Bei den BTCC-Läufen am vergangenen Wochenende in Thruxton verfestigte sich, dass die diesjährige Meisterschaft ziemlich sicher auf das Duell Tom Ingram gegen Ash Sutton hinauslaufen wird. Sowohl der Hyundai-Pilot als auch der Ford-Pilot holten sich jeweils einen Laufsieg, während Dan Rowbottom im dritten Lauf siegreich war und sich binnen 14 Tagen seinen zweiten Saisonsieg sichern konnte.
In der regennassen Qualifikation, die hinsichtlich der Bedingungen hart an der Grenze des Vertretbaren war, konnte sich Ash Sutton knapp gegen Tom Ingram durchsetzen und sich die Pole-Position sichern. Dass die beiden auf den Meisterschaftsplätzen eins und zwei liegenden Kontrahenten von allen Piloten am wenigsten Zusatzboost zur Verfügung hatten – was auf dem Highspeedkurs von Thruxton eigentlich per se nachteilig ist –, spielte angesichts der klitschnassen Strecke keine Rolle. So fanden sich die Titelrivalen nebeneinander in der ersten Startreihe wieder.
Am Rennsonntag schien dann wieder die Sonne, und Sutton schaffte es beim Start zum ersten Lauf zunächst, die Spitzenposition gegen Ingram zu verteidigen. Doch der Hyundai-Pilot war deutlich schneller und zog noch in der ersten Runde auf der langen Gegengeraden zwischen Church Corner und Club-Chicane aus dem Windschatten heraus und bremste sich an Suttons Ford vorbei. Doch die Freude währte nur kurz: Im Moment des Überholmanövers wurde eine Safety-Car-Phase ausgerufen, da Sam Osborne und Max Hall in die Streckenbegrenzung abgeflogen waren. Ingram musste die Führung also zunächst wieder zurückgeben.
Auch wenn Sutton den Restart sechs Runden später zunächst souverän über die Bühne brachte, war Ingram erneut direkt an dessen Stoßstange zu finden. Und nicht nur das: Noch im Verlauf der ersten Runde nach dem Restart mischte sich auch Suttons Teamkollege Dan Cammish in den Kampf um die Führung ein. Der Laufsieger aus Snetterton hatte nach dem ursprünglichen Start zunächst Platz drei gegen Mikey Doble verloren, sich diese Position aber unmittelbar nach dem Restart zurückerobert und sich sogleich an Sutton und Ingram gehängt.
Bei der Anfahrt auf die Schikane vor Start und Ziel kam es dann zu einem vorgezogenen Showdown, als Ingram aus Suttons Windschatten zog und Cammish sich gleichzeitig neben Ingram setzte. Beim Anbremsen des schnellen Rechtsknicks vor der Schikane hatte Ingram auf der Außenbahn – die ihm die Innenseite für die Schikane eingebracht hätte – die besten Karten und bremste sich ultraspät an Sutton vorbei. Sutton verlor jedoch beim Anbremsen die Kontrolle über sein Auto, knallte gegen Ingram, und beide mussten kurzerhand die Schikane auslassen. Das hätte – wenn man das Reglement ganz streng auslegt – eigentlich Cammish die Führung bringen müssen. Ingram ging jedoch als Führender aus dem Ganzen hervor, Sutton reihte sich auf Platz zwei ein und Cammish blieb Dritter.
Cammish musste dann im weiteren Rennverlauf zunächst etwas abreißen lassen, während Sutton Ingram dicht folgen konnte. So blieb die Reihenfolge auf den vorderen Positionen dann auch erst einmal bestehen, und es sah nach einem Sieg für Ingram mit einem Ford-Doppelpodium dahinter aus. Ab etwa der 15./16. Runde verlor Sutton jedoch plötzlich deutlich an Speed – seine Rundenzeiten fielen von einer 1:17,0 in Runde 14 auf eine 1:19,8 in Runde 16. Cammish konnte somit mühelos am wehrlosen Teamkollegen vorbeiziehen, und in der letzten Runde verlor Sutton dann auch noch den dritten Platz an Honda-Pilot Josh Cook. Was war passiert? In Replays war zu sehen, wie sich Suttons Nummernschild mit dem Logo des Seriensponsors löste und durch das Kühlgitter eingesaugt wurde. Vermutlich war der Kühler nicht komplett hinüber – sonst hätte Sutton kaum die Renndistanz bis zum Schluss absolvieren können –, aber die durch den beschädigten Kühler ansteigenden Temperaturen sorgten unmittelbar für einen Leistungsverlust.
Somit siegte Tom Ingram am Ende vor Dan Cammish und Josh Cook. Für Ingram, der bislang mit konstant guten Resultaten geglänzt hat, war dies der längst überfällige erste Saisonsieg – und zugleich der neunte verschiedene Sieger in den letzten neun Rennen. Fast noch glücklicher als Tom Ingram dürfte jedoch Josh Cook gewesen sein. „Mr. Thruxton“, wie der Honda-Pilot angesichts seiner stets starken Form auf dem Highspeedkurs auch genannt wird, erlebte am Tag zuvor in der Qualifikation einen heftigen Abflug, als sein Auto ausgangs der Vollgas-Kurve von Goodwood Aquaplaning bekam und Cook chancenlos in die Streckenbegrenzung einschlug.
Cook verletzte sich bei dem Unfall leicht am Knöchel und dürfte allgemein ganz schön durchgeschüttelt worden sein – in noch schlechterem Zustand war allerdings der Honda Civic, der wegen des fast frontalen Einschlags einem Totalschaden glich. In einer tollen Kraftanstrengung gelang es One Motorsport dann aber, über Nacht die gesamte Fahrzeugfront mitsamt Hilfsrahmen, Motor und Getriebe neu aufzubauen und Cook – der sich immerhin für den 14. Startplatz qualifiziert hatte – ein funktionierendes Auto hinzustellen. Cook dankte es seinem Team mit einem fantastischen Rennen, bei dem er sich Position für Position nach vorne arbeitete und letzten Endes mit einem Platz auf dem Podium sowie dem Sieg in der Independent-Wertung belohnt wurde.
Ash Sutton wurde, wie bereits beschrieben, am Ende Vierter, vor Teamkollege Dan Rowbottom, Jake Hill im besten BMW, James Dorlin – der nach dem starken fünften Startplatz ein gutes Resultat für Toyota einfuhr –, Adam Morgan, BTCC-Rückkehrer Senna Proctor und Daryl DeLeon. Pechvogel dieses Laufs war Mikey Doble. Der Vauxhall-Pilot hatte mit Startplatz vier erneut eine sehr gute Qualifikation hingelegt und lag im Rennen zeitweise sogar auf dem dritten Platz, bevor er sich Dan Cammish und Josh Cook geschlagen geben musste. Wenige Runden vor Rennende rollte der Vauxhall dann jedoch auf Platz fünf liegend mit Motorschaden aus, und Doble verpasste ein weiteres gutes Resultat.
Mit nun wieder funktionierendem Auto schlug Ash Sutton dann im zweiten Lauf zurück. Der vierfache Champion legte einen Traumstart hin, der ihn direkt an Ingram vorbeikatapultierte und binnen der ersten paar hundert Meter gleich mehrere Wagenlängen Vorsprung einbrachte. Ingram hielt dahinter Platz zwei vor Josh Cook, während Cammish schlecht wegkam und mehrere Positionen verlor. Sutton checkte im weiteren Rennverlauf komplett aus und siegte souverän mit 3,8 Sekunden Vorsprung. Dahinter setzte Cook Ingram zeitweise ein wenig unter Druck, konnte aber nicht ernsthaft attackieren.
Ingram kreuzte am Ende die Ziellinie als Zweiter vor Cook, für den aber nach dem Rennen Ungemach drohte. Die Fahrzeughöhe seines Hondas war wenige Millimeter zu niedrig, was reglementsbedingt unausweichlich zu einer Disqualifikation führte. Licht und Schatten lagen für Josh Cook an diesem Wochenende wahrlich dicht beieinander. Den letzten Platz auf dem Podium erbte somit Dan Rowbottom. Dahinter belegte Dan Cammish im dritten Ford Platz vier vor Jake Hill, der sich nach dem Start zunächst in die aussichtsreiche vierte Position vor Dan Rowbottom geschoben hatte und zeitweise sogar Druck auf Josh Cook ausüben konnte. Im Rennverlauf verlor der BMW aber zunehmend an Grip und wurde zur Beute für Rowbottom, mit dem er sich mehrere Runden – einschließlich wilder Quersteher durch die Wiese – duellierte. Kurz vor Schluss ging dann auch noch Dan Cammish am amtierenden Champion vorbei und verwies diesen auf Platz fünf. Dahinter zeigte Senna Proctor ein weiteres starkes Rennen mit Platz sechs vor James Dorlin, Chris Smiley (zugleich Sieger in der Independent-Wertung), Daryl DeLeon und Dan Lloyd.
Auf die Pole Position für den dritten Lauf wurde dann zunächst Senna Proctor gelost. Wegen der nachträglichen Disqualifikation von Josh Cook und des deswegen angepassten Klassements des zweiten Laufs ging die Pole dann aber an Toyota-Pilot James Dorlin über. Nach dem Start konnten aber weder Dorlin noch der neben ihm aus der ersten Reihe startende Proctor viel aus der guten Ausgangslage machen und beide verloren in den ersten zwei Runden mehrere Positionen. Während Proctor sich aber fangen und letzten Endes doch noch ein sehr gutes Resultat (s. u.) einfahren konnte, kam Dorlins bis dato sehr starker Renntag zu einem abrupten Ende, als sein Corolla in der vierten Runde mit technischem Defekt ausrollte.
Die Führung hatte sich unterdessen gleich beim Start der von Platz drei gestartete Jake Hill geholt. Die Freude über die Spitzenposition hielt jedoch nur knapp eine Runde, denn Ford-Pilot Dan Rowbottom setzte Hill vom Start weg unter Druck und ging zu Beginn der zweiten Runde mit einem sehenswerten Manöver in Seagraves vorbei in Führung. Hill schaffte es in den folgenden Runden zwar, halbwegs den Anschluss an Rowbottom zu halten, bekam es aber zugleich mit Dan Cammish, Tom Ingram und Ash Sutton hinter sich zu tun. In dieser Reihenfolge umrundeten die Top fünf mehrere Runden den Thruxton Circuit, bis Sutton eine erfolgreiche Attacke gegen Ingram setzte und sich mitsamt etwas Lackaustausch an diesem vorbei auf Platz vier schieben konnte.
Eine Safety-Car-Phase zur Rennhalbzeit wegen eines Abflugs von Adam Morgan in Allards führte das Feld dann wieder zusammen. Beim Restart behauptete Dan Rowbottom souverän die Führung, während Hill dahinter sichtlich Probleme mit dem Grip seiner Reifen bekam. Noch in der ersten Runde nach dem Restart musste er sich beim Anbremsen der Schikane Dan Cammish geschlagen geben und geriet dann wenige Kurven später ausgangs Seagraves leicht neben die Strecke, was es Ash Sutton erlaubte, neben den BMW zu ziehen. Im anschließenden schnellen Linksknick von Noble wurde es dann dramatisch: Während Sutton versuchte, sich außen an Hill vorbeizuschieben, verlor dieser die Kontrolle über sein Auto und berührte Sutton. Hill rodelte anschließend durch die Wiese und verstopfte sich den Kühler, was zu einem notwendigen Stopp an der Box führte, während Sutton einen spektakulären 360-Grad-Dreher hinlegte, der ihn zwar mehrere Positionen kostete, er aber immerhin – im Gegensatz zu Hill – das Rennen fortsetzen konnte.
An der Spitze führte weiter Rowbottom, der sich gegenüber Cammish, der all seinen Zusatzboost bereits aufgebraucht hatte, um einige Sekunden absetzen konnte. Letzten Endes musste Cammish sich dann in der vorletzten Runde auch noch Tom Ingram geschlagen geben, der sich seinen Zusatzboost für die letzten Runden aufgespart hatte. Die entstandene Lücke zu Rowbottom war aber zu groß für Ingram, um noch eine realistische Chance auf den Sieg zu haben. Nur zwei Wochen nach seinem Sieg in Snetterton holte sich Dan Rowbottom also seinen zweiten Saisonsieg vor Tom Ingram und Dan Cammish. Dahinter komplettierten Senna Proctor, Ash Sutton, der sich bis zur Zielflagge wieder einige Positionen zurückholen konnte, Chris Smiley, Árón Taylor-Smith, Josh Cook und Tom Chilton (beide aus der letzten Startreihe gestartet) sowie Dan Lloyd die Top Ten.
Nach dem Rennen wurde Chris Smiley dann jedoch wegen zu niedriger Fahrzeughöhe disqualifiziert, was zum einen den Independent-Sieg an Josh Cook übergehen und zum anderen Gordon Shedden in die Top Ten aufrücken ließ. Sowohl Shedden als auch Teamkollege Taylor-Smith holten sich somit in einer für beide bis dato eher schwierigen Saison ihre bislang besten Resultate. Noch größer dürfte die Freude aber bei Senna Proctor gewesen sein. Der BTCC-Rückkehrer zeigte nach mehr als zwei Jahren Pause mit Startplatz fünf und drei starken Punkteresultaten in den Top Ten nicht nur ein blendendes Comeback, sondern etablierte sich – zumindest in Thruxton – auf Anhieb als zweitbester Hyundai-Pilot nach Tom Ingram.
Anekdote aus der Rubrik „Fail“ am Rande: Dabei kam der Einsatz von Proctor unverhofft spontan, denn eigentlich war geplant, dass Proctor das Auto erst nach der Sommerpause von Michael Crees, der keine Finanzierung für eine volle Saison auf die Beine stellen konnte, übernehmen sollte. Crees fuhr dann auch zunächst, wie geplant, die ersten Saisonrennen in Donington und Brands Hatch, bevor er das Auto – soweit man hört aus Dank und Verbundenheit – für die Rennen in Snetterton vorübergehend an seinen langjährigen Förderer Ryan Bensley weiterreichte – mit dem Gedanken, anschließend die Rennen in Thruxton und Oulton Park wieder selbst zu fahren. Erst als Bensley dann schon in der Meldeliste für die Snetterton-Rennen stand und sich in den freien Trainings auf sein BTCC-Debüt einschoss, schaute mal jemand genauer ins Reglement und entdeckte, dass die Zahl der Fahrerwechsel pro Auto in einer Saison auf zwei limitiert ist. Mit dem Wechsel von Crees auf Bensley war Nummer eins aufgebraucht, und mit dem vertraglich fixierten Wechsel auf Proctor nach der Sommerpause war Wechsel Nummer zwei verplant. Michael Crees hatte also plötzlich keine Chance mehr, in sein – eigentlich nur vorübergehend verliehenes – Auto zurückzukehren. Und da Ryan Bensley anscheinend auch keine Ambitionen hatte, selbst die restlichen Rennen bis zur Sommerpause zu fahren, holte man bei Excelr8 kurzerhand Senna Proctor früher als geplant ins Auto. Doof gelaufen für Crees, gut gelaufen für Proctor – und auch offensichtlich gut für Hyundai, denn unverhofft scheint man einen weiteren Piloten im Lager zu haben, der mindestens um die vorderen Punkteplätze mitfahren kann.
Tom Ingram holte mit seinem Sieg und zwei zweiten Plätzen die größte Punkteausbeute in Thruxton und verkürzt somit seinen Rückstand auf Ash Sutton in der Meisterschaft um einige Zähler. Sutton führt nun mit neun Punkten vor Ingram, während die Lücke zu den weiteren Positionen sukzessive größer wird. Auf Meisterschaftsplatz drei liegt Dan Rowbottom mit 49 Punkten Rückstand auf Sutton. Dahinter folgen Dan Cammish mit 52 und Jake Hill mit 66 Punkten Rückstand.
Der gesamte Meisterschaftsstand kann ebenso wie die einzelnen Resultate der drei Läufe aus Thruxton auf den Websites von TSL Timing und der BTCC nachgeschaut werden.
Die letzten drei BTCC-Rennen vor der Sommerpause finden am kommenden Wochenende auf dem malerischen Kurs von Oulton Park statt. Im Vorjahr waren hier in drei sehenswerten Rennen, bei denen erstmals experimentell die Regelung zum Einsatz kam, dass der Soft-Reifen der Standardreifen ist, während der Hard-Compound als Optionsreifen gilt, Tom Ingram, Josh Cook (damals noch im Toyota) und Jake Hill siegreich.
Bilder: btcc.net
