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GT World Challenge Europe Sprint Cup: Analyse Misano

von Nils Otterbein
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Die Veranstaltung am Rimini bildete die Halbzeit der Saison im Sprint Cup. Das Wochenende wurde von einer großen Schrecksekunde während des zweiten Rennens dominiert und der Rückkehr eines Lokalmatadors in die Sprintrennen der europäischen GT3-Elite.

Was früh in der Saison angekündigt wurde, war der Gaststart von Valentino Rossi mit Raffaele Marciello in der Nähe seiner Heimat. Nach zwei Rennsiegen und einer oft erdrückenden Dominanz der WRT-Mannschaft auf dieser Strecke, könnte der Ort für eine Gaststart nicht passender sein, was zumindest in einem der beiden Rennen deutlich wurde. Insgesamt waren es mit dem Debüt von UNX Racing, die mit einem Porsche antraten, 43 Autos. Leider ist mindestens vorrübergehend mit Steller Racing die Corvette aus dem Feld aufgrund von Sponsorenproblemen verschwunden.

Samstag

Mittlerweile ist es bei einem derart großen Feld im Sprint Cup üblich geworden, dass die Qualifikation in zwei Startgruppen geteilt wird. In der Quali für das erste Rennen gingen in Q1A der Pro- und Gold Cup sowie in Q1B der Silver- und Bronze Cup an den Start. Am Sonntag wurde die Reihenfolge umgedreht. Im Gegensatz zum letzten Sprint Event in Zandvoort blieben dieses Mal trotz Streckenentwicklung die großen Überraschungen aus. Nur der Kessel Ferrari von Dennis Marschall konnte sich vorne gegen die Konkurrenz im Pro Cup behaupten und nahm die erste Startreihe neben Alessio Rovera im AF Corse Ferrari ein. Überhaupt waren die Ferrari sehr überlegen mit vier Autos in den Top5. Valentino Rossi konnte sich immerhin noch gegen die Emil Frey Ferraris durchsetzen und landete hinter Rovera und Marschall auf der dritten Position. Der Winward Mercedes von Engel/Auer verpasste die Top10.

Bis zum Rennstart in den Abendstunden des Samstags gab es eine schier ewiglange Pause. Genug Zeit für einige BOP-Anpassungen, die 15 Kilo Zuladung für Ferrari und BMW vorsahen, die sich wie erwähnt die ersten drei Reihen aufteilten.

Rennen 1

Wie erwartet geht ein Start in ein Sprintrennen mit 43 Autos selten ohne Bambule aus – so auch dieses Mal. Im Mittelfeld sorgte eine Kollision zwischen dem Boutsen VDS Mercedes von Maxime Martin, dem Emil Frey Ferrari von Chris Lulham und dem AlManar WRT BMW von Jens Klingmann für die erste Safety-Car-Phase. Auch für Arthur Leclerc begann ein Wochenende zum Vergessen mit einem Reifenschaden in Verbindung mit der Kollision. Mit Rovera vor Marschall, Rossi und Green gab es zunächst keine Platzwechsel, die es genauso wenig nach der nächsten Neutralisation, dieses Mal mit einer Full Course Yellow gab. Verursacht wurde diese durch einen Abflug von Christian Engelhart im Grasser Lamborghini nach einer Kollision mit dem Ziggo Sport Tempesta Ferrari. Nach dem Sonntagsrennen wäre die Truppe aus Österreich froh gewesen, wenn es bei diesem Zwischenfall geblieben wäre.

Die Reihenfolge im Verlauf des ersten Stints war an vielen Stellen provisorisch, da innerhalb der Bronze-Teams jeweils der Platin-Pilot den Start inklusive der Qualifikation gefahren ist und die für diese Klasse geltende Mindestaufenthaltszeit an der Box zum Faktor wird. Dennis Marschall konnte jedoch den Grundstein für den Klassensieg mit seinem Kessel Ferrari legen, indem er zwischendurch Alessio Rovera die Führung streitig machte. Gleiches galt für den Lionspeed Porsche mit Ricardo Feller und dem Paradine Competition BMW mit Dan Harper, die sich in den Top10 bewegten. Die Gewichtsanpassungen nach der Qualifikation machten sich kaum bemerkbar und das Feld wurde schon vor den Stopps zunehmend auseinandergezogen.

Der AF Corse #51 wurde nun von Vincent Abril übernommen, der sich nach dem Service vor Raffaele Marciello als Teamkollege von Valentino Rossi und Kelvin van der Linde als Kollege von Charles Weerts befand. Der zweite WRT BMW gewann damit zwei Plätze durch einen gewohnt schnellen Stopp und ging am Rutronik Porsche mit Sven Müller und dem Emil Frey Ferrari von Konsta Lappalainen vorbei. Die wichtigsten Personen des zweiten Stints sollten nun Raffaele Marciello und Maro Engel werden, die in den tiefergehenden Abend hinein die beste Pace haben sollten. Während Marciello den Druck auf Abril erhöhte, konnte Engel am Spa-Sieger Luca Engstler auf die sechste Position vorbeigehen, um anschließend Druck auf Konsta Lappalainen im Ferrari zu machen.

In den Schlussminuten konnte Marciello dann den dritten Sieg für Valentino Rossi in Misano fixieren, da der BMW für Vincent Abril nicht mehr zu halten war. Ganz zum Schluss erfolgte noch eine Restart-Situation, nachdem einer der CSA McLaren kurz am Streckenrand stand und für eine kurze Sequenz Full-Course-Yellow ausgerufen wurde. Maro Engel konnte daraufhin noch an Sven Müller im Rutronik Porsche vorbeigehen und konnte hinter den beiden WRT BMW und dem AF Corse Ferrari mehr als Schadensbegrenzung für die Meisterschaft betreiben.

Die beiden FCY-Phasen sollten wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen jedoch nicht ohne Folgen bleiben. U.a. wurden der Rutronik Porsche mit Müller/Niederhauser, der Emil Frey Ferrari mit Green/Lappalainen und der Grasser Lamborghini mit Pepper/Engstler mit einer zehn Sekunden Penalty gebüßt.

Der Gold Cup ging schlussendlich an den Garage 59 McLaren von Fleming/Prette, der Silver Cup souverän an Perez Comanc/Aka im Attempto Audi und der Bronze Cup nach dem starken ersten Stint an Marschall/Blattner im Kessel Ferrari.

Aus Zuschauersicht bieten die abendlichen Rennen in Misano durch das aufkommende Endurance-Feeling immer eine gewisse Abwechslung in den Sprint Cup. Der Sonntag lief zur üblichen Startzeit ab.

Sonntag

Nachdem der Silver- und Bronze Cup nun in Q2A starteten, wurde die Qualifikation noch deutlicher für den Pro Cup entschieden. Marvin Kirchhöfer zeigte mit der Pole eine ähnliche Pace wie beim 24 Stunden Rennen in Spa. Mit fünf Marken auf den ersten fünf Plätzen war das Bild dieses Mal deutlich ausgeglichener. Mit Gilles Magnus im Sainteloc Audi und Thierry Vermeulen im Emil Frey Ferrari waren zwei Autos aus dem Gold Cup in der dritten Startreihe hinter Kirchhöfer, Marciello. Engel und Abril zu finden.

Rennen 2

Gewinner des Starts wurde Sven Müller im bestplatzieren Porsche, der an Abril, Magnus und Vermeulen vorbeiging und sich hinter den unveränderten Top3 einreihte. Der Start ging zunächst gut aus, auch wenn im Mittelfeld der Kessel Ferrari einen der AF Corse umdrehte. Den größten Sprung erlebte Kelvin van der Linde, der nach einem schwachen Qualifikationsergebnis in die Top10 kam.

Nach etwa zehn Minuten folgte dann der große „Knall“, der nach einer Full-Course-Yellow zu einer roten Flagge sorgte. Wie üblich wird innerhalb der SRO-Rennserien der Unfall erst erwähnt und gezeigt, wenn die Gesundheit des Fahrers in Ordnung ist. Den Grund für die rote Flagge sah man recht schnell, nachdem Georgi Donczew von seinem Lamborghini wegsprintete, den man jedoch als brennendes Wrack kaum noch erkennen konnte. In der „Curvone“ bekam er von Darren Leung im Paradine BMW eine Berührung am Heck und schlug brutal ein, woraufhin das Auto schlagartig Feuer fing. Ein wenig erinnerte es an den Unfall von Dylan Pereira im Attempto Audi in Barcelona 2024. Donczew konnte sich in wenigen Sekunden befreien, was jedoch ein weiteres Gefahrenpotenzial hervorrief: Kurz vor seinem Aussteigen fuhr Gabriel Rindone im Lionspeed Porsche in das brennende Wrack hinein und die Hinterherfahrenden waren noch im vollen Tempo unterwegs. Riesenglück, dass er beim notwendigen Aussteigen von keinem Kollegen getroffen wurde! Damit folgte eine über zweistündige Unterbrechung, da der Zustand der Leitplanke an den F1-Unfall von Romain Grosjean in Bahrain erinnerte. Nach einigen Onboardbildern, den Highlights des ersten Rennens und vielen Interviews ging es dann am Nachmittag mit den rund 45 verbleibenden Minuten hinter dem Safety Car weiter. Respekt an die SRO-Übertragung, dass die Übertragung nicht einfach mit einem Standbild, sondern regulär weitergeführt wurde!

Damit folgten für die aktuellen Piloten nur noch zwei bis drei Runden vor dem Beginn des Stoppfensters, was unmittelbar nach dem Restart fast alle Piloten sehr früh nutzten, um den Vorteil der frischen Reifen nach dem Stopp möglichst lange nutzen zu können. Während die beiden Topplatzierten Kirchhöfer und Marciello in der erstmöglichen Runde reinkamen, folgte u.a. Maro Engel in der zweiten Runde. Auer konnte sich nur mit Mühe und Not gegen den eine Runde früher reingekommenen Rutronik Porsche verteidigen. Auch an der Box entstand ein gefährlicher Moment, als Dan Harper nach der Übernahme von Darren Leung einen liegenden Reifen erwischte, der anschließend durch die Pitlane schoss, ohne jemanden zu treffen.

Im führenden McLaren übernahm nun Benjamin Goethe, dessen möglicher Sieg durch eine Durchfahrtsstrafe gegen den WRT BMW rund um Marciello/Rossi zunehmend abgesichert wurde. Anfangs der Box hat bei Marciello der Limiter kurz nicht funktioniert, was zu einem kurzzeitigen Überschießen der Maximalgeschwindigkeit sorgte. Ein Fehler, der gefühlt in diesem Motorsportjahr serienübergreifend immer wieder passiert, dass Limiter im Fall einer FCY-Phase oder vor bzw. nach einem Stopp nicht richtig eingestellt sind.

In den Schlussminuten hatte der Winward Mercedes wie schon am Samstag eine gute Pace, womit Lucas Auer nochmal richtig Druck auf Goethe machen konnte, ohne jedoch zu viel zu riskieren. Dem AMG fehlte etwas der Topspeed, wodurch er nicht zum Überholen ansetzen konnte. Für McLaren ist es damit die erste Saisonsieg in der Gesamtwertung, was nach den guten Auftritten im Endurance Cup eigentlich überfällig war. Rutronik landete auf dem dritten, AF Corse mit Rovera/Abril auf dem vierten Rang. Die starke WRT-Serie, die fast immer in den letzten Jahren in Misano gewannen, wurde mit der fünften Position für Van der Linde/Weerts beendet.

Im Gold Cup wurde zwischen Paul Evrard und Chris Lulham ähnlich hart um die Führung gekämpft – mit dem besseren Ende für den Sainteloc Audi. Die Sieger im Silver Cup mit Jamie Day/Kobe Pauwels schafften es auf dem achten Gesamtrang ebenfalls weit nach vorne. Der Sieg im Bronze Cup ging erneut an das starke Kessel-Duo mit Marschall/Blattner, dieses Mal allerdings weit außerhalb der Top20.

In der Meisterschaft sind nach sechs Siegerduos aus sechs Rennen nun die Topautos von WRT, Winward und Garage59 nur einen Punkt getrennt. In Magny-Cours geht es bereits in 14 Tagen mit zwei Sprintrennen weiter.

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=25&filter_meeting_id=2359)

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