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GT3-Report: GT World Challenge – Analyse 24 Stunden von Spa

von Nils Otterbein
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Mal wieder hat das größte GT3-Rennen des Jahres nicht enttäuscht und gezeigt, dass es sich gegenüber den noch populäreren Langstreckenklassikern nicht verstecken muss. Und mal wieder hat das Rennen einen Sieger hervorgebracht, den wohl eher wenige auf dem Zettel hatten!

Das veränderte Qualifying-Format mit einer Superpole aus 32 Teilnehmern und insgesamt vier Segmenten war von Anfang an klar für die Autos des Pro-Cups zugeschnitten, um nicht wie z.B. 2023 einen immens schlechten Startplatz in diesem riesigen GT3-Feld zu bekommen. Als Favorit ging nach den beiden Trainingstagen Ferrari ins Rennen, da sie sich mit beiden AF Corse Ferrari aus der Pro-Klasse in den ersten beiden Startreihen qualifizieren konnten. Für mich war die Ausgangslage etwas überraschend, da Ferrari bei den bisherigen Rennen sehr enttäuscht hatte und man bei beiden Fahrzeugen keine reine Platin-Besatzung am Start hatte. Doch auch im Rennen sollten sie erstaunlich gut mithalten. Die ärgsten Konkurrenten sollten nach der Papierform die McLaren und Mercedes AMG werden, während Porsche und BMW zunächst in einer Außenseiterrolle waren.

Erste Rennhälfte

Wie so oft haben die modernen Langstreckenrennen den Charakter, dass die ersten Stunden bis in die Nacht einen eher zerfahrenen Charakter mit einigen Unfällen, Neutralisationen und damit verschiedenen Führungswechseln haben, bevor die Schlussstunden des Sonntags eher ruhig Ablaufen und erst hier die wahre Pace zum Vorschein kommt. So ähnlich könnte man auch die 24 Stunden von Spa 2026 zusammenfassen.

Bereits in der ersten Rennrunde gab es nach dem Bereich Pouhon die ersten Ausfälle vom Attempto Audi #66 sowie dem Paradine Competition BMW #992 in Folge einer Kollision, in die auch einer der Walkenhorst Aston Martin beteiligt war. So ähnlich ging das Rennen bis in die Nachtstunden weiter. Mehrere Stints unter grüner Flagge, in denen man mehr über die wahre Pace hätte rausfinden können, waren zunächst Fehlanzeige. In den Startstunden bildete sich jedoch eine Dreiergruppe, bestehend aus dem AF Corse Ferrari #51, dem Garage59 McLaren #58 aus dem Gold Cup sowie dem „dänischen Ferrari“ #71 von Selected Car Racing, ebenfalls aus dem Gold Cup. Spätestens hier wurde die Favoritenstellung der Ferrari zementiert, da in der #51 auch Tommaso Mosca mit seinen Platin-Teamkollegen Nicklas Nielsen und Alessio Rovera mithalten konnte und die Führung permanent innehielt. In Lauerstellung blieben die beiden Mercedes von Verstappen Racing sowie die „Mamba“ von Winward Racing, die zwischendurch auf eine andere Strategie gingen. BMW verlor mit dem WRT #32 einen ihrer Favoriten durch eine kurze Reparatur aus der Führungsrunde, was für die Pro-Fahrzeuge nur schwer aufzuholen war, da sie nicht am Pass-Around am Ende einer SC-Phase teilnehmen können, weil dieser nur den Klassen unterhalb des Pro-Cups vorbehalten war.

In den folgenden Stunden fielen beide Ferrari jedoch zurück. Die #71 von Selected Car Racing wegen einer Durchfahrtsstrafe, was in Spa aufgrund der ewiglangen Boxendurchfahrt durch die alte und neue Anlage eine drakonische Strafe ist. Die in den ersten Stunden bereinigt führende #51 von AF Corse erlitt einen Reifenschaden und musste die gesamten sieben Kilometer umrunden, was sie aus der Führungsrunde fielen ließ. Erst am Sonntagmorgen sollte dieses Auto wieder eine zentrale Rolle spielen! Damit ging rund um den Einbruch der Dunkelheit der Winward Mercedes #48 mit Engel/Auer/Stolz als Meisterschaftsführender des Endurance Cups in Führung und sollte diese bereinigt bis in die Morgenstunden nicht mehr abgeben. Als eines der schnellsten Autos im Feld kristallisierte sich in dieser Phase zunehmend der Lionspeed Porsche #80 heraus. Das DTM-Porsche-Trio mit Preining/Feller/Buus musste aufgrund eines Motorwechsels aus der Box starten und startete eine historische Aufholjagd, die zeigte: Auch wenn in den ersten Stunden kein Porsche im absoluten Spitzenfeld unterwegs war, sollte deren Pace mindestens auf Augenhöhe mit Ferrari und Mercedes gewesen sein.

Durch einen strategischen Kniff, indem er einmal den obligatorischen Stopp in einer Full-Course-Yellow ausließ, ging Anfangs der Nachtstunden der Haupt Racing Mustang #64 vor dem Winward Mercedes in Führung, was dann jedoch am Sonntagmorgen durch eine empfindliche Durchfahrtsstrafe erledigt hatte. Die erste Rennhälfte wurde mit der einzigen Regenphase gegen 4:30 Uhr abgeschlossen, die jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf das Rennen hatte, da der Platzregen nur sehr kurz anhielt, aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen schnell verdunstete und während einer bereits erfolgten Safety-Car-Phase Einzug hielt.

Zweite Rennhälfte und Entscheidung

Neben der bereits erwähnten Drive Through gegen den gutplatzierten HRT-Mustang wurde die einstige Topgruppe um Gold-Cup McLaren von Garage59 weiterhin dezimiert, weil sich dieser durch einen Auffahrunfall am Ende der Nachtstunden den Kühler kaputtfuhr. Damit war klar, nachdem McLaren und Ford ihre Siegchancen verloren: Einen weiteren Debütsieger nach Lamborghini und Aston Martin in den letzten beiden Ausgaben der 24h von Spa sollte es dieses Jahr nicht geben. Der Zeitpunkt rund um den Sonnenaufgang sollte die Ausgangslage für die letzten Rennstunden vorzeichnen: Urplötzlich tauchte der einst führende AF Corse Ferrari #51 wieder ganz vorne auf und führte das Rennen nach 14, 15 Stunden sogar wieder an. Damit stand fest: Sollten sie den Speed der Startphase und den vorherigen Trainingstagen halten können, war damit der mutmaßliche Favorit wieder vorne zu finden. Auch das Schwesterauto #50 mit u.a. Arthur Leclerc konnte die etwas langsameren Sean Gelael und Lilou Wadoux als Gold- bzw. Silberpiloten gut kompensieren, wodurch gleich zwei Ferrari in der Spitzengruppe waren. Die Spitzengruppe bestand nun aus: AF Corse Ferrari #51, Winward Mercedes #48, Lionspeed GP Porsche #80, WRT BMW #46, Schumacher CLRT Porsche #22, Boutsen VDS Porsche #2.

Etwas rausrechnen muss man den WRT BMW, da M4 allgemein über das Rennen nicht den Speed für ein Podest hatten, mutmaßlich konzeptionsbedingt aufgrund der massiven Hitze. Auch die Nachstunden brachten wenig, da diese zu großen Teilen unter langsamer Fahrt stattfanden. Beide Rowe BMW waren am Sonntagmorgen nicht mehr in der Führungsrunde, wobei es bis zum Rennende auch bleiben sollte.

Die vorletzte Neutralisation sollte etwa 7,5 Stunden vor Rennende erfolgen. Diese sollte für beide Ferrari ein kleiner Nachteil werden, da beide kurz zuvor an der Box waren und die restlichen Beteiligten der Spitzengruppe deutlich weniger Zeit beim Service verloren. Die anschließend längere Phase unter grüner Flagge ergab das Kräfteverhältnis, dass nun der Winward Mercedes #48, Lionspeed Porsche #80, AF Corse Ferrari #51 und Schumacher CLRT Porsche #22 um den Sieg fahren sollten. Die anderen Autos wurden klar distanziert. Tommaso Mosca ließ sich rund sechs Stunden vor Schluss gegen Luca Stolz Ende der Kemmel-Geraden zu einem Gewaltmanöver hinreißen, was einen erneuten Reifenschaden zur Folge hatte, womit der AF Corse Ferrari bei der In-Lap erneut Boden verlor, ohne jedoch unter einer längeren Reparatur leiden zu müssen.

Zum Mann des Rennens wurde in der Schlussphase eindeutig Thomas Preining im Lionspeed Porsche! Dieser konnte durch einen Undercut gegen die „Mamba“ die Führung erobern und fuhr einen erstaunlichen Vorsprung raus. Damit stand fest: Hier lag ein neuer Rekord in der Luft, da es von einem Startplatz jenseits der Top60 noch nie einen späteren Gesamtsieger gab. Thomas Preining konnte in seinem Stint rund 15 Sekunden Vorsprung auf die eng zusammenliegende Gruppe um Maro Engel, Nicklas Nielsen, Dorian Boccolacci und Matt Campbell herausfahren.

Rund vier Stunden vor Ende erfolgte die letzte Neutralisation durch einen Abflug des Mühlner Porsche in der Eau-Rouge. Am meisten half diese FCY und anschließende SC-Phase dem zuvor zurückgefallenen AF Corse Ferrari #51, der damit durch eine „genullte“ Strategie wieder Teil der Spitzengruppe war. Und erneut war es Thomas Preining, der unmittelbar nach dem Restart dem Feld davonzog, der damit den Lionspeed Porsche zum klaren Siegfavoriten machte. Im Grunde war es nach den ersten vier Rennstunden mit dem eben erwähnten Ferrari, der Winward-Mamba über weite Teile des Abends und der Nacht nun das dritte Auto im Rennen, dem man eine siegfähige Pace attestieren konnte. Zur Wahrheit gehört auch dazu: Ricardo Feller und Bastian Buus konnten die Pace ihres österreichischen Teamkollegen nur teilweise mitgehen. Sie lebten in der Schlussphase vom Vorsprung, den der 2023er DTM-Champion herausfahren konnte und konnten diesen in den langen Phasen ohne Neutralisation verwalten.

Der letzte große Aufreger war die markeninterne Kollision zwischen Ayhancan Güven im Schumacher CLRT Porsche und Morris Schuring im Boutsen VDS Porsche, dem ausgangs La Source der Frontsplitter abgefahren wurde, was für den Boutsen VDS Porsche ein Zeitverlust von rund 40 Sekunden bedeutete und er damit seine Podest Chancen verlor. Auch der Schumacher CLRT Porsche verlor noch das Podium, nachdem der AF Corse Ferrari rund um die letzte Rennstunde vorbeiging. Alessio Rovera erhöhte in der Schlussphase nochmals den Druck auf Lucas Auer, jedoch ohne die Chance auf einen nennenswerten Angriff.

Am Ende waren es 12 Sekunden Vorsprung für den Lionspeed Porsche, der damit ein absolut sauberes Rennen mit einer immensen Aufholjagd und einer bärenstarken Schlussphase krönte. Für das Team rund um Patrick Kolb, der im Schwesterauto Dritter im Bronze Cup wurde, ist es damit der größte Erfolg ihrer noch kurzen Teamgeschichte, nachdem sie bereits einen respektablen sechsten Platz beim 24 Stunden am Nürburgring holten. Für Porsche ist es der erste Sieg seit 2020.

Die weiteren Klassen

Die Spitze im Gold Cup wurde weitestgehend vom Rowe BMW #998 mit Ugo De Wilde, Tim Tramnitz und Jens Klingmann bestimmt, die sich permanent im Dunstkreis des Schwesterwagens #98 aus dem Pro Cup um den zehnten Gesamtrang aufhielten. Da dieses Trio je nach Rennverlauf selbst im Pro Cup gut hätte mithalten können, ein wenig überraschender Klassensieg, auch wenn der McLaren von Garage59 #58 und Ferrari von Selected Car Racing nach der Anfangsphase mehr im Gesamtklassement hätten anstellen können.

Die engste Entscheidung der einzelnen Klassen wurde im Silver Cup gefällt, in dem die Spitzenautos permanent dicht zusammenblieben. Nach einer Kollision rund um den Haupt Racing Mustang #65 und einer Strafe gegen den Mclaren von Optimum Motorsport #5 mit unter anderem Salman Owega wegen eines Vergehens beim obligatorischen fünfminütigen Pflichtstopp, ging der Sieg schließlich an den Rinaldi Ferrari #45 mit Rafael Duran, Dylan Medler, Alessandro Balzan und David Perel, recht knapp vor dem WRT BMW #30.

Gefühlt einen Start-Ziel-Sieg konnte der Kessel Ferrari mit Dustin Blattner, Ben Tuck, Mathys Jaubert und Dennis Marschall im Bronze Cup einfahren. Der Ferrari hielt sich permanent im Top10 Bereich auf und wurde zwischendurch nur vom Paradine Competition BMW um den Klassensieg gefährdet. Am Ende wurden sie mit dem zehnten Gesamtrang „Best of the rest“ und landeten sogar noch vor dem Sieger im Gold Cup. Damit hat Kessel Racing wieder beste Chancen auf den Le-Mans-Startplatz, sofern sie den Titel im Bronze Cup nach Hause fahren.

Im eher weniger umkämpften Pro-Am-Cup, der in der GTWC nur noch in Spa ausgefahren wird, ging der Sieg schließlich an einen Exoten in Form der Corvette von Johor Motorsports Racing JMR, mit Unterstützung des Malaysischen Königshaus mit H.H. Prince Jefri Ibrahim, Prince Abu Bakar Ibrahim, Jordan Love und Ben Green.

Fazit

Die Meisterschaft führt nun haushoch der Winward Mercedes mit Auer/Engel/Stolz an, nicht nur wegen dem zweiten Gesamtrang, sondern auch wegen den Teilpunkten nach sechs und zwölf Rennstunden. Bereits am Nürburgring können sie den Endurance Cup Titel fixieren.

Mal wieder waren die 24 Stunden von Spa ein Rennen, bei dem viele Marken absolut realistische Siegchancen hatten. Bei jenen Herstellern, die Pro-Besatzungen ins Rennen geschickt haben, muss man wohl einzig und allein bei BMW leichte Abstriche machen, die mit dem sechsten Gesamtrang für den bestplatzieren WRT BMW das Maximum rausholten. Hier lag es offensichtlich an den außergewöhnlichen Temperaturen, mit denen das Turbokonzept des M4 Evo zu sehr zu leiden hatten. Ansonsten muss man konstatieren, dass auch McLaren oder Ford mit mehr Glück und einem unfallfreien Rennen um den Sieg hätten fahren können. Auch Aston Martin kam mit Walkenhorst Motorsport auf den siebten Gesamtrang und befand sich am Ende in der Führungsrunde, obwohl das Top-Fahrzeug #007 von Comtoyou Racing in den Morgenstunden ausgefallen ist. Lobend erwähnen muss man auch Rutronik Racing, die mit ihrem Lamborghini Temerario auf dem 19. Gesamtrang ohne längere Standzeiten durchfuhren.

Mit Porsche, Mercedes und Ferrari waren final die drei stärksten Marken auf dem Podium, die jeweils eine siegfähige Pace in gewissen Phasen hatten. Jene drei Autos waren auch die Einzigen, die eine Zeit von 2:17 im Rennen fahren konnten. Doch war Porsche mit drei Autos in der Spitzengruppe und der Pace von Thomas Preining vielleicht zu stark eingestuft? Insgesamt schwierig zu sagen, da sonst Schumacher CLRT gegenüber Winward und AF Corse auch noch aufs Podium gefahren wäre. Lionspeed hatte gegenüber der Konkurrenz sicherlich das beste „short-run“ Fahrzeug gehabt, als es darum ging, unmittelbar nach einem Stopp oder einer Safety-Car-Phase auf Speed zu kommen, um der Konkurrenz davonzueilen. Das war schließlich der Schlüssel zum Sieg, auch gegenüber Winward und AF Corse.

Weiter geht es mit der GT World Challenge Mitte Juli mit dem Sprint Cup in Misano, bevor es Ende Juli zum nächsten Endurance Cup Rennen an den Nürburgring geht.

Der GT3-Report meldet sich nach einer kleinen Pause in den nächsten Wochen wieder mit den Sprintrennen zu DTM/GT Masters und GTWC zurück.

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery?filter_meeting_id=249&filter_race_id=1777)

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