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Formel Eins: Vorschau GP von Belgien 2025

von DonDahlmann
1 Kommentare 6 minutes read

Nach drei Wochen Pause ist die F1 zurück in Spa. Und Red Bull dürfte nach der Entlassung von Christian Horner im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.

Die Entlassung eines Teamchef ist immer ein großes Thema in der Formel Eins, aber wenn einer der prominentesten und gleichzeitig der Dienstälteste Chef entlassen wird, dann ist das noch mal was anderes. Es wurde viel spekuliert, warum Horner entlassen wurde. Eine richtige Antwort darauf gibt es nicht, zu mal Horner sich auch nicht geäußert hat. Ganz überraschend ist die Entlassung aber nicht.

Horner stand spätestens seit dem letzten Jahr unter massiven Druck. Die Affäre um seine zumindest geschmacklosen Textnachrichten an seine Assistentin hatte Horner schon fast seinen Job gekostet. Ob jetzt am Ende der immer stärker wachsende Einfluss der Verstappen Familie ihn seinen Job gekostet hat, oder der kolportierte Zwist mit den österreichischen Red Bull Eignern über die Frage, wie viel Macht Horner haben darf, wird vermutlich erst später geklärt. Vermutlich war es eine Mischung aus beidem.

Red Bull steckt in einer Krise, so viel ist klar. Der Verlust von Rob Marshall, Adrian Newey und Jonathan Wheatley sind nur schwer zu verkraften. Und Red Bull scheint der Annahme anzuhängen, dass dies Horner anzulasten ist. Würde man jetzt noch Verstappen verlieren, das Team wäre im Nirgendwo, wie Perez, Lawson und Tsunoda in den vergangenen Monaten gezeigt haben. Das kann man sich nicht erlauben, denn ab dem nächsten Jahr steigt dann Ford als wichtiger Partner bei Red Bull ein.

Das sich das Camp Verstappen und Christian Horner nicht mehr leiden können, ist kein Geheimnis. Auf der anderen Seite steigt die Abhängigkeit des Teams von Max Verstappen durch die Entlassung immer weiter. Im Grunde müssen die Verstappens nur andeuten, dass der Weltmeister zu Mercedes oder Aston Martin wechseln könnte, und Red Bull knickt ein. Keine gesunde Grundlage für ein Team. Was auch der Grund ist, warum andere Teams ab einem bestimmten Moment nach der Devise verfahren „Niemand ist größer als das Team“.

Die Frage ist zudem, ob sich Red Bull durch die Entlassung von Horner nicht noch weiter geschwächt hat. So sympathisch Laurent Mekkies, der jetzt übernimmt, auch sein mag. Er muss erst beweisen, dass er das ein Team in einer Krise führen und für die Zukunft vorbereiten kann. Denn Helmut Marko wird ja nicht mehr ewig im Hintergrund agieren. In Spa werden die Medien viele Fragen stellen und Red Bull wird sie genervt ignorieren. Auf die süffisanten Kommentare von Toto Wolff kann man sich aber schon mal freuen.

Das Rennen in Spa wird dann hoffentlich genauso viel Spannung bringen. Das größte Interesse dürfte auf der Performance der Ferrari liegen. Die hatten beim letzten Rennen in Silverstone zwar nicht gerade ein Highlight setzen können, waren aber insgesamt besser unterwegs, als zuvor. In der letzten Woche nutzte das Team den letzten „TV-Tag“ um in Fiorano mit beiden Fahrern eine neue Hinterradaufhängung zu testen.

Die SF-25 hat das Problem, dass man das Chassis nicht so tief einstellen kann, wie man das gerne würde, weil das zu einer Abnutzung der Planke unter dem Auto führt. Natürlich könnte man die Federn härter einstellen, aber das führt dazu, dass das Auto springt und zu spitz zu fahren ist. Die neue Aufhängung, seit mehreren Monaten in der Planung, soll das Problem lösen. Einen Kommentar zu den Testfahrten gab es nicht. Ich gehe davon aus, dass die neue Aufhängung aber in Spa zum Einsatz kommt, da es hier extrem wichtig ist, dass man das Auto so tief wie möglich fährt.

McLaren sehe ich in Spa nicht ganz so stark. Der erste und der dritte Sektor sind (sollte McLaren keine Updates dabei haben) nicht die Sache des Autos. Der zweite Sektor ist allerdings reines McLaren-Land. Wie sich das über eine Runde ausspielen wird, wird spannend zu sehen sein. Aber Red Bull hat hier durchaus gute Chancen auf die Pole und den Sieg. Mercedes scheint mir nicht stark genug zu sein und bei Ferrari hängt alles wie erwähnt an der neuen Aufhängung.

Ebenso spannend ist die Frage, wer „best of the rest“ wird. Ich sehe weiterhin Williams hier in der besten Position. Das Auto hat das Potential. das Team aber noch nicht. Fehler in der Vorbereitung, Fehler in der Strategie auf der Strecke und individuelle Fehler führen immer wieder zu Rückschlägen.

„It is all about execution“ heißt es im Englischen. Was sagen soll „Du kannst auch mit unterlegenen Material einen stärkeren Gegner schlagen, wenn das Team richtig zusammenarbeitet.“ Und genau da hapert es im Moment bei Williams – was dann auch mit James Vowles zusammenhängt. Ohne diesen kritisieren zu wollen (Williams war am Boden als er das Team übernahm) wird seine Zukunft auch davon abhängen, wie gut er dieses Problem löst.

Dahinter (oder auf Augenhöhe) tummeln sich RB, der verbesserte Aston Martin, Sauber und Haas. Alle vier haben in diesem Jahr bewiesen, dass sie auf bestimmten Strecken gut sein können und vor allem der Aufwärtstrend bei Sauber ist bemerkenswert. Das letzte Update hat laut Aussage von Hülkenberg, das Auto nicht schneller, aber fahrbarer gemacht. Was in Spa sicher ein Vorteil ist.

Haas ist im Moment dagegen in einer Mini-Krise, aber die interessantere Frage ist, wie weit mittlerweile der Einfluss von Toyota ist. Man testet im September mit einem zwei Jahre alten Haas in Fuji (Hausstrecke von Toyota) mit Ryo Hirakawa und Sho Tsuboi, den dreimaligen SuperGT-Champion. Das wird sich Haas bezahlen lassen, aber das es zeigt auch, wie sehr Haas Toyota mitten in der Saison entgegenkommt. Was die Gerüchte um einen möglichen Einstieg von Toyota ab 2027 weiter beflügelt.

Am Ende des Felds wird Alpine sein. Der schwache Renault-Motor dürfte auf den langen Vollgaspassagen in Spa verhungern. Da wird auch Pierre Gasly nur wenig ändern können. Dazu kommt die notorisch schlechte Performance bei den Reifen. All das wird Alpine in Belgien nicht helfen.

Strategie:

Und nun zum Wetter. Es soll Freitag und Samstag trocken bleiben, für Sonntag sind allerdings Gewitter und Schauer angesagt. Bekanntermaßen ist Regen in Spa immer eine Möglichkeit und eine richtige Vorhersage kann man erst am Tag des Rennens treffen. Dazu kommt: Es ist ein Sprint-Wochenende und Pirelli hat sich was bei den Reifen einfallen lassen. Es gibt C1, C3 und C4. Interessanterweise ist man mit dem C1 eine Stufe härter unterwegs, als im letzten Jahr. Die Idee dahinter: man will die Teams auf die weicheren Reifen zwingen, damit mehr als einmal gestoppt wird.

Das Delta zwischen den C3 und C1 beträgt rund 1 bis 1,2 Sekunden pro Runde. Auf der anderen Seite kann man eine Eine-Stopp-Strategie versuchen, denn man dürfte 30 der 44 Runden mit dem C1 unterwegs sein. Die Frage ist, wie groß der Verlust über die Distanz ist und wie gut der Reifen am Ende eines 30-Runden-Stints sein wird. Das Risiko, dass man am Ende von Fahrern überholt wird, die auf frischen C3 unterwegs sind, ist hoch. Aber ein paar Fahrer aus dem Hinterfeld könnten sich auf das Experiment einlassen.

Der Two-Stop erwies sich 2024 als bevorzugte Wahl, da die Hard hinsichtlich Stabilität und Leistung am zuverlässigsten funktionierte. Von den 19 Fahrern, die das Rennen beendeten, gab es aber nur fünf, die lediglich einmal an die Box kamen, um von Medium auf Hard zu wechseln. Und keiner war vorn platziert.

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1 Kommentare

nona 25 Juli, 2025 - 10:03

Ich find’s immer so’n bisschen abgefahren, dass Marko anscheinend zunehmend versucht, Vettel als seinen potentiellen Nachfolger zu positionieren. Vettel mag mit dem Herzen immer noch im Motorsport verankert sein und das Haifischbecken bestens kennen, aber bei all seinen sonstigen extrakurikularen Aktivitäten und allgemeinen Haltungen und Ansichten kann ich mir irgendwie schwer vorstellen, dass er sich sowas ernsthaft würde antun wollen.

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