Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Abu Dhabi – Verdiente Sieger

Formel Eins: Analyse GP von Abu Dhabi – Verdiente Sieger

von DonDahlmann
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Das letzte Rennen des Jahres brachte McLaren den lange ersehnten Titel in einem durchaus unterhaltsamen Rennen.

26 Jahre sind eine lange Zeit. 1998 gewann McLaren mit Mika Häkkinen beide WM-Titel und zum letzten Mal den Kontrukteurs-Titel. Da war Ron Dennis noch Alleininhaber von McLaren, Michael Schumacher fuhr bei bei Ferrari und Williams galt immer noch als Top-Team, hatte man doch im Jahr zuvor den WM-Titel gewinnen können. Danach folgte eine sehr lange Durststrecke für das britische Team, die sie bis ans Ende des Feldes führte. Nach so vielen Jahren wieder einen Konstrukteur-Titel zu gewinnen, ist in der Formel Eins einmalig. Und verdient ist es in jedem Fall, denn kein Team hat sich in den letzten Jahren so stark verbessert, wie McLaren.

Zu verdanken hat das McLaren vor allem auch Zak Brown. Der Amerikaner hat das Team wieder zusammengeführt, er hat die richtigen Menschen von seinem Projekt überzeugen können und auch die richtigen Fahrer an sich gebunden. Brown ist nicht ohne Kontroversen. Seine Rhetorik ist oft übermäßig aggressiv und seine geschäftlichen Praktiken werden manchmal kritisiert. Alpine kann ein Lied davon singen. Seine joviale Art kann nicht überdecken, dass er harte Entscheidungen treffen kann, die manchmal unfair erscheinen.

Aber Brown hat in den letzten Jahren mit Andrea Stella, Lando Norris und Oscar Piastri eine Art Dreamteam zusammengestellt. Dazu hat er den schwer angeschlagenen McLaren-Konzern finanziell abgesichert. Dafür musste er das Team an Mumtalakat, der Staatsfonds von Bahrain, veräußern. Die sind mit dem Team schon sehr lange verbunden und sie haben mit der Übernahme auch die Schuldenlast des Teams übernommen. Damit steht McLaren jetzt nicht nur sportlich gut da, sondern auch finanziell. Der WM-Titel wird dazu weitere Sponsoren an Land ziehen, die mehr Geld ins Team spülen werden. Was die Position von McLaren weiter zementieren wird.

Der Titel für McLaren ist auch eine Ohrfeige für Mercedes, denn McLaren gewann den Titel mit den Kundenmotoren vom deutschen Hersteller. Mercedes wäre also in der Lage gewesen zumindest diesen Titel zu holen. Aber McLaren war seit dem letzten Jahr schon immer ein oder zwei Schritte weiter. Die späte Entscheidung von Mercedes, das Zero-Pod-Konzept an den Nagel zu hängen, hat dazu beigetragen. In diesem Jahr dauerte es zu lange, bis man das Auto in einem Fenster hatte, wo man auch mal dominieren konnte. Aber es gelang dem Team nie, diese Performance zu halten. McLaren war da deutlich weiter.

Die zweite Halbzeit der F1 zeigte auch eine Art Wachablösung. Red Bull ist nicht mehr das dominierende Team. Nicht nur, weil man sehr viel wichtiges Personal an andere Teams verloren hat, sondern auch, weil man intern viele Fehler gemacht hat. Dass man, warum auch immer, so lange an Perez festgehalten hat, wird ihnen am Ende den Konstrukteurs-Titel gekostet haben. Dass sie überhaupt einen Titel holen konnten, lag ausschließlich an Verstappen. Aber der allein wird im nächsten Jahr nichts erreichen, wenn McLaren und Ferrari das Niveau halten können, dass sie in den letzten sechs Monaten gezeigt haben.

Ferrari hatte eine sehr gemischte Saison und so lief auch das letzte Rennen des Jahres. McLaren war auf eine Runde etwas schneller, und Leclerc musste zudem eine Strafe von 10 Startplätzen hinnehmen, weil er den Motor wechseln musste. Dazu kam, dass er schon in Q2 rausfiel und am Ende nur von P19 startete. Aber der Ferrari-Fahrer lieferte eine brillante erste Runde, die ihn zunächst auf P11 brachte. Eine Runde später lag er schon auf P8. Das brachte Ferrari wieder ins Rennen um den Titel.

Dabei konnte man sich auch bei Max Verstappen bedanken, der in der ersten Kurve Oscar Piastri wegräumte. Es war mal wieder ein typischer „Max-Move“, er sah eine Lücke, wo eigentlich keine war und wollte sich durchboxen. Das passte nicht und im Endeffekt zerstörte er damit das Rennen von Piastri und auch seins. Denn für den Move bekam er eine 10-Sekunden-Strafe, was ihn dann vollends aus dem Rennen warf. Immerhin sah der Niederländer seinen Fehler ein und entschuldigte sich nach dem Rennen bei Piastri.

Damit lag die Verantwortung vorn bei Norris, der nach dem Startunfall Carlos Sainz hinter sich hatte. Doch der Ferrari hatte nicht ganz die Pace des McLaren und Norris kontrollierte vorn das Rennen ohne Probleme. Umso bemerkenswerter war, dass aber plötzlich Charles Leclerc hinter Sainz auf dem dritten Platz auftauchte. Der hatte sich durchs Feld gekämpft und ein guter Strategie-Call von Ferrari sorgte dafür, dass er weiter nach vorn gespült wurde. Ferrari holte ihn schon Runde 21 zum einzigen Stopp an die Box. Da der Undercut in Abu Dhabi gut funktioniert und die vor ihm liegenden Piloten allesamt reifenschonend unterwegs waren, konnte sich Leclerc nach vorne schieben. Doch da war dann auch Schluss, denn auch er musste seine harten Reifen über die Distanz bringen.

In der Schlussphase lag Sainz rund 5 Sekunden hinter Norris, aber 21 Sekunden vor Leclerc. Der wiederum hatte 4 Sekunden Vorsprung auf Russell. Da hätte es durchaus die Möglichkeit gegeben, Sainz an die Box zu holen, um ihn auf die Soft zu setzen. Das hätte McLaren zumindest etwas unter Druck gesetzt. Aber zum einen hatte Ferrari keine frischen Soft mehr, zum anderen hätte auch ein Sieg von Sainz nichts am Endergebnis geändert, da Norris weiter vor Leclerc gelegen hätte.

Ferrari hat die WM natürlich nicht im letzten Rennen verloren. Es war die stockende Performance im Sommer, als man regelmäßig hinter McLaren ins Ziel kam, während die oft hinter Max Verstappen auf dem Podium standen. Diese Phase, in der Ferrari nicht die Probleme mit dem Chassis in den Griff bekam, war am Ende entscheidend. Denn es war auch genau die Phase, in der McLaren die Performance im Auto und im Team fand, die ihnen zum Angriff auf Red Bull gefehlt haben.

Sicherlich wird Ferrari im nächsten Jahr wieder vorn mitspielen. Aber die Frage wird sein, wie schnell man Lewis Hamilton ins Team integrieren kann und wie schnell Hamilton sich im Ferrari zurechtfinden wird. Carlos Sainz mag einen winzigen Tick langsamer als Leclerc sein, aber er ist extrem konstant und sehr schnell. Er ist genau das, was Ferrari eigentlich gebraucht hat und was Red Bull gerne hätte – einen zweiten, extrem schnellen Fahrer. Man darf gespannt sein, wie schnell Lewis im Ferrari sein wird, nachdem er 12 Jahre lang in einem Team war, das ein Auto quasi um ihn herumgebaut hat.

Aber Lewis gehört auch zu den wenigen Fahrern, die, egal in welchem Auto sie sitzen, schnell sind. Er ist der einzige Fahrer seit Michael Schumacher, der in zwei verschiedenen Teams Weltmeister geworden ist. Und er kann der erste Fahrer seit Fangio sein, der mit drei unterschiedlichen Teams einen WM-Titel gewinnt (Fangio: 51 – Alfa Romeo, 54/55 – Mercedes, 56 -Ferrari, 57 – Maserati). Zuzutrauen ist es ihm.

Vor allem nachdem er in seinem letzten Rennen für Mercedes gezeigt hat, dass er immer noch den Speed hat, um Weltmeister zu werden. Von P16 gestartet hatte er in seiner ersten Runde nicht so viel Glück wie Leclerc und im ersten Stint hing er lange im Mittelfeld fest. Was auch daran lag, dass er auf den harten Reifen gestartet war, was im ersten Stint Probleme verursachte. Als die Konkurrenz dann an die Box kam, wurde der nach vorne gespült und nahm dann in Runde 34 frische Medium auf, nachdem er sich auf P7 vorgefahren hatte.

Er schnappte sich dann Gasly und Hülkenberg und lag 12 Runden vor Schluss rund 12 Sekunden hinter seinem Teamkollegen Russell. Aber auf den Medium war Hamilton deutlich schneller und er bekam zum letzten Mal von Peter Bonnigton das „Hammertime“ ins Ohr gesprochen. Hamilton lieferte und schnappte sich Russell in der letzten Runde, der sich allerdings auch nicht mit all seinen Möglichkeiten zur Wehr setzte. Der vierte Platz war am Ende ein hervorragendes Ergebnis, auch wenn ein Podium sicher die Zeit bei Mercedes noch schöner abgerundet hätte.

Verstappen beendete das Rennen lustlos auf einem sechsten Platz. Hinter ihm kamen dann Gasly, Hülkenberg, Alonso und Piastri ins Ziel. Gasly holte an diesem Wochenende wieder alles aus dem Alpine raus. Schon in der Quali bugsierte er das Auto auf einen fünften Platz, was schon bemerkenswert war. Alpine musste auf eine gute Leistung von Gasly hoffen und gleichzeitig darauf, dass Haas, die am Wochenende stark aussahen, nicht in Schwung kommen würde. Beides sollte sich im Rennen dann auch so bewahrheiten. Gasly blieb im Rennen konstant vor Hülkenberg. Dessen Teamkollege Magnussen fuhr meist außerhalb der Punkte. So sicherte sich am Ende Alpine den sechsten Platz in der WM vor Haas. Was immerhin mindestens 10 Millionen Dollar in die bekannt leeren Kassen bei Alpine spült.

Das war es dann für dieses Jahr mit der Formel Eins, die eine interessante Saison hatte. Ein imposanter Start in die Saison von Red Bull und Max Verstappen, der sich seinen WM-Titel in diesem Jahr vor allem durch seine Siege in den ersten Rennen sicherte. Aber es zeigte sich auch der Bruch in der Hackordnung. McLaren, Ferrari und auch Mercedes rückten Red Bull auf die Pelle und überholten das WM-Team ab Mitte der Saison.

Es war eine gute Saison für die Formel Eins. Und was haben wir für dramatische Nachrichten bekommen. Lewis zu Ferrari, WhatsApp-Gate bei Red Bull, Adrian Newey zu Aston Martin, das Aus für Daniel Ricciardo, Ärger zwischen Norris und Verstappen. Es gab genug Schlagzeilen neben der Strecke. Aber leider gab es viele Rennen, die man nicht mal als Taktikklassiker beschreiben kann. Vor allem zu Beginn der Saison, als Red Bull alles und jeden in Grund und Boden fuhr. Sicher, bei 24 Rennen kann nicht jedes gut sein, aber auf manchen Strecken sind die Rennen vorprogrammiert langweilig.

Dazu kam auch eine FIA, die sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Beim Strafmaß ging es drunter und drüber, dazu kam manche fragwürdige Entscheidungen der Rennleitung. Es gab zu wenig Konstanz und anstatt sich darum zu kümmern, versuchte die FIA den Fahrern, das Fluchen abzugewöhnen. In den letzten Rennen verschärfte die FIA die Art und Weise, wie Strafen verhängt wurden, sowie die Härte der Strafen. Das war durchaus richtig und es bleibt zu hoffen, dass man dies so weiterführt. Und dass die FIA sich mehr damit beschäftigt anstatt mit Sachen, die wirklich lächerlich sind.

Wenn vor allem die zweite Halbzeit der Saison eine Blaupause für die Saison 2025 ist, dann dürfen wir uns sicher freuen. Denn wenn es so eng wird und es so viele unterschiedliche Sieger gibt, dann wird vom ersten Rennen an jeder Punkt zählen. Was bedeuten wird, dass einige Teams sehr früh sehr schwere Entscheidungen treffen müssen. In 3 Monaten geht es weiter, die Testfahrten stehen für den 26.02. auf dem Programm. Leider werden wir 2025 keine Vorstellungen der neuen Autos sehen. Die FIA hat beschlossen, dass die Teams ihre Fahrzeuge in einer gemeinsamen Show Mitte Februar in London vorstellen. Da wird es aber nur die alten Autos in neuen Lackierungen zu sehen geben. Die echten neuen Chassis wird man erst beim Test sehen.

Bilder: Pirelli, McLaren

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