Innerhalb von acht Tagen gewann Pato O’Ward sein zweites Rennen der Saison. Überraschend begleiteten ihn Rinus VeeKay und Kyffin Simpson mit auf das Podium.
In der Qualifikation waren hingegen die üblichen Verdächtigen vorne zu finden. So bildeten Colton Herta und Alex Palou die erste Startreihe. Mit Marcus Armstrong, Will Power und Graham Rahal auf den folgenden Startpositionen hatte niemand gerechnet. Armstrong bestätigte jedoch seine ansteigende Form der letzten Wochen, und auch Rahal war schon in den Straßen von Detroit weit vorne zu finden. Pato O’Ward ging von Platz 10 ins Rennen, einen Platz hinter Rinus VeeKay. Im Warm-up versenkte Santino Ferrucci seinen Wagen in der Mauer. Der Wagen konnte in der verbliebenen Zeit bis zum Rennen nicht repariert werden. Außerdem verletzte er sich die rechte Hand. Somit fand das Rennen ohne ihn statt.
Zum Start setzten 15 Fahrer auf die weicheren Option-Reifen. Darunter waren die Fahrer der Spitzengruppe sowie die späteren Podiumsfahrer. Ausnahmen waren unter anderem Alex Palou und Scott Dixon. Alle Fahrer kamen ohne Crash durch die erste Runde. Colton Herta verteidigte die Führung. Marcus Armstrong fuhr auf Platz 2 vor. Alex Palou war mit seinen Prime-Reifen sehr vorsichtig, sodass Kyle Kirkwood an ihm vorbeigehen konnte. Bereits nach der zweiten Runde kamen Pato O’Ward, Nolan Siegel, Marcus Ericsson und Scott McLaughlin an die Box, um von Option- auf Prime-Reifen zu wechseln. Danach löste sich die Radmutter am linken Hinterrad von McLaughlin, sodass sein Rennen früh in Kurve 3 endete. Alle Fahrer der Spitzengruppe mit Option-Reifen nutzten die Caution auch für den Wechsel von Option- zu Prime-Reifen. Alex Palou blieb bei seinen Prime-Reifen und übernahm so die Führung. Das galt auch für Louis Foster, der von Startplatz sieben nun auf Platz drei fuhr. Dazwischen lag Rinus VeeKay, der bei seinen Option-Reifen blieb. Die ehemalige Spitzengruppe lag nun hinter O’Ward und Co.
Nach dem Restart setzte sich Alex Palou schnell von Rinus VeeKay ab. In Runde 10 betrug sein Vorsprung bereits mehr als drei Sekunden. Bei Kyffin Simpson konnte man den Effekt der nachlassenden Option-Reifen sehr gut beobachten. Zum Restart lag er noch auf Platz 4, wurde dann aber ab Runde 10 deutlich langsamer und fiel wie ein rollender Stein durch das Feld. Mehrfach kam es zu Kontakten mit den Kontrahenten. In Runde 14 wurde es zu viel: Christian Rasmussen landete in der Mauer von Kurve 5. Es ist absolut unverständlich, warum Chip Ganassi Racing Simpson nicht schon eher an die Box geholt hat. Er verlor enorm viel Zeit und stellte zudem ein gefährliches Hindernis für die folgenden Fahrer dar. Am Ende hat es sich aber ausgezahlt.
Noch vor der Caution absolvierte Linus VeeKay in Runde 13 seinen ersten Boxenstopp. David Malukas übernahm die zweite Position, konnte aber das Tempo von Alex Palou nicht mitgehen. In Runde 25 hatte er bereits einen Rückstand von über drei Sekunden. Louis Foster, Scott Dixon, Christian Lundgaard, Josef Newgarden, Robert Shwartzman und Alexander Rossi hatten noch keinen Stopp absolviert und bildeten so die Top 8. Vom Benzinverbrauch her konnten sie mit zwei Stopps das Ziel erreichen. Der Stint mit Option-Reifen wäre dann allerdings sehr lang geworden. Pato O’Ward, Marcus Ericsson, Colton Herta und Kyle Kirkwood bildeten die Spitze der zweiten Strategiegruppe. Auch sie benötigten noch zwei Stopps zum Nachtanken. Sie hatten jedoch bereits alle ihren Stint auf Option-Reifen absolviert.
In der 30. Runde löste Alexander Rossi die nächste Caution aus. Er touchierte die Mauer, wodurch eine kleine Betonkante seinen Reifen aufschlitzte. Dadurch verteilten sich viele Carbontrümmer auf der Strecke. Mit einem absolvierten Drittel wäre es vom Benzinverbrauch her der ideale Zeitpunkt für den Boxenstopp bei einer Zwei-Stopp-Strategie gewesen. Noch vor der Caution hatten Robert Shwartzman, Graham Rahal und Pato O’Ward ihren Stopp absolviert. Damit hatte sich Pato O’Ward in eine sehr gute Ausgangsposition gebracht. Während der Caution kamen alle Fahrer der Spitzengruppe an die Box. Nur die beiden Chip-Ganassi-Hondas von Alex Palou und Scott Dixon blieben draußen. Rinus VeeKay übernahm Platz 3. Dahinter folgten Kyffin Simpson, Conor Daly und Will Power. Sie waren in Runde 15 an der Box. Pato O’Ward fuhr auf Platz 7 und musste mit Sicherheit nur noch einen Stopp einlegen.
Beim Restart ging David Malukas an Jacob Abel vorbei. Abel wurde von dem Manöver überrascht und verlangsamte. Josef Newgarden konnte nicht ausweichen. In der Folge kollidierten weitere Wagen miteinander. Während der Caution kamen nun auch Alex Palou und Scott Dixon zu ihrem ersten Stopp an die Box. Beide wechselten auf Option-Reifen. Sie fielen auf die Plätze 16 und 18 zurück. Rinus VeeKay führte das Feld in Runde 42 zum Restart. Dabei holte sich Pato O’Ward Platz 4 von Will Power. Power parkte seinen Penske Chevrolet später kurz an der Mauer, konnte das Rennen aber fortsetzen. Eine Caution war nicht nötig.
Pato O’Ward war nach dem Restart der bestimmende Fahrer. Er überholte schnell Will Power, Conor Daly und Kyffin Simpson. Rinus VeeKay war an der Spitze ebenfalls schnell unterwegs, sodass O’Ward nicht an ihm vorbeikam. In den Runden 55 und 56 kamen erst Alex Palou und dann Scott Dixon an die Box, um von Option- wieder auf Prime-Reifen zu wechseln. Dabei war Dixon schneller als sein Teamkollege. In den nächsten Runden absolvierten auch Rinus VeeKay und Pato O’Ward ihren jeweils letzten Stopp. Auch hier war der Overcut erfolgreich und O’Ward setzte sich vor VeeKay. In den folgenden Runden konnte sich O’Ward sukzessive von VeeKay absetzen. In Runde 70 betrug sein Vorsprung 2,5 Sekunden. Damit fuhr er ungefährdet seinem zweiten Sieg innerhalb von acht Tagen entgegen.
David Malukas hatte sich mit einem noch ausstehenden Stopp vor Kyffin Simpson geschoben und fuhr mit einem Abstand von sechs Sekunden auf O’Ward auf Platz drei. Auf den Plätzen fünf bis sieben folgte das Andretti-Trio aus Colton Herta, Marcus Ericsson und Kyle Kirkwood. Besonders Herta war schnell unterwegs und verkürzte jede Runde den Rückstand auf Simpson. Scott Dixon und Alex Palou fuhren auf den Plätzen 13 und 14 und lagen damit immerhin noch vor dem letzten fahrenden Penske-Chevrolet von Will Power auf Platz 16.
Das Ergebnis war in den letzten 20 Runden jedoch noch nicht endgültig. Zum einen musste David Malukas noch seinen finalen Boxenstopp absolvieren. Dabei gab es Probleme mit dem linken Hinterrad, sodass er auf Platz 15 zurückfiel. Danach verbremste sich Felix Rosenqvist. Er fiel von Platz 8 auf Platz 14 zurück.
Insgesamt gab es im Mittelfeld in den letzten 15 Runden sehr viel Action zu sehen. Teilweise ging es im Tourenwagenstil ziemlich hart zur Sache. Mit seinen neuen Reifen war David Malukas der schnellste Fahrer. So fuhr er in Runde 81 schon wieder in den Top-10. Das war IndyCar-Racing, wie wir es lieben. Schön war auch, dass die FOX-Regie uns das Ganze miterleben ließ.
Die Spitze war ja eher langweilig zu verfolgen. Pato O’Ward fuhr ungefährdet den Sieg ein. Platz 2 für Rinus VeeKay war ein sehr gutes Ergebnis. Es war schön, Dale Coyne Racing wieder auf dem Podium zu sehen. Auch um Platz drei gab es keinen wirklichen Kampf. Zwar kam Colton Herta Kyffin Simpson nah, zu einem Angriff reichte es aber nicht mehr. Das lag auch an der letzten Caution des Rennens. Felix Rosenqvist verlor das Heck, mit Hilfe von David Malukas, seines Wagens und Nolan Siegel schob ihn dann in die Mauer von Kurve 9. Damit ging das Rennen unter Gelb zu Ende. Marcus Ericsson und Kyle Kirkwood folgten ihrem Teamkollegen auf den Plätzen 5 und 6 ins Ziel. Ein unscheinbares Rennen brachte Graham Rahal und Callum Ilott die Plätze sieben und acht ein. David Malukas gewann mit Platz 9 die Kampfgruppe des Mittelfeldes. Dahinter kamen die Senioren Scott Dixon und Will Power ins Ziel. Besonders Power hat sich in den letzten 15 Runden noch deutlich verbessert. Alex Palou war unter anderem einer der Leidtragenden. Mit der vermasselten Strategie fuhr er immerhin noch auf Platz 12 vor Christian Lundgaard.
Das komplette Ergebnis ist auf der Homepage der IndyCar-Serie (pdf) nachzulesen.
Mit dem Sieg hat sich Pato O’Ward (437 Punkte) näher an den Führenden Alex Palou (536 Punkte) geschoben. Der Rückstand ist noch aufholbar, wenn sich Chip Ganassi Racing noch drei oder viermal mit der Strategie so verhaut. Es sind aber auch nur noch vier Rennen in diesem Jahr zu absolvieren.
Vorschau Java House Grand Prix von Monterey
Zum Abschluss des Julis steht für die IndyCar-Series noch der Grand Prix von Monterey auf dem Programm, der auf dem WeatherTech Raceway Laguna Seca ausgetragen wird. Es ist das fünfte Rennen innerhalb von vier Wochenenden. So sehr ich die IndyCar-Serie auch mag, das ist doch ein wenig zu viel des Guten. Zumindest bei mir hat sich eine kleine Müdigkeit eingestellt. Jetzt steht aber Laguna Seca auf dem Programm und allein der Corkscrew sorgt für Vorfreude. Ein Blick auf das Vorjahr lässt diese leider wieder etwas verfliegen. Alex Palou gewann das Rennen und machte damit einen großen Schritt in Richtung Titelgewinn. Einen starken Eindruck hinterließ auch Andretti Global mit den Plätzen zwei und fünf für Colton Herta und Kyle Kirkwood. Damit stellt sich erneut die Frage: Wer möchte gegen die beiden besten Teams dieses Jahres wetten?
Vielleicht kann aber Arrow McLaren für Chevrolet mithalten. Alexander Rossi fuhr mit Platz 3 in Laguna Seca seine beste Platzierung 2024 für McLaren ein. Pato O’Ward hatte eine schlechte Qualifikation, beendete das Rennen aber auf Platz 8 und mit den zwei Siegen aus den letzten drei Rennen sollte er auch Rückenwind spüren. Außerdem war Christian Lundgaard, der noch für RLL fuhr, lange in der Spitzengruppe unterwegs. Ein Fahrfehler ließ ihn jedoch auf Platz 15 zurückfallen. Insgesamt sollten O’Ward und Lundgaard um die Top 5 mitfahren können. Das wollen auch Will Power, Scott McLaughlin und Josef Newgarden für Team Penske erreichen. Im Vorjahr waren sie teilweise ganz gut unterwegs. Dann zeigte sich aber schon das Bild von diesem Jahr. Mit Fahrfehlern fuhren sie sich, auch gegeneinander, aus den guten Platzierungen.
Strecke
Der WeatherTech Raceway ist 3,6 Kilometer lang, hat 12 Kurven und weist einen Höhenunterschied von 55 Metern auf. Die gebogene Start- und Zielgerade endet in der Andretti-Haarnadel, der ersten Überholpassage der Strecke. Nach zwei 90-Grad-Rechtskurven geht es über zwei weitere 90-Grad-Linkskurven den Berg hinauf. Am Scheitelpunkt folgt eine enge Links-Rechts-Schikane, die steil bergab führt – die legendäre Corkscrew. Sie ist wohl die beste Überholstelle der Strecke. Zumindest Alex Zanardi und Josef Newgarden würden das bestätigen. Der tödliche Unfall von Gonzalo Rodriguez 1999 zeigt aber auch die Gefährlichkeit dieser Stelle. Es folgt die schnelle Rainey-Kurve, bevor zwei etwa 90-Grad-Kurven die Fahrer zurück auf die Start- und Zielgerade führen.
Zeitplan
Freitag, 25. Juli
5:00 p.m. (23:00 – 0:15) – NTT IndyCar Series practice 1
Samstag, 26. Juli
11:30 a.m. (17:30) – NTT IndyCar Series practice 2
2:30 p.m. (20:30) – Firestone Fast Six Qualifying for the NTT P1 Award (three rounds of knockout qualifying)
Sonntag, 27 Juli
12:00 p.m. (18:00) – NTT IndyCar Warmup
3:00 p.m. (21:00) – Broadcast window FOX
3:22 p.m. (21:22) – Firestone Grand Prix of Monterey (95 laps/212,61 miles), FOX, Sky (live)













