalige Gesamtsieger nicht teilnehmen können, weil ihr Arbeitspapier einen Start in Watkins Glen verlangt. Auf die Pro-Klasse hat es durchaus einen kleinen Einfluss, da nennenswerte Gaststarter außerhalb des GT World Challenge Endurance Cups zuweilen fehlen, nicht aber auf die massive Quantität des zehn Hersteller umfassenden Starterfelds mit 69 Fahrzeugen.

Porsche

Wie schon beim 24 Stunden am Nürburgring drückt sich eine zahlenmäßige Überlegenheit von Porsche aus. Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Hersteller zuletzt 16 Autos in Spa am Start hatte. Der Hauptfokus um den Gesamtsieg liegt auf drei Autos im Pro Cup. Einerseits Boutsen VDS, die mit Morris Schuring, Dorian Boccolacci und Alessio Picariello eines der wenigen Pro-Teams waren, die beim chaotischen Rennen in Monza mit dem vierten Gesamtrang ein gutes Ergebnis einfahren konnten. Die fahrerische Speerspitze bringt Lionspeed GP mit Bastian Buus, Thomas Preining und Ricardo Feller an den Start. Bereits der unauffällige, aber respektable sechste Gesamtrang beim 24h Rennen am Nürburgring hat die Endurance-Qualitäten des Teams aufgezeigt. Hinzu kommt mit Schumacher CLRT ein Gaststarter, die 2025 noch die gesamte Saison im Endurance Cup fuhren. Jenes Team, was für die große Schrecksekunde des letzten Jahres sorgte, als Laurin Heinrich nach der Blanchimont-Passage einem langsam fahrenden McLaren ins Heck knallte. Dieses Jahr treten sie mit Frederic Macowiecki, Ayhancan Güven und Matt Campbell an.

Die IMSA-Überschneidung führt dazu, dass vom großen Porsche-Werksaufgebot einige Fahrer nicht zur Verfügung stehen, wie Laurin Heinrich, Laurens Vanthoor, Kevin Estre, Julien Andlauer, Nick Tandy, Harry King, Klaus Bachler, Loek Hartog, Callum Ilott, Ricardo Pera und Richard Lietz. Es sind alles Fahrer, die für weitere Porsche-Kunden im Gold-, Silber-, Bronze und Pro-Am-Cup eine Rolle hätten spielen können. Die weiteren Teilnehmer außerhalb der Pro-Klasse sind die üblichen Teams aus der GTWC mit Car Collection, Pure Rxcing, Dinamic GT, Herberth Motorsport, Ziggo Sport Tempesta Racing, Rutronik, Mühlner Motorsport und Razoon more than racing. Neu dabei ist High Class Racing, die nach ihrem 24h Nürburgring Debüt nun auch Spa mit ihrem neuen GT3-Programm in Angriff nehmen. Era Motorsport hatte den Start kurzfristig zurückgezogen.

BMW

Wie auch Porsche muss BMW mit einem Aderlass an Ingenieuren, Mechanikern und Werksfahrern auskommen. Dries Vanthoor, Sheldon van der Linde, Phillip Eng (dreifacher Sieger des 24h Rennens von Spa!), Marco Wittmann, Neil Verhagen und Connor de Phillipi sind allesamt verhindert. Dennoch vernachlässigt vor allem WRT das Heimrennen nicht und setzen drei BMW M4 Evo ein, davon zwei in der Pro-Klasse mit Kelvin van der Linde, Jordan Pepper und Charles Weerts sowie Dan Harper, Max Hesse und Valentino Rossi. Für den Multi-Motorrad-Weltmeister müsste es bereits der fünfte Start hintereinander beim 24h in Spa sein, nachdem er 2022 mit WRT und Audi sein Debüt gefeiert hat. Neben WRT setzt auch Rowe Racing zwei topbesetzte Autos ein, die #98 mit Augusto Farfus, Jake Dennis und Raffaele Marciello, während die #998 zwar nur im Gold Cup genannt ist, aber mit De Wilde, Tramnitz und Klingmann nur marginal langsamer sein sollte. Womöglich ist es das beste Trio außerhalb des reinen Pro Cups.

Die weiteren Teams sind aus der GTWC bestens bekannt mit Paradine Competition und Century Motorsport, womit BMW auf acht Fahrzeuge im Feld kommt. Mit 25 Siegen sind die Münchner unangefochten die Nummer 1 unter den siegreichen Herstellern des 24 Stunden Rennens in Spa, davon natürlich die unzähligen Siege zu Zeiten des Tourenwagen-Reglements der 70er und 80er Jahre. Doch selbst in der GT3-Ära konnten sie mit 2015 (Z4), 2016, 2018 (je M6) und 2023 (M4) viermal gewinnen.

 

Mercedes

Nach 2022, damals noch unter dem heutigen Lexus-Einsatzteam Akkodis ASP, möchte Mercedes wie schon am Nürburgring die sieglose Serie beenden. Wie Porsche schicken sie drei unterschiedliche Teams in den Reigen der Pro-Nennungen. Für Lucas Auer, Maro Engel und Luca Stolz verlief die Saison bisher mit zwei zweiten Plätzen wie geschmiert. Sollten sie nach sechs und zwölf Stunden einige wichtige Teilpunkte für die Meisterschaft ergattern, könnten sie bereits einen großen Schritt in Richtung GTWC-Titel im Mann-Filter AMG, unter Einsatz von Winward Racing unternehmen. Doch auch die anderen Pro-Besatzungen mit Juncadella, Lulham, Gounon für Verstappen Racing und von Getspeed mit Maximilian Götz, Fabian Schiller und Maxime Martin, dessen Vater viermal die 24h gewinnen konnte, sind auf ähnlichem Niveau einzuschätzen. Wie so oft wird beim AMG die Zuverlässigkeit das Zünglein an der Wage sein, vor allem im Bereich der Antriebswellen und Aufhängungen.

Insgesamt ist Mercedes mit elf AMG am zweitmeisten nach Porsche vertreten. Getspeed setzt mit dem Sponsoring der jeweiligen Gentleman-Driver ganze vier Autos ein, während auch Winward Racing und 2Seas Motorsport zwei AMG einsetzen. Etwas überraschend ist das Team Motopark aus Oschersleben genannt, die sich in den letzten Jahren weitgehend auf die GT Open und teilweise 24 Hours Creventic Serie konzentiert haben. Dazu ist ein mexikanisches Team im Pro-Am Cup mit Grupo Prom Racing genannt, u.a. mit Adam Christodoulou.

Audi

Kaum zu glauben, aber wahr, dass nach dem Sieg beim Chaosrennen in Monza, ein Audi auf dem dritten Rang der Gesamtwertung liegt. Doch trotz dessen, dass keine Werksfahrer mehr unter Vertrag stehen, konnte Eastalent Racing ein Auto für die gesamte Saison im Pro Cup nennen – und über reichlich 24 Stunden Erfahrung verfügt das Team aus Österreich mittlerweile. Mit Simon Reicher, Christopher Haase und Markus Winkelhock hat man zwei Gesamtsieger des Rennens am Start. Winkelhock gehört nach seinen Gesamtsiegen 2014 mit WRT und 2017 mit Sainteloc Racing neben René Rast, Bernd Schneider, Timo Scheider, Alexander Burgstaller, Altfried Heger, Armin Hahne und Helmut Kelleners zu jenen deutschen zweifachen Siegern dieses Rennens. Mehr haben aus Deutschland nur Hans Heyer und Michael Bartels (jeweils drei).

Hinzu kommt noch das übliche große Aufgebot von Attempto Racing mit drei R8 sowie Haas RT und Sainteloc mit je einem eingesetzten Auto, womit immerhin noch sechs Audi im Feld unterwegs sind.

Lamborghini

Nach dem großen Erfolg des letzten Jahres ist bei den Lamborghini-Teams nach dem Wechsel auf den Temerario immer noch Krisenstimmung angesagt. Obwohl das Auto im DTM-Sprintformat dank einiger Weiterentwicklungen gut läuft, wird es wohl für Rutronik Racing (Engstler/Mapelli/Niederhauser) und Grasser Racing (Perera/Paul/Bortolotti) als den einzigen beiden Einsatzteams nur darum gehen, möglichst viele Kilometer zu sammeln. Die Wettervorhersage mit einem der heißesten Rennen aller Zeiten wird der Zuverlässigkeit nicht gerade zuträglich sein. Eine Zielankunft ohne längere Reparaturen wäre wohl bereits als Erfolg zu werten, zumal die Entwicklungen außerhalb des DTM-Umfelds bisher nicht im großen Umfang zugelassen wurden.

Aston Martin

Nicht nur 2025 mit Lamborghini, auch 2024 gab es mit dem Aston Martin von Comtoyou Racing einen Sieger, den nicht viele auf dem Zettel hatten. Das damalige Siegertrio ist mit Mattia Drudi, Nicki Thiim und Marco Sörensen bis heute unverändert geblieben und der Sieg beim Saisonstart in Le Castellet hat gezeigt, dass sie erneut zu den Favoriten zählen. Zudem scheint der Aston Martin bei hohen Temperaturen besonders gut zu funktionieren, was für das Wochenende angesagt ist. Neben Comtoyou kommt das zweite Pro-Auto selbstverständlich von Walkenhorst Motorsport, die jedoch neben Christian Krognes mit Jamie Day und Henrique Chaves nicht ganz das Niveau der restlichen Pro-Teams haben.

Insgesamt kommen von Comtoyou Racing vier Autos, von Walkenhorst zwei und noch ein Vantage von Ecurie Ecosse. Fahrerisch am interessantesten ist die #400 in der Pro-Am-Klasse von Comtoyou Racing besetzt mit DTM-Fahrer Nicolas Baert und der früheren WEC-Klassensiegerin Sarah Bovy.

Ferrari

Bei den Teamzusammenstellungen von Ferrari hatte ich schon in der Saisonvorschau darauf hingewiesen, dass sie an der Spitze nicht ganz das Niveau der anderen Hersteller haben. Der Saisonverlauf von Ferrari widerspiegelt genau diesen Eindruck wieder, indem kein Ferrari in den Top10 der Endurance Cups steht. Beide Pro-Autos von AF Corse haben in der #50 mit Wadoux/Leclerc/Gelael und in der #51 mit Rovera/Nielsen/Mosca in Summe zu viele Schwachstellen, um mit den etablierten Pro-Trios über lange Distanzen ohne Rennneutralisationen mithalten zu können. Gerade beim 24 Stunden Rennen in Spa entstehen so schnell Lücken, die man in Summe nicht mehr zufährt. Deswegen wäre der erste Ferrari-Sieg seit 2021 überraschend.

Nach WRT, Comtoyou und Getspeed zählt natürlich auch AF Corse mit vier Ferrari zu den Multicar-Teams dieses Rennens. Dazu kommen noch je ein Auto von Rinaldi Racing, Kessel Racing, Selected Car Racing und JMW Motorsport.

McLaren

Auf einer Stufe mit BMW und Ferrari ist zahlenmäßig in diesem Jahr McLaren, die acht Fahrzeuge an den Start bringen. Üblicherweise werden nicht nur die Pro-Teams von McLaren eine Rolle spielen, sondern auch jene aus dem Gold Cup sind je nach Rennverlauf immer wieder vorne zu finden. Deswegen wäre es vermessen, nur das einzige Pro-Trio mit Joseph Loake, Dean Macdonald, Marvin Kirchhöfer für Garage59 zu nennen. Auch Fleming/Prette/B. Goethe im Schwesterauto könnten bei einem zerfahrenen Rennverlauf weit vorne landen.

Neben den beiden Garage59 werden die weiteren Klassen von CSA Racing und Optimum Motorsport mit je zwei McLaren eingesetzt sowie dem Team RJN und Greytstone GT mit je einem Wagen.

Ford

Mit sechs Siegen ist Ford der vierterfolgreichste Hersteller nach BMW, Porsche und Alfa Romeo in der langen Geschichte dieses Rennens. Alle stammen aus den 70ern und 80ern, vor allem zu Zeiten des Tourenwagenreglements.

Haupt Racing geht nun in die zweite Saison, nachdem ja in der GT World Challenge noch das erste Jahr 2024 mit Proton Competition absolviert wurde. Im Pro Cup sind Arjun Maini und Thomas Drouet neben Fabio Scherer am Start, der sein Debüt bei diesem Rennen gibt. In der #65 im Silver Cup gibt u.a. GT Masters Pilot Max Reis sein 24h Debüt.

Corvette

Der einzige Hersteller ohne Pro-Besatzung ist auch in diesem Jahr Corvette, dafür immerhin mit zwei Corvette Z06. Neben dem Stammteilnehmer mit Steller Motorsport ist in der Pro-Am-Klasse Johor Motorsports Racing JMR mit u.a. Ben Green am Start.

 

Mit drei Mercedes, drei bis vier BMW, drei Porsche, einem Aston Martin und einem McLaren gehören also mutmaßlich zehn bis elf Autos zu den Gesamtsiegfavoriten, auch wenn es 18 Pro-Teams sind. Der Rennverlauf könnte zu zerfahrenen Phasen mit viel Safety-Car führen. Einerseits aufgrund des vollen Felds, andererseits aufgrund der großen Hitzebelastung fürs Material und nicht zuletzt wegen möglichen Gewittern, die Spa eventuell in der Startphase des Samstags und in der Schlussphase des Sonntags heimsuchen könnten. Je zerfahrener, desto mehr könnten im Rennverlauf nach vorne gespült werden und desto eher kann ein langsamerer Fahrer kompensiert werden.

TV und Streaming

Wie üblich setzt die SRO auf das Maximum an frei empfangbaren Möglichkeiten. YouTube ist das Lieblingsportal der Rennserie, wo sich auf dem Kanal „GT World“ wieder jede menge Livestreams finden lassen, inklusive des Rahmenprogramms. Den deutschen Livestreams kommentieren dieses Jahr Wolfgang Drabiniok, Sebastian Wauer, Luis Dolle und erstmals Jan Schmitz.

Wer es linear möchte, wird auch wieder bei Sky fündig. Nach der Aufzeichnung der Superpole am Freitagabend wird das komplette Rennen auf dem temporär genutzten Kanal Sky Sport 1 gezeigt. Weitere Sendestunden kommen auch bei Sky Sport Top Event und Sky Sport F1.

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=249)

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