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GT World Challenge Europe: Vorschau 24 Stunden von Spa

von Nils Otterbein
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Mit nicht weniger als 76 Anmeldungen darf sich das 24 Stunden Rennen von Spa erneut das Prädikat des größten GT-Rennens der Welt mit Stolz geben. Nach zwei intensiven Wochen macht das Rennen in den Ardennen den Abschluss einer noch nie dagewesenen Phase an Langstreckenrennen. An alle, die nach Le Mans und Nürburgring ordentlich platt sind: Dieses Wochenende bekommen wir jetzt auch noch hin!

Die SRO als Organisator rund um die GT World Challenge vermeldet mit 76 Startern einen neuen Rekord an Teilnehmern. Dabei ging es dem Rennen in der nun 101-jährigen Historie längst nicht immer so gut. Zwar hatten andere große Langstreckenrennen ebenfalls Dürrephasen aushalten müssen, die jedoch in den meisten Fällen nicht so lange gingen wie im Falle der 24 Stunden von Spa. Das GT3-Reglement hat diese schwierigen Zeiten längt beendet und führt nun dazu, dass die Veranstaltung als jenes 24 Stunden Rennen gilt, das mit mindestens 15 Siegkandidaten am schwierigsten zu gewinnen ist. Wer zur Historie etwas mehr wissen will: In den letzten beiden Jahren habe ich ein paar Dinge zum Rennen zusammengetragen, u.a. zum 100. Geburtstag im letzten Jahr:
https://www.racingblog.de/2024/06/27/gt-world-challenge-europe-endurance-cup-vorschau-24-stunden-von-spa-2/

https://www.racingblog.de/2023/06/29/gt-world-challenge-europe-endurance-cup-vorschau-24-stunden-von-spa/

Die wichtigsten Regeln

Wie so oft ist der „Null-Fehler-Job“ die Trumpfkarte hinter diesem Rennen. Wer sich die Bulletins der Rennleitung durchließt, den verwundert es nicht, dass immer wieder sportliche Strafen verhängt werden. Das Rennen hat einige sehr spezielle Regeln an den Rennablauf, die ich hier kurz zusammenfasse. Aber Achtung: Im Verlauf des Wochenendes kann es durchaus sein, dass weitere Regelungen updatet werden und sich ggf. verändern. Wer sich etwas näher mit strategischen Abläufen befassen will, sollte diesen Link mal Sicherheitshalber abspeichern:
https://www.gt-world-challenge-europe.com/noticeboard?meeting_id=221

Stint-Längen: Ein regulärer Stint ist in diesem Jahr mit ca. 60 Minuten Maximalzeit angegeben. Bei dieser Angabe ist die Rennleitung sehr variabel geworden, immer in Abhängigkeit vom Benzinverbrauch der jeweiligen Rennstrecke. In Monza wurde die Stintzeit gar bei unter 60 Minuten angesetzt. Diese Zeit darf um maximal fünf Minuten überschritten werden, wenn eine Safety-Car-Phase oder eine längere Full-Course-Yellow während des Stints im Gange waren, bzw. es während der letzten Runde des Stints eine FCY-Phase gibt. Hier gibt es vergleichen mit den anderen Langstreckenrennen der GTWC im Grunde keine Änderungen.

Safety-Car: Das Poster zum Rennen könnte ein Wink mit dem Zaunpfahl gewesen sein, auf dem man das neue Safety-Car vom Serienpartner Maserati sieht. Bei 76 Autos, die alle zeitlich recht eng beisammen wird, wird Kleinholz nicht zu verhindern sein. Ohne ein Crashfestival wie am Nürburgring herbeireden zu wollen, so zeigen insbesondere die letzten zwei bis drei Ausgaben, dass das Rennen vom Charakter immer zerfahrener geworden ist. Üblicherweise agiert die Rennleitung mit klassischen Safety-Car-Phasen. Slow-Zones oder Code60-Phasen gibt es auf der GP-Strecke mit sieben Kilometern logischerweise nicht. FCY-Phasen leiten eine SC-Phase in aller Regel ein, um das Feld schlagartig langsam zu machen. Eine reine FCY-Phase wurde in den letzten Jahren eher selten durchgeführt. Die Prämisse: Solange du in der Führungsrunde bist, ist deine Siegchance noch vorhanden. Allerdings: Der neue Rennleiter Nils Wittich scheint hier ein anderes Prozedere zu verfolgen. Beim Saisonstart der 6 Stunden von Le Castellet wurden zwei längere FCY-Phasen ohne die anschließende Zusammenführung des Safety-Cars praktiziert. Im Sinne eines etwas flüssigeren Rennablaufs wäre es wünschenswert, wenn dies auch in Spa häufig angewandt wird. Hierzu müssen wir die ersten Präzedenzfälle am Samstag abwarten.

Es wird wie in Le Mans nach einer Phase, in der das Feld auf das Safety-Car aufgeschlossen ist, eine „Wave-by-Prozedur“ geben, in der überründete Fahrzeuge sich zurückrunden können. Ab dieser Phase wird die Boxengasse geschlossen. Dies wird dazu führen, dass auch in den Schlussstunden noch etliche Autos in den betreffenden Führungsrunden sein werden.

Stoppzeiten: Wie bei den 24H am Nürburgring gibt es eine festgelegte Mindestzeit an der Box, die bei einem regulären Stopp vom Eingang bis Ausgang abgehalten werden muss. Von einer Mindeststandzeit zu sprechen, wäre übertrieben, da in Spa traditionell beide Boxenanlagen angesichts des großen Feldes genutzt werden. Damit dauert die reine Fahrzeit durch die Box schon sehr lange, was vor allem Durchfahrtsstrafen und Stop and go-Strafen drakonisch werden lässt. Fünf Mal darf im Rennen ein „short stop“ stattfinden. Diese werden üblicherweise in den mitunter langen SC-Phasen abgehalten. 2023 konnte Rowe Racing durch genau diese Stopps das Rennen gewinnen, da sie bei einigen Gelegenheiten von der Erhöhung der Reichweite Gebrauch machten.

Technical Pit-Stop: Jedes Team ist verpflichtet, während dem Rennen einen fünfminütigen Reparaturstopp durchzuführen, in dem vor allem die Bremsen ohne zu große Hektik getauscht werden sollen. Leider führt dieses Verfahren immer wieder zu teils krummen Reihenfolgen, insbesondere gegen Rennmitte. Man kann nur hoffen, dass sich die Regie endlich eine Möglichkeit überlegt, diesen Stopp in die TV-Grafiken zu implementieren. In der Regel musste dieser Stopp immer bis zwei Stunden vor Rennende absolviert werden. In der Praxis wird der Stopp am liebsten in der Nacht absolviert, wenn eine längere Neutralisation im Gange ist. Letztes Jahr gab es die stundenlange Safety-Car-Phase im Zuge eines Platzregens, in der dieser Stopp integriert wurde. Nach einem Wetterpoker sieht es momentan für 2025 eher nicht aus, eher nach einem der heißesten Rennen der 24h-Historie in Spa.

Wer sich mit operativen Dingen mehr beschäftigen möchte, sollte öfters im Notizeboard der Veranstaltung nachschauen. Hier werden Details zu Boxenstoppzeiten/Stintlängen und dergleichen kommuniziert. Es kommt nicht selten vor, dass auch wenige Stunden vor Rennstart (Samstag, 16:30 Uhr) noch Details verändert werden: https://www.gt-world-challenge-europe.com/noticeboard?meeting_id=234

Qualifikation

Die Qualifikationsregeln sind so strukturiert, dass es am Donnerstagabend vier je 15-minütige Abschnitte geben wird. Ein Fahrer ist für einen Abschnitt vorgesehen. In Q1 sind nur die Teams am Start, die vier Fahrer einsetzen. Im Pro-Cup sind drei Fahrer Pflicht, die ab Q2 zum Einsatz kommen. Die Teams im Gold- und Silver-Cup können drei oder vier Fahrer benennen, während im Bronze- und Pro/Am-Cup vier Fahrer vorgeschrieben sind.

Die schnellste Zeit wird jeweils gewertet. Der Mittelwert aller Zeiten ergibt die Platzierung. Die besten 20 kommen in das Shootout am Freitagnachmittag. Brisant dabei: In der Pro-Klasse sind 21 Wagen genannt. Somit wird manches Pro-Trio außerhalb der Top20 starten. Bei keinem anderen 24 Stunden Rennen ist ein schlechter Startplatz so schmerzhaft wie in Spa, da die Verkehrsdichte mit 76 Wagen auf sieben Kilometer die Extremste aller Langstreckenrennen darstellt. Hinzu kommt, dass man nicht mithilfe von kürzeren Stints wie bei den 24 Stunden am Nürburgring nach vorne kommt. Fest steht: Wer hinten steht, muss sich jedes Manöver hart erarbeiten.

Hersteller und Teams

Insgesamt gehen zehn Marken ins Rennen. Das Feld verteilt sich wie üblich auf fünf Klassen – eigentlich sind es in der GTWC mittlerweile vier, da der Pro-Am-Cup nur in Spa mit sieben Wagen an den Start geht. Die Verteilung ist ansonsten: 21x Pro/12x Gold/16x Silver/19x Bronze. Realistisch werden damit 15 Autos um den Gesamtsieg kämpfen. Bei den Endurance-Rennen tauchen gerne mal Autos aus dem Gold- oder Bronze Cup vorne zwischenzeitlich vorne auf, je nach aktuellem Fahrer und Strategie. In aller Regel sollte am Rennende mindestens die Top10 nur aus Pro-Fahrzeugen bestehen. Bei den 24 Stunden am Nürburgring hat man gesehen, dass bei zuverlässigen Fahrern auch Pro-Am-Besatzungen weit nach vorne kommen können, was jedoch aufgrund der schieren Masse an Platin-Fahrern für Spa nicht zu erwarten ist. Ich gehe nun vorwiegend auf die Pro-Besatzungen ein. Die aktuelle Starterliste findet sich hier: https://www.gt-world-challenge-europe.com/images/News%202025/5%20Spa24H/_2025%20GTWCE%20-%20CROWDSTRIKE%2024%20HOURS%20OF%20SPA%20ENTRY%20LIST%20Draft%203.pdf

Aston Martin

Um den Sieger aus dem Vorjahr zu würdigen, fangen wir mal mit Aston Martin an. Comtoyou Racing konnte auf Anhieb das Rennen mit dem brandneuen Vantage Evo gewinnen. Klar waren da auch längere Regenphasen und Neutralisationen notwendig, was zur niedrigsten Distanz in einem Rennen ohne rote Flagge seit 2003 sorgte. Aber danach fragt dieses Jahr niemand mehr. Im Grunde hat es gezeigt: Durch den Rennablauf in Spa hat jeder mit einem guten Pro-Besatzung eine Siegchance, unabhängig welches Modell. Nachdem die Mannschaft letztes Jahr knapp den Titel im Endurance Cup verloren hat, ist das gleichgebliebene Trio Drudi/Thiim/Sörensen nach dem dritten Platz aus Monza auf dem dritten Meisterschaftsrang. Mattia Drudi gehört zu den sieben Auserwählten, die das dritte 24er in Folge bestreiten. Übrigens: Er bleibt in Spa und fährt dann noch das berühmte 25 Stunden Funcup Rennen! Neben der Pro-Besatzungen setzen die Belgier noch drei weitere Vantage ein.

Außerdem startet Walkenhorst Motorsport einmal im Pro und einmal im Silver Cup. Das Nürburgring-Duo mit Christian Krognes und David Pittard, die beide für das Team im BMW M6 2018 gewannen, sind mit Henrique Chaves am Start. Bislang ein Trio, was für Punkteergebnisse gut war, aber: Auch Walkenhorst ist nun im zweiten Jahr mit dem neuen Auto. Allerdings hat das Rennen am Nürburgring gezeigt, dass man noch mit Zuverlässigkeit zu kämpfen hat.

Außerdem am Start: 2Seas Motorsport (Verstappen.com) und das britische Team Beachdean als Gaststarter im Pro-Am Cup.

Mercedes

Erfahrungsgemäß sind es die deutschen Premiumhersteller mit der größten Quantität im Feld, in diesem Fall Mercedes mit zwölf eingesetzten Fahrzeugen, davon vier mit reinen Pro-Besatzungen. Der Einsatz mit sieben verschiedenen Teams ist durchaus sportlich. Allerdings bekommt man bei AMG den Eindruck, dass die Einsätze und operativen Dinge immer unzuverlässiger werden, je länger der seit langem bestehende Mercedes AMG GT3 eingesetzt wird. Der Auftritt mit zwei gesamtsiegfähigen Autos am Nürburgring war kein Ruhmesblatt. Hinzu kommt, dass die zu großen Teilen outgesourcte Entwicklung des neuen GT3-Modells eher auf die lange Bank geschoben wird. Seit 2014 sprang in Spa nur der Sieg für Akkodis ASP heraus, eigentlich zu wenig für die aufwändigen Einsätze.

Stell dir vor: Du schaust auf die Starterliste und siehst: Kamui Kobayashi auf einem Mercedes? Das ist tatsächlich kein Fehler in der Matrix! Nachdem weder Toyota noch die Edelmarke Lexus vertreten sind, teilt sich der Japaner einen Mercedes für das japanische Team Goodsmile Racing, die sonst in der GT300-Klasse der Japanischen Super GT am Start sind. Kobayashi teilt sich das Steuer mit Nobuteru Taniguchi und Tatsuya Kataoka, die als Duo in der hochpopulären Meisterschaft fahren und beim 300 Kilometer Rennen in Okayama Vierte wurden. Das Team taucht mit der Startnummer #0 direkt oben auf und dürfte einen interessanten Farbtupfer im manchmal etwas eintönig wirkenden europäischen GT3-Sport bilden. Ohnehin wird Kobayashi für andere Marken immer mal wieder freigegeben, so auch jährlich für Cadillac bei den 24 Stunden von Daytona.

Gewohnte Strukturen finden sich hingegen beim Team Getspeed mit insgesamt drei Fahrzeugen, davon mit Stolz/Gounon/Schiller im Pro Cup. Auch Stolz ist Wiederholungstäter beim dritten 24h Rennen in Folge, allerdings ohne die kompletten Distanzen in Le Mans und am Nürburgring gefahren zu sein.

Dass gerade neue Einsatzteams mit dem Einsatz des eigentlich ausgereiften Wagens Probleme haben, zeigt nicht nur Iron Lynx derzeit im WEC-Umfeld, sondern seit letztem Jahr auch Boutsen VDS. Das Team hat gerade im Endurance Cup wenig gerissen und auch dieses Jahr ist man im Niemandsland der Tabelle, was bei einem Einsatz mit Götz/Grenier/Martin eigentlich überrascht. Zumindest im Silver Cup hält das andere Trio oft gut mit.

Den vierten Pro-Wagen setzt Winward Racing, selbstverständlich mit der „Mamba“ ein. Auer/Cairoli/Engel dürften traditionell ihren AMG in der Superpole weit nach vorne stellen, um über das Rennen eine gute Track Position zu behalten. Mercedes hat das, was auf den ersten Blick nicht viele haben: Zwei sehr starke Trios auf zwei operativ starke Teams verteilt! Sollte Spa ein dritter Flop dieses intensiven 24h-Monats werden, wird man sich in Affalterbach mal Gedanken über die Planungen für die großen Saisonhighlights machen müssen.

Nicht vergessen wollen wir den Einsatz von Nordique Racing unter Leitung der Mannschaft von Ring Racing rund um Uwe Kleen sowie den Gaststarter im Pro-Am Cup unter Crowdstrike by SPS, um den Hauptsponsor des Rennens bestmöglich zu bewerben. Ich empfehle: Ein Trinkspiel bei der Erwähnung von „Crowdstrike“ sollte man lieber nicht anfangen.

BMW

So gut, wie dem BMW-Vorstand die Kosten-Nutzen-Rechnung nach den 24 Stunden am Nürburgring mit dem Sieg für das einzige Auto gefallen haben dürfte, so sehr gehen die Münchner nun in Spa in die Vollen! Insgesamt elf M4 Evo werden das Rennen bestreiten, davon fünf topbesetzte Autos. Der Grund ist recht einfach: Spa ist im Grunde eine der wenigen Strecken, auf denen BMW auch mit den Vorgängermodellen immer gut performen konnte, was die Siege von Marc VDS 2015, Rowe 2016, Walkenhorst 2018 und Rowe 2023 gezeigt haben. Entgegen den Meinungen einiger Nürburgring-Fans war der Fokus auf Spa daher durchaus sinnvoll, ohne vorher den Sieg am Nürburgring geahnt zu haben.

Bei WRT sind die #31 und #32 beide mit Vanthoor/Sheldon van der Linde/Wittmann sowie Kelvin van der Linde/ Weerts/de Wilde extrem stark besetzt. Das zweitgenannte Duo konnte mit einem souveränen Schlussstint den Saisonstart in Le Castellet für sich entscheiden und führt die Meisterschaft an. Mit einem guten Rennergebnis in Spa und dem Gewinn der Teilpunkte nach sechs und zwölf Stunden, könnte bereits eine Vorentscheidung um die Meisterschaft fallen. Insgesamt setzt WRT fünf Fahrzeuge ein, sofern man den Wagen von AlManar Racing aus dem Gold Cup noch dazurechnet. Als sicherlich prominentester Gaststarter ist die #46 genannt mit Rossi/Magnussen/Rast, einem Trio, was so bisher nie zusammen am Start war. Interessant wird vor allem das GT3-Debüt von Kevin Magnussen.

Rowe Racing konnte bereits drei Mal in Spa gewinnen, davon 2020 mit dem kurzzeitigen Porsche-Einsatz. Auch damals waren beide 24er kurz hintereinander. Mit Farfus/Krohn/Marciello und Harper/Hesse/Eng hat man zwei Trios, die Erfahrung und Jugend perfekt vereinen. Was vielleicht ein Thema wird: BMW hat mit Kelvin van der Linde, Farfus und Marciello gleich drei Fahrer der sieben Kandidaten im Aufgebot, die das dritte 24 Stunden Rennen am Stück fahren. Falls Konzentrationsfehler passieren, dürfte das Thema bei der Rückschau auf die Veranstaltung nochmal auf den Tisch kommen. Fakt ist aber: Aus dem Fahrerpool hat BMW aus der Situation das bestmögliche gemacht.

Die Aufgebote in den unteren Kategorien sind meist für Klassensiege gut, egal ob mit Paradine Competition oder mit Century Motorsport. Dazu kommt als Gast aus Italien Cecatto Racing hinzu.

Porsche

Während BMW sechs Teams ausrüstet, sind es für Porsche ebenfalls sieben, wie auch bei Mercedes. Häufig wurde die SRO-Szene bei Porsche etwas stiefmütterlich behandelt, weshalb „nur“ zwei Siege in Spa 2019 und 2020 heraussprangen, mit GPX Racing, die gar nicht mehr dabei sind, und wie genannt mit Rowe. Jedoch bringt auch Porsche dieses Mal vier Pro-Fahrzeuge an den Start, allerdings mit ein paar Fragezeichen.

Etwas überraschend hat Dinamic GT eine Pro-Besatzung gemeldet, die sonst nicht Teil der GTWC ist. Mit Campbell und Jaminet bekommt man zwei, die noch am Sonntag in Watkins Glen waren und sich mit Bastian Buus das Steuer teilen, der überraschend Gesamtdritter am Nürburgring – dank einer fehlerfreien Fahrt wurde. Das Team hat gezeigt, dass die Pirellireifen mittlerweile auch im Reifenkrieg des Nürburgrings gut mithalten können.

Gewohntes Bild hingegen bei Schumacher CLRT, die ihr Team für das Rennen in Monza wegen einer IMSA-Überschneidung verändern mussten. Mit Heinrich/Güven/Bachler ist nun das gewohnte Trio zusammen und dürfte nach dritten und sechsten Plätzen im Endurance Cup die Speerspitze bilden.

Bei Rutronik Racing stellt man seit Jahren ein auf und ab fest. Nachdem sich das Team nun seit einigen Jahren im Endurance-Bereich einen Namen gemacht hat, wäre es langsam Zeit für einen größeren Erfolg. Der zweite Platz in Paul Ricard hat gezeigt, dass man auch bei langen Distanzen mithalten kann. Mit S. Müller/Niederhauser/Picariello geht man als weitere Speerspitze von Porsche ins Rennen.

Eine sehr unauffällige Saison fährt dieses Jahr Pure Rxcing. Nach dem Titel in der WEC hätte man doch etwas mehr erwartet, vor allem wenn man ein Trio mit Lietz/Malykhin/Preining an den Start bringt. Gerade einen langsameren Piloten wie Malykhin dürfte man mit den erwartet vielen Safety-Car Phasen gut kompensieren können. Lietz und Preining dürften sich über zu wenig Fahrzeit nicht beschweren.

Außerdem sind die Einsätze von AV Racing by Car Collection und Lionspeed, sowie Herberth Motorsport mit zwei Fahrzeugen zu nennen. Das Herberth-Trio Ineichen/Sturm/Heinemann dürfte eines der Stärksten außerhalb der Pro-Besatzungen sein und könnte weit nach vorne kommen. Dazu findet man mit Wright Motorsport einen bekannten Gaststarter aus der IMSA, bzw. dem amerikanischen Ableger der World Challenge.

Audi

Nachdem Audi am Nürburgring zumindest noch mit einem siegfähigen Paket unterwegs war, gilt dies nicht für das 24 Stunden Rennen in Spa. Wie schon im restlichen Verlauf der GTWC-Saison ist kein Pro-Auto genannt. Dennoch dürften die ausgereiften R8 in den restlichen Fahrerkategorien eine gewichtige Rolle spielen, was sich im Saisonverlauf immer wieder gezeigt hat. Vor allem die guten Attempto-Besatzungen mit u.a. Mukovoz/Hofer im Gold Cup und u.a. Perez Companc/Aka im Silver Cup dürften in ihren Klassen zu den Leistungsträgern zählen. Gleiches gilt auch für Sainteloc Racing, die 2017 mit der Basisversion des R8 LMS das Rennen gewinnen konnten. Als Gaststarter im Pro-Am Cup kommt Haas RT als belgisches Team hinzu, die letztes Jahr sogar noch ein Auto im Pro-Cup genannt haben.

Ferrari

Nachdem der AF Corse Ferrari rund um Alessandro Pier Guidi im letzten Jahr so unglücklich einen schier sicheren Sieg in der Boxeneinfahrt verloren hat, holt Ferrari dieses Jahr zur Revenge aus. Allerdings orientiert man sich an den gewohnten Fahrerpaarungen aus der World Challenge und bringt keine „Extranennungen“ für das große Rennen in Spa. Dennoch sind beachtliche neun 296er zusammengekommen.

AF Corse ist neben WRT das zweite Team, das mit der Betreuung von fünf Autos gut beschäftigt sein wird. Als Speerspitze geht die #51 mit Rovera/Abril/Pier Guidi ins Rennen, während die #50 mit Leclerc/Fuoco/Donno, sprich zwei noch etwas unerfahrenen GT3-Piloten einen Backup bilden könnte. Miguel Molina ist als weiterer Platin-Fahrer neben zwei Piloten aus der Perez Companc Familie auf einem Pro-Am AF Corse genannt.

Weitere Ferrari kommen von Kessel Racing, Ziggo Sport Tempesta und Rinaldi Racing, alle im Bronze Cup. Vor allem das Rinaldi-Quartett könnte im Gesamtklassement mit Fernandez Laser/Perel/Rigon stark in Erscheinung treten. Im Bronze Cup gehört das Team zu den Topfavoriten. Ohnehin wird Rinaldi als Einsatzteam häufig unterschätzt, da sie gerne Kooperationen mit anderen Teams eingehen, wie mit Kondo jüngst am Nürburgring oder zuvor mit Frikadelli. Nicht vergessen: Ohne den Unfall in der Schlussphase am Nürburgring hätte Ferrari beste Chancen auf ein Gesamtpodium gehabt, obwohl man keinen einzigen Platin-Fahrer in der Nürburgring-Besatzung genannt hatte.

Lamborghini

Die Saison vom Lamborghini ist im Langstreckenbereich bisher eine große Enttäuschung, was in der GTWC recht eng mit der Trennung von Iron Lynx zusammenhängen dürfte. Mehr als ein neunter Platz war bislang nicht drin. Lamborghini konnte als einziger großer Hersteller im GT3-Segment nie die 24 Stunden von Spa gewinnen – ändern wird sich daran in diesem Jahr tendenziell nichts.

Eine der zwei Pro-Besatzungen wird von Grasser mit Bortolotti/Pepper/Engstler eingesetzt. Das Andere von VSR mit Mapelli/Mitchell/Perera. Das Erstgenannte dürfte klar für den Gesamtsieg fahren, das Zweite wird man als Backup nutzen, was bei diesem umkämpften Rennen nicht schaden kann. Beide Teams haben jeweils auch eine Nennung im Silver Cup.

Dazu sind noch das britische Team Barwell Motorsport und Chemnitzer Team Paul Motorsport genannt. Damit ist Lamborghini mit sechs Autos der quantitativ drittschwächste Hersteller in diesem Jahr.

McLaren

Eigentlich ist man geneigt zu sagen: Wenn 2024 ein nagelneues Aston Martin Modell gewinnen kann, kann 2025 ein McLaren auch gewinnen. Bei beiden Endurance-Läufen hat der McLaren 720 sehr stark ausgesehen, was mit dem zweiten Platz in Monza belohnt wurde. In Le Castellet konnte sogar ein Trio aus dem Gold Cup lange um die Führung kämpfen, bevor alle Autos technisch bedingt ausfielen, was die Achillesferse des McLaren bis heute ist. Sofern wir ein zerfahrenes Rennen erleben, sind die Siegchancen für McLaren absolut intakt. Der Nachteil: Man hat mangels Werkskader nur eine Nennung im Pro Cup, was sich ab 2027 mit dem LMDh Programm ändern müsste.

Die Zweitplatzierten aus Monza werden von Garage59 eingesetzt, die insgesamt drei Autos einsetzen. Das Trio Loake/Kirchhöfer/Goethe könnte ein Geheimtipp werden, sofern sie Joseph Loake als Silberpiloten in langen neutralisierten Rennphasen kompensieren können.

Die große Stärke der McLaren zeigt sich vor allem im Gold Cup: Mit dem Garage59-Trio Smalley/Macdonald/Prette oder dem Trio von CSA Racing mit u.a. Jim Pla und Simon Gachet sind starke Piloten am Start. Weitere Teams im Gold Cup werden von Optimum Motorsport und dem Team RJN eingesetzt, wo u.a. Alex Buncombe an den Start geht.

Schaut man sich die „gesprenkelten“ Top-Piloten im McLaren-Aufgebot an, bekommt man schnell den Eindruck, dass gewisse Kompetenzen zu schlecht gebündelt werden. Aus dem vorhandenen Fahrermaterial bestehend aus Vertragspiloten oder Freelancern, könnte man sicherlich ein zweites gesamtsiegfähiges Trio an den Start bringen, was seit Jahren versäumt wird. Alles andere als mindestens ein Klassensieg wäre eine Enttäuschung.

Ford

Nachdem HRT in den letzten Monaten viel Entwicklung betrieben hat und das ein oder andere „Aha-Erlebnis“ bezüglich der Zuverlässigkeit in den unterschiedlichen Rennserien hatte, geht das Team nun erstmals mit dem Mustang nach Spa. Auch hier ein kleiner Ausflug auf den Nürburgring: Mit dem vierten Gesamtrang konnte man dort weitaus mehr erreichen als erwartet. Nachdem vor allem die Antriebswellen in den Sprintmeisterschaften viel Ärger gemacht haben, fuhr einer der drei Mustang wie ein Uhrwerk durch und kam über Zuverlässigkeit in einem turbulenten Rennen weit nach vorne. Genau die Rezepte, mit denen man in Spa ebenfalls überraschen könnte. Und: Wenn ein Wagen die Distanz bei außergewöhnlichen Temperaturen am Nürburgring durchhält, sollte er dies in Spa auch hinbekommen.

Rein sportlich dürfte das reine Gold-Trio mit Mardenborough/Droet/Maini eher keine Rolle im Gesamtklassement spielen. Dann schon eher im Silver Cup mit Wiebelhaus/Andriolo/Schumacher/S. Owega. Auch hier gilt: Bei einem zerfahrenen Rennverlauf mit viel Safety-Car wird HRT seine Chance wittern.

Corvette

Der einzige Hersteller neben Audi ohne Pro-Nennung und damit definitiv ohne Chance auf einen Gesamtsieg, ist Corvette. Nachdem Steller Motorsport aus Großbritannien erst sehr kurzfristig ein internationales GT3-Programm auf die Beine gestellt hat, feiern sie nun ihr internationales 24 Stunden Debüt. Für die Kurzfristigkeit war der 19. Gesamtrang in Le Castellet ein sehr starkes Ergebnis. Innerhalb des Silver Cups ist das Team mit u.a. Lorcan Hanafin und Matisse Lismont gut dabei. Auf der jüngsten Nennliste war noch eine zweite Corvette im Bronze Cup genannt, jedoch gänzlich ohne eingetragene Piloten. Ob dieser Einsatz für die Qualifikation zustande kommt, muss man also abwarten.

Überraschend hat sogar noch eine dritte Corvette mit dem malaysischen Team Johor Motorsport JMR in die Entry List gefunden. Neben den beiden mutmaßlichen Initiatoren des Einsatzes Jefri Ibrahim und Abu Bakar Ibrahim, sind dort mit Jordan Love und Alexander Sims sogar recht große Namen für den Bronze Cup genannt.

Fazit: Damit ist das Feld der Pro-Teams wie folgt verteilt: 2x Aston Martin/4x Mercedes/5x BMW/4x Porsche/2x Ferrari/2x Lamborghini/1x McLaren/1x Ford. Ein Außenseitersieg ist bei dem starken Feld unwahrscheinlich, aber bei einem zerfahrenen Rennverlauf nicht unmöglich. Mindestens 15 Fahrerbesatzungen geben sich bezüglich der Favoritenrolle nicht viel.

TV und Streaming

Die SRO war eine der ersten Organisationen überhaupt, die YouTube als ideale Streamingplattform seit rund 15 Jahren für sich entdeckte. Es ist schon beachtlich, was in diesem Jahr wieder an Streams auf dem eigenen Kanal geplant ist. Es sieht so aus, als würde man die 24 Stunden von Spa erstmals in sechs Sprachen komplett covern, nämlich auf englisch, deutsch, französisch, niederländisch, portugiesisch und italienisch. Hier gibt es auch das komplette Rahmenprogramm mit der GT4 und GT2 zu sehen. https://www.youtube.com/@GTWorld/streams

Trotzdem erfreulich, dass es für dieses Jahr auch eine lineare Möglichkeit gibt, das Rennen komplett zu schauen. Sky wird auf dem Sport-Optionskanal „Sky Sport 1“ die Qualifikation, Superpole und das Rennen komplett zeigen. Dazu einzelne Ausschnitte auf weiteren Sendern wie Sky Sport F1.
Zusatz: Erstmals übernimmt Sky auch den deutschen Kommentar! Man kann wohl davon ausgehen, dass dies ab sofort auch für die restlichen GTWC-Läufe gilt. Ratet mal, wer vor ca. zwei Wochen eine Mail an den Sky-Pressekontakt geschickt hat mit dem Hinweis, dass man es wie bei den jüngst erworbenen Rechten zum ADAC GT Masters machen könnte.;)

 

Bildquellen: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=25&filter_meeting_id=232&filter_race_id=&filter_text=)

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