Nach einigen Langstreckenformaten kehren nun auch die verschiedenen GT3-Sprintserien aus der langen Winterpause zurück, darunter die wichtigste Motorsport-Plattform im deutschsprachigen Raum. Grund genug vor dem Saisonstart in Spielberg auf die Starterfelder zu schauen!
DTM
Wie schon im letzten Jahr konnte der ADAC für die 40. DTM-Saison acht Rennwochenenden in Deutschland und im benachbarten Ausland organisieren. Die einzige relevante Änderung im Rennkalender betrifft den Saisonstart. Statt in Oschersleben geht die Saison erstmals am Red Bull Ring in Spielberg los, was auf Wunsch des österreichischen Veranstalters geschehen ist, um einen größeren zeitlichen Abstand zu den großen Motorsportveranstaltungen mit der Formel 1 und MotoGP zu haben. Nach allem, was zu hören ist, scheint sich dieser Schachzug aus Zuschauersicht als sinnvoll herausgestellt zu haben. An den Strecken hat der ADAC mittlerweile über mehrere Jahre das gleiche Aufgebot: Nach Spielberg geht es weiter in Zandvoort (23./24.05), Lausitzring (20.,21.06), Norisring (04.,05.07), Oschersleben (25.,26.07), Nürburgring (15.,16.08), Sachsenring (12.,13.09) und Hockenheim (10.,11.10).
Ebenfalls nichts geändert hat sich am Format, was weiterhin zwei Rennen über 55 Minuten vorsieht sowie einem Pflichtstopp am Samstag und zwei Pflichtstopps am Sonntag. Erstmals nach 2022 (damals noch unter Michelin) kommt wieder ein exklusiver Reifen von Pirelli für die DTM zum Einsatz, der im Vergleich zum Reifen aus GT World Challenge einen schnelleren Drop-Off haben soll, was für das Sonntagsrennen mit zwei Stopps durchaus Sinn macht.
Porsche
Das Meisterteam Manthey Racing muss dieses Jahr ohne den Meister Ayhancan Güven auskommen, weil dieser neben der WEC und einigen Einsätzen in der NLS sein Formel-E-Programm für das zweite Porsche Werksteam ab dem Winter 2026/2027 vorbereitet. Speerspitze ist damit Thomas Preining als Meister von 2023, der erneut im typischen „Grello“ Design fährt. Sein Teamkollege ist nicht Morris Schuring, der letztes Jahr den dritten Manthey Porsche gefahren ist, sondern Ricardo Feller, der nach dem kurzfristigen Einsatz mit Land Motorsport im letzten Jahr erstmals für Manthey unterwegs ist. Land Motorsport ist dabei ein gutes Stichwort. Nach über zehn Jahren im GT3-Sport mit Audi ist das Team nun zu Porsche gewechselt und setzt einen 911er mit Bastian Buus ein, der ursprünglich 2025 für Allied Racing geplant war, bevor das Projekt aufgrund einer Insolvenz des Teams geplatzt ist.
Mercedes
Nichts verändert hat sich dieses Jahr bei Mercedes, die in den letzten Jahren nach dem Titel von Maximilian Götz 2021 immer wieder knapp am Titel gescheitert sind. Lucas Auer kann mittlerweile zu den besten DTM-Piloten der letzten Jahre gezählt werden, ohne den Titel zu gewinnen. Nach einem starken Debütjahr für das Team Landgraf Motorsport, die aus dem ADAC GT Masters aufgestiegen sind, ist der dem Team auch dieses Jahr treu geblieben. Auch Tom Kalender, der letztes Jahr der jüngste Stammfahrer aller Zeiten in der DTM wurde, bekommt die Chance für ein weiteres Jahr. Für Winward Racing sind auch dieses Jahr die beiden Routiniers Maro Engel und Jules Gounon unterwegs. Damit hat Mercedes drei Fahrer im Aufgebot, die allesamt um den Titel fahren können – sich aber genauso gut die Punkte gegenseitig wegnehmen können.
BMW
Teamseitig hat sich auch bei BMW nichts verändert, wo Schubert Motorsport weiterhin das einzige Einsatzteam für den M4 Evo stellt. Mit Kelvin van der Linde kehrt ein bekannter Name in die Rennserie in seinem zweiten Jahr als BMW-Werksfahrer zurück. Dieser ersetzt René Rast, der sich bewusst in diesem Jahr auf die Einsätze im LMDh-Bereich konzentriert und (zumindest nach außen hin) freiwillig aus der Rennserie ausgestiegen ist. Marco Wittmann bleibt hingegen die gewohnte Aktie im BMW-Aufgebot. Nicht zu vergessen: Beide Titel gewann er noch in der Blütezeit des Class1-Reglements 2013 und 2015.
Lamborghini
Phasenweise war in den letzten Saisons der Lamborghini Huracan das zahlenmäßig dominante Auto der DTM und konnte mit SSR Performance 2024 den Titel holen, bevor das Team nach dem Ausstieg des Hauptsponsors zumachen musste. Dieses Jahr setzt Abt Sportsline den neuen Temerario ein, der vor allem zu Beginn der Saison noch viel Entwicklungszeit braucht. Auch mit Luca Engstler und Marco Mapelli setzen die Allgäuer auf ein komplett neues Duo. Für Mapelli ist es mit 40 Jahren tatsächlich die erste volle Saison als Stammfahrer in der DTM, während Engstler von Grasser Racing wechselt. Zu Grasser Racing wechselt wiederum Mirko Bortolotti nach einem sehr frustrierenden Jahr bei Abt 2025. Bei ihm an der Seite ist Maximilian Paul, der erstmals den Status als Werksfahrer hat. Das familieneigene Team von Paul Motorsport, die immer wieder Achtungserfolge feiern konnten, ist hingegen nicht mehr am Start.
Ferrari
Emil Frey Racing geht unter den Ferrari-Teams weiterhin eigene Wege. Auch nach dem einmaligen Auftritt mit Max Verstappen im Rahmen der NLS letztes Jahr, setzt das Team weiterhin komplett auf Sprintserien. Jack Aitken, der letztes Jahr einer der vielen Piloten war, die bis zum Schluss Chancen auf den Titel hatten, ist dieses Jahr durch sein IMSA-Programm mit Cadillac nicht am Start. Recht überraschend ist Matteo Cairoli dieses Jahr am Start, der nach den Stationen bei Porsche, Lamborghini und Mercedes nun offenbar einen Vertrag als Freelancer ohne Herstellerbindung hat. Teamkollege ist weiterhin der Niederländer Thierry Vermeulen. Für Ben Green war dieses Jahr kein Platz mehr, da Emil Frey ähnlich zu Manthey von drei auf zwei Autos abspeckt.
Ford
Nachdem das Haupt Racing Team im letzten Jahr immer wieder Achtungserfolge verzeichnen konnte, möchten sie dieses Jahr den nächsten Schritt gehen. Mit Arjun Maini ist jemand mit immerhin zwei Platzierungen unter den Top5 weiterhin im Aufgebot. Statt Fabio Scherer ist der letztjährige ADAC GT Masters Champion Finn Wiebelhaus mit dabei, der eine ähnliche Rolle wie Tom Kalender bei Landgraf Motorsport spielt. Es zeigt, dass das neu eingeführte Konzept „Road to DTM“ durchaus Früchte trägt.
McLaren
Ähnliche Achtungserfolge wie HRT konnte auch Dörr Motorsport mit dem McLaren im letzten Jahr
einfahren. Ben Dörr, der auch dieses Jahr im Aufgebot ist, war immer wieder für gute Leistungen in den Qualifyings gut. Jedoch hat es beim Team häufig an administrativen Dingen wie den Boxenstoppzeiten gehapert. Eine Saison zum Vergessen erlebte hingegen Timo Glock, der dieses Jahr mehr denn je bei Dörr Motorsport mit einem NLS- und 24h-Programm beschäftigt ist.
Aston Martin
Comtoyou Racing hatte im letzten Jahr ein erwartet schwieriges Debütjahr. Viele Rennstrecken waren neu und fahrerisch musste das Team aus Belgien mit Gilles Magnus und Nicolas Baert feststellen, dass sie wohl
mit einem Gold- und Silberfahrer nicht ganz das Niveau für Spitzenergebnisse hatten. Nicolas Baert bekommt jedoch ein weiteres Jahr mit einem deutlich erfahreneren Teamkollegen. Nicki Thiim konzentriert sich in diesem Jahr auf die Einätze im Aston Martin, ohne für die DTM auf ein anderes Modell umsteigen zu müssen. Das Team hat sich mit Mario Schuhbauer als Projektleiter verstärkt, der 2024 mit Mirko Bortolotti und SSR Performance Meister wurde.
Insgesamt schrumpft das Feld von 24 auf 21 also etwas zusammen, was durch die Reduktion von drei auf zwei Autos bei Manthey und Emil Frey sowie den Ausstieg von Paul Motorsport zustande kommt.
ADAC GT Masters
Mit weitaus weniger Autos muss seit 2023 das ADAC GT Masters auskommen. Auch in diesem Jahr hat man mit 14 Autos ein lediglich begrenzt ausreichendes Feld zustande bekommen. Zumindest konnten für einzelne Veranstaltungen wie in Spielberg ein paar Gaststarter hinzugewonnen werden, für die eine gesamte Saison jedoch nicht realisierbar ist. Selbst in der GT4 Germany wurde die 20er Marke für 2026 knapp verfehlt. An Internationalität mangelt es dem GT Masters stattdessen nicht. Die 28 Stammfahrer kommen aus 15 verschiedenen Nationen. Nach Spielberg geht es wie in der DTM auf den identischen Strecken wie im letzten Jahr weiter mit Zandvoort, Lausitzring, Nürburgring, Salzburgring und Hockenheim. Das Wochenende am Nürburgring ist weiterhin im Rahmen des Truck GP, Salzburgring im Rahmen eines ADAC Racing Weekends mit einigen Breitensportserien. Am Lausitz- und Salzburgring wird erneut das „Endurance“ Format von 80 Minuten mit einem kurzen Nachtankstopp gefahren.
Ford
Wie schon letztes Jahr setzt Haupt Racing drei Mustang ein und wird zu vier der acht DTM-Wochenenden mit stolzen fünf Autos im Anlieger anreisen! Als 1. Startnummer gehen dieses Jahr Max Reis und Emil Gjerdrum an den Start, der von Engstler Motorsport gewechselt ist. Neben Reis ist auch Niklas Kalus im Team geblieben, der vom Österreicher Kiano Blum als GT3-Neuling unterstützt wird und letztes Jahr noch im Porsche Carrera Cup fuhr. Den dritten Wagen pilotieren der Italiener Max Cuccarese und Alain Valente, der nach Mercedes und Audi nun eine weitere Marke in der Rennserie fährt. Cuccarese ist ein weitgehend unbeschriebenes Blatt und plant wohl neben dem GT-Sport auch eine Saison in der Boss GP zu fahren.
Lamborghini
Nachdem letztes Jahr Engstler und Grasser zusammengespannt haben, ist dieses Jahr nur das Liqui Moly Team Engstler genannt – und wird dennoch drei Autos einsetzen. Jedoch anders als die Teams in der DTM nicht den neuen Temerario, sondern den Huracan Evo II, was aber bekanntlich kein Nachteil sein muss. Wie auch bei HRT hat man eine Mischung aus Lamborghini-Erfahrenen Piloten und absoluten GT3-Neulingen am Start. Das erfahrenste Duo ist mit Jonas Karklys und John Paul Southern am Start. Finn Zulauf bekommt Verstärkung von Felix Hirsiger als letztjährigen Meister der europäischen Ferrari Challenge. Der Österreicher Tim Hütter teilt sich das Auto mit Ethan Braun aus Singapur. Bislang ist dieses Duo im Silver Cup genannt, könnte aber kurzfristig noch in den Pro-Am-Cup rutschen, wo bisher noch kein Duo genannt ist.
BMW
Als einziger Hersteller mit zwei Einsatzteams ist BMW in der Rennserie dabei. FK Performance wird dabei das nächste Team sein, was den Einsatz von drei Autos stemmen wird. Es macht deutlich, dass ohne die Aufstockungen mancher Teams die Rennserie ein großes Problem hätte und wir von einem ähnlichen Feld wie 2023 nicht weit entfernt wären! Das Duo Tim Zimmermann und Leyton Fourie geht nun ins zweite Jahr und wird den Titel als Ziel haben. Storm Gjerdrum, der letztes Jahr einen heftigen Crash bei seinem Lamborghini-Gaststart am Salzburgring hatte, fährt sein erstes volles Jahr und teilt sich das Cockpit mit dem GT4-Aufsteiger Fabio Rauer. Neben Leyton Fourie ist mit Joseph Ellerine ein weiterer Südafrikaner zusammen mit dem Spanier Jan Duran genannt, der letztes Jahr Vizemeister der GT4 European Series wurde. Neben FK Performance ist auch Schubert Motorsport wieder mit einem Fahrzeug dabei – auch dieses Jahr wieder mit den beiden Zwillingsbrüdern Sandro und Juliano Holzem. Für Sandro Holzem ist es das dritte Jahr im GT Masters, nachdem er 2023 bereits eine halbe Saison in der DTM für Projekt1 fuhr.
Porsche
Nachdem Fach Autotech als Stammteilnehmer in der Pro-Am-Klasse nicht mehr genannt ist, ist nach einem starken Debütjahr Razoon more than racing das einzige Porsche-Team in der Serie und stockt erstmals auf zwei Autos auf. Weiterhin im Team ist Leo Pichler, der dieses Jahr vom Porsche-Carrera-Cup-Aufsteiger Colin Jamie Bönighausen unterstützt wird. Das zweite Auto fahren der Slowene Mark Castelic sowie der Bulgare Pavel Leferov, den man in Deutschland bisher hauptsächlich von Auftritten im Konrad Lamborghini in der NLS kannte.
Audi
Der ADAC kann sich glücklich schätzen, dass auch dieses Jahr ein paar Neulinge hinzugekommen sind. Auch wenn Land Motorsport durch den Wechsel auf Porsche den Fokus rein auf die DTM legt, ist mit HGL Racing bei Seyffarth Motorsport weiterhin ein Audi R8 LMS Evo II in der Serie vertreten. Gerade bei dem guten Preis-Leistungsverhältnis für einen R8 ist es verwunderlich, dass in einer Pro-Am- und Nachwuchsserie wie dem GT Masters nicht mehr dieser Autos genannt sind. Hinter dem neuen Team steckt Rüdiger Seyffarth, der bis Anfang der 2020er Jahre einen eigenen Markenpokal für die GT4-Modelle von Audi veranstaltet hat. Der Pole Robin Rogalski war in den letzten Jahren immer wieder für verschiedene Seyffarth -Einsätze am Start und bleibt dem Team auch im GT Masters weiterhin treu. Mit dabei ist Simon Connor Primm, der letztes Jahr im Lamborghini den ersten Lauf in Zandvoort gewann.
Aston Martin
Da Comtoyou Racing in der GT World Challenge gut und gerne einen Einsatz von drei oder gar vier Aston Martin betreut, war ein Einstieg ins ADAC GT Masters als Ergänzung durchaus nachvollziehbar. Die Fahrer sind bereits aus der GT World Challenge mit Jamie Day und Baudouin Detout bekannt und könnten im deutlich kleineren Starterfeld ihre Leistungsfähigkeit sichtbarer unter Beweis stellen.
TV und Streaming
An der TV-Situation der DTM-Plattform hat sich nichts Entscheidendes verändert. Die DTM wird weiterhin von Pro7 übertragen, während die Trainings und Qualifyings weiterhin bei Joyn kommen. Neu ist, dass auf Joyn ein durchgehender Stream für die kompletten Renntage mit dem „Fan TV“ von der Strecke durchlaufen soll, sprich mit der Moderation und den Streckensprechern von vor Ort. Das ADAC GT Masters und die GT4 Germany wird weiterhin von Sport1 übertragen, samstags im Stream, sonntags in der Regel live im linearen TV. Nicht mehr genannt ist hingegen Sky, die letztes Jahr das ADAC GT Masters und die GT4 meist zeitversetzt gezeigt haben.
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2614,2617,3557)
