Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Grossbritannien – Ist McLaren zurück an der Spitze?

Formel Eins: Analyse GP von Grossbritannien – Ist McLaren zurück an der Spitze?

von DonDahlmann
0 Kommentare 6 minutes read

Nicht viele Neuigkeiten aus dem Königreich. Verstappen gewinnt, aber dahinter melden sich plötzlich die McLaren.

Die interessanteste News aus England war nicht der Sieg von Max Verstappen. Damit hatte jeder gerechnet. Aber hinter dem Niederländer tauchten, wie aus dem Nichts, die McLaren auf. Die meldeten sich schon in der Quali-Session, als sie überraschend P2 (Norris) und P3 belegten. Und das wirklich knapp hinter Max Verstappen, der gerade mal 0,25 Sekunden vor Lando lag. Das britische Traditionsteam freute sich, die Frage war aber, ob das jetzt eine Eintagsfliege war, oder ob McLaren das Tempo auch im Rennen haben würde.

Die Antwort: Sie hatten den Speed. Lando gelang es sogar nach dem Start die Führung zu übernehmen, sehr zur Freude des Publikums. Der Spaß dauerte zwar nur zwei Runden, aber das Statement war gesetzt. McLaren ist zurück. Das zeigte sich auch im Rennen, denn beide McLaren konnten den Rest des Feldes hinter sich halten. Weder die Ferrari noch die Mercedes waren in der Lage, das Tempo der McLaren zu halten.

Das war dann schon überraschend, auch wenn sich schon in Österreich angedeutet hatte, dass die Updates von McLaren gut funktionieren würde. Man hat also auf Basis des Autos in die richtige Richtung entwickelt, was bei Zak Brown zu sichtbarer Erleichterung führte. Eine weitere Pleite bei der Entwicklung, nach dem man die Design-Abteilung umgebaut hat, hätte Fragen ausgelöst. Vor allem nach seiner Führung bei McLaren. So aber scheint man alles richtig gemacht zu haben, wobei man abwarten muss, wie das Auto auf anderen Strecken funktioniert.

Aber man hat auch komplett umgebaut. Neue Front, neuer Unterboden, neue Seitenkästen, neuer Diffusor und diverse andere Teile am Auto. Mal abgesehen vom Chassis, hat man alles ausgetauscht. Und viel gewonnen. Denn Mercedes hat ja was Ähnliches gemacht und die lagen, selbst mit dem alten Auto, weit vor McLaren. Mit nur einem Satz hat McLaren ihren Motorenlieferanten deutlich hinter sich gelassen. Da wird man sich bei Mercedes dann auch fragen, was man falsch macht, wenn das Kundenteam schneller ist.

McLaren war zur Halbzeit auf dem Weg, ein Doppel-Podium zu erobern. Dabei muss man auch den Rookie Oscar Piastri loben, der ein sehr gutes Wochenende hatte. Er stand zwar immer ein wenig im Schatten von Norris, aber lieferte genau das ab, was McLaren von ihm erwartete. Im Rennen hatte er dann Pech, als das SC genau nach seinem Stopp kam, was ihn einige Plätze kostete.

Das SC (Magnussen war der Motor geplatzt) warf das Rennen dann wie erwartet einigermaßen durcheinander. Die Spitze (Verstappen, Norris, Hamilton, Alonso) kamen dann rein, was vor allem Hamilton etwas brachte. Der rutschte, nachdem er in der Quali nur auf P8 gelandet war, auf P3 und zog, wie Verstappen, die Soft auf. McLaren entschied sich allerdings überraschend für die harten Reifen. Piastri auf P4 also auf Hard, dahinter Russell auf den Medium, Alonso auf Soft, Sainz auf Hard, Perez und Albon auf Soft und Leclerc auf Medium.

Auf dem Papier hatte Hamilton also die besseren Karten mit den Soft. Aber die waren gebraucht, während die von Norris frisch waren. Das britische Duell währte etliche Runden, aber Norris schaffte es den McLaren auf P2 zu halten. Das dürfte die Mercedes Mannschaft zusätzlich frustriert haben. Die Tatsache, dass Piastri im Heck von Hamilton bleiben konnte, ohne dass der hinter ihm fahrende Russell auch nur ansatzweise eine Chance hatte, kam dann noch hinzu.

Aber wo waren die Ferrari und die Aston, die bisher „best of the rest“ waren? Ferrari lag in der Quali immerhin vor beiden Mercedes, konnte das aber, wie so oft, im Rennen nicht umsetzen. Die Schwächen des Chassis der Italiener über eine Renndistanz waren deutlich sichtbar. Dabei hatten die Ferraris nicht mal Pech mit dem SC – das Auto war einfach langsam und da man am Ende nicht die Soft nehmen konnte, musste man Alonso und Albon (!) passieren lassen.

Während die Form bei Ferrari nicht ganz überraschend kam, raufte man sich die Aston die Haare. Das Auto ging in Silverstone überhaupt nicht. In der Quali kam nur P9 raus und damit lag man hinter Alex Albon, dessen Williams auf dem Kurs richtig gut lief. Was genau bei Aston los? Entweder waren die Updates von Mercedes und McLaren deutlich besser, oder das eigene Update, dass man seit Spanien drauf hat, ist eine Niete. Man findet sich, abgesehen davon, dass man Ferrari geschlagen hat, wieder genau da, wo man letztes Jahr war. Immerhin konnte man Albon und beide Ferrari hinter sich lassen.

Silverstone ist eine Chassis-Strecke und wenn McLaren mit dem Update richtig gelegen hat, dann sollte sich das auch andere Strecken übertragen lassen. Ungarn in 14 Tagen könnte ein Fingerzeig sein, in Spa sollte dem McLaren allerdings dann wieder sehr gut liegen.

Und der Rest? Alpine erlebte ein katastrophales Wochenende. Gasly quetschte sich gerade so auf P10 in der Quali, im Rennen ging aber gar nichts. Erst fiel Ocon aus, dann rempelte Stroll Gasly von der Strecke, was beim Alpine zu einer gebrochenen Hinterradaufhängung führte. Vielleicht wäre ein Punkt drin gewesen, aber das kann es für Alpine auch nicht sein. Das Team muss dringend von Grund auf neu aufgebaut werden, vor allem auf der Chassis Seite. Es zeigt sich jedes Wochenende, dass die Schwächen vor allem hier liegen.

Haas brachte Nico Hülkenberg mal wieder in Q2, aber der Deutsche und das Team hatten mal wieder Pech. Hülkenberg rasierte sich in der Anfangsphase einen Teil des Frontflügels ab und musste diesen wechseln. Magnussen hatte ein schwaches Wochenende und dann platzte ihm auch noch der Motor. Aber immerhin war Haas mal zu sehen, was man von Alpha Tauri und Alfa Romeo nicht sagen kann.

Die letzten beiden Rennen der ersten Saisonhälfte werden nichts an der Reihenfolge ganz vorn ändern. Die Hoffnung liegt auf den Rennen ab September, wenn die Teams noch mal einen letzten Schwung Upgrades bringen. Denn in der Konstrukteurs-WM ist hinter Red Bull weiter eng. Mercedes hat 203 Punkte, Aston 181 und Ferrari 157 Punkte. McLaren hat im übrigen 59 Punkte. Damit wird man die Top 3 nicht mehr angreifen können, selbst wenn man jetzt immer aufs Podium fährt.

Und irgendjemand muss ja irgendwann mal Red Bull schlagen. Auch wenn das im Moment nicht gut aussieht. Dass Red Bull nicht noch mehr Punkte in der WM hat, liegt Sergio Perez, der auch in Silverstone mal wieder miserabel unterwegs war. Dass er erneut in Q1 ausschied, war allerdings nicht ganz seine Schuld. Das Team hatte ihn bei abtrockender Strecke schlecht positioniert und flog raus, weil alle hinter ihm etwas mehr Grip hatten. Aber die Schwächephase des Mexikaners ist nicht zu übersehen und er wirkt nicht gerade souverän. Gegenwärtig braucht man ihn nicht, da Verstappen ohnehin gewinnt, aber man wird zu Recht bemerken, dass er mit so einem Auto eigentlich mehr erreichen sollte.

Bilder: Pirelli

Das könnte Dir auch gefallen

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.