Oscar Piastri nahm Lando Norris auseinander, Red Bull sich selbst. Es war ein abwechslungsreiches Rennen.
Vertrauen ist eines der wichtigsten Dinge im Leben und im Rennsport. Man vertraut dem Auto, seinem Team und vor allem: sich selbst. Ohne Selbstvertrauen geht im Motorsport, wie im Leben, einfach nichts. Das Rennen in Bahrain war ein Lehrstück für die Frage, wie wichtig das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist. Und wie wichtig es ist, dass man es auch nach einer Niederlage nur wenige Stunden später wieder aufbauen kann. Es gab zwei gute Beispiele dafür in Bahrain: Lando Norris und Lewis Hamilton.
Norris hatte schon zum Start des Wochenendes mit leichten Problemen zu kämpfen. Während sein Teamkollege Piastri schon am Freitag eine Abstimmung gefunden hatte, tat sich Norris schwer. In FP2 und FP3 lag er ein paar Zehntel hinter Piastri und beklagte, dass er keinen Rhythmus mit den an diesem Wochenende schwierigen Reifen finden würde. Das setzte sich in der Qualifikation dann weiter fort. In keiner Session gelang es ihm, die schnellste Zeit zu fahren. Und in Q3 zerbröselten seine Hoffnungen auf einen Sieg vollends. Am Ende kam nur P6 heraus – mehr als vier Zehntel hinter dem Pole-Sitter Piastri. Als Grund gab Norris nur einen an: seinen Kopf.
Dass Norris mental noch einiges zu lernen hat, ist bekannt. Er gibt zu, die Dinge gedanklich oft unnötig zu verkomplizieren. „Overthinking“ ist ein Wort, das er öfter nutzt. Ebenso bekannt ist, dass er sich eigene Fehler oft zu sehr zu Herzen nimmt. Piastri scheint das Gegenteil von Norris zu sein. Eher in sich gekehrt, ruhiger, mental stärker wirkend. Wenn es für Norris läuft, wenn er das Selbstbewusstsein hat, dann ist er schneller als der Neuseeländer. Aber der ist in seinen Leistungen konstanter. Was man nun in der WM sehen kann. Drei Punkte trennen die beiden noch und das, obwohl Piastri beim ersten Rennen nur den neunten Platz erreichen konnte.
Der McLaren war an diesem Wochenende zwar wie erwartet stark, aber nicht so dominant, wie man befürchtet hatte. 0,168 Sekunden betrug der Vorsprung in der Quali von Piastri auf Russell, und auch im Rennen konnte sich der McLaren zunächst nicht weit absetzen. Immerhin hatte sich Norris nach der Enttäuschung vom Samstag wieder gefangen. Er lag schon nach der ersten Runde wieder auf dem dritten Platz, biss sich aber hier dann über 57 Runden die Zähne an George Russell aus. Wäre er an diesem vorbeigekommen, hätte er vielleicht zu Piastri aufschließen können. Dennoch am Ende ein gutes Ergebnis für den Briten, der das Beste aus seiner schlechten Leistung vom Samstag machen konnte.
Ein anderes Beispiel für die Frage, wie wichtig Selbstvertrauen ist, liefert im Moment Lewis Hamilton. Der hatte in seinen ersten vier Rennen schon alles drin, was man bei Ferrari erleben kann. Eine Pole und einen Sieg, eine Disqualifikation, Fehler bei der Strategie, gute und aber vor allem schlechte Ergebnisse in der Qualifikation. Nach dem eher schwachen Rennen in Japan sah es auch in Bahrain erst danach aus, als würde Hamilton untergehen. Nur P9 in der Quali, sechs Zehntel hinter seinem Teamkollegen, der das Auto auf P3 stellte. Hamilton wirkte nach dem Rennen demoralisiert.
Im Rennen wirkte der Brite dann allerdings wie ausgewechselt. Sein Start war mittelmäßig, er blieb auf P9. Doch von da aus arbeitete er sich stetig nach vorn. Er ließ Sainz, Verstappen und Gasly hinter sich und profitierte dann von einer etwas außergewöhnlichen, aber guten Strategie von Ferrari. Die hatten beide Piloten im ersten Stint auf die Medium gesetzt, während der Rest des Feldes die Soft aufgezogen hatte. Zwar ist der Undercut in Bahrain stark, aber Ferrari eröffnete sich mit den längeren ersten Stint zwei Vorteile. Die Chancen für eine Ein-Stopp-Strategie blieben erhalten, und bei einer Zwei-Stopp-Strategie hatte man den Vorteil, dass man am Ende die frischeren Reifen hatte.
Hamilton sah im ersten und zweiten Stint sehr stark aus. Er verringerte den Abstand zur Spitze, obwohl er sich ja durchs Feld kämpfen musste, und seine Rundenzeiten waren auf einem Niveau mit seinem Teamkollegen. Die gute Strategie der Ferrari zerbröselte allerdings durch das SC, dass man wegen Trümmerteilen auf die Strecke sendete. Da alle an die Box kamen, war der Overcut-Vorteil der Italiener hinüber.
War das Rennen bis zu diesem Zeitpunkt für Hamilton gut, lief es danach nicht so doll. Nach dem Restart hing er zunächst hinter Gasly, was ihn etwas Zeit kostete. Als er an diesem vorbeikam, war die Spitze vorn schon weg und er aus dem DRS-Fenster. Auffallend war dann aber, dass er sukzessive Zeit auf Leclerc verlor, obwohl er im Zweikampf mit Norris lag. Acht Sekunden betrug der Abstand am Ende zu Leclerc und Hamilton wirkte zu keiner so, als hätte er eine Chance gehabt, Leclerc unter Druck setzen zu können.
Nach dem Rennen zeigte er sich aber mehr als zufrieden und gab an, vor allem in Sachen Setup am Wochenende viel gelernt zu haben. Er sprach über die Motorbremse, an die er sich ebenso gewöhnen müsse, wie an die Brembo-Bremsen und darüber, dass er sich im Auto langsam wohlfühlt. Er habe, und da sind wir wieder beim Thema, mehr Vertrauen ins Auto und in sich selbst, nachdem er seinen Fahrstil mehr an das Auto anpassen konnte.
In Sachen „ans Auto anpassen“ hatte George Russell im Rennen einiges zu bewerkstelligen. Dass der Mercedes in Bahrain schnell sein würde, hatte ich schon vor dem Wochenende vermutet und die gute Quali von Russell (P2, wegen eines Regelverstoßes seines Teams dann P3) bestätigte dies. Im Rennen lief es dann weniger rund für den Briten. Die Elektrik seines Autos lieferte die Performance seines Fahrers nicht ab.
Schrittweise verabschiedeten sich Funktionen aus dem Cockpit, darunter auch die automatische Steuerung des DRS. Welches dann wieder von Russell versehentlich aktiviert wurde, als das nicht erlaubt war. Russell rettete sich und seinem Team den zweiten Platz, in dem er kurz vom Gas ging. So gewann Russell zwar 0,02 Sekunden durch die versehentliche Nutzung des DRS, aber verlor im Mini-Sektor 0,28 Sekunden, weil er vom Gas gegangen war. Die Rennleitung reichte das, um Russell ohne Strafe davonkommen zu lassen.
Mehr war für Mercedes nicht drin und Pech hatte Antonelli. Der qualifizierte sich mit einem Abstand von zwei Zehntel auf P4, verlor aber am Start ein paar Plätze. Danach hing er im DRS-Zug fest. Sein Rennen fiel dann komplett auseinander, als er für einen Undercut zum zweiten Stopp recht früh an die Box kam, ein paar Runden später aber die SC-Phase folgte. Antonelli hatte die Soft genommen – warum ihn Mercedes dann in der Unterbrechung zum erneuten Stopp holte, um ihn auf die Medium zu setzen, war unverständlich. Offenbar hatte man die Befürchtung, dass Antonelli den Rest des Rennens auf den Soft nicht beenden würde können. Aber ein Versuch wäre es wert gewesen. Dass Antonelli dann nach seinem Stopp im Mittelfeld steckt, war eine Sache. Eine andere, dass er mit dem Mercedes nicht am Haas von Ollie Bearman vorbeikam, um wenigstens P10 zu retten.
Wenig Vertrauen ins Auto hat gerade Max Verstappen. Ich hatte erwartet, dass der Red Bull in Bahrain Schwierigkeiten haben würde, aber das war schon bemerkenswert schlecht für das Weltmeister-Team. 5 Zehntel fehlten in der Quali auf die McLaren, und im Rennen lief gar nichts zusammen. Das Auto war zu langsam, wie man schon im ersten Stint sehen konnte, als Hamilton an Verstappen vorbeizog, obwohl der auf den Soft unterwegs war. Die Boxenstopps liefen alle schlecht, weil die automatische Ampelanzeige nicht funktionierte. Einen „Lollipop“ hatte man als Ersatz auch nicht dabei, also versuchte man es mit einer Backup-Ampel, die aber auch nicht funktionierte. Selten so viele Fehler von Red Bull an einem Wochenende gesehen.
Immerhin lief es für Tsunoda gar nicht so schlecht. Er schaffte den Sprung in Q3 wo er dann nach einem Fehler keine gescheite Runde fahren konnte. Im Rennen schlug er sich wacker, landete aber nur auf P10, rund 13 Sekunden hinter Verstappen, der P6 erreichen konnte. Aber es ist klar, dass Red Bull, vorbehaltlich der kommenden Updates, auf mittel schnellen Strecken wie Bahrain Probleme hat. Die waren eigentlich mal die Stärke der Red Bull.
Besser lief es für die Alpine. Deren Auto scheint dieses Jahr viel Potenzial zu haben und wird, so das Team, nur durch den schlechten Motor zurückgehalten. Gasly stellte den Alpine auf P5 in der Quali und rückte durch die Team-Strafe gegen Mercedes auf P4 vor. Er hielt sich im Rennen problemlos in den Top 6, wurde aber am Ende von Verstappen auf P7 verwiesen. Eine der Schwächen des Alpine ist dessen im Vergleich zur Konkurrenz erhöhter Reifenverschleiß, der die Fahrer am Ende der Stints immer wieder vor Probleme stellt. Jack Doohan hatte ein solides Wochenende, blieb aber weiter ein gutes Stück hinter Gasly zurück. Aber Doohan zeigte durchaus Potenzial und dürfte zumindest bis zum Sommer sein Cockpit bei Alpine sicher haben.
Auch gut lief es für die Haas. In der Quali zeigte sich das Auto schwach. Bearman kam nur auf P20, Ocon rettete sich auf P14. Es sah nicht so aus, als ob man im Rennen eine Rolle spielen würde. Aber beide hatten etwas Glück beim Start, und die Rennpace des Haas war richtig gut. Ocon arbeitete sich schnell in die Top Ten vor, Bearman folgte ihm auch dank eines langen ersten Stints, der ihn nach vorne brachte. Da die Pace passte, konnten beide ihre Positionen in den Punkten halten. Ein gutes Rennen der Haas, die mehr hätten erreichen können, wenn die Quali besser gelaufen wäre.
Das war eigentlich der Fall bei Williams. Carlos Sainz schien zum ersten Mal mit dem Williams besser klarzukommen und stellte den Wagen auf P8 in der Quali, während Albon überraschenderweise schon in Q1 raus war. Die Williams hatten schon bei den Tests gezeigt, dass das Auto in Bahrain gut läuft und dies schien sich zumindest für Sainz zu bewahrheiten. Aber das Rennen fiel dann für das Team komplett auseinander. Sainz lieferte sich harte Zweikämpfe, vor allem mit Tsunoda, der dann unglücklich den Seitenkasten von Sainz beschädigte. Damit war das Rennen für den Spanier gelaufen, der weiterhin so nur einen Punkt auf dem Konto hat. Albon hing im DRS-Train im Mittelfeld fest, machte aber auch nicht den Eindruck, dass er ein Auto habe, mit dem mehr hätte erreichen können. P12 war am Ende das Maximum.
Da wäre Aston Martin gerne. Alonso quetschte immerhin P13 in der Quali aus dem Auto raus, aber im Rennen hatte Aston Martin ganz eindeutig nach Sauber das schlechteste Auto. Alonso wurde durch das gesamte Mittelfeld nach hinten durchgereicht und rettete irgendwie P14 ins Ziel. Für Stroll reichte es nur für P17. Das Erstaunliche am Aston in diesem Jahr ist erneut, dass es für das Team eher rückwärts geht. Einen Fortschritt beim Auto kann man nicht erkennen, auch nicht, dass das Team weiß, wo die fundamentalen Probleme des Chassis liegen. Adrian Newey kümmert sich im Moment auch nicht darum, sondern konzentriert sich auf die Neuorganisation der Design-Abteilung und das Auto für 2026.
Noch schlechter sind nur die Sauber. Die aber immerhin vermeldeten, dass es, im Vergleich zu den Tests, ein bisschen besser laufen würde. Aber der Sauber ist weiterhin das langsamste Fahrzeug im Rennen und der neue Teamchef, Jonathan Wheatley, sortiert noch, was ihm alles im Vergleich zu Red Bull so aufgefallen ist. Aber es ist schon erstaunlich, dass es dem Team nicht gelingt, einen größeren Schritt zu machen. Am Geld und am Führungspersonal kann es nicht liegen.
Nächste Woche geht es weiter, ungewöhnlicherweise mit einem Rennen am Osterwochenende. Auf dem Programm steht das Rennen in Jeddah, dessen Kurs ganz andere Anforderungen an die Autos stellen wird.
Bilder: Pirelli, McLaren, Mercedes, Williams, Haas, Aston Martin, Sauber.
























