Scott Dixon hat das chaotische Finale der IndyCar-Series in Laguna Seca gewonnen. Es war sein dritter Sieg in den letzten vier Rennen der Saison.
Ich muss zugeben, dass ich im Laufe des Rennens den Überblick verloren habe und am Ende keine Ahnung hatte, wie Scott Dixon das wieder geschafft hat. Bei insgesamt acht Gelbphasen über 35 Runden und 17 Strafen war das auch kein Wunder. Zudem war Olivier Zwartyes von Sky keine Hilfe. Schon im Training hatten einige Fahrer Probleme, sich an die neu asphaltierte Strecke zu gewöhnen. Was sie dann im Rennen boten, war teilweise schon amateurhaft. Die Unfälle gleich nach dem Start in Kurve 2 – geschenkt. Das ist die IndyCar-Serie. Aber dass man beim Restart gleich dreimal in der letzten Kurve crasht, ist schwer zu verstehen. Im Prinzip musste man nur irgendwie die Unfälle vermeiden und fuhr ein Top-10-Ergebnis ein. Helio Castroneves, der an zwei Unfällen maßgeblich beteiligt war, und Agustin Canapino, der in den letzten 20 Runden mit einem defekten Frontflügel ins Ziel kam, belegten sogar die Plätze 12 und 13.
Im Qualifying sicherte sich Felix Rosenqvist bei seinem letzten Start für McLaren die Pole-Position neben Scott McLaughlin. Die zweite Startreihe bildeten Christian Lundgaard und Josef Newgarden. Dahinter reihten sich Alex Palou, Rinus VeeKay und Will Power ein. Scott Dixon wurde wegen eines Motorwechsels von Platz 5 auf Startplatz 11 zurückversetzt. In der zweiten Kurve brach das Chaos aus: Christian Lundgaard schob die beiden Penske von McLaughlin und Newgarden ineinander und beide mussten weit ausweichen. In Folge kollidierte Agustin Canapino mit Graham Rahal, der dann Newgarden und Juri Vips traf. Schon an der ersten Unfallställe vorbei, schob Scott Dixon Rinus VeeKay in den Kies.
Beim Restart führte Felix Rosenqvist vor Alex Palou, Will Power und Pato O’Ward. Scott Dixon lag noch auf Platz 5, musste aber in Runde 12 wegen einer Berührung mit VeeKay eine Drive-Through-Penalty antreten. Diese warf ihn auf Platz 21 zurück. Bereits in Runde 7 hatte Alex Palou Felix Rosenqvist in Anfahrt auf den Corkscrew in den Dreck gedrückt und damit die Führung übernommen. Auch Will Power schlüpfte am McLaren vorbei. Für die zweite Caution des Tages sorgte Josef Newgarden in Runde 8. Er drehte sich in Kurve 4, möglicherweise eine Folge des ersten Crashs.
Mit dem Restart in Runde 11 kam das Rennen mit Alex Palou an der Spitze etwas in Rhythmus. Will Power verlor in Runde 12 nach einem Fahrfehler zwei Plätze an Felix Rosenqvist und Pato O’Ward. Colton Herta und Romain Grosjean verbesserten sich auf die Plätze 5 und 6. In Runde 17 holte Chip Ganassi Racing Scott Dixon zum ersten Stopp an die Box. Dies war der Auftakt zu einer aggressiven 3-Stopp-Strategie. Von Platz 21 aus musste man natürlich Risiko gehen. Bis zur 28. Runde waren fast alle Piloten an der Box. Ausnahmen waren Alex Palou, Colton Herta und Will Power.
In Runde 29 drängte Marcus Ericsson Felix Rosenqvist aus Kurve 2. Kurz bevor die Boxengasse wegen der Caution geschlossen wurde, konnte Alex Palou noch hineinfahren und seinen Stopp absolvieren. Colton Herta hingegen musste für seinen Stopp in die geschlossene Boxengasse. Dafür gab es eine Strafe. Will Power konnte seinen Stopp bis zur 33. Runde und der wieder geöffneten Boxengasse hinauszögern. So konnte er eine Strafe vermeiden, aber die gute Position war natürlich weg. Alex Palou behielt die Führung vor Pato O’Ward. Scott Dixon hatte sich auf Rang elf verbessert.
Beim Restart in Runde 38 schob Scott McLaughlin Santino Ferrucci in Kurve 1 in den Dreck. Gleichzeitig kollidierte Will Power weiter hinten in Kurve 11 mit Helio Castroneves, Benjamin Pedersen und Callum Ilott. Beide Penske-Piloten wurden für die Kollisionen von der Rennleitung bestraft. Da sie bei der Ausführung der Strafe, sich ans Ende des Feldes zu begeben, Fehler machten, kam jeweils noch eine Drive-Through-Penalty hinzu. Während dieser Caution absolvierte Scott Dixon seinen zweiten Boxenstopp. Er kostete ihn nur zwei Plätze.
Nach dem Restart in Runde 41 folgte die zweite längere Grünphase. Alex Palou und Pato O’Ward blieben an der Spitze. Durch die ganzen Unfälle und Boxenstopps waren Agustin Canapino, Romain Grosjean und David Malukas nach vorne gespült worden. Durch das Überholen von Christian Lundgaard und Sting Ray Robb hatte sich Scott Dixon wieder auf Platz 11 verbessert. Nach ihren Drive-Through-Strafen lagen Scott McLaughlin und Will Power am Ende der Führungsrunde auf den Plätzen 18 und 19.
In Runde 48 eröffnete Romain Grosjean die nächste Serie von Boxenstopps. Ihm folgte David Malukas in Runde 52 und Pato O’Ward in Runde 57. In Runde 58 kollidierte Devlin DeFrancesco mit David Malukas und löste die nächste Caution aus. Diesmal traf es Alex Palou. Durch den Stopp unter Gelb verlor er seine Führung und fiel auf Rang 15 zurück. Dieses Schicksal teilte er mit Agustin Canapino, Santino Ferrucci und Callum Ilott. Durch Spritsparen und/oder genügend Runden unter Gelb kamen sie jedoch ins Ziel, während die meisten anderen Piloten noch mindestens einen Stopp einlegen mussten.
Beim Restart räumte dann Santino Ferruccio Tom Blomqvist in Kurve 11 ab und es folgten weitere Runden unter Gelb. Nun kamen unter anderem Scott Dixon, Scott McLaughlin und Will Power an die Box. Für sie sollte es der letzte Stopp des Rennens sein. Beim nächsten Restart-Versuch kollidierten Marcus Ericsson und Marcus Armstrong in Kurve 11. Während dieser Caution kamen Ryan Hunter-Reay und Alexander Rossi an die Box. Damit verabschiedeten sie sich aus der Spitzengruppe. Es führte Pato O’Ward vor Romain Grosjean und Devlin DeFrancesco. Bester Fahrer, der wohl ohne weiteren Stopp durchkommen würde, war Agustin Canapino auf Platz vier, gefolgt von Callum Ilott, Alex Palou, Scott Dixon, Colton Herta und den beiden Penske mit Scott McLaughlin und Will Power auf der gleichen Strategie.
Nach dem Restart in Runde 73 folgten nur zwei Runden unter Grün. In diesen verlor Pato O’Ward die Führung an Romain Grosjean. Devlin DeFrancesco kam an die Box und Scott Dixon ging an Alex Palou vorbei. Letztlich war dies das Manöver zum Rennsieg. Palou verlor noch zwei Plätze an Scott McLaughlin und Collum Ilott. Agustin Canapino konnte sich mit einem beschädigten Frontflügel nicht verteidigen und verlor ebenfalls einige Plätze.
Eine letzte Caution musste jedoch noch folgen. Helio Castroneves verlor sein Auto innen in Kurve 3 und räumte Colton Herta ab. Pato O’Ward und Romain Grosjean absolvierten ihren letzten Boxenstopp. Damit übernahm Scott Dixon die Führung vor Scott McLaughlin und Callum Ilott. In den letzten 17 Runden unter Grün fuhr Scott Dixon einen Vorsprung von über 7 Sekunden heraus und holte sich seinen dritten Saisonsieg. Scott McLaughlin sicherte sich mit Rang zwei den dritten Platz in der Meisterschaft. Alex Palou und Will Power überholten noch Callum Ilott. Der Juncos-Pilot egalisierte mit Platz 5 seine Saisonbestleistung vom Auftakt in St. Petersburg.
In der letzten Runde überholte Christian Lundgaard noch Alexander Rossi für Platz 6. Marcus Armstrong holte sich mit Platz 8 souverän den Titel des Rookie of the Year. Pato O’Ward und Ryan Hunter-Reay komplettierten die Top-10. Romain Grosjean war in seinem wahrscheinlich letzten Rennen für Andretti Autosport mit Platz 11 bester Fahrer des Teams. Für Sting Ray Robb bedeutete Platz 12 seine beste Platzierung in einem IndyCar-Rennen.
Das komplette Ergebnis ist auf der Homepage der IndyCar-Serie (pdf) nachzulesen.
Alex Palou (656 Punkte) sicherte sich bereits am vergangenen Wochenende die Meisterschaft vor Scott Dixon (578 Punkte). Dahinter folgen Scott McLaughlin (488 Punkte), der sich in seiner dritten Saison weiter verbessern konnte, und Pato O’Ward (484 Punkte). Josef Newgarden (479 Punkte) ist nach seinem Sieg beim Indy 500 mit Platz 5 in der Meisterschaft zufrieden. Es ist allerdings die erste Saison seit 2018, die er nicht in den Top 2 beenden konnte. Marcus Ericsson (438 Punkte) belegte erneut Rang 6. Vorjahresmeister Will Power (425 Punkte) musste sich mit Rang 7 begnügen. Christian Lundgaard (390 Punkte) und Colton Herta (359 Punkte) auf den Plätzen 8 und 10 waren die Speerspitzen von RLL-Racing und Andretti Autosport. Dazwischen platzierte sich die Nummer zwei von McLaren, Alexander Rossi (375 Punkte).
Ausblick 2024
Der Kalender für die nächste Saison ist noch nicht veröffentlicht. Der Auftakt wird aber voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März in St. Petersburg stattfinden. Für Ende März ist ein Rennen in Palm Springs angekündigt. Dort gibt es zwar keine Meisterschaftspunkte, aber eine Million Dollar Preisgeld für den Sieger.
Langsam lichtet sich auch das Bild auf dem Fahrermarkt, zumindest bei den Top-Teams. Für Chip Ganassi fahren weiterhin Alex Palou, Scott Dixon und Marcus Armstrong, dann auch auf den Ovalen. Das vierte Auto übernimmt Linus Lundqvist. Beim Team Penske bleibt alles beim Alten. Den dritten McLaren neben Pato O’Ward und Alexander Rossi geht an David Malukas. Felix Rosenqvist wechselt zu Meyer Shank Racing und fährt dort an der Seite von Tom Blomqvist. Colton Herta und Kyle Kirkwood bleiben bei Andretti Autosport. Das dritte Auto übernimmt Marcus Ericsson. Devin DeFrancesco und Romain Grosjean sind nicht mehr dabei. Außerdem behalten Graham Rahal, Christian Lundgaard, Benjamin Pedersen und Rinus VeeKay ihre Cockpits bei RLL-Racing, A.J. Foyt und Ed Carpenter.



















