Es war ein ereignisreiches Rennen in Katar. Jedenfalls hinter Verstappen. Schuld daran waren die Reifen.
Nach dreihundert Metern gab es schon den ersten Aufreger, denn ausgerechnet die beiden an diesem Wochenende gut aussehenden Mercedes kollidierten. So ein Team-Unfall sieht immer schlecht aus und die Kollision weckte Erinnerungen an den Unfall zwischen Hamilton und Rosberg beim Rennen in Spanien im Jahr 2016. Auch dieses Mal schien es so zu sein, dass beide Fahrer ziemlich stur und aggressiv gegeneinander fuhren. Mir fiel das schon beim Start auf, als Hamilton seinen Teamkollegen hinter Verstappen einklemmen wollte. Russell zog aber dennoch rüber, weil er seinerseits einen guten Run hatte. Hamilton konnte auf der Außenspur etwas später bremsen (auch weil er auf den Soft unterwegs war).
Offenbar wollte Hamilton außen an Russell vorbei, der seinerseits etwas nach links versetzt von Verstappen fuhr. Hamilton schnitt dann scharf nach innen, aber da war dann wirklich kein Platz mehr und die Kollision unvermeidlich. Das hätte man vermeiden können, wenn a) Hamilton etwas mehr Raum innen gelassen hätte, denn Platz war außen genug oder b) Russell kurz gelupft hätte. Was auch Sinn ergeben hätte, da Hamilton mit den Soft ohnehin einen früheren Stopp hätte einlegen müssen.
Am Ende war es ein Rennunfall, kann passieren. Aber es ist ein weiteres Zeichen, dass die Stimmung zwischen beiden Fahrern nicht die Beste ist. Es gab in den letzten Rennen mehrere Momente, in denen es eng zwischen beiden war und es gegenseitige Vorwürfe gab. Die Art und Weise, wie aggressiv Hamilton am Start war, zeigt auch, dass man nicht so ganz glücklich miteinander ist. Schon während des Rennens gab es versöhnliche Töne von beiden Fahrern und Hamilton nahm nach dem Rennen die Schuld auf sich. Am Ende bleibt dann ein Ausfall von Hamilton in einem Rennen, in dem Mercedes durchaus nicht schlecht aussah.
Das Hauptrennen am Sonntag war allerdings geprägt von sehr vielen Boxenstopps. Der Grund dafür lag bei Pirelli. Die hatten am Freitag bei der Untersuchung der Reifen nach dem Training und der Quali, Schäden an der internen Struktur der Reifen festgestellt. Sichtbar waren die Schäden nicht, es hatte sich auch kein Team beschwert. Aber das Qualitätsmanagement von Pirelli scheint zu funktionieren. Das Resultat war dann, dass man die Fahrer verpflichtete, nach 19 Runden an die Box zu kommen. Was alle zu drei Stopps zwang.
Die Schäden gingen wohl von den absurd geformten Curbs aus. Die sollen verhindern, dass die Fahrer die Streckenlimits einhalten. Was so mittel bis gar nicht funktionierte. Zum einen gingen die Reifen kaputt, zum anderen sammelten diverse Fahrer am Sonntag Strafen ein. Betroffen waren vor allem Perez (10 Sekunden), Albon (10 Sekunden) und Gasly (5 Sekunden). Aber auch andere Fahrer bekamen die Warnflagge gezeigt. Diese Curbs sind komplett überflüssig. Warum man nicht einfach einen Streifen Kies hinter die Curbs macht, versteht auch nur die FIA.
Das führte aber zumindest zu viel Bewegung im Feld und einige Team nutzten das Timing der Stopps sehr gut aus. Vorn ließ Verstappen nichts anbrennen, allerdings war der Abstand am Ende des Rennens zu beiden McLaren mit 5 Sekunden nicht zu groß. McLaren war, wie erwartet, an diesem Wochenende wieder sehr stark. Das zeigte sich in der Quali am Freitag, aber auch im Sprintrennen am Sonntag. Da verwiesen beide McLaren Verstappen in die zweite Reihe. Überraschenderweise holte sich aber Piastri die Pole, wenn auch denkbar knapp, mit 0,082 Sekunden Vorsprung auf Norris.
Das Sprintrennen war, wie üblich, eher ein Pausenfüller. Bemerkenswert war aber die Schlussphase. Nach einem Crash zwischen Perez, Ocon und Hülkenberg wurde das Rennen kurz vor Schluss noch einmal gestartet. Piastri lag vor Verstappen und konnte auch den Restart nach dem Safety Car gewinnen. Bemerkenswert war dann, dass der Neuseeländer in den letzten Runden den Abstand bei 2 Sekunden zementierten konnte. Verstappen kam nicht mehr ran und musste seinen dritten WM-Titel mit einem zweiten Platz feiern. Wird ihm auch egal sein.
Aber Piastri war klar der Fahrer des Wochenendes und Norris gab sich zerknirscht. Er hätte das Rennen genauso gut gewinnen können, scheiterte aber an der Pole. Dass Piastri gut ist, hat man in diesem Jahr schon öfter gesehen. Auch wenn er in Japan deutlich hinter Norris lag, in Losail sah die Sache ganz anders aus. Norris musste erneut zusehen, dass der Teamkollege einen Sieg holt, während er immer noch darauf wartet. Es wird Zeit für ihn, dass er sein „Supertalent“ Status auch mal in einen Sieg umwandelt.
McLaren war an diesem Wochenende sehr gut drauf. Die sehr schnelle Strecke in Katar liegt dem Auto, aber generell geht der Aufwärtstrend von McLaren geht weiter. Der Sieg im Sprintrennen war das eine, aber bemerkenswert war auch, wie schnell Norris im Hauptrennen durch das Feld kam. Er war von P10 gestartet, zeigte sich aber nach einem guten Start schon schnell in den Top 5 und ließ den Rest des Feldes hinter sich. Der McLaren war also sehr schnell und hatte auch keine Probleme mit den Reifen.
Die letzten drei Rennen erreichte man das Podium, in den letzten beiden Rennen war es sogar ein Doppelpodium. Bedeutet, das Auto auf langsamen Strecken wie in Singapur schnell, aber eben besonders auf anspruchsvollen Strecken wie Suzuka und Losail. Gegenwärtig macht es den Eindruck, dass sich McLaren hinter Red Bull auf den zweiten Platz etabliert. Ob sie das halten können, wird man dann auf den folgenden Strecken sehen.
Dazu kam auch, dass Mercedes an diesem Wochenende ebenfalls gut unterwegs war. Das Sprintrennen lief schon recht gut für beide, aber das Hauptrennen hätte deutlich besser laufen müssen, wenn es nicht die Kollision gegeben hätte. Russell fiel durch den Unfall ans Ende des Feldes, kämpfte sich aber nach vorn und landete am Ende sogar noch auf P4. Das bewies, dass das Chassis in Katar gut funktionierte und man durchaus an McLaren dran war. Ob man sie im Rennen hätte halten können, ist dann wieder eine andere, leider unbeantwortete Frage.
Ferrari ging an diesem Wochenende etwas unter. Was mich etwas überraschte, denn eigentlich hatte ich die Italiener nach den letzten guten Rennen etwas weiter vorn erwartet. Aber auf den Highspeed-Strecken hat das Chassis seine Limitierungen, weil man Kompromisse bei der Abstimmung eingehen muss. So ganz hat man das Reifenproblem bisher nicht im Griff, auch wenn es besser geworden ist. Das Wochenende war nicht verwachst, auch wenn Carlos Sainz das Rennen am Sonntag gar nicht erst antreten konnte. Sein Auto hatte Probleme mit der Benzinversorgung und blieb in der Garage. Leclerc sicherte dann einen fünften Platz ab, allerdings auch nur, weil Alonso im Rennen einen massiven Ausflug ins Kies hatte und viel Zeit verlor.
Der Aston Martin sah am Wochenende gar nicht so schlecht aus. Zumindest besser als in den letzten Rennen. Und auch nur mit Alonso am Steuer. Lance Stroll hatte einen regelrechten Meltdown am Wochenende. In der Quali am Freitag schied er schon in Q1 aus, während Alonso sich auf P4 qualifizierte. Nach der Quali soll er angeblich mit seinem Trainer aneinandergeraten sein und das obligatorische Interview absolvierte er brüsk und mit wenigen Sätzen. Im Rennen am Sonntag sah er etwas besser aus, auch wenn es nur für P11 reichte. Aber zumindest lieferte er eine gute Performance ab.
Dennoch muss man sich bei Aston Martin immer lauter die Frage stellen, ob Stroll noch der richtige Pilot im Team ist. Er wird von Alonso regelmäßig gebügelt und macht viele Fehler. Was wiederum zu dem enormen Unterschied bei den Punken im Team führt. Alonso hat 183 Punkte, Stroll 47. Man mag manche Rennen als „Pech“ abtun, aber der Abstand ist viel zu groß. Und kostet Aston Geld. Denn weil McLaren so stark ist, liegen diese nur noch 11 Punkte hinter Aston, die gerne P4 retten würden. Aber das sieht im Moment eher unmöglich aus. Mit einem anderen, erfahrenen Fahrer, wäre das vermutlich nicht so eng.
Alonso schleppte den leicht angeschlagenen Aston auf P6 und ohne seinen Fehler wäre durchaus auch P4 drin gewesen. Dass Aston mit einem leicht überarbeiteten Auto am Wochenende wieder vorn dran war, ist ein gutes Zeichen. Ob das jetzt allein am Update lag oder ob die Sache deswegen so gut aussieht, weil Ferrari schwach war, wird man am nächsten Rennwochenende in den USA sehen.
Ocon sicherte für Alpine den siebten Platz. Jetzt auch kein Ergebnis, dass man feiern kann, aber immerhin zeigte man sich mal wieder im Rennen etwas weiter vorne. Das gilt auch für Alfa Romeo, die in Losail im Hauptrennen erstaunlich gut waren. Bottas qualifizierte sich auf P9, was schon die erste Überraschung war. Die andere war, dass man die Pace auch im Rennen hatte. Sicher geholfen hat auch, dass der unter hohem Reifenverschleiß leidende Alfa die drei Zwangsstopp hatte. Aber das Auto ging wirklich gut. Wie man bei Zhou sehen konnte. Der musste vom letzten Platz starten, sicherte sich aber am Ende hinter Bottas den neunten Platz.
Den letzten Punkt sicherte sich Perez, der wieder ein extrem schlechtes Wochenende hatte. Im Sprintrennen hatte er die Kollision, aber auch in der Quali fürs Hauptrennen gelang ihm nichts. Seine besten Rundenzeiten wurden wegen Tracklimits gestrichen, was am Ende dann dazu führte, dass er nur auf P13 lag. Im Rennen kamen drei weitere Strafen wegen Tracklimits zusammen. Aber seine Pace war auch, vor allem verglichen mit Verstappen schlecht. Was genau mit Perez seit dem Sommer los ist, kann man nur schwer analysieren. Aber irgendwas passt nicht. Entweder durch die Änderungen, die Red Bull über das Jahr am Auto vorgenommen hat, oder es stimmt etwas im Team nicht. Jedenfalls fühlt er sich sichtlich unwohl.
Wäre nicht McLaren gewesen, das Rennen in Katar hätte allein unter dem Eindruch der Reifenprobleme gestanden. So, überstrahlte vor allem Oscar Piastri das gesamte Wochenende. Der hat jetzt zwei Wochen Zeit seine Erfolge zu feiern, denn das nächste Rennen in den USA steht erst am 22.10. auf dem Programm.
Bilder: Pirelli
















