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ADAC GT Masters: Analyse Lausitzring

von Nils Otterbein
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Zwei sehr sehenswerte Rennen konnte das ADAC GT Masters am letzten Wochenende beim Saisonstart abliefern. Die Rennen haben gezeigt, dass ein Zwei-Stopp-Format durchaus seinen Reiz hat, wenn es im Reglement gut durchdacht wird. Das eher kleine Starterfeld hat der Rennunterhaltung keinerlei Abbruch getan.  

Samstag

Im ersten Qualifying konnte trotz der sehr frühen Uhrzeit vor der DTM-Qualifikation bereits die 1:20-Hürde geknackt werden. Insgesamt fuhren fünf Hersteller in die ersten fünf Plätze. Die Pole konnte Finn Zulauf im Lamborghini von Paul Motorsport einfahren, der einen mehr als turbulenten Samstag erleben sollte. Zulauf qualifizierte sich vor Ford-Junior Finn Wiebelhaus im Mustang, Julian Hanses im FK Performance BMW, Moritz Wiskirchen im Schnitzelalm-Mercedes und Alex Fach im besten der beiden Autos der Pro-Am-Klasse.

Rennen 1

Die Startphase war von jeder Menge Platzwechseln geprägt. Zulauf konnte seine Führung verteidigen, während Finn Wiebelhaus in der Startrunde einige Plätze verlor, die er dank des bekannten Mustang-Topspeeds wieder aufholen konnte. Wiskirchen im einzigen Mercedes hatte einen Ausritt ins Kiesbett. Es ging drunter und drüber, wodurch Berührungen nicht ausblieben. Der HRT-Ford von Dennis Fetzer fiel nach einem Aufhängungsschaden als einziger Teilnehmer aus, nachdem er eine selbstverschuldete Berührung mit dem Razoon-Porsche hatte. Vorne konnte sich Zulauf bis zum Stoppfenster einen mehr als deutlichen Vorsprung herausfahren. „Sieht nach klarem Lambo-Sieg aus“, stand zu diesem Zeitpunkt auf meinem Stichwortzettel. Ungeahnt dessen, was in diesem Rennen noch alles dazwischenkommen sollte.

Nun ging es nach 15 Minuten zum ersten der beiden Stoppfenster. Anders als in der DTM, wo ein gewohnt langes Stoppfenster auf ein kürzeres folgt, ist das Zeitfenster für beide Pflichtstopps identisch bei zehn Minuten. Die Teams haben pro Rennen einen langen Stopp mit Reifenwechsel und einen kurzen Stopp ohne Reifenwechsel zu absolvieren. Fest steht: Der erste Stopp muss mit einem kurzen Tankvorgang absolviert werden und beide Stopps sind mit einem Fahrerwechsel verbunden. Die kürzeren Stopps ohne Radwechsel sind mit 80 Sekunden Boxenaufenthalt verbunden, die Längeren mit 100 Sekunden. Bei den beiden Pro-Am-Teams (Fach-Porsche und Engstler Lamborghini #8) sind zehn Sekunden weniger vorgesehen. Deswegen war ich auch dieses Jahr verwundert, dass nicht noch mehr Teams in diese Klasse eingestiegen sind. Letztes Jahr wurden es über den Saisonverlauf einige Teams mehr, die im Pro-Am-Championat gestartet sind, da es zu Neueinstufungen einiger Fahrerpotenziale kam. Es wäre nicht überraschend, wenn auch dieses Jahr die Klasse mehr Beteiligung erfahren würde. Immerhin gehen sechs der zwölf Saisonläufe über dieses 80-minütige Format und man bekommt 20 Sekunden „geschenkt“, was in einem kleinen Feld viel ausmacht.

Der Paul-Lamborghini ging zum langen Service und stand zusätzlich einige Sekunden zu lange, bevor Simon Connor Primm obendrein mit kalten Reifen durch den Kies rodelte. Das brachte ihn zunächst hinter den Fach-Porsche und FK Performance BMW, die den kurzen Stopp absolvierten. Nach dem ersten Stoppfenster sah man den Reiz des „Endurance-Formats“, was man nun im zweiten Jahr ausprobiert. Man hat durch unterschiedliche Standzeiten, unterschiedlichen Reifenstatus und verschiedene Fahrerqualitäten eine menge Vielfalt. Es entsteht ein komprimierter Endurance-Charakter.

In der Folge dauerte es etwas, bis man ein klares Bild vermittelt bekam. Durch den kurzen Stopp hatte der Fach-Porsche, der im Mittelstint vom Amateur Alexander Schwarzer pilotiert wurde, einen so großen Vorsprung, dass auf meinem Notizzettel „sieht nach klarem Fach-Sieg aus“ stand. Tatsächlich konnte Schwarzer die Konkurrenten zunächst auf Distanz halten, verlor dann aber immer mehr Sekunden, was die Konkurrenz vor dem nächsten Stopp heranbrachte. Dahinter gingen Primm im Lamborghini und Salman Owega im Mustang beide an Eduardo Coseteng vorbei, immer unter der Prämisse, dass Primm auf einer anderen Strategie unterwegs war und bereinigt eigentlich klar in Führung war. Rund eine halbe Stunde vor Rennende übernahm er schließlich die „reelle“ Führung von Schwarzer, der seinerseits noch den zweiten Platz gegen Owega verlor.

Wie erwartet konnte Zulauf souverän in Führung liegend den Lamborghini von Primm übernehmen. Dahinter tauchte nun mit einer gegensätzlichen Taktik der Razoon-Porsche von Leo Pichler auf. Fach und Wiebelhaus übernahmen ihre Autos nach den Reifenwechseln auf dem sechsten, bzw. siebten Platz und sollten für die Schlussphase nochmals Würze ins Geschehen bringen. Zunächst schienen die Podestplätze bezogen, bis bei Paul Motorsport weitere Fehler nach den Pannen während und nach dem ersten Stopp passierten. Finn Zulaufs Vorsprung von 15 Sekunden war nach einem Kiesausritt schlagartig futsch, bevor wenige Minuten später ein Reifenschaden wohl das Resultat der Ausritte von ihm und seinem Kollegen waren. Nach einem Notstopp beendete er das Rennen schließlich auf P13. Dadurch konnte Leo Pichler im Porsche von razoon more than racing den ersten Sieg im ersten GT3-Rennen überhaupt die Österreichische Truppe einfahren.

In den Schlussminuten waren die frisch bereiften Wiebelhaus und Fach teils über zwei Sekunden schneller und griffen noch nach dem Podest. Wiebelhaus ging an seinem Teamkollegen Max Reis vorbei und machte das erste Doppelpodium für Haupt Racing mit neuem Gefährt perfekt. Hauchdünn konnte Max Reis auf seinen älteren Reifen Alexander Fach hinter sich halten. Pichler/Birch gewannen jedoch mit beeindruckenden zehn Sekunden, was beim ersten Auftritt nicht zu vermuten war.

Sonntag

Die zweite Qualifikation wurde nun ungewohnt nach der DTM ausgetragen. In den GT-Serien wird zunehmend deutlich, dass die neuen Pirelli-Slicks viele schnelle Runden zulassen. Der Peak ist offenbar nicht mehr so kleinräumig wie in den letzten Jahren. Alle drei Mustang landeten in den ersten drei Reihen und stellten mit Niklas Kalus und Salman Owega die erste Startreihe. Für das Rennen sollten die Wetterbedingungen etwas verrücktspielen.

Rennen 2

Kurz nach der DTM setzte Regen ein, woraufhin das Starterfeld gemischt reagierte. Manche blieben auf Slicks, andere setzten auf Regenreifen. Dies hatte eine unweigerlich wilde Startrunde zur Folge, in der einige abflogen, u.a. die beiden führenden HRT-Mustangs und der Razoon-Porsche. Nachdem eingangs der zweiten Runde unabhängig voneinander auch Jannis Fittje und Simon Burch abflogen, wurde aufgrund einer Ölspur das Rennen unterbrochen. Ausgerechnet der Paul-Lamborghini, der am Samstag kurz vor einem haushohen Auftaktsieg lag, hatte die Flüssigkeiten nach einem Ausritt verteilt. Nach rund einer halben Stunde Unterbrechung wurde das Rennen wieder auf Grundlage der ersten gewerteten Runde gestartet. Leider kam es zu Verwirrungen um die Regularien während der Unterbrechung. Einige Autos wurden notdürftig mit Tape repariert, obwohl eigentlich ein Parc Fermé in solchen Situationen gilt. Jedenfalls durften die Fahrzeuge ohne nachträgliche Strafen für den Restart vorbereitet werden und alle, bis auf den Paul Lamborghini konnten die Fahrt wieder aufnehmen. Von der restlichen Rennzeit musste glücklicherweise nichts abgezogen werden und auch am Zwei-Stopp-Format änderte sich nichts, während der Regen zunahm.

Jannis Fittje im Mercedes und Simon Birch als Samstagssieger nahmen das Rennen in Führung liegend wieder auf. Mit Dennis Bulatov konnte sich dahinter erstmals der Scherer Audi in Szene setzen, für die das Sprintumfeld mit den Pirelli-Reifen gänzlich neu ist. Von den drei BMW war unter den feuchter werdenden Bedingungen in diesem Rennen nichts mehr zu sehen, allenfalls beim Überrunden. Die bis dahin bestplatzierten legten viel Wert auf die Track Position und wählten den kürzeren Stopp, abgesehen vom Razoon-Porsche. Der HRT-Ford von Dennis Fetzer sowie der Land Audi von Alain Valente, der von Carrie Schreiner übernahm, waren die bestplatzierten Teilnehmer mit einem langen Service als ersten Stopp. Wie wir am Samstag gelernt haben. Wenn sich die Strategien hintenheraus „kreuzen“, kann das Rennen unerwartete Wendungen nehmen. Viele Fahrer taten sich nach den Fahrerwechseln unter den nassen Bedingungen im Mittelstint sehr schwer. Allen voran Moritz Wiskirchen, der seine Führung durch zwei Ausritte verlor. Am meisten war der Engstler Lamborghini in diesem Rennen neben der Bahn. So oft, dass der Fach-Porsche trotz eines Reifenschadens und einer Durchfahrtsstrafe wegen des Notstopps unter Full-Course-Yellow, dennoch die Pro-Am-Klasse gewinnen konnte. Die FCY entstand, da der zweite Engstler-Lamborghini von Ladniak/Rappange im Kies steckte.

Nach dem zweiten Stopp kam der Razoon Porsche von Simon Birch nach seinem kurzen Stopp direkt vor dem Scherer Audi raus, der auf der gegensätzlichen Strategie unterwegs war. Das Rennen wurde im Zweikampf durch einen Dreher von Bulatov vorentschieden, wodurch es klar nach einem Doppelsieg für das österreichische Porsche-Team aussah. Beide hatten jedoch so viel Vorsprung, dass der zweite Platz nicht mehr in Gefahr geriet. Dahinter war es deutlich enger: Jannis Fittje konnte den schlechteren Stint von seinem Teamkollegen gutmachen und ging schließlich am HRT-Mustang von Salman Owega mit frischeren Reifen vorbei und komplettierte das Podest. Jonathan Cecotto im nächsten HRT-Mustang und Eduardo Coseteng im FK-BMW lieferten sich noch bis zum Schluss ein hartes Duell um den fünften Platz, mit dem besseren Ende für Cecotto.

Fazit

Ganz objektiv betrachtet hat am letzten Wochenende das GT Masters die besten Rennen unter dem Damoklesschwert von zwei Pflichtstopps geliefert. Die DTM hätte mit dem Format innerhalb der Sonntagsrennen eigentlich mehr Potenzial, was jedoch mit der gleichbleibenden Rennlänge und einem sehr kurzen Stoppfenster in der zweiten Phase etwas konterkariert wird. Eigentlich ist es schade, dass im GT Masters dieses Format „nur“ bei der Hälfte aller Saisonrennen angewandt wird. Da werden sich die klassischen 60-Minüter „anstrengen“ müssen, um ähnlich unterhaltsamen Sport zu liefern.

Im Mittelpunkt standen eindeutig die Neulinge, sowohl team-, als auch fahrerseitig. Mit einem Doppelsieg für ein Team, was nicht nur neu im GT Masters ist, sondern allgemein im GT3-Sport, war trotz des mittelmäßig großen Feldes nicht zu rechnen. Auch Scherer Sport PHX hat den Umstieg auf die neue Distanz mit einem für sie ungewohnten Reifenhersteller gut hinbekommen. Es zeigt, dass unter den aktuellen Rahmenbedingungen im GT Masters schneller fußgefasst werden kann, als in der DTM (siehe Comtoyou Racing). Vielleicht sind das die Zeichen, die die Rennserie braucht, um wieder bessere Teilnehmerzahlen zu liefern.

Weiter geht es schon am ersten Juni-Wochenende in Zandvoort, dann mit der altgedienten Stundendistanz mit einem Stopp.

Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,3215,3344)

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