Die Formel Eins erwacht aus der Sommerpause und startet den zweiten Teil der Saison in Zandvoort.
Die gute Nachricht: Über den Sommer wurde niemand entlassen. Kein Teamchef, kein Fahrer. Ist ja auch selten geworden. Stattdessen wurden Fahrer eingestellt. Cadillac hat sich wenig überraschend für die Fahrerpaarung Sergio Perez und Valtteri Bottas entschieden. Man setzt auf Erfahrung, und das nicht nur aus Sicht der Weiterentwicklung des Teams. Beide Fahrer bringen viel Wissen aus Top-Teams mit, was primär für die Organisation und die Abläufe am Wochenende gilt. Was für ein neues Team fast wichtiger ist, als das Auto selbst.
Williams ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie schwer es selbst alteingesessenen Teams fallen kann, an einem Wochenende auch organisatorisch fehlerlos zu sein. Man hat zwei gute Fahrer, man hat ein brauchbares Auto, scheitert aber oft an Fehlern bei der Vorbereitung am Wochenende und bei der Strategie. Cadillac wird das auch passieren, aber man hofft, dass Perez und Bottas den Lernzeitraum für das Team verkürzen.
Die Frage, ob sie auch dabei helfen können, das Auto schnell in die richtige Spur zu bekommen, ist dann wieder eine andere. Fahrzeuge und Motoren sind ab dem nächsten so anders, dass es keinen Vergleich zu den Vorjahren gibt. Bei der letzten Evolution im Jahr 2021 blieb ja immerhin der Motor erhalten, nächstes Jahr ist alles anders. Alle Fahrer werden komplett neu lernen müssen.
Natürlich ist es auch ein wenig enttäuschend, dass Cadillac keinen Nachwuchsfahrer engagiert hat. Mick Schumacher stand wohl mal auf der Short-List, aber seine Chancen waren wohl von vornherein eher dünn. Aber es gibt Gerüchte, dass Schumacher dennoch bei Cadillac gelandet ist – in der WEC. Nachdem Jenson Button seine Karriere als Rennfahrer beendet hat, soll er diesen bei Jota beerben. Vielleicht wird es irgendwann mal was mit einem Sieg in Le Mans.
Mehr in Richtung Weltmeistertitel in der Formel Eins schauen die beiden McLaren-Piloten. Es müsste tatsächlich schon einiges passieren, damit ein anderer Fahrer noch in der Lage kommen könnte, Norris und Piastri zu ärgern. Verstappen fehlen jetzt schon 97 Punkte auf den WM-Führenden Piastri, Russell 112 Punkte. Und beide Teams erweckten dieses Jahr kaum den Eindruck, als könnten sie McLaren dauerhaft schlagen.
Das dürfte in Zandvoort auch nicht anders sein. Vergangenes Jahr dominierte Lando Norris das Rennen und gewann mit 22 Sekunden vor Max Verstappen. Der Abstand sollte in diesem Jahr etwas geringer ausfallen, aber am Ende werden es die McLaren sein, die man erst mal schlagen muss.
Die Plätze dahinter sind offen. Red Bull und Ferrari dürften die ersten Verfolger sein, aber wer von beiden ein Podium erobern kann, ist schwer zu sagen. Verstappen bei seinem Heimrennen ist eine schwer einzuschätzende Größe, auch wenn der Red Bull in diesem Jahr nicht gelungen ist. Bei Ferrari weiß man nie, was einen erwartet.
Bei den Roten dürfte die spannendste Frage sein, mit welcher Laune Lewis Hamilton aus dem Urlaub zurückgekommen ist. Seine fahrerische Depression aus Spa sollte er abgelegt haben, die Frage ist allerdings, wie lange das anhalten wird und wie klein oder groß sein Abstand zu Leclerc an diesem Wochenende sein wird.
Mercedes hatte im letzten Jahr massive Probleme mit den Reifentemperaturen. Das Problem hat man zwar verbessert, aber immer noch nicht im Griff. Ich sehe sie daher in Zandvoort eher hinter der Konkurrenz. Nur das Wetter könnte daran etwas ändern.
Das dicht gedrängte Mittelfeld ist schwer einzuschätzen. Ich bleibe weiter bei meiner Einschätzung, dass Williams auf dem Papier das beste Paket hat, aber gerne an sich selbst scheitert. Aston Martin ist aber mittlerweile nicht mehr weit weg und auch Sauber hat bekanntermaßen nachgelegt. Damit hat man schon mal drei Teams, die sich um die letzten Punkte schlagen.
Ebenfalls nicht weit weg sind die Haas, deren schwankende Leistungen in diesem Jahr eine bessere Positionierung in der WM verhindert haben. RB glänzt hier und da bei einzelnen Rennen, aber es fehlt auch die Konstanz, die Williams und (mittlerweile) Sauber haben. Alpine bleibt Schlusslicht und fällt nur dann auf, wenn Gasly mehr aus dem Auto herausholt, als eigentlich drinsteckt.
Strategie:
Pirelli hat sich auch für Zandvoort in diesem Jahr dazu entschlossen, die Reifen eine Stufe weicher zu machen. Es gibt C2, C3 und C4, was angesichts des Rennens im letzten Jahr auch die richtige Entscheidung ist. Das wird aber nicht reichen, um die Teams von einer Ein-Stopp-Strategie abzubringen. C2 und C3 werden die Rennreifen sein, wobei der C2 dann für den letzten Stint verwendet wird. Eventuell könnte man Abweichler von dieser Strategie im Mittelfeld sehen, denn die FIA hat das Tempolimit in der Box von 60 auf 80 km/h angehoben.
Eine andere Frage wird das Wetter sein. Die Vorschauen sind sich natürlich uneinig, aber alle sehen immerhin eine relativ hohe Regenwahrscheinlichkeit am Sonntag. Die Frage ist nur wann der Regen kommt. Vor dem Rennen? Nach dem Rennen? Während des Rennens? Das sollte zumindest eine gewisse Würze in Rennen und in dem Kampf um den Sieg bringen.
Bilder: Pirelli


