Das Wochenende zwischen den Langstreckenklassikern in Le Mans und Spa, bzw. dem 6 Stunden Rennen in Watkins Glen wurde für einen großen Teil der GT3-Szene in der Lausitz oder am Nürburgring verbracht – und brachte zum Teil recht denkwürdige Rennen mit sich!
DTM
Die Qualifikation für das erste Rennen wurde weitgehend von den beiden Ford Mustang von Arjun Maini und Finn Wiebelhaus sowie den drei etablierten Mercedes-Piloten Maro Engel, Lucas Auer und Jules Gounon bestimmt. Doch die Pole konnte sich Nicki Thiim für Rennen 1 im immer stärker werdenden Comtoyou Aston Martin ergattern.
Nach bereits außergewöhnlichen Temperaturen in den frühen Morgenstunden der Qualifikation musste der Start des Rennens wegen eines heftigen Regenschauers um wenige Minuten verschoben werden. Dies führte zu einem zweigeteilten Starterfeld bezüglich der Reifenwahl. Zu Beginn des Rennens waren die Regenreifen im Vorteil, wodurch die Top10 der Startphase alle mit Profil unterwegs waren. Alle dahinterliegenden,
darunter der Pole-Setter Nicki Thiim, mussten sich zunächst mit Slicks durchkämpfen. Doch der „Point of return“ wurde bereits früher erreicht als gedacht, da sie von einer SC-Phase, ausgelöst durch den Land Porsche von Bastian Buus, profitierten. Damit wurde der Zeitpunkt für den Slick-Vorteil schon wenige Minuten nach dem Restart und damit noch vor dem Boxenstoppfenster erreicht. Somit konnte Nicki Thiim gar die Führung innerhalb kurzer Zeit übernehmen. Von den Piloten mit Regenreifen konnten sich nur Lucas Auer und Jules Gounon im Kampf ums Podest halten.
Nach dem ersten Reigen der Stopps sah alles nach dem ersten Saisonsieg für Nicki Thiim aus und den ersten Sieg für Comtoyou Racing in der DTM überhaupt. Doch es wurde etwas diskutabel: Während des langen
Boxenstoppfensters stand Timo Glock im Dörr McLaren mit einem Defekt am Streckenrand. Normalerweise versucht die Rennleitung alles, um eine Neutralisation während des Stoppfensters zu verhindern. Doch bei einem stehenden Auto am Streckenrand geht es nun mal nicht anders und es wurde eine Full Course Yellow mit 80 km/h am gesamten Kurs ausgerufen. Eigentlich sind damit Pflichtboxenstopps nicht erlaubt. Weil jedoch die Boxeneinfahrt am Lausitzring so lange ist, gingen Marco Mapelli, Ricardo Feller und Ben Dörr zu ihrem Stopp. Während sie in der Einfahrt waren, wurde die FCY ausgerufen, womit sie das Reglement einhielten. Hier wurde ein Sonderfall geschaffen, den es so auf anderen Strecken eher nicht geben wird. Diskutabel bleibt das Handeln der Rennleitung in jedem Fall. Strenggenommen muss die Boxengasse in so einem Fall sofort geschlossen werden, um derartige Schlupflöcher auszuschließen.
Damit war das Feld komplett gesprengt. Nach dem Restart, der ohne anschließende SC-Phase von statten ging, hatten die drei „Glückspilze“ mit Mapelli, Dörr und Feller über 20 Sekunden Vorsprung auf den Rest des Feldes, was natürlich nicht mehr aufzuholen war. Nicki Thiim wurde damit um eine eigentlich perfekte Strategie gebracht – und musste sich mit einem vierten Platz zufriedengeben. Danach war es ein recht unspektakuläres Rennen und die drei vorne Platzierten fuhren in dieser Reihenfolge ins Ziel. Marco Mapelli konnte damit auf der Strecke den ersten Sieg für den stark weiterentwickelten Lamborghini Temerario einfahren, während mit Mirko Bortolotti und Luca Engstler zwei seiner Markenkollegen jedoch ausfielen, was immer noch die Unzuverlässigkeit dieses Autos verdeutlicht.
Doch erst Stunden nach dem Rennen gab es die Entscheidung der Rennleitung im Anschluss an die Untersuchung zu einem möglichen Vergehen unter Full Course Yellow! Marco Mapelli bekam eine 15 Sekunden Strafe, da er für eine kurze Sequenz 83 statt 80 fuhr. Da jedoch Ricardo Feller ebenfalls diese Strafe bekam und der Vorsprung vorm restlichen Feld riesig war, wurden Mapelli und Feller hinter dem nachträglichen Sieger Ben Dörr auf dem zweiten und dritten Platz gewertet. Das Ende eines alles in allem kuriosen Samstagsrennens! Für Ben Dörr und Dörr Motorsport war es damit der erste DTM-Sieg überhaupt, nachdem Podium und Poleposition bereits eingefahren werden konnten.
Für Rennen 2 war bereits im Vorfeld klar, dass jene Piloten mit der Wahl zum Regenreifen vom Vortag einen Vorteil für das Format mit zwei Pflichtboxenstopps haben sollten. In der Qualifikation für jenes Rennen waren es erneut die beiden Ford Mustang sowie Nicki Thiim mit den Top-Rundenzeiten. Nur Matteo Cairoli konnte im Emil Frey Ferrari dazwischenfunken und sich neben Arjun Maini für die erste Startreihe qualifizieren. Maini, Cairoli und Thiim hielten ihre Plätze auch in der Anfangsphase des Rennens, woran auch eine Safety-Car-Phase, ausgelöst durch ein Teil auf der breiten Start/Ziel Gerade, nichts änderte. Arjun Maini musste nach dem ersten Stopp seine Führung jedoch nach einem Undercut von Cairoli abgeben.
Insgesamt blieb die Spitzengruppe dicht zusammen und konnte nur von den beiden Lamborghini mit Mirko
Bortolotti und Luca Engstler verfolgt werden. Dieses Mal eher chancenlos waren die drei in der Meisterschaft gut platzierten Mercedes von Auer, Engel und Gounon, die in der Lausitz das bisher schwächste Wochenende der Saison erwischten.
Auch die zweiten Stopps führten dazu, dass Arjun Maini einen weiteren Platz verlor, dieses Mal den zweiten Platz gegen Nicki Thiim, während Matteo Cairoli seinem zweiten Saisonsieg entgegenfuhr. An solchen Details, wie einer etwas zu langen Stoppzeit, sieht man, dass noch ein gewisses Quäntchen für den ersten Haupt Racing Sieg mit dem Ford Mustang in der DTM fehlt. Der Kampf um den Sieg sollte noch ziemlich eng werden, da Nicki Thiim mit zehn Runden frischeren Reifen an Cairoli heranstürmte, jedoch ohne das finale Überholmanöver in der verbleibenden Zeiten setzen zu können. Dahinter konnte Finn Wiebelhaus vor Arjun Maini sein erstes DTM-Podest einfahren.
Cairoli führt die Meisterschaft damit vor den punktgleichen Maro Engel und Lucas Auer an. Im Grunde ist es wieder eine Meisterschaft ganz nach dem Gusto des ADAC: Außer Ford und Lamborghini sind alle Marken noch ein Schlagdistanz zum Titel. Vielleicht etwas überraschend: Durch die Weiterentwicklung des Pakets von Comtoyou Racing mit neuer Teamführung und Nicki Thiim sowie Ben Dörr sind zwei Marken vorne zu finden, die letztes Jahr noch nicht mal vom Titelkampf träumen konnten.
Weiter geht es mit dem Saisonhighlight am Norisring am ersten Juli-Wochenende
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ADAC GT Masters
Die erste Saisonhälfte hat das ADAC GT Masters nun am Lausitzring bereits abgeschlossen. Dafür kam erstmals das „neue“ Endurance-Format zum Einsatz. Zwar gibt es dieses schon seit 2024 an ausgewählten Wochenenden, meist außerhalb des DTM-Umfelds, aber: Nachdem bisher nach dem samstäglichen 80 Minuten Rennen sonst immer ein kurzes 40 Minuten Rennen folgte, gingen nun beide Rennen über satte 80 Minuten mit jeweils zwei Pflichtstopps und einem Nachtankvorgang. Wer die Artikel in den letzten Jahren verfolgt hat weiß, dass ich dieses Format gegenüber den klassischen 60 Minuten bevorzuge, da es eine größere Unterscheidung zu anderen GT3-Serien bewirkt und vor allem die üblichen Endurance-Faktoren, wie „bereinigte“ Reihenfolge und „Track Position“ ins Spiel bringt, weshalb die Bezeichnung Endurance-Format nicht allzu abwegig ist, auch wenn Rennen von 80 Minuten nicht zwingend ein Langstreckenformat sind.
Mit Kiano Blum im Mustang, Sandro Holzem im Schubert BMW, Tim Zimmermann im FK Performance BMW und Collin Jamie Bönighausen im Razoon Porsche waren jene Protagonisten vom vorangegangenen Wochenende aus Zandvoort vorne zu finden. Sandro Holzem startete nach einer Rückversetzung schließlich bei feuchten Bedingungen von der Pole in Rennen 1, wie auch schon bei der DTM mit unterschiedlichen Reifenwahlen, während im hinteren Feld die Slicks bevorzugt wurden. Der Großteil des Feldes legte den längeren Stopp im ersten Stoppfenster ein, wodurch es für den Schubert BMW, der nun vom Zwillingsbruder Juliano Holzem pilotiert wurde, nun darum ging, mindestens 20 Sekunden Vorsprung auf das restliche Feld rund um die beiden Haupt Racing Ford von Emil Gjerdrum, Niklas Kalus sowie den FK BMW von Tim Zimmermann zu halten. Dies gelang ihm auch, obgleich nach dem zweiten Stoppfenster eine SC-Phase
folgte, da der Razoon Porsche von Leo Pichler, womöglich ohne Sprit in der Boxeneinfahrt ausgerollt ist.
Holzen und Zimmermann konnten in den weitgehend überlegenen BMW schnell davonziehen und den BMW-Doppelsieg nach Hause fahren. Felix Hirsiger im tabellenführenden Grasser Lamborghini konnte dieses Mal wegen des 20 Kilo Erfolgsbalast nicht an seine üblicherweise starken Schlussminuten anknüpfen und verlor den dritten Rang gegen Max Reis.
Für das zweite Rennen konnte mit der Pole für Simon Connor Primm im Audi von Seyfarth Motorsport eine der Saisonüberraschungen verzeichnet werden, da es sich um ein komplett neues Projekt handelt. Hinter
dem R8 qualifizierten sich die Top-Duos von FK Performance, Engstler Motorsport und Razoon more than racing. Primm konnte vor Fourie, Pichler und Gjerdrum seine Führung verteidigen und im Startstint um ein paar Sekunden ausbauen. Verlierer der Startphase waren einerseits Finn Zulauf, der im Lamborghini Huracan Plätze verlor und vor allem Niklas Kalus, der bei seinem HRT Ford mit ABS-Problemen ans Ende des Felds zurückfiel. Fourie/Zimmermann und Pichler/Bönighausen legten ihren längeren Stopp mit Nachtanken ein, während u.a. der Seyfarth Audi mit Primm/Rogalski, Engstler Lamborghini mit Zulauf/Hirsiger und HRT Mustang mit Gjerdrum/Reis auf Track Position setzten und den zunächst kürzeren Stopp wählten. Da es kein SC im Rennen gab, entstand auch kein Nachteil für diejenigen, die erst am Ende die längere Standzeit wählten.
FK Performance konnte im Mittelstint mit Leyton Fourie eine ähnlich starke Leistung wie der Schubert M4 am Samstag abliefern und ging damit bereinigt klar
in Führung vor den beiden Razoon Porsche und dem Audi, der in Robin Rogalskis Stint etwas an Boden verlor. Hinter dem FK BMW ging es ums Podium noch drunter und drüber, da sich Simon Connor Primm im Audi und Emil Gjerdrum im Mustang noch aufs Podest an Pavel Lefterov und Leo Pichler vorbeifuhren, da beide Razoon Porsche viel Boden im Schlussstint verloren.
Nach einem Wochenende ohne Podest sind Hirsiger/Zulauf damit ihre Tabellenführung gegen das derzeit sehr starke Duo Fourie/Zimmermann losgeworden. Die anderen Duos mit den Holzem-Zwillingen sowie Lefterov/Kastelic haben jetzt schon weit mehr als einen Rennsieg Abstand bezüglich der Punkte. Sollten FK Performance und Engstler Motorsport ihre Konstanz halten, wird das kaum noch aufzuholen sein. Hinzu kommt, dass beide Teams drei Autos in der Serie einsetzen, womit sie auch taktisch und seitens der Datensammlung genutzt werden können. Etwas
überraschend im Vergleich zu 2025: Die HRT Mustangs scheinen bereits nach der ersten Hälfte der Saison keine Rolle mehr im Titelkampf zu spielen.
Weiter geht es außerhalb des DTM-Umfeld im Rahmen des Truck GP am Nürburgring am zweiten Juli-Wochenende.
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NLS 6
Wie üblich erlebte der erste NLS-Lauf nach dem großen 24h Rennen vor einigen Wochen mit etwa 110 Startern einen gewissen Einbruch. Mit 19 GT3-Wagen kam jedoch ein sehr gutes SP9-Feld zusammen, was viele angesichts der Überschneidungen mit DTM und GT Masters am Lausitzring und unmittelbar vor der Anreise zum 24h Rennen nach Spa nicht erwartet hätten. Neu war, dass das Team Equipe Vitesse neben dem R8 in der SP9-Am, erstmals einen weiteren Audi in der AT1-Klasse eingesetzt hat, in der bereits Max Kruse Racing das gleiche Modell in den ersten NLS Rennen und dem 24h Rennen einsetzte. Mit fünf reinen Pro-Besatzungen war das Feld der Gesamtsiegkandidaten jedoch wie üblich nach dem großen Saisonhighlight recht dünn.
Die Startrunden wurden von einer spannenden Fünfergruppe mit Christian Krognes im Walkenhorst Aston Martin, Adam Christodolou im recht neuen ProSport Mercedes, Klaus Bachler im Falken Porsche, Robin Frijns im Schubert BMW und David Jahn im Gamota BMW dominiert. Dahinter folgte mit wenigen Sekunden Abstand noch ein zweiter Pulk mit u.a. dem frischgebackenen Le-Mans-Sieger Kamui Kobayashi im Ring Racing Mercedes und Nico Menzel im Dunlop Porsche, der nach dem Überholmanöver gegen den Japaner schnell an die Spitzengruppe ranfahren sollte.
In einem sehr von Zwischenfällen geprägten Rennen, einerseits aufgrund der Materialbelastung aufgrund der heißen Temperaturen, andererseits aufgrund klarer Konzentrations- und Fahrfehler, ging es für den
Schubert BMW und Dunlop Porsche eine Runde früher zum ersten Stopp, um eine kürzere Standzeit zu haben. Damit waren Robin Frijns und Sven Müller nach den ersten Stopps an der Spitze des Feldes vor Raffael Villagomez im Aston Martin, der die bereinigte Führung jedoch gegen Klaus Bachler im Falken Porsche verlor. Dadurch war klar, dass es wohl ein Dreikampf um den Sieg zwischen Schuber, und den beiden Porsche von Dunlop und Falken unter Einsatz von Schnabl Engineering werden sollte. Nachdem das Falken-Auto im Verkehr durch den unrhythmischen Rennverlauf und immer wiederkehrenden Code 60 Phasen viele Sekunden verlor, blieben die beiden Führenden fast das gesamte Rennen dicht an dicht an der Gesamtspitze, woran auch die Wechsel von Frijns auf Klingmann sowie Müller auf Menzel nichts änderten.
Nico Menzel konnte sich vorentscheidend um die Drei-Stunden-Marke des Rennens schließlich von Jens Klingmann absetzen. Der dritte Platz ging schließlich an das beste Pro-Am-Auto von Black Falcon, da Tim Heinemann im Falken-Porsche rund 40 Minuten vor Ende in einer Code60 von einem Überründeten torpediert wurde, was das fahrerische Niveau und Crashpotenzial des Tages recht gut zusammenfasst… Tobias Müller im Black Falcon Porsche konnte sich am Ende sogar vom Walkenhorst Aston Martin absetzen, was das Niveau des Pro-Am-Trios mit Müller/Assenheimer/Pereira unterstreicht, nachdem sie bereits die SP9 Pro-Am-Klasse beim 24h Rennen am Ende der Top10 im Gesamtklassement gewannen. ProSport konnte mit dem für sich neuen Mercedes am Ende einen starken vierten Platz einfahren und haben zudem einen Gaststart beim ADAC GT Masters am Nürburgring angekündigt.
Schließlich wurde es nochmal hauchdünn und Sven Müller konnte mit drei Zehnteln vor Robin Frijns den Sieg nach Hause retten – damit eines der engsten Finishe der VLN/NLS Historie! Frijns hat damit innerhalb einer Woche um zehn Sekunden einen Le Mans Sieg und um drei Zehntel einen NLS-Sieg verloren. Weiter geht es am ersten August-Wochenende mit dem Saisonhighlight der NLS, nämlich mit dem 6H Rennen.
Bildquelle: Archivbilder Felix Töllich
