Nach dem Start von diversen Langstreckenserien im GT-Sport sind mittlerweile auch die nationalen und internationalen Sprintrennserien in die neue Saison gestartet. Für die DTM und die ADAC-Rahmenserien ging es Ende April in Spielberg los, während die GT World Challenge traditionell Anfang Mai in Brands Hatch die Sprintsaison begonnen hat.
DTM: Analyse Spielberg
Wie schon zuvor in der NLS und GT World Challenge waren es die Mercedes AMG, die zu Beginn des Wochenendes die Pace vorgaben. Maro Engel im Winward Mercedes holte die Pole für Rennen 1, bevor nach Rennstart mit Lucas Auer und Jules Gounon drei weitere Mercedes unter den besten vier waren. Nur Thomas Preining im Manthey Porsche konnte gegen die AMG mithalten. Das Feld wurde bereits vor dem Pflichtboxenstopp zweimal zusammengeführt wegen Safety-Car-Phasen durch Unfälle von Ben Dörr im McLaren und Nicolas Baert im Comtoyou Aston Martin.
Doch wie schon bei den beschriebenen Rennen des vorherigen GT3-Reports wiederholte sich die Geschichte: Mercedes ist am schnellsten und gewinnt trotzdem nicht! Nachdem die Stopps bei Maro Engel und Lucas
Auer zu langsam waren, ging Thomas Preining nach der Stoppphase in Führung. Zu allem Überfluss musste Jules Gounon im zweiten Winward Mercedes das Rennen auf Podiumskurs mit einem Bruch der Aufhängung beenden. Wie gut die Mercedes-Pace war, zeigte der fünfte Platz von Tom Kalender, was dessen bestes DTM-Ergebnis bedeutete.
Bemerkenswert war hinter dem Podium mit Preining und den beiden Mercedes, der vierte Platz von Bastian Buus im Land Porsche bei dessen erstem DTM-Rennen. Dieser wurde ihm jedoch nach der Kollision mit Ben Dörr aberkannt. Eine ziemlich harsche Entscheidung, da die Berührung nach Turn1 mit dem McLaren nur sehr leicht war!
Auch wenn die BMW weniger Ladedruck nach den sehr überzeugenden Spielberg-Auftritten der letzten Jahre bekamen, reichte es für Kelvin van der Linde bei dessen DTM-Rückkehr – dank Windschatten von Ricardo Feller – zur Pole für Rennen 2. Nach einem Motorschaden im ersten Rennen musste das Team von Schubert Motorsport einige Stunden einen neuen Motor einbauen. Die große Überraschung war dieses Mal Finn Wiebelhaus, der als amtierender GT-Masters-Champion den HRT Mustang in die erste Reihe stellte.
In einem sehr überholarmen Rennen wurde die Strategie für den ersten der zwei Pflichtstopps von Kelvin van der Linde nicht belohnt: Nachdem er als letzter zum Stopp kam, verlor er die Führungsplätze an Maro Engel und an seinen Teamkollegen Marco Wittmann. Finn Wiebelhaus verlor wiederum Plätze durch einen recht
langsamen Stopp von Haupt Racing. In der Spitzengruppe waren keine größeren Lücken zu sehen, was die Überlegenheit der Mercedes und BMW gleichermaßen zeigte, obwohl Engel und Auer das übliche Erfolgsgewicht vom Samstag hatten. Nur Nicki Thiim im Aston Martin konnte halbwegs mit den anderen Frontmotoren mithalten. Thomas Preining spielte mit seinem 20 Kilogramm Ballast keine Rolle in diesem Rennen.
Nach dem zweiten Stopp ging das unglückliche Rennen für Kelvin van der Linde weiter, indem er auch noch das Podest gegen Lucas Auer verlor, während Maro Engel vor Marco Wittmann den ersten Mercedes-Sieg im GT3-Sport 2026 einfahren konnte. Für mich erstaunlich: Es war erst Maro Engels dritter Sieg in der DTM. Erstaunlich deshalb, weil er ja bereits lange vor dem Ende der Class1-Ära ein Mercedes-Pilot in der DTM war. Da wir auch das GT Masters seit Jahren
betrachten: Finn Wiebelhaus konnte mit dem achten Platz einen sehr guten Einstand feiern. Enttäuschend war derweil erneut der Lamborghini Temerario. Meist waren alle vier Wagen gestaffelt auf den letzten Plätzen unterwegs. Nachdem auch die Boxencrews Probleme mit den Reifenwechseln hatten und wohl auch die externen Hilfen seitens der BOP ausgeschöpft ist, wird mittlerweile ein Comeback des Huracan Evo II in den Spitzenserien nicht mehr ausgeschlossen, auch von jenen Teams, die bereits den viel zu früh ausgelieferten Temerario bekommen haben!
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2614,2617,3557,3622)
ADAC GT Masters: Analyse Spielberg
Im Rahmenprogramm konnte man sehen, was das Vorgängermodell von Lamborghini noch zu leisten im Stande ist. Finn Zulauf konnte nach der Pole in Rennen 1 zunächst die Führung übernehmen. Kiano Blum als Umsteiger aus dem Porsche Carrera Cup hatte einen sehr überzeugenden Startstint und konnte die Führung vor den Stopps übernehmen. Zur Spitzengruppe gehörte hinter Alain Valente in einem weiteren HRT Mustang, auch Colin Jamie Bönighausen. Ein weiterer Umsteiger aus dem Porsche Carrera Cup im Razoon Porsche.
Ohnehin machten die Umsteiger aus den Markenpokalen richtig Laune! Felix Hirsiger, letztes Jahr Meister der Ferrari Challenge, übernahm von Finn Zulauf den Engstler Lamborghini und blieb den gesamten Rest des
Rennens dicht an Niklas Kalus im Mustang dran. Nachdem das Duell eigentlich schon entschieden war, gab es ein „last-corner-battle“, wie man es in Spielberg sonst nur von der MotoGP wie einst zwischen Andrea Dovizioso und Marc Marquez kannte . Hirsiger ging an Kalus tatsächlich noch vorbei! Bemerkenswert waren noch der starke vierte Platz vom Seyffarth Audi bei dessen Debüt in der Serie sowie der starke siebte Platz des Baron Ferrari mit Axcill Jefferies und Ernst Kirchmayr als Gaststarter. Es war das einzige Fahrzeug im Pro-Am-Cup, was weiterhin zehn Sekunden weniger Boxenstoppzeit bedeutet.
Für Rennen 2 konnte das heimische Team Razoon more than racing sogar eine Doppelpole mit ihren beiden Porsche einfahren. Mehr Heimspiel geht wirklich nicht, nachdem das Team rund um Christoph Huber ein
Stück Gelände des Red Bull Rings für die neue Werkshalle gekauft hat. Mit Leo Pichler und Mark Kastelic konnten sie die Führung vor dem Samstagssieger und vor dem FK Performance BMW von Tim Zimmermann halten. Von den Ford war an der Spitze wenig zu sehen. Der Mustang von Emil Gjerdrum fiel nach einer Berührung in der Startrunde aus. Ähnlich wie in der DTM war das Sonntagsrennen eher ruhiger und weitaus überholärmer als noch der Samstag. Um es dezent auszudrücken: Ein Klassiker des GT Masters wurde es nicht!
So gab es auch nach den Stopps recht große Abstände unter den Spitzenfahrzeugen und beide Razoon Porsche konnten den Doppelsieg nach Hause fahren. Die Samstagsieger mit Zulauf/Hirsiger konnten mit
dem dritten Platz die Tabellenführung übernehmen. FK Performance konnte das eher dünne BMW-Wochenende mit dem vierten Platz nur halbwegs retten, während die beiden Teamkollegen und der Schubert BMW mit den Holzem-Zwillingen eher enttäuschenden – gerade auf einer sonst prädestinierten BMW-Strecke.
Was bleibt vom Auftaktwochenende? Für die Spitzenduos und Meisterschaftsfavoriten von HRT und FK könnte es gegen die Razoon Porsche und dem stark besetzten Engstler Lamborghini schwierig werden. Der Ferrari als Gaststarter, den es von Baron Motorsport erfahrungsgemäß im weiteren Saisonverlauf am Salzburgring geben könnte, konnte erneut gut im Mittelfeld mithalten. Interessant noch: Finn Zulauf konnte bereits 2025 den Saisonstart gewinnen – damals mit Simon Connor Primm am Lausitzring. Weiter geht´s wie mit der DTM Ende Mai in Zandvoort.
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,3562,3625)
GT World Challenge: Analyse Brands Hatch
Wie immer startete der Sprint Cup der GTWC in Brands Hatch aufgrund der Streckenkapazität nicht mit dem kompletten Feld. 34 Autos, darunter 14 aus dem Pro Cup gingen ins Wochenende ohne den Bronze Cup, der bei den restlichen Rennen für ein Gesamtstarterfeld von über 40 Autos sorgen wird. Auch dieses Jahr sind fast alle der großen Teams mit mindestens einem Top-Duo in der Serie vertreten. Ausnahmen sind zum Beispiel Rowe Racing und Haupt Racing, die nur den Endurance Cup fahren. Mit Emil Frey Racing ist auch dieses Jahr ein bekanntes Team am Start, das nur den Sprint Cup fährt.
Der Porsche von Lionspeed GP mit Ricardo Feller und Bastian Buus konnte für beide Rennen die Pole ergattern. Rennen 1 begann mal direkt mit einem Paukenschlag, als einer der Boutsen VDS Porsche einen
heftigen Crash am Ende des alten Streckenteils hatte und anschließend das Rennen für einige Minuten nach Leitplankenreparatur unterbrochen wurde. Ricardo Feller und Arthur Leclerc im AF Corse Ferrari konnten sich zunächst vom Feld absetzen, bevor der Lionspeed Porsche die Führung nach einem sehr frühen Stopp verlor. In diesem Rennen sollten sich vor allem die späten Stopps lohnen.
In der Folge verlor Bastian Buus Platz um Platz und musste das Rennen sogar wegen einer gebrochenen Servolenkung aufgeben. Nach dem Endurance Rennen von Le Castellet war es der nächste technische Ausfall für Lionspeed, die 2026 zum ersten Mal mit absoluten Top-Besetzungen im Pro Cup antreten. Chris Lulham, der von Daniel Juncadella den Verstappen Racing Mercedes übernahm, ging nach den Stopps in Führung vor
dem genannten AF Corse Ferrari von Arthur Leclerc, der nun von Thomas Neubauer gefahren wurde.
Das Rennende sollte dramatischer werden, als es der Rennverlauf vermuten ließ. Bei Verstappen Racing stand nach dem Stopp ein Mechaniker nicht hinter der weißen Linie, was eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe bedeutete. Chris Lulham hatte noch die nötigen Reserven, um tatsächlich nach dem Ausspruch der Strafe (in der vorletzten Runde!), den Vorsprung auf über sechs Sekunden herauszufahren. Allerdings kam schon kurz nach dem Zieleinlauf die bittere Meldung: Zu den fünf kamen noch ganze 30 Sekunden an Strafzeit durch das Ignorieren gelber Flagge hinzu, wovon u.a. auch der WRT BMW mit Rossi/Hesse und der Gewinner des Silver Cups von WRT betroffen waren.
Der Sieg ging somit unstrittig an Leclerc/Neubauer im AF Corse, vor dem Boutsen VDS Porsche mit M. Schuring/Boccolacci und beiden WRT BMW mit van der Linde/Weerts und Cordeel/Pepper. Interessant bei Winward Racing: Die „Mamba“ mit Engel/Auer kamen nach einem sehr schwachen Qualifying außerhalb der Top10 immerhin noch auf den sechsten Rang nach ihrem sehr starken DTM-Auftaktwochenende. Ohnehin wird dieses Jahr der Switch zwischen GTWC und DTM interessant, da in beiden Serien unterschiedliche Arten Pirelli-Slicks gefahren werden. Auch Kelvin van der Linde erwischte es mit dem zwölften Platz in der Qualifikation für das erste Rennen durchaus hart.
Für Rennen 2 versuchten sich Buus und Lulham als die unglücklichen Verlierer aus dem wenige Stunden
zuvor ausgetragenen ersten Rennen in der Revenge – und hatten durchaus Erfolg damit. Die gut besetzten BMW von WRT nahmen wieder die Plätze dahinter ein, kamen jedoch mit dem Porsche und Mercedes nicht mit. Lediglich Marvin Kirchhöfer im McLaren konnte das Ornat an BMW M4 aufbrechen. In einem typisch überholarmen Brands-Hatch-Rennen änderte sich auch durch die Fahrerwechsel mit Feller und Juncadella nichts an der Spitze. Ein ähnliches Rennen wie wenige Stunden zuvor Verstappen Racing, erlebte dieses Mal Winward Racing mit Auer/Engel, als sie eine fünf Sekunden Strafe bekamen. Den Vorsprung auf den Viertplatzierten konnten sie aber ausreichend rausfahren, um das Podest abzusichern. Ein kleiner Lichtblick noch zu Lamborghini: Der Temerario konnte immerhin mit dem VSR Team den dritten Platz im Gold Cup einfahren, während das Pro Auto mit Engstler/Niederhauser von Rutronik Racing noch weitgehend
hinterherhinkt. Weiter geht es auch hier Ende Mai in Monza mit dem Endurance Cup.
Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=247)
Kurzmeldungen
Die International GT Open ist Mitte April als europäische Rennserie mit Schwerpunkt auf Südeuropa in ihre mittlerweile 21. Saison gestartet. Mit 26 Autos war beim Saisonauftakt in Portimao ein wie gewohnt gutes Feld am Start. Nachdem bekannte Teams wie Getspeed, Oregon oder Eastalent ausgestiegen sind, konnten der ZRS Motorsport Porsche von Pietro Armanni und Alex Fontana sowie der Greystone GT McLaren mit Zac Meakin und Dean Macdonald die beiden Rennen gewinnen. Die Rennserie ist übrigens Mitte September wieder in Hockenheim zu Gast.
Außerdem ist im April die neue GT Summer Series in Hockenheim gestartet. Es handelt sich hierbei um eine Erweiterung der bisher, ebenfalls von Markus Gedlich organisierten und mittlerweile etablierten GT Winter Series. Mit 17 Autos wurde durch das gemischte Konzept mit GT3, GT Cup, GT2 und GT4 ein durchaus ansehnliches Feld mit AM-Piloten an den Start gebracht. Die Rennserie ist als „geistiger Nachfolger“ des Ende 2024 eingestellten GTC Race zu sehen, was ein ähnliches Konzept verfolgte. Deswegen sind die restlichen Wochenenden Teil des „ADAC Racing Weekends“ und durchaus ein Flaggschiff dieser Breitensportplattform.
