Ash Sutton startete mit zwei Siegen und einem dritten Platz nahezu perfekt in die neue BTCC-Saison. Den dritten Tagessieg sicherte sich Hyundai-Pilot Tom Chilton, während Tom Ingram mit drei zweiten Plätzen einen nicht minder erfolgreichen Saisonstart hinlegte.
Ford gegen Hyundai – das scheint zumindest nach dem ersten Eindruck beim Saisonstart der bestimmende Zweikampf der diesjährigen Saison zu werden. Die BMWs leiden nach der reglementsbedingten Reduzierung des Gesamtgewichts um 55 Kilo – bedingt durch den Wegfall des Hybridsystems – unter erheblichen Balanceproblemen. Die Toyotas laufen nach der kompletten Neubesetzung aller vier Cockpits derzeit noch hinterher. Schlaglichter setzten stattdessen die Independent-Starter Josh Cook im One-Motorsport-Honda, Chris Smiley im Restart-Racing-Hyundai und Mikey Doble im PMR-Vauxhall.
Dass es letztlich Ash Sutton war, der nach zwei Siegen als erster Tabellenführer der Saison Donington verließ, war – zumindest nach den freien Trainings am Samstag – doch etwas überraschend. Bis dahin war es klar Tom Ingram, der den Ton angab. Er war in beiden Sessions mit jeweils deutlichem Vorsprung der Schnellste und pulverisierte im zweiten Training sogar den Rundenrekord für den National Circuit in Donington.
Ein kleiner Fehler im Qualifying führte jedoch dazu, dass Ingram die eigentlich sicher geglaubte Pole Position knapp verpasste. Am Ende reichte es „nur“ zu Startplatz drei hinter den Ford Focus von Dan Cammish und Ash Sutton. Mit Dan Rowbottom im dritten Ford auf Startplatz vier zeigten die Fords von NAPA Racing UK insgesamt eine sehr gute Leistung und setzten ein klares Ausrufezeichen, dass sie mindestens auf Augenhöhe mit Ingram und Hyundai sind. Tom Chilton im zweiten Hyundai auf Startplatz sechs bewies derweil, dass nicht nur Ingram im i30 schnell unterwegs ist.
Dass man im Ford-Lager bei Sutton und Cammish offenbar doch befürchtete, dass Ingram ihnen im ersten Lauf davonfahren könnte, zeigte sich daran, dass beide Ford-Piloten sich entschieden, auf den weicheren Optionsreifen zu starten. Zur Erinnerung: Reifenausstatter Goodyear stellt zu jedem Saisonlauf einen Medium-Reifen als Standard zur Verfügung sowie einen Optionsreifen, der entweder härter oder weicher ist. Jeder Fahrer muss diesen Optionsreifen in genau einem der drei Sonntagsläufe einsetzen. Je nach Reifenmischung, Wetterlage und Streckenzustand kann das Vor- oder Nachteile bringen. Das richtige Timing ist dabei entscheidend.
Mit ihrer Entscheidung, bereits im ersten Lauf auf die weicheren Reifen zu setzen, standen Sutton und Cammish relativ allein. Nur Toyota-Pilot Ronan Pearson, der sich überraschend Startplatz fünf gesichert hatte, startete ebenfalls auf Softs. Allgemein herrschte die Sorge, dass die Soft-Reifen bei über 20 Grad und Sonnenschein die volle Renndistanz nicht durchhalten könnten – auch wenn sie zu Beginn mehr Grip versprachen. Dass ausgerechnet die erste Startreihe die Softs testete, war daher durchaus bemerkenswert.
Die Erkenntnisse aus dem ersten Lauf waren dann auch wenig ermutigend – wenngleich Sutton sich hauchdünn gegen Ingram durchsetzen konnte. Beim Start kamen die Fords wie erwartet gut weg – Sutton sogar noch etwas besser als Pole-Sitter Cammish, was der vierfache Champion nutzte, um seinen Teamkollegen in Redgate Corner außen zu überholen und die Führung zu übernehmen. Im Parallelflug umrundeten die beiden blauen NAPA-Racing-Fords zunächst den National Circuit und konnten sich etwas von Ingram absetzen. Dieser holte aber rasch auf und machte zunehmend Druck. Cammish bekam – unter anderem wegen einer zu aggressiven Fahrwerkseinstellung – früh Probleme mit den Softs. Bereits in Runde acht überholte ihn Ingram mühelos in Old Hairpin und verkürzte anschließend den Abstand zu Sutton, der nun versuchte, seine Reifen zu schonen.
Für Cammish wurde es noch schlimmer: In Runde elf platzte ihm der linke Vorderreifen. Glück im Unglück: Der Reifenschaden ereignete sich gegen Ende der Runde, sodass der Weg zur Box kurz war, und gleichzeitig wurde eine Safety-Car-Phase wegen beschädigter Reifenstapel in der Schikane ausgerufen. So konnte Cammish mit neuen Softs wieder ans Ende des Feldes aufschließen und sich bis auf Platz acht nach vorne kämpfen. Vorne setzte sich der Kampf zwischen Ingram auf Mediums und Sutton auf Softs fort. Ingram war klar schneller, fand aber keinen Weg vorbei, da Sutton sein Auto stets klug positionierte. So holte sich Sutton den ersten Saisonsieg vor Ingram. Dahinter komplettierte Dan Rowbottom nach Cammishs Pech das Podium und bestätigte die gute Form der Fords.
Der zweite Lauf sah dann eine über die volle Renndistanz gehende Fortsetzung des Kampfes zwischen Sutton und Ingram – dieses Mal jedoch beide identisch mit den Mediums unterwegs. Sutton behielt die Führung beim Start, aber Ingram folgte ihm wie ein Schatten. Vor allem in den ersten Rennrunden war Ingram eindeutig schneller, fand aber wiederum kaum eine Gelegenheit für eine Attacke. Ein Versuch in der vierten Runde ging beinahe schief, als Ingram wegen des die Tür zuschlagenden Sutton stark verlangsamen musste und plötzlich kurz unter Druck der Verfolger Jake Hill und Josh Cook geriet. Während Hill anschließend rasch Probleme mit seinen abbauenden Soft-Reifen bekam, mischte Cook im One Motorsport-Honda erfrischenderweise für einige Runden an der Spitze mit, bevor ihn – ebenfalls soft-bereift – das gleiche Schicksal ereilte wie Cammish im ersten Lauf, und ihm der linke Vorderreifen platzte.
Sutton und Ingram waren nun wieder auf sich allein gestellt und absolvierten im Zehntelsekunden-Abstand und ohne einen einzigen Fehler beiderseits die restliche Renndistanz. Ingram hielt sich mit weiteren Attacken zurück und begnügte sich letzten Endes mit dem zweiten Platz. Den dritten Platz auf dem Podium holte sich derweil erneut ein Ford-Pilot. Anstelle von Rowbottom, der „nur“ Fünfter wurde, war es dieses Mal Dan Cammish, der von Startplatz acht kommend und nun ebenfalls Medium-bereift nach dem Pech im ersten Lauf ein sehr gutes Rennen hinlegte, bei dem er sich Position für Position nach vorne arbeitete. Den dritten Platz eroberte er dabei pünktlich in der vorletzten Runde vom mit seinem Setup und seinen Reifen strauchelnden amtierenden Champion Jake Hill.
Trotz Suttons Sieg im ersten Lauf auf den Softs war man sich insgesamt einig, dass die Verwendung des Soft-Reifens kein Vorteil, sondern eher ein Nachteil war. Umso spannender war somit die Ausgangslage vor dem dritten und letzten Lauf. Nun mussten die beiden bis dato besten Hyundais, Tom Ingram und Tom Chilton, auf den Soft-Reifen gegen die nun Medium-bereiften Fords von Sutton und Cammish antreten – ein Spiegelbild also zur Situation im ersten Lauf. Passenderweise ging die Pole Position dann auch gleich an Chilton, der den dritten Lauf somit an der Spitze vor Rowbottom (auch auf den Softs), Hill (Medium), Cammish (Medium), Ingram (Soft) und Sutton (Medium) starten konnte.
Und auch wenn Chilton die Pole Position zunächst mühelos in eine sichere Führung verwandeln konnte, war die allgemeine Erwartungshaltung doch eher, dass beide Hyundais spätestens gegen Rennende in Probleme kommen würden und somit eine realistische Chance bestand, dass Sutton den Hattrick perfekt machen und sich alle drei Siege beim Saisonauftakt sichern könnte. Und Sutton brachte sich dazu auch binnen weniger Umläufe in die perfekte Ausgangslage: Bereits beim Start schaffte Tom Ingram es, sich eine Position gegenüber Dan Cammish zu verbessern, und Sutton ging, an der Stoßstange seines vermeintlich ärgsten Konkurrenten hängend, gleich mit und überholte seinen Teamkollegen ebenfalls. Das gleiche Bild wiederholte sich eine Runde später, als Ingram in Old Hairpin Platz vier von Jake Hill eroberte und Sutton auf dem folgenden Bergaufstück Richtung Schwantz Curve – mit reichlich Lackaustausch – ebenfalls am BMW vorbeigehen konnte.
Mit dem führenden Chilton, dahinter Teamkollege Rowbottom und dann Ingram lagen nun also nur noch Soft-bereifte Fahrzeuge vor Sutton, und in der Erwartung, dass die Softs irgendwann einbrechen würden, musste Sutton jetzt eigentlich nur noch abwarten. Tom Ingram beschrieb die Situation mit dem lauernden Sutton im Rückspiegel im Anschluss passenderweise als „feeling like a wounded gazelle“. Der Erste, dem die Reifen dann einknickten, war aber zunächst Dan Rowbottom im Ford. Ingram ging in der fünften Runde an diesem vorbei und stellte damit eine Hyundai-Doppelführung her. Kaum überraschend hatte Sutton kurz darauf keine Schwierigkeiten, ebenfalls an Rowbottom vorbeizugehen und den beiden Hyundais im Abstand von knapp 1,5 Sekunden zu folgen.
Aber auch wenn es insbesondere in den letzten Rennrunden knapp wurde und Sutton alles probierte, um an Ingram vorbeizugehen – so wirklich nach gaben die Soft-Reifen auf den Hyundais nicht. Und wer im zweiten Lauf auf Adam Morgan geachtet hatte, konnte davon auch nicht wirklich überrascht sein: Der Hyundai-Neuzugang tat sich bei seiner Rückkehr in einen frontgetriebenen Tourenwagen zunächst etwas schwer. Auf den schwachen 21. Startplatz folgte ein Ausfall mit gebrochener Radaufhängung im ersten Lauf, was wiederum einen Start von ganz hinten für den zweiten Lauf bedeutete. Aber hier drehte Morgan zu alter Form auf und arbeitete sich Position für Position nach vorne und belegte am Ende den sehr guten zehnten Platz. Und das eigentlich Bemerkenswerte war, dass er das alles auf den Soft-Reifen bewerkstelligte, die bei ihm trotz zahlreicher Zweikämpfe und somit alles andere als einer reifenschonenden Fahrweise die gesamte Renndistanz ohne nennenswerten Einbruch durchhielten.
Und genau das zeigte sich auch bei Chilton und Ingram. Der Speed fehlte in den letzten Rennrunden zwar etwas, aber der Reifen behielt so viel Resthaftung, dass beide ihre Positionen verteidigen konnten. Dazu kam eine kluge Fahrweise bei beiden Hyundai-Piloten: Ingram hatte dem Team bereits früh im Rennen mitgeteilt, dass er Chilton nicht attackieren würde, damit sich dieser nicht dazu verleitet sehen würde, unnötig das Tempo anzuziehen und seine Reifen zu ruinieren. Chilton wiederum ließ sein Auto in den letzten Runden mehr oder weniger nur noch durch die Kurven rollen und holte die dadurch verlorene Zeit mit seinem extra dafür aufgesparten Zusatz-Turbo-Boost wieder heraus. Und auch Ingram, dem der Zusatzboost nach dem zweiten Platz im vorangegangen Lauf nur für zwei Runden zur Verfügung stand, nutze diesen weise erst in den letzten Rennrunden, um sich gegen den nun sichtbar schnelleren Sutton zu verteidigen.
Der letzte Lauf des Tages ging somit also nach zwei Ford-Erfolgen ins Hyundai-Lager. Tom Chilton siegte vor Tom Ingram und Ash Sutton. Chilton, dem nach eigener Aussage das neue Fahrzeuggefühl ohne die 55 Kilogramm für den Hybrid-Antrieb an Bord sehr entgegenkommt, konnte sich somit über einen sehr gelungenen Saisonauftakt freuen. Auf Startplatz sechs folgte im ersten Lauf Platz sieben im Endklassement, der eigentlich zunächst ein fünfter Platz gewesen wäre, aber da er zuvor Josh Cook einmal in Richtung Reifenstapel abgedrückt hatte, bekam Chilton eine kleine Zeitstrafe. Im zweiten Lauf gelang dann Platz sechs, was wiederum die Pole für den letzten Lauf bedeutete und ihm schließlich den Sieg einbrachte.
Tom Ingram, nach den Trainingssessions vermeintlich der schnellste Mann im schnellsten Auto, blieb am Ende zwar sieglos, fuhr jedoch klug und mit kalkuliertem Risiko zu drei zweiten Plätzen. Wie gut die Hyundais und Fords in diesem Jahr aufgelegt zu sein scheinen, verdeutlichte das Ergebnis des dritten Laufs, der ja eigentlich immer mal wieder für das ein oder andere verrückte Resultat gut ist: Die ersten sechs Positionen wurden geschlossen von Team Vertu und NAPA Racing-Piloten belegt. Auf Chilton, Ingram und Sutton folgten Dan Cammish, Adam Morgan und Dan Rowbottom. Lediglich die beiden ohnehin nicht in der Riege der Top-Piloten einzureihenden Michael Crees (Hyundai) und Sam Osborne (Ford) spielten am gesamten Wochenende eine untergeordnete Rolle und schafften es beide nicht, einen einzigen Punkt zu erzielen.
Diese vermeintliche Vormachtstellung von Team Vertu und NAPA Racing soll jedoch keineswegs den Eindruck erwecken, dass der Saisonauftakt langweilig war oder dass wir einer bereits entschiedenen Saison entgegensehen. Alle drei Rennen waren spannend und boten sowohl an der Spitze als auch im Mittelfeld packenden Tourenwagensport. Und auch wenn vor allem die BMWs aktuell zwar ein wenig den Anschluss an die Spitze verloren zu haben scheinen, ist es höchstens eine Frage der Zeit, bis West Surrey Racing die Balance-Probleme in den Griff bekommt. Eventuell sehen wir bereits bei der nächsten Saisonstation in Brands Hatch ein komplett anderes Bild mit Jake Hill, der um die Rennsiege mitmischt.
Generell hat Hill sich beim Saisonauftakt auch angesichts seiner Möglichkeiten wacker geschlagen. Vom mittelmäßigen achten Startplatz, der ihn aber immerhin noch mit deutlichem Abstand zum besten BMW machte, folgten zwei vierte Plätze in den ersten beiden Läufen. Im zweiten Lauf verpasste er, auf Soft-Reifen unterwegs, das Podium zudem nur knapp gegen den ihn in der vorletzten Runde attackierenden Dan Cammish. Im dritten Lauf reichte es dann nur noch zu Platz zehn, knapp hinter Teamkollege Aiden Moffat.
Was natürlich erschwerend bei WSR hinzukommt: Dass gleich drei Cockpits für dieses Jahr neu besetzt wurden, eines davon mit einem Rookie, hilft nicht gerade dabei, die Balance-Probleme effizient in den Griff zu bekommen. Letzten Endes kann man sich nur auf Jake Hill stützen, der als einziger Pilot bei WSR erfahren im Umgang mit den BMWs ist. Genau an dieser Stelle fehlt nun klar Colin Turkington, der in seinem Sabbatical-Jahr zwar als Berater des Teams mit an der Strecke war, aber eben nicht im Auto sitzt und dort wertvolles Feedback geben kann.
Bester BMW-Neuzugang hinter Jake Hill war am Ende Aiden Moffat, der nach Startplatz 20 zunächst sehr enttäuscht war, sich am Rennsonntag aber deutlich steigerte und mit den Plätzen neun, sieben und neun drei Mal in die Top Ten fuhr. Charles Rainford, bei seinem BTCC-Debüt mit Startplatz zwölf immerhin zweitbester BMW in der Qualifikation, und Daryl DeLeon hatten demgegenüber deutlich mehr zu kämpfen und sammelten letzten Endes nur ein paar Pünktchen.
Noch mehr Ernüchterung als bei den BMWs dürfte es im Toyota-Lager gegeben haben. Kein einziger der vier in dieser Saison neuen Piloten schaffte es, einen der drei Läufe in den Top Ten zu beenden. Eine Ausnahme schien zunächst einzig Ronan Pearson zu liefern, der sich für den sehr guten fünften Startplatz qualifizierte und anschließend den ersten Lauf, wie Sutton und Cammish, auf Soft-Reifen bestritt. Auch Pearson gelang es, seine Reifen über die Distanz zu bringen, und er kreuzte die Ziellinie am Ende sogar als Vierter. Eine Zehn-Sekunden-Strafe wegen eines Fehlstarts warf ihn jedoch am Ende auf den unglücklichen 13. Platz zurück. In den beiden weiteren Läufen ging es dann nicht mehr nach vorne, und es gelang nur noch Platz 18 und 14.
BTCC-Rückkehrer Gordon Shedden musste sich noch an sein neues Toyota-Arbeitsgerät gewöhnen und hielt sich kontinuierlich im Bereich der Plätze 10 bis 15 und damit am Ende der Punkteränge auf. Shedden rieb sich in vielen Zweikämpfen auf und war zudem zwei Mal Opfer unverschuldeter Kollisionen: Im ersten Lauf knallte ihm Sam Osborne beim Anbremsen der Schikane vehement ins Heck, und im dritten Lauf wurde er ausgerechnet von Teamkollege und Rookie James Dorlin an gleicher Stelle abgeräumt, während dieser eine Attacke auf Jake Hill versuchte. Noch ärger traf es im Toyota-Lager jedoch Árón Taylor-Smith: Ausgerechnet der Fahrer, der in der letzten Saison jeden einzelnen Lauf am Steuer des Vauxhall Astra von PMR in den Punkten abgeschlossen hatte, musste zu Beginn der neuen Saison gleich zwei technisch bedingte Ausfälle hinnehmen. Platz zwölf im letzten Lauf war schließlich das beste Resultat, das der amtierende Independent-Champion einfahren konnte.
Apropos Independent-Wertung: Hier ging es beim Saisonauftakt munter zur Sache. Im ersten Lauf war es zunächst Josh Cook, der bei seiner Rückkehr ans Steuer des über den Winter ausgemotteten Honda Civics von One Motorsport den Ton angab und wie der sichere Sieger aussah. Cook war vom Start weg vorne dabei und duellierte sich im ersten Lauf ausgiebig mit Tom Chilton und Jake Hill. Nachdem er beide überholt hatte, lag er sogar auf Gesamtrang vier, wurde dann jedoch etwas zu ungestüm von Tom Chilton bei einem Konterversuch in der Schikane abgeräumt, und der Honda krachte breitseits in die Reifenstapel.
Die Positionen gegen Chilton und Hill waren dadurch wieder verloren, aber wundersamerweise war Cooks Auto trotz kräftig eingedrückter Flanke weiterhin fahrtüchtig. Letzten Endes musste er sich beim Kampf um den Independent-Sieg zwar dem top aufgelegten Mikey Doble geschlagen geben, konnte jedoch mit Gesamtrang sechs zeigen, dass der Honda eindeutig konkurrenzfähig ist und aktuell sogar im Vergleich mit den (als Werksteam antretenden) Toyotas und BMWs das schnellere Auto zu sein scheint. Passend zu dieser Einschätzung kletterte Cook dann im zweiten Lauf nach einer tollen Attacke gegen Jake Hill bis auf den dritten Platz vor und mischte im Spitzenkampf zwischen Ash Sutton und Tom Ingram mit, bis ihm sein Soft-Reifen platzte und er die Zielflagge nach dem notwendigen Boxenstopp nur auf Platz 20 sah. Im dritten Lauf ging es für Cookie dann immerhin noch mal bis auf den elften Platz nach vorne.
Auch wenn also zunächst kein Independent-Sieg gelang, Cook und der Honda sind heiß, und der als nächstes anstehende Indy Circuit von Brands Hatch, der Cook traditionell gut liegt, bietet allerbeste Chancen. Cooks neuer Teamkollege Stephen Jelley hatte derweil noch einige Eingewöhnungsprobleme bei seiner Rückkehr ans Steuer eines frontgetriebenen Autos. Platz 15 im zweiten Lauf und somit ein einziger Punkt war am Ende das beste Resultat.
Eine ebenfalls gute Form zeigte Chris Smiley im Team von Restart Racing, das erstmals mit einem Hyundai unterwegs war, nachdem im Vorjahr noch Cupras eingesetzt wurden. Smiley hatte sichtlich Spaß und mischte durchweg in den Punkterängen mit. Am Ende gelang ihm zweimal Platz acht in den Läufen zwei und drei sowie der Independent-Sieg im zweiten Lauf als beste Resultate. Schwieriger lief es dagegen für Smileys neuen Teamkollegen, BTCC-Rückkehrer Dan Lloyd, der nach eigentlich besserer Qualifikation (Platz 11 vs. Platz 15) Neben-Opfer der Kollision von Osborne und Shedden wurde und dann zweimal in den nächsten beiden Läufen ausfiel – im dritten Lauf ausgerechnet in der allerletzten Runde.
Eine – und man kann es einfach nicht anders sagen – brillante Vorstellung zeigte Independent-Pilot Mikey Doble am Steuer des alten Vauxhall Astra von PMR, der in diesem Jahr zu einem Ein-Wagen-Team zusammengeschrumpft ist. Auf Startplatz zehn folgte der sensationelle fünfte Rang im Gesamtklassement des ersten Laufs, der gleichbedeutend mit dem Sieg in der Independent-Wertung war. Doble profitierte dabei zwar ein wenig davon, dass Chilton zuvor den bis dato in der Independent-Wertung führenden Cook abgeschossen hatte. Dennoch setzte sich Doble in den letzten Rennrunden auf der Strecke gegen Cook, der bis dahin noch vor dem Vauxhall gelegen hatte, durch und holte sich den Sieg.
Der zweite Lauf versprach ähnlich erfolgreich zu werden, aber leider erhielt Doble eine Durchfahrtsstrafe, weil sein Auto in der Startaufstellung zunächst nicht angesprungen war und daher Mechaniker länger als erlaubt am Auto gearbeitet hatten. Mit Platz 16 verpasste er am Ende knapp die Punkteränge im zweiten Lauf. Im dritten Lauf drehte Doble dann jedoch wieder voll auf und entschied mehrere Zweikämpfe für sich, bis er in der letzten Rennrunde auf Gesamtrang acht und zugleich unmittelbar hinter dem in der Independent-Wertung führenden Chris Smiley lag. Den Hyundai überholte er dann schließlich noch kurz vor der Ziellinie und holte sich damit Platz sieben sowie den zweiten Independent-Sieg an diesem Tag. Chapeau – dass der Astra so gut gehen würde, hätte ich nicht erwartet.
Das Schlusslicht des Feldes bildeten – ein wenig erwartungsgemäß – die Cupras von Un-Limited, die in der Qualifikation in der Reihenfolge Max Hall, Dexter Patterson und Nic Hamilton die letzten Startplätze belegten. In den Rennen ging es dann aber bei Patterson und Hall etwas besser. Patterson legte zwei sehr gute erste Läufe hin, die ihm die Plätze elf und neun einbrachten, bevor er im letzten Lauf ausfiel. Dem gerade einmal 18-jährigen Max Hall gelang Platz 13 im zweiten Lauf als bestes Resultat, nachdem er sich rundenlang erbittert und sehenswert mit Altmeister Gordon Shedden duelliert hatte. Hall hat auf jeden Fall gezeigt, dass einiges in ihm steckt, und es wird spannend zu sehen sein, wie er sich im Verlauf der Saison entwickelt.
So, wieder viel mehr geschrieben als eigentlich geplant. Das war jedenfalls die Einschätzung der aktuellen Lage in der BTCC nach dem Saisonauftakt. Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, seid ihr wahre Tourenwagen-Liebhaber :-D
Wer die einzelnen Ergebnisse der drei Läufe im Detail studieren möchte, wird hier bei TSL Timing fündig: Zu den Ergebnissen.
Dort finden sich auch die ersten Meisterschaftsstände der noch jungen Saison. Wenig überraschend führt Ash Sutton vor Tom Ingram (-7 Punkte), Tom Chilton (-16), Dan Cammish (-21) und Dan Rowbottom (-22). Bester Nicht-Hyundai und Nicht-Ford ist Jake Hill mit 26 Punkten Rückstand auf den Meisterschaftsplatz sechs.
Und wer die drei Läufe noch einmal anschauen möchte, kann – und das ist dank der neuen Live-Übertragung über YouTube eine Premiere – dies ganz einfach hier tun:
Die nächsten BTCC-Rennen starten am 11.05. auf dem Indy Circuit von Brands Hatch.
Bilder: btcc.net

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