Home NASCARAbsolutes Märchen für Ross Chastain in Charlotte: Es war einmal ein Melonenfarmer …

Absolutes Märchen für Ross Chastain in Charlotte: Es war einmal ein Melonenfarmer …

Ross Chastain hat völlig überraschend das Coca-Cola 600 auf dem Charlotte Motor Speedway gewonnen

von André Wiegold / Leadlap.de
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Ross Chastain hat völlig überraschend das Coca-Cola 600 auf dem Charlotte Motor Speedway gewonnen – In einer spannenden Schlussphase rang er William Byron nieder

Es war einmal ein Melonenfarmer, der sehr schnell Auto fahren konnte. Er hörte auf den Namen Ross Chastain und er sorgte im Epizentrum der NASCAR, auf dem Charlotte Motor Speedway, für einen märchenhaften Sieg. Doch er war nicht allein, sein Trackhouse-Team hatte einen großen Anteil an dem Erfolg, denn sie schufteten bis in die Nacht und ruhten sich kaum aus, um ihren Fahrer einen besonders starken Ersatzchevrolet hinzustellen.

So ähnlich könnte das Märchen um Chastain auf dem Charlotte Motor Speedway losgehen, denn der Sieg des 32-Jährigen war alles andere als erwartet. Im Training krachte er mit seinem Camaro in die Mauer, NASCAR verbot dem Team, das Auto wieder aufzubauen, weshalb das Ersatzauto vorbereitet werden musste – und das dauerte.

Chastain zollt Team Respekt

“Ich saß erstmals in dem Auto und habe dann am Abend unseren Shop verlassen”, so Chastain.” Das war so um 22 Uhr. Das Team hat bis 2:30 Uhr gearbeitet und um 5:30 Uhr war es wieder zurück an der Strecke. Die meisten Teammitglieder fahren so 30 bis 45 Minuten nach Hause, sie hatten also nur eine kleine Dusche, denke ich.”

“Ich weiß nicht einmal, ob sie geschlafen haben. Sie haben das Auto vorbereitet und das ist die Leidenschaft, die Trackhouse ausmacht. Es gab Leute, die hatten am Samstag eigentlich frei und trotzdem sind sie gekommen.” Aufgrund des Unfalls im Training musste Chastain das Rennen von ganz hinten aufnehmen und lange war von der Startnummer 1 nichts zu sehen.

Byron der Dominator

An der Spitze schwang William Byron von Hendrick Motorsports den Taktstock und gewann eine Stage nach der anderen und sammelte am Ende Sage und Schreibe 283 der 400 Runden an. Erst spät tauchte die Startnummer 1 von Chastain im Live-Timing erst in den Top 20, dann in den Top 15 und schließlich in den Top 10 auf. Irgendwann biss sich der Trackhouse-Pilot in den Top 5 fest.

Dabei profitierte er aber auch davon, dass sich ein Siegkandidat nach dem anderen verabschiedete: Kyle Larson fiel früh aus, Denny Hamlin erhielt beim letzten Boxenstopp nicht genügend Sprit, Carson Hocevars Motor gab den Geist auf und Christopher Bell hatte im entscheidenden Stint nicht die Pace, um mit Byron mitzuhalten.

Nach Favoritensterben nur Chastain noch da

Am Ende forderte nur Chastain den Hendrick-Piloten heraus und letztendlich machten auch die letzten Boxenstopps den Unterschied. Der 32-Jährige kam zwei Runden später als Byron an die Box und diese zwei Runden sollten den Unterschied machen. Chastain hatte etwas frischere Reifen als Byron und schaffte es so, den Youngster kurz vor dem Schluss zu überholen und hinter sich zu halten.

“Wir sind das 600 gefahren und haben am Ende zwei Autos überholt, die den ganzen Abend besser waren”, so Chastain. “Mein Crew-Chief Phil Surfen wollte, dass ich eigentlich zwei Runden früher zum Stopp komme. Ich bin dann aber zwei Runden länger draußen geblieben, aber nur, weil es etwas Verwirrung gab. Das hat sich am Ende ausgezahlt. Die Reifen haben etwas länger gehalten, dass sie frischer waren. Alter Schwede, wir haben das 600 gewonnen!”

Byron enttäuscht

Der erste Verlierer war Byron, der für sein unglaublich starkes Rennen nicht belohnt wurde. “Er hat mich eingeholt und ich habe versucht, mich zu verteidigen”, so der Hendrick-Pilot. “Das Auto tendierte zum Untersteuern. Dann waren noch zwei Autos um mich herum, was es schwierig gemacht hat.” Da spricht Byron von Hamlin und Joey Logano, die keine Aktien mehr im Kampf um den Sieg hatten.+

“Er hat dann das Manöver gegen mich gesetzt und hat es geschafft, am Ende von Kurve 2 vor mir zu sein”, so Byron weiter. “Es ist enttäuschend, da wir so viele Runden geführt haben und das Team einen tollen Job gemacht hat. Ich hätte das Manöver vielleicht besser antizipieren können. Ich war lange in der Dirty-Air unterwegs, meine Reifen waren daher am Überhitzen. Dann haben wir noch viel Zeit verloren, als die #45 [Tyler Reddick] vor uns fast einen Unfall hatte.” Byron musste dem Toyota ausweichen, was etwas Zeit kostete.

Hamlin hadert mit Fehler an der Box

Und dann war da noch Hamlin, der gute Chancen hatte, doch beim letzten Boxenstopp wollte der Sprit nicht in seinen Tank fließen. “Ich bin kein Boxencrew-Mitglied, ich habe aber alles, was ich konnte, für das Team gegeben”, sagt er. “Wir hatten ein tolles Auto und waren vorne mit dabei. Es war ein großartiger Kampf. Ich hätte da gerne mitgemischt, aber leider gelangte nicht genügend Sprit in mein Auto, weshalb ich nochmal an die Box musste.”

Polesetter Chase Briscoe wurde am Ende Dritter, AJ Allmendinger und Brad Keselowski rundeten die Top 5 ab. Gerade für Keselowski könnte Charlotte der Moment gewesen sein, der den Knoten zum Platzen gebracht haben könnte. Der Routinier erlebte bis dato rabenschwarze Saison, doch in den vergangenen Wochen deutete sich an, dass der RFK-Ford doch noch Pfeile im Köcher hat.

Keselowski glaubt an Sieg

„Zur Rennhalbzeit bin ich da etwas in Situationen verwickelt gewesen, aus denen wir uns befreit haben”, so Keselowski. “Ich hatte das Gefühl, dass wir dieses Rennen sogar hätten gewinnen können. In den vergangenen Wochen waren wir wettbewerbsfähig. Das Auto hat die Pace, ein Rennen zu gewinnen und das müssen wir schaffen. Es zeigt, dass wir es drauf haben, aber ich möchte gewinnen.”

Die nächste Chance hat er in der Nacht von Sonntag auf Montag am 2. Juni 2025. Dann findet um ca. 1:00 Uhr deutscher Zeit das Rennen auf dem Nashville Superspeedway statt, der eigentlich kein Superspeedway ist. Der Lauf wird live und auf deutsch auf Sportdigital1+ übertragen. In eigener Sache: Pete Fink und meine Wenigkeit werden das Rennen kommentieren.

Foto: NASCAR Media / Jared C. Tilton/Getty Images

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