Nach 15 Jahren kehrte am vergangenen Wochenende das ADAC GT Masters wieder an den Norisring zurück. Erstmals war man unter dem neuen Konzept im Rahmenprogramm der DTM. Ein Wochenende, das noch mehr Fragezeichen für die Zukunft der Rennserie ergab.
Leider wurden die Hoffnungen auf ein volleres Starterfeld vorerst zerschlagen. Nachdem das Audi Team aus Litauen nicht am Start war und es trotz des attraktiven Umfelds im Rahmen der DTM keine Gaststarter gab, fiel das Feld von elf auf zehn Autos zurück. Einen Wechsel gab es bei einem Mercedes von Haupt Racing. Nachdem Arjun Maini neben seinem DTM-Engagement an den DTM-Wochenenden keine anderen Rennserien bestreiten darf, wurde Maximilian Götz für die Wochenenden im Umfeld der DTM verpflichtet. Für ihn war es gleichzeitig als Mitglied des Motorsportclubs Nürnberg ein Heimrennen und zugleich ein Doppeleinsatz neben seiner Expertentätigkeit bei ProSieben.
Samstag
In der Qualifikation zum Samstag ergab sich trotz des dünnen Felds ein erneut ausgeglichenes Bild. Salman Owega im Landgraf Mercedes sicherte sich die Pole vor dem Huber Motorsport Porsche von Jannes Fittje und dem Grasser Lamborghini von Benjamin Hites. Wie schon in Hockenheim starteten die nominell schwächeren Fahrer in der Qualifikation und dem ersten Stint des Samstags. Am Sonntag drehte sich die Rangfolge um. Wie üblich am Norisring drehten die Piloten viele Runden am Stück, um den Peak der Pirelli-Reifen zu erreichen. Die BMW hingen das gesamte Wochenende erstaunlicherweise im hinteren Feld fest. Eine Negativüberraschung, wenn man an die guten Ergebnisse aus der DTM mit Sheldon van der Linde und René Rast denkt.
Rennen 1
Am Start handelten sich Benjamin Hites und Tim Zimmermann in der zweiten Startreihe jeweils eine Penalty Lap ein, da sie ihren Startkorridor zu früh verließen und fielen damit zurück. Für Zimmermann war es der Beginn eines unglücklichen Samstags, da er wenig später Eduardo Coseteng im Schubert-BMW in der Dutzendteichkehre umdrehte, wodurch er sich drei weitere Penalty Laps einhandelte. Vorne war das Rennen geprägt durch einen stark auffahrenden Salman Owega im Mercedes, der Jannes Fittje und Igor Walilko im BMW von FK Performance distanzierte. Dahinter riss das Feld schon vor dem Stoppfenster recht weit auseinander. Für das interessanteste Duell in der Startphase sorgten Raffael Umbrarescu im HRT-Mercedes und Benjamin Hites im Grasser Lamborghini um den sechsten und siebten Platz.
Der große Verlierer des Stoppfensters war Kim Luis Schramm, der den BMW von FK Performance zunächst neu starten musste und von der dritten auf die sechste Position zurückfiel. Vorne übergab Owega an Elias Seppänen den Landgraf Mercedes in führender Position.
Nach dem Stopp passierte reichlich wenig aufgrund der bereits entstandenen Abstände im kleinen Feld. Der zweite Stint zeigte, dass insgesamt im GT Masters auch nach Hockenheim die Porsche mit den Plätzen zwei und drei etwas überlegen sind, die Nico Menzel im 911 von Huber Motorsport und Sven Müller im Joos Porsche nach Hause fuhren. Wohlgemerkt hatte die #91 von Müller/Gehrsitz
nach Hockenheim ein Erfolgsbalast von 20 Kilogramm. Gar nicht in Szene konnte sich Maxi Götz setzen, der den siebten Platz nicht verbessern konnte, der ihm sein Teamkollege Raffael Umbrarescu übergab. Ebenfalls nicht in Szene konnte sich Ben Green setzen, der den Schubert BMW nur auf der neunten Position ins Ziel brachte. Wie schon erwähnt war es ein erstaunlich schwaches Wochenende der BMW im GT Masters, wenn man als Vergleich die Resultate aus der DTM betrachtet. Auch wenn die Fahrzeuge im GT Masters wegen dem höheren Basisgewicht 20 Kilogramm schwerer sind, sind solche Unterschiede auf der gleichen Strecke eher ungewöhnlich, zumal der M4 die Zusatzgewichte in der Regel gut wegsteckt. Die rote Laterne hat weiterhin die Engstler Mannschaft mit dem Audi von Kwanda Mokoena und Dylan Yip, für die der europäische Motorsport absolutes Neuland ist. Vorne konnte Seppänen mit Salman Owega den ersten Karrieresieg im GT Masters vor Nico Menzel und Sven Müller einfahren. Bei den HRT-Mercedes vielleicht etwas überraschend, dass die #2 mit Valente/Aron vor der #3 mit Umbrarescu/Götz landete.
Sonntag
Der zweite Renntag wurde dann an der Spitze zu einem Porsche Markenpokal. Die drei Porsche von Huber Motorsport, Joos by RACEmotion und Huber Racing mit Nico Menzel, Sven Müller und Jaxon Evans konnten sich die ersten drei Plätze sichern. „Best of the rest“ war der Lamborghini von Marco Mapelli, der am gesamten Wochenende den Verbrauch an rechten Außenspiegeln nach oben trieb. Bei Grasser zieht es sich durch die gesamte Saison, dass sie es in den Rennen nicht hinbekommen, die meist guten Leistungen aus den Qualifikationen zu bestätigen.
Die Überraschung der Qualifikation war die Tatsache, dass im direkten Vergleich Elias Seppänen im Mercedes vor Maximilian Götz landete, der sich sicherlich mehr von seinem Heimwochenende erhofft hatte. Es zeigt auch, dass die Mannschaft von Landgraf Motorsport etwas besser aussortiert scheint als die HRT-Mannschaft, die zwei AMG einsetzen.
Rennen 2
Trotz des kleinen Felds mit fünf Wagen pro Startreihe ging auch der zweite Rennstart nicht ohne Strafe ab. Kim-Luis Schramm handelte sich die gleiche Strafe ein wie Tim Zimmermann und Benjamin Hites am Samstag. Der Gewinner der Startphase war Ralf Aron, der von der achten auf die vierte Position nach vorne kam und auch am Teamkollegen Maxi Götz vorbeiging, der den Rennstart nur ca. eine halbe Stunde nach seinem TV-Expertenauftritt fuhr. Unglücklich lief das Rennen mal wieder für den Lamborghini, der von P4 auf P8 fiel. Früh zeigte sich nach den Startrunden, dass alles auf ein reines Porsche-Podium hinauslaufen sollte. Nichts ging erneut bei den BMW, die am Ende nicht über einen achten und neunten Rang hinauskamen.
Dennoch sorgten die drei Porschepiloten an der Spitze für sehenswerte Zweikämpfe. Sven Müller und Evans sorgten für mehrere Überholmanöver. Bei Zeiten, die teilweise unter der 50 Sekunden Schallmauer lagen, wurde der Druck auf den führenden Nico Menzel vor dem Fahrerwechsel größer.
Während Menzel gegen Mitte des Stoppfensters den Wechsel auf Jannes Fittje vornahm, wartete Sven Müller bis zum letztmöglichen Zeitpunkt, um an den jungen Finn Gehrsitz zu übergeben. Auch alle drei Mercedes, die sich auf den Plätzen vier bis sechs einreihten, wählten die letztmögliche Runde zum Stopp. Der frühere Stopp der #91 lohnte sich, da Gehrsitz die freie Fahrt ausnutzte, um vor Jannis Fittje in Führung zu gehen, der sich wiederum vor der #92 von Tim Zimmermann halten konnte.
Jedoch machte Gehrsitz, der Teil des Motorsportteams Germany ist, den entscheidenden Fehler in der Dutzendteichkehre und gab die Führung an den Huber Motorsport Porsche von Fittje wieder ab. Insgesamt blieb das Feld dichter beisammen, was das Rennen am Sonntag spannender werden ließ. Bester Mercedes konnte erneut die #48 von Landgraf werden, nachdem Salman Owega kurz vor Schluss noch den fünftplatzierten Alain Valente überholte – und das trotz 20 Kg. Erfolgsbalast vom Samstag!
Vorne konnte Fittje den ersten Erfolg für Huber Motorsport einfahren. Für das Team des Speditionsunternehmers war es ein umtriebiges Wochenende, nachdem man am Samstag bereits am Nürburgring das sechsstündige Rennen der NLS fuhr. Damit haben alle drei Porsche Teams in den ersten vier Rennen je einmal gewonnen und belegen auch die ersten drei Plätze der Meisterschaft.
Fazit
Wie eingangs erwähnt war es ein Wochenende, was einem als langjähriger Beobachter der Rennserie zu denken gibt. Es überraschte nicht, dass sich die Tribünen nach den sehr unterhaltsamen DTM-Rennen vor dem GT Masters arg leerten. Der Kontrast ist einfach enorm, wenn man zwar de facto das gleiche Produkt geboten bekommt, das eine aber mit 27 Autos und einem sehr engen Feld daherkommt und das andere mit zehn Wagen aufschlägt. Ehrlich gesagt war es ein Trauerspiel die Startformation mit fünf Wagen je Startreihe zu sehen. Vor allem das Rennen am Samstag wird am Jahresende unter dem Titel „langweiligstes Rennen des Jahres“ neben dem Formel 1 Grand Prix von Aserbaidschan weit oben stehen.
Hoffnung macht allerdings das kommende Wochenende mit den nächsten zwei Läufen am Nürburgring im Rahmen des Truck GP. Schnitzelalm Racing, die ihr NLS-Programm ausweiten möchten und Paul Motorsport, die aus T3 Motorsport hervorgegangen sind, haben die ersehnten Gaststarts angekündigt. Dazu könnte noch ein weiteres Ferrari-Team hinzukommen.
Es wird in den kommenden Monaten interessant zu beobachten sein, ob die Teams wieder vermehrt den Weg in die Rennserie finden oder der ADAC das reine GT3-Konzept des GT Masters überdenken muss, wie er es im letzten Winter in Form einer DTM-Endurance geplant hatte. Die Anreize mit der Ausschüttung einiger Prämien und einem wiedereingekehrten Pro/Am-Charakter scheint sichtlich nicht den Erfolg gebracht zu haben. Ein Feld mit zehn oder elf Wagen darf jedenfalls kein dauerhafter Zustand bleiben!
Bildquelle: ADAC Motorsport (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,2630,2787)
