Chaos, Restarts, noch mehr Chaos. Und das alles nur, weil die FIA die Einschaltquoten im Blick hatte.
Das Rennen brachte endlich mal eine etwas andere Ausgangsposition, denn die Red Bull dezimierten sich schon in der Quali, als Perez seinen Wagen in der ersten Session ins Kiesbett warf. Zwar holte Verstappen erneut die Pole, aber erstaunlicherweise waren es die Mercedes, die zeigten, dass man mit ihnen rechnen musste. Das stellten sie auch beim Start des Rennens ebenfalls gleich unter Beweis. Russell, von P2 gestartet, schnappte sich den Weltmeister, Hamilton (P3) gelang selbiges in der zweiten Kurve nach dem Start. Während Leclerc sich (unverschuldet) hinter der Spitze ins Kies verabschiedete.
Doch das Rennen wurde nach wenigen Runden unterbrochen, weil Albon seinen Williams auf P6 in die Reifenstapel schickte. Da hatte Russell schon auf die harten Reifen gewechselt und war eigentlich in einer sehr guten Position, da Verstappen und Hamilton draußen geblieben waren. Doch die Rennleitung unterbrach das Rennen, um die Strecke zu säubern und somit war der Vorteil hin. Das Rennen begann dann erneut in Runde 11 mit einem neuen Start und Verstappen machte mit Hamilton relativ kurzen Prozess und holte sich P1. Russell hatte dagegen einen miserablen Nachmittag, als sein Motor in Runde 18 explodierte.
Verstappen setzte sich vorn mit Leichtigkeit ab, und distanzierte Hamilton teilweise um rund eine Sekunde pro Runde. Das zeigte erneut, das der Red Bull im Renntrimm in einem eigenen Rennen fährt. Niemand konnte das Tempo von Verstappen gehen. Das galt in diesem Moment für die Top 4 generell, die teilweise aber auch die Reifen schonten. Alonso brach seine Attacke auf Hamilton ab, Sainz blieb am Spanier dran. Gasly, dank einer guten Quali und eines guten Starts auf P6, konnte am Ferrari kleben. Ebenfalls im Geschäft war noch Stroll, der am Wochenende aber nicht auf der Höhe von Alonso war.
Für Unterhaltung sorgte das Mittelfeld in dieser Phase des Rennens. Perez pflügte sich in die Punkte, Hülkenberg (P7), Norris, Tsunoda (P10), Ocon, Tusnoda und Piastri kämpften um die letzten Zähler und lieferten sich wirklich fantastische Duelle und Überholmanöver. Während man vorn versuchte, mit den Reifen über die Runden zu kommen, schien man im Mittelfeld davon wenig wissen zu wollen.
Die Reifen waren dann auch das Thema für das letzte Drittel des Rennens. Die C2 hatten eine Lebensdauer zwischen 35 und 45 Runden. Das war etwas knapp, war das Rennen doch in Runde 11 von 58 Runden erneut gestartet.
Chaos galore
Doch vier Runden vor Schluss war alles wieder Makulatur. Magnussen stellte nach Kontakt mit der Wand das Auto ab und ein Reifen lag auf der Strecke. Erstaunlicherweise brach die Rennleitung das Rennen komplett ab, anstatt das Safety Car herauszuholen und den Reifen einzusammeln. Die FIA vermeldete „Debris in a wide area“, aber das hätte man auch unter dem SC erledigen können, auch wenn das Rennen damit hinter dem SC beendet worden wäre.
Die Entscheidung ist zumindest zweifelhaft. Aus der Erfahrung der letzten Jahrzehnte weiß man, dass die Rennleitung durchaus Rennen hinter dem SC beendet. Warum man die Teams in einen stehenden Restart schickte und dann zwei Runden fahren ließ, ist für mich nur mit dem Argument nachvollziehbar, dass dem TV-Publikum großes Drama bieten wollte.
Und natürlich gab es Chaos. Totales Chaos. Verstappen klemmte Hamilton ab. Dahinter drehte Sainz den Aston von Alonso um, während sich beide Alpine gegenseitig abschossen und Stroll sich ins Kiesbett verabschiedete. Dazu landeten De Vries und Sargeant im verbliebenen Williams im Aus. Der erste Mini-Sektor (nicht der erste Sektor) zeigte dann Verstappen vor Hamilton, Sainz, Hülkenberg, Tsunoda, Norris, Piastri, Zhou, Bottas und Perez. Beide Aston waren aus den Punkten.
Die Regeln waren zumindest hier klar. Da der erste Sektor nicht absolviert war, musste die Reihenfolge eingehalten werden, die vor dem Restart galt. Die FIA hatte sich aber selbst in eine absolut miserable Position gebracht. Es gab genug Teams (Haas, Alpha Tauri, McLaren, Alfa Romeo), die vom Chaos profitiert hatten. Aber drei Red Bull (mit Perez), Alpine und Aston Martin, die viel verloren hatten. Das Problem mit der Lösung eines Restarts nach der Reihenfolge vor den Unfällen war aber, dass beide Alpine so beschädigt waren, dass sie nicht mehr starten konnten.
Die FIA entschied sich für einen Restart mit der Reihenfolge: Verstappen, Hamilton, Alonso, Sainz, Stroll, Perez, Norris, Hülkenberg, Piastri, Zhou, Tsunoda und Bottas. Klar war aber auch, dass es kein Rennen mehr geben würde, denn dafür reichte die Rundenzahl nach der Runde hinter dem SC nicht mehr. Damit hatte man beide Alpine aus dem Rennen eliminiert, was ich etwas ungewöhnlich und unfair fand.
Um das Chaos dann auch noch zu vergrößern, bekam Sainz dafür, dass er Alonso berührt hatte, auch noch eine 5-Sekunden-Strafe. War das gerechtfertigt? Jein. Einerseits war es ein Fehler von Sainz und die Strafe war gerechtfertigt. Aber Sainz eine Strafe für eine Aktion zu geben, die absolut keinen Einfluss auf den letzten Restart hatte, weil die Rennleitung die Reihenfolge ja annulliert hatte, ist dann schon schwer verständlich. Sainz fiel daher aus den Punkten raus und landete auf P12. Was für ein Witz. Wenn man schon eine Strafe ausspricht, dann wäre es besser gewesen, wenn man ihn dann beim nächsten Rennen fünf Plätze zurückversetzt hätte.
Hätte die FIA den Restart, der zum Chaos führte, nicht einfach ignorieren können? Laut den Regeln: Nein. Das Rennen muss zu Ende gefahren werden, wenn es keinen zwingenden Grund gibt, das Rennen nicht zu beenden (Dunkelheit, Strecke nicht befahrbar, keine Autos mehr da). Aber man hätte sich das ganze Chaos einfach mit einem SC sparen können. Das Rennen war eh gelaufen, was die Abstände anging. Es gab keinen zwingenden Grund, das Rennen abzubrechen, außer die erwähnten TV-Quoten. Auch der letzte Restart, der ja keiner war, musste aus Gründen des Reglements gemacht werden.
Haas, die mit Hülkenberg ja nach dem Chaos-Restart auf P4 gelegen hatte, protestierte gegen die Entscheidung, wurden aber richtigerweise abgewiesen. Ferrari legte gegen die Strafe ebenso wenig einen Protest ein, wie Alpine gegen die Entscheidung, das Rennen überhaupt noch mal zu starten. In beiden Fällen war die Sachlage aber auch klar, vor allem bei Alpine. Den Unsinn, Sainz für etwas zu bestrafen, was dann annulliert wurde, bleibt aber ein Irrsinn der FIA.
Was bleibt vom Rennen? Ein weiterhin weit überlegener Red Bull, ein gut sortierter Mercedes, Aston weiter vorn dran, Ferrari mit Abstand dahinter. Alpine war besser als erwartete, ebenso Haas und McLaren. Die Briten konnten mit Norris und Piastri zum ersten Mal in dieser Saison Punkte holen. Auch wenn es vorn mal wieder eher öde war, das Rennen im Mittelfeld doch sehr sehenswert. Die F1 legt jetzt eine Pause ein (das Rennen in China fehlt) und startet erst wieder Ende April in Baku. Da werden die Karten dann wieder etwas neu gemischt, denn die Upgrade-Orgie der Teams im Monat Mai dürfte richtig losgehen.
Bilder: Aston Martin, Ferrari, Daimler AG, Haas, Alfa Romeo, McLaren, Alpine, Pirelli
























