Nach der BMW-Show in Brands Hatch haben bei den BTCC-Läufen in Snetterton wieder die Fords und Hyundais den Ton angegeben. Siegreich waren jedoch nur die Fords, und anstelle von Ash Sutton holten sich diesmal Dan Cammish und Dan Rowbottom verdiente Siege. Im dritten Lauf gewann dann sensationell Vauxhall-Pilot Mikey Doble sein erstes BTCC-Rennen – durch eine kluge Reifenstrategie und ein wenig Glück.
Den Grundstein für seinen Sieg im ersten Lauf legte Ford-Pilot Dan Cammish bereits im Qualifying, in dem er sich hauchdünn gegen Hyundai-Pilot Tom Ingram durchsetzen konnte und zugleich einen neuen Streckenrekord für den Snetterton Circuit aufstellte. Beim Start verteidigte Cammish die Führung dann erfolgreich gegen Ingram, während sich dahinter – noch vor der Wilson Hairpin – Ash Sutton auf Platz drei einreihte. Der derzeit in der Meisterschaft führende Ford-Pilot war „nur“ von Startplatz sechs gestartet, nachdem sein Auto tags zuvor im Top-Six-Qualifying mit technischem Defekt ausgerollt war, legte aber einen Blitzstart hin, der ihn an Adam Morgan, Mikey Doble und Teamkollege Rowbottom vorbeikatapultierte.
Das Spitzentrio, bestehend aus Cammish, Ingram und Sutton, setzte sich dann im weiteren Rennverlauf ein ganzes Stück ab und Ingram suchte immer wieder nach einer Lücke, um Cammish angreifen zu können, musste jedoch vorsichtig sein, da Sutton unmittelbar hinter ihm auf jeden Fehler lauerte. In den letzten Rennrunden gelang es Cammish, der über deutlich mehr Runden mit Zusatzboost verfügte als seine in der Meisterschaft auf Platz eins und zwei liegenden Verfolger, sich etwas abzusetzen und seinen ersten Saisonsieg sicher ins Ziel zu bringen. Nach dem Malheur vor zwei Wochen in Brands Hatch, als er in aussichtsreicher Position während einer Safety-Car-Phase versehentlich die Zündung ausschaltete, war das definitiv eine verdiente Wiedergutmachung für den Mann aus Yorkshire.
Im Kampf um Platz zwei wurde es unterdessen in den letzten Runden noch einmal spannend. Ingram verlor mit abbauenden Reifen an Speed, und Sutton klebte dem Hyundai in den letzten Runden förmlich an der Stoßstange. Eine Attacke in der vorletzten Runde konnte Ingram gerade noch abwehren, da er gegenüber Sutton eine Runde mehr Zusatzboost zur Verfügung hatte. In der letzten Runde setzte Sutton dann beim Anbremsen der Agostini Hairpin ein Alles-oder-Nichts-Manöver und schob sich auf der letzten Rille innen neben Ingram, woraufhin beide jedoch leicht kollidierten. Ingram behielt die Nerven, und Sutton steckte vorerst zurück – nur um es dann wenige Kurven später, eingangs Bomb Hole, ein weiteres Mal zu probieren. Ingram gelang jedoch erneut die Verteidigung, und in der Reihenfolge Hyundai vor Ford kreuzten beide die Ziellinie zur Vervollständigung des Podiums.
Auch im Kampf um die Plätze dahinter war es spannend. Adam Morgan hatte es nach dem Start zunächst geschafft, sich an Dan Rowbottom vorbei auf Platz vier zu setzen, aber Rowbo konterte einige Runden später, und Morgan bekam es alsbald mit dem privat eingesetzten Restart-Racing-Hyundai von Dan Lloyd zu tun, dem er sich schließlich ebenfalls geschlagen geben musste. Zur Kampfgruppe gesellte sich zeitweise auch noch Tom Chilton, und in unter zwei Sekunden Abstand überquerten die Beteiligten schließlich in der Reihenfolge Rowbottom vor Lloyd, Morgan und Chilton die Ziellinie. Lloyds Teamkollege Smiley komplettierte dahinter auf Platz neun ein starkes Team-Resultat für Restart Racing, während Vauxhall-Pilot Mikey Doble vor dem BMW von Brands-Hatch-Sieger Daryl DeLeon die Top Ten vervollständigte.
Doble hatte sich für diesen Lauf eine interessante Taktik überlegt: Der Vauxhall-Pilot hatte sich am Vortag für den sehr starken vierten Startplatz qualifiziert, entschied sich jedoch, den ersten Lauf auf den harten Optionsreifen zu starten, die jeder Fahrer wie üblich in einem der drei Läufe einsetzen musste. Und wie schon in Brands Hatch war nicht der Medium-Compound die Standardreifenmischung für die beiden anderen Läufe, sondern der Soft-Reifen – wodurch zwischen Standard- und Optionsreifen ein sehr großer Performance-Unterschied entstand.
Bis auf Doble waren alle Fahrer auf den vorderen Positionen im ersten Lauf mit dem Soft-Reifen gestartet, um die gute Ausgangslage in ein zählbares Resultat zu verwandeln. Wie schon in Brands Hatch waren es eher die Fahrer, die nach dem Qualifying weiter hinten lagen, die den harten Reifen bereits im ersten Lauf aufzogen, um die Pflicht erfüllt zu haben und anschließend in den nachfolgenden Läufen mit den Softs nach vorne angreifen zu können – denn im Prinzip war der Einsatz des harten Optionsreifens mehr oder weniger ein Streichresultat. Gemessen daran, wie groß der Performance-Unterschied zwischen Hards und Softs war, hatte sich Mikey Doble mit Platz neun jedenfalls mehr als wacker geschlagen und gegenüber seiner Startposition nur fünf Plätze verloren – und viel wichtiger: Gegenüber allen, die vor ihm lagen, war er nun der am besten platzierte Fahrer, der für beide noch anstehenden Rennen Soft-Reifen zur Verfügung hatte.
Wie nachteilig – und in gewissem Maße auch künstlich und somit sicherlich diskussionswürdig – die Regelung ist, den soften Reifen als Standardreifen und den harten als Optionsreifen zu definieren, zeigte sich dann besonders im zweiten Lauf. Gemäß Reglement waren nun die drei Erstplatzierten des ersten Laufs, Cammish, Ingram und Sutton, verpflichtet, den Lauf auf den harten Reifen zu starten, während der Rest des Feldes freie Wahl hatte. Und long story short: Außer den dreien setzte im zweiten Lauf niemand auf die harten Reifen.
Während Cammish bereits beim Start die Führung an Sutton verlor und anschließend binnen weniger Runden wie ein Stein durch das softbereifte Feld fiel, schafften es Sutton und Ingram zunächst, die Plätze eins und zwei gegenüber den unmittelbaren Verfolgern in Person von Dan Rowbottom, Dan Lloyd und Adam Morgan zu behaupten. Doch der Druck wurde immer größer, und zu Beginn der dritten Runde verabschiedete sich Ingram von allein aus dem Rennen, als er ausgangs der ersten Kurve zu weit nach außen kam, die Kontrolle über das Auto verlor und schließlich innen in die Leitplanke krachte.
Sutton gab sich in derselben Runde geschlagen und überließ Teamkollege Rowbottom auf der Bentley Straight die Führung. Kurz darauf gingen auch Lloyd und die weiteren Verfolger an Sutton vorbei, der auf den harten Reifen einfach keine Chance hatte. In der Folge bildeten sich zunächst zwei Kampfgruppen: An der Spitze setzte Dan Lloyd Namensvetter Dan Rowbottom sukzessive unter Druck, während sich dahinter Adam Morgan, Tom Chilton und Chris Smiley in einem Hyundai-internen Fight um die Verfolgerplätze stritten. Morgan konnte sich dann irgendwann etwas lösen und schloss zu Rowbottom und Lloyd auf, was wiederum Lloyd unter Druck setzte, endlich eine Attacke auf Rowbottom zu probieren.
Gegen Ende der achten Runde schaffte es der Hyundai-Pilot schließlich, sich am führenden Ford, der eine Runde weniger Zusatzboost zur Verfügung hatte, vorbeizuschieben. Doch Rowbo gab sich nicht geschlagen, blieb an Lloyd dran und setzte schließlich vor der Bentley Straight zum Konter an, der ihm die Führung zurückbrachte. In der Folge verlor Lloyd dann deutlich an Speed, und nun war es Adam Morgan, der sich anschickte, im Kampf um den Sieg einzugreifen. Der Hyundai-Pilot hatte insgesamt mehr Boost zur Verfügung als die beiden Führenden und ging drei Runden vor Schluss an Lloyd vorbei auf Platz zwei, um anschließend den führenden Rowbottom unter Druck zu setzen.
Letzten Endes sollte es für Morgan aber nicht mehr reichen er musste sich mit Platz zwei hinter einem überglücklichen Dan Rowbottom begnügen, der sich seinen dritten BTCC-Sieg und den zweiten Ford-Sieg an diesem Tag sichern konnte. Platz drei ging an Tom Chilton, der sich in der vorletzten Runde noch an Lloyd, der all seinen Zusatzboost bereits aufgebraucht hatte, vorbeischieben konnte. Für Lloyd blieb somit Platz vier, der aber immerhin gleichbedeutend mit dem zweiten Sieg in der Independent-Wertung an diesem Tag war. Lloyds Teamkollege Chris Smiley wurde Fünfter vor Mikey Doble, der sich von Startplatz neun aus einige Plätze nach vorne arbeiten konnte und im Rennen zudem ein Glanzstück an Fahrzeugbeherrschung hinlegte, als er in der schnellen Brundle-Nelson-Kombination von Sam Osborne zu einem Highspeed-Ritt in die Wiese geschickt wurde – und es irgendwie schaffte, sein Auto wieder einzufangen und sich beim Wiedereinreihen ins Feld keine einzige Position kosten zu lassen.
Hinter Doble komplettierten Josh Cook, Sam Osborne, Charles Rainford und der mit seinen harten Reifen Schadensbegrenzung betreibende Ash Sutton die Top Ten.
Die gute Ausgangsbasis, die Mikey Doble sich mit der Entscheidung verschafft hatte, den harten Reifen bereits im ersten Lauf zu fahren, wurde dem Vauxhall-Piloten dann zusätzlich mit der Pole-Position für den dritten Lauf vergoldet. Und das Allerbeste: Zwischen ihm auf Startplatz eins und Josh Cook als nächstbestem Fahrer mit Soft-Reifen standen vier hartbereifte Autos als Puffer. Eigentlich wären es sogar fünf gewesen, aber Chris Smileys Hyundai musste mit technischen Problemen an der Box bleiben.
Beim Start kam Doble gut weg und verteidigte souverän seine Führung, während dahinter die Soft-bereiften Piloten sukzessive über die Hard-bereiften herfielen. Als ernsthafteste Verfolger von Doble stellten sich Josh Cook und Ash Sutton heraus, die sich schon nach wenigen Kurven hinter Lloyd und Morgan auf den Plätzen vier und fünf wiederfanden.
Bevor es für die beiden weiter nach vorne gehen konnte, wurde das Rennen jedoch erst einmal für mehrere Runden mit dem Safety Car neutralisiert, weil sich Stephen Jelleys One Motorsport-Honda nach einer Berührung im dichten Feld in Richtung Leitplanke verabschiedet hatte. Während Doble auch den Restart souverän über die Bühne brachte, arbeitete sich Josh Cook dahinter zunächst an Adam Morgan und nach einem mehrere Kurven andauernden Fight auch an Dan Lloyd vorbei auf Platz zwei. Dahinter tat es ihm sein Best Buddy im Fahrerlager, Ash Sutton, gleich und lag eine Runde nach dem Restart auf Platz drei.
Doble war zwischenzeitlich auf knapp über zwei Sekunden enteilt, konnte aber nun den Atem der beiden ebenfalls soft-bereiften Cook und Sutton hinter sich spüren, die sich allerdings zunächst mit sich selbst beschäftigten, anstatt die Lücke zuzufahren. Sutton war eindeutig schneller als Cook und zog schließlich in der neunten Runde am Honda-Piloten vorbei. Binnen weniger Runden hatte der mehrfache BTCC-Champion dann auch erwartungsgemäß die Lücke zu Doble geschlossen und begann, diesen unter Druck zu setzen. Doble hielt zwar mehrere Runden tapfer dagegen, aber es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Sutton am Vauxhall vorbeigehen würde. In der vorletzten Runde unterlief Ash Sutton dann jedoch plötzlich einer seiner sehr seltenen Fehler, als er sich beim Anbremsen der Wilson Hairpin verbremste und dadurch einige Wagenlängen auf den führenden Doble verlor.
Die unverhoffte Verschnaufpause genügte Mikey Doble und er sicherte sich nach fehlerfreier Fahrt seinen ersten BTCC-Sieg – und zugleich den ersten für das Power Maxed-Team sowie den Vauxhall Astra, dem ältesten Auto im BTCC-Feld, seit Jason Platos Sieg in Brands Hatch im Jahr 2019. Der Jubel war groß, und es gab vermutlich niemanden im Fahrerlager, der Doble diesen Sieg nicht gegönnt hätte. Ash Sutton begnügte sich letzten Endes mit Platz zwei vor Josh Cook, der endlich sein erstes Podium in dieser Saison einfahren konnte.
Hinter den Podiumsrängen sah der vierte Platz ein kaum minder sensationelles Resultat: Tom Ingram, nach seinem Ausfall im vorangegangenen Lauf von hinten gestartet, war mit frischen Soft-Reifen und komplett zur Verfügung stehendem Zusatzboost durchs Feld gepflügt. Hinter ihm belegte Sam Osborne sein bis dato bestes BTCC-Ergebnis vor Dan Cammish, dem nach Platz 19 im vorangegangenen Lauf ebenfalls eine tolle Aufholjagd gelang. Auf den Plätzen sieben, acht und neun lieferten sich Charles Rainford, Jake Hill und Ronan Pearson ein knappes Fotofinish vor Aiden Moffat, der die Top Ten komplettierte.
Mit den Plätzen sieben, acht und zehn für Rainford, Hill und Moffat war der dritte Lauf somit auch das insgesamt beste BMW-Resultat an diesem Tag – was nach dem Dreifachtriumpf in Brands Hatch natürlich deutlich hinter den Erwartungen lag. Generell schien bei West Surrey Racing an diesem Wochenende ordentlich Katerstimmung zu herrschen. Nach dem schwierigen, von Balanceproblemen geprägten Saisonstart in Donington schien man eigentlich wieder zurück an der Spitze zu sein. Doch in Snetterton fehlte es den 3er-BMWs erneut deutlich an Performance und man sah insgesamt sogar schlechter aus als noch in Donington.
Für den amtierenden Champion Jake Hill kam obendrein auch noch eine gehörige Portion Pech hinzu: Erst vermasselte er die Qualifikation, als er in seinem letzten Run das Auto überfuhr und neben die Strecke rutschte. Der daraus folgende Start von Platz 20 ließ ihn dann zum Opfer der vielen Kämpfe im Mittelfeld werden, als ihn im ersten Lauf die beiden sich duellierenden Toyotas von Gordon Shedden und Árón Taylor-Smith abräumten und er sein Auto mit gebrochener Radaufhängung abstellen musste. Anschließend gelangen lediglich die Plätze elf und neun als beste Resultate – und das auf einer Strecke, auf der er im Vorjahr zwei Mal siegreich war und BMW generell den Ton angegeben hatte.
Noch enttäuschender als die BMWs waren einmal mehr nur die Toyotas von Speedworks (im Vorjahr übrigens ebenfalls an gleicher Stelle einmal siegreich). Bestes Team-Resultat war Ronan Pearsons achter Platz im letzten Lauf – alles andere waren überwiegend kleine Punkteresultate im Bereich der Plätze 12 bis 15. Team-Speerspitze Gordon Shedden erlebte ein Wochenende komplett zum Vergessen: Im ersten Lauf geriet er zunächst mit Teamkollege Taylor-Smith aneinander (was wie oben beschrieben Jake Hill zum Verhängnis wurde) und wurde kurz darauf noch in der ersten Runde vehement vom Cupra von Rookie Max Hall in der Schikane abgeräumt. Trotz frisch repariertem Auto ging im zweiten Lauf wenig nach vorne, und zu allem Überfluss wurde Shedden dann noch wegen Overboostings disqualifiziert. Platz 12 im letzten Lauf war dann auch kein wirklich gutes Trostpflaster mehr.
In der Meisterschaft führt nach den Rennen in Snetterton nach wie vor Ash Sutton vor Tom Ingram. Nach Ingrams Ausfall im zweiten Lauf beträgt der Rückstand des Hyundai-Piloten nun bereits 15 Punkte. Auf dem dritten Meisterschaftsplatz liegt weiterhin Jake Hill, aber der amtierende Champion hat nach dem schwierigen Wochenende viel Boden verloren und nun schon 40 Punkte Rückstand. Dahinter folgt ein punktemäßig eng beieinander liegendes Feld, bestehend aus Dan Rowbottom, Dan Cammish, Adam Morgan und Tom Chilton.
In der Independent-Wertung führt Mikey Doble knapp vor Chris Smiley, und in der Team- sowie Herstellerwertung hat Hyundai bzw. Team Vertu die Nase knapp vor Ford bzw. NAPA Racing UK.
Der gesamte Meisterschaftsstand sowie die detaillierten Resultate der drei Läufe aus Snetterton können bei TSL Timing oder auf der offiziellen Website der BTCC im Detail studiert werden.
Die BTCC hat ihre nächste Saisonstation am kommenden Wochenende auf dem Highspeedkurs von Thruxton. Im vergangenen Jahr waren hier Jake Hill (zwei Siege) sowie Ash Sutton erfolgreich.
Bilder: btcc.net

2 Kommentare
[…] Ingram, um noch eine realistische Chance auf den Sieg zu haben. Nur zwei Wochen nach seinem Sieg in Snetterton holte sich Dan Rowbottom also seinen zweiten Saisonsieg vor Tom Ingram und Dan Cammish. Dahinter […]
[…] lassen. Der Grund für dieses Manöver lag auf der Hand: Wie bei den Rennen in Brands Hatch und Snetterton kam auch in Oulton Park die weichste Reifenmischung als Standardreifen zum Einsatz, während die […]
Comments are closed.