Ein abwechslungsreiches Wochenende für McLaren und Mercedes. Der Rest schaute nur zu.
Vier Rennen, drei Siege. Kimi Antonelli hat einen überraschend guten Start in die Saison hingelegt. Mit 22 Punkten führt er nun nach dem Rennen in Miami die WM an. Es ist natürlich zu früh, um ihn als Favoriten für die WM anzuführen, aber er hat zumindest gezeigt, welches Talent in ihm steckt. Und das Rennen in Miami war ein guter Beleg dafür. Aber auch dafür, wie ein F1-Team über ein Wochenende mit konstanter Entwicklungsarbeit nach vorne kommen kann.
Denn am Freitag und Samstag sah es überhaupt nicht danach aus, als ob Mercedes am Wochenende eine Rolle spielen könnte. McLaren, Red Bull und Ferrari hatten massive Updates mit in die USA gebracht, wobei vor allem das Update von Red Bull auffiel. Die hatten quasi das halbe Auto umgebaut. Neue, sehr breite Seitenkästen mit starken Outwash-Effekten, ein neuer Unterboden, neue Elemente im Heck und ein neuer Heckflügel sollten dem Team helfen, wieder nach vorn zu kommen. Was auch gelang.
Die Updates bei McLaren und Ferrari fielen subtiler aus, waren aber nicht weniger effektiv. Bei McLaren hat man sich dazu entschlossen, das große Update auf zwei Rennen zu verteilen. Der erste Schwung an neuen Teilen in Miami brachte das Team einen deutlichen Schritt nach vorn, allerdings mit ein paar Fragezeichen verbunden. Denn während man das Sprintrennen dominierte, sah man sich drei Stunden später in Qualifikation für das Hauptrennen plötzlich unter Druck. Eine echte Erklärung, warum das Auto plötzlich langsamer war, fand man nicht.
Auch bei Ferrari gab es ein erneuertes Auto und man hatte sich große Hoffnungen gemacht. Doch die zerstoben sich dann gleich am Freitag, als man feststellen musste, dass das nicht der große Schritt war, den man sich erhofft hatte. Deutlich wurde das vor allem Sonntag. Zwar hatte Leclerc am Start die Führung übernommen, wurde aber dann von Antonelli und Norris geschnappt. Auch ohne seinen Fehler in der letzten Runde hätte der Rückstand auf den siegreichen Mercedes am Ende knapp 22 Sekunden betragen. Ferrari steht also weiterhin da, wo man vor dem Rennen auch war.
Mercedes hatte auf Upgrades verzichtet und bringt das überarbeitete Auto erst in drei Wochen in Kanada. Am Freitag und Samstag sah es daher auch so aus, als ob sich das rächen würde, denn zeitweise sah es so aus, als ob man hinter McLaren und Red Bull und das drittschnellste Team sein würde. Doch das Team schaffte ein überraschendes Comeback, da man über die Setup-Arbeit das Auto noch mal verbessern konnte. Dass Antonelli für das Hauptrennen die Pole holen konnte, war dann aber doch eine Überraschung.
Das Wochenende sah primär große Unterschiede zwischen den jeweiligen Teamkollegen. Norris distanzierte Piastri deutlich, Antonelli ließ Russell keine Chance, Leclerc hängte Hamilton ab und Verstappen lag weit vor Hadjar. Das Bild wiederholte sich auch teilweise im Mittelfeld. Bei Alpine war Colapinto der stärkere Fahrer, bei Cadillac war es Perez und Ocon sah bei Haas immerhin mal gleichstark aus.
Die teilweise großen Unterschiede lassen sich vorwiegend über die Strecke erklären. Miami bietet wenig Grip und damit kommt nicht jeder Fahrer klar. Russell war ehrlich genug zu gestehen, dass er auf Strecken wie Miami nicht gut unterwegs ist, weil ihm das Vertrauen ins Auto fehlt. Bei Hamilton sah es ähnlich aus, allerdings kam bei ihm hinzu, dass er den gesamten Freitag verlor, weil man das Setup in die falsche Richtung entwickelt hatte. Was allerdings auch nicht über seine mehr als mittelmäßige Performance im Rennen hinwegtäuschen darf. Zu keiner Zeit konnte er den Anschluss an Russell halten, der wiederum von Piastri distanziert wurde.
Immerhin entwickelte sich am Sonntag ein schönes Rennen, auch an der Spitze. Leclerc hatte die Führung übernommen, musste diese aber nach einigem Hin und Her erst an Antonelli und dann an Norris abgeben. Der McLaren war in der Anfangsphase das klar schnellste Auto auf der Strecke und er konnte im Verlauf der ersten 20 Runden Antonelli auf zwei Sekunden Abstand halten.
Die Reihenfolge an der Spitze änderte sich dann aber durch die Boxenstopps. Dass man auf den C3 in Miami dreiviertel der Renndistanz zurücklegen konnte, zeigt auch, wie sanft die Strecke mit den Reifen umgeht. Und das, obwohl die Strecke “grün” war und man bei der Hitze eigentlich etwas Graining erwartet hatte.
Die entscheidende Phase der Stopps ging dann in Runde 21 mit einem sehr frühen Undercut von Russell los. Eine Runde später kam Leclerc. Der Nachteil des frühen Stopps war aber, dass beide ins Mittelfeld zurückfielen und etwas Zeit verloren. Es zeigte sich aber auch, dass der Undercut durchaus etwas brachte.
In Runde 27 beorderte man dann Antonelli zum Reifenwechsel und damit leitete man die Entscheidung für das Rennen ein. Die Rundenzeit von Antonelli lag inklusive Stopp bei 1.45.601 min. Eine Runde später kam Norris, doch dessen Rundenzeit lag bei 1.47.153 min. Zwar kam Norris nach dem Stopp vor Antonelli auf die Strecke, konnte diesen aber auf den kalten Reifen nicht halten und der Italiener übernahm die Führung. Es war die entscheidende Situation im Rennen, denn Norris steckte danach hinter dem gleichschnellen Mercedes fest. Da sich Antonelli keinen Fehler erlaubte, konnte Norris nichts mehr ausrichten. Am Ende waren es ein leicht langsamer Boxenstopp und die verspätete Entscheidung, an die Box zu kommen, die Norris den Rennsieg gekostet haben.
P3 ging an Piastri, der wie gesagt an diesem Wochenende im Schatten seines Teamkollegen stand. Der Australier hatte allerdings ein gutes Rennen. Er befand sich die meiste Zeit in Zweikämpfen mit Russell, Leclerc oder Verstappen, aus denen er siegreich hervorging. Aber die Form vom letzten Jahr hat er bisher nicht erreicht.
George Russell sicherte sich P4, allerdings mit satten 43 Sekunden Rückstand auf seinen siegreichen Teamkollegen. Glücklich war er damit verständlicherweise nicht. Dass er in der letzten Runde noch Zeit verlor, weil Leclerc nach einem Fahrfehler im Weg stand, kann das Ergebnis auch nicht weiter aufhübschen.
Verstappen landete (trotz einer 5-Sekunden-Strafe) auf P5. Er hatte sich in einer frühen SC-Phase (Hadjar Unfall, Gasly und Lawson Unfall in Runde 7) schon frische Reifen besorgt. Das sah zeitweise nach einer Strategie aus, die durchaus den Sieg hätte erbringen können, aber am Ende waren knapp 50 Runden für die C3 doch etwas viel. Positiv zu vermerken ist allerdings, dass der Red Bull mit den Upgrades zumindest in seinen Händen sehr konkurrenzfähig war. In der Quali fehlten nur 0,15 Sekunden auf die Pole. Die Rennpace war, zumindest auf frischen Reifen, ebenfalls sehr gut. Mit Red Bull wird in diesem Jahr noch zu rechnen sein.
P6 ging an Hamilton, der im Rennen nicht weiter auffiel und nur deswegen vor Leclerc landete, weil dieser in der letzten Runde einen für ihn untypischen Fehler machte. Der Monegasse hatte ein gutes Rennen und lag auf P3, allerdings unter schwerem Druck von Oscar Piastri. Der Fehler verbog nicht nur sein Auto, sondern brachte ihm dann auch noch eine 20-Sekunden-Strafe ein, weil er mehrfach die Strecke abkürzte.
Zwischen den beiden Ferrari lag aber der Alpine von Francesco Colapinto. Der Argentinier hatte ein extrem gutes Wochenende. In den Qualifikationen, im Sprint und im Hauptrennen war er knapp schneller als Pierre Gasly und am Sonntag lieferte er ein kluges Rennen ab. Er hielt sich aus allem raus, war schnell genug, um die beiden Williams zu distanzieren, und leistete sich keine Fehler. Nach einem wirklich schwachen ersten Jahr im Alpine hat er sich offenbar eingefunden, denn auch in Japan fiel er schon positiv aus.
Alpine war in Miami klar das beste “Best of the Rest” Team. Die sonst so starken Haas kamen nicht mal in die Nähe der Punkte und der Rest kämpfte mit eigenen Problemen. Alpine mausert sich zu einem Anwärter für P5 in der WM, wenn sie die Entwicklung dieses Jahr durchhalten. Wenn man mit Colapinto und Gasly zwei starke Fahrer hat, dann sind Punkte fast immer sicher.
Die letzten beiden Punktränge gingen an die Williams, was eine kleine Überraschung war. Das Team startete das Wochenende mit einer Handvoll kleinerer Updates, die aber zunächst nicht das gewünschte Ergebnis brachten. Sainz und Albon legten aber einen guten Start hin, was sie schon nach einer Runde in die Punkte brachte. Eine konservative Strategie und vor allem der gute Topspeed auf den Geraden hielten die Williams dann dort auch. Wie schnell der Williams auf der Geraden war, konnte man sehen, als Russell hinter Sainz lag und er selbst mit Boost erst am Ende der Geraden am Williams vorbeiziehen konnte. Wenn das Auto jetzt noch die 20 oder 30 Kilo Übergewicht ablegt, könnte aus der Saison noch was werden.
Audi hatte beim ersten Rennwochenende mit Alan McNish als Teamchef (Racing Director) massive Probleme. Zweimal hatte man Probleme mit dem Motor, einmal wurde man wegen eines Problems disqualifiziert und im Rennen verlor man Hülkenberg schon in der ersten Runde. Brotoletto lieferte allerdings eine sehenswerte Performance ab, die das Potenzial des Autos zeigte. Er fuhr vom letzten auf den 12. Platz, was angesichts der harten Zweikämpfe im Mittelfeld schon beachtlich war. Aber der große Sprung fehlt bei Audi weiterhin.
Aston Martin kann zwar weiterhin nicht in Feierlaune sein, beendete mit beiden Autos aber immerhin das Rennen. Ein Novum in diesem Jahr. Dabei setzte sich Alonso auch gegen beide Cadillac durch und erreichte P15. Was man angesichts der Probleme des Teams schon als kleinen Lichtblick bezeichnen muss. Man verzichtete auch auf Updates am Auto, da man auf die Verbesserungen von Honda wartete. Die haben die Vibrationen scheinbar in den Griff bekommen und können jetzt die nächsten Schritte übernehmen. Es halten sich zudem hartnäckig die Gerüchte, dass Aston Martin noch vor der Sommerpause mit einer B-Spec-Variante des Autos kommen will.
Enttäuscht war man bei Cadillac. Trotz der ersten Updates am Auto konnte man den Abstand zum Mittelfeld nicht verringern. Man hatte gehofft, dass man den Abstand von 3 auf 2.5 Sekunden würde reduzieren können, aber das zeigte sich zumindest in Miami nicht.
Die F1 legt nun eine weitere Pause ein und fährt erst wieder in drei Wochen in Kanada. Dort kann man dann eine weitere Upgrade-Welle erwarten. Es dürfte das wichtigste Update für das Jahr werden, denn von Ende Mai bis Ende Juli gibt es sieben Rennen. Mercedes könnte in diesen Rennen schon eine Vorentscheidung um den Konstrukteurstitel schaffen.
Bilder: Pirelli






















