Auch in diesem Jahr war Williams wieder das Schlusslicht in der Serie. Es gab aber gute Momente.
Eine der Fragen, die ich mir seit Längerem stelle: Was will Dorilton Capital eigentlich mit Williams? Man kann den immer noch unbekannten Geldgebern hinter dem Family-Office dankbar sein, dass sie das marode Team von der Williams Familie übernommen haben und es so vor der Pleite bewahren konnte. Die Umstrukturierung, inklusive der Verpflichtung von Jost Capito, hat dem Team sicherlich geholfen, aber rasend viel hat es bisher nicht gebracht. Williams ist besser geworden, hat aber nur wenig messbare Ergebnisse produziert.
Dieses Jahr lief es sogar schlechter, als noch in der Saison 2021. Vor einem Jahr standen am Ende Saison 23 Punkte auf dem Konto, dieses Jahr waren es nur acht Punkte. Angesichts der Tatsache, dass man wie alle anderen Teams aus dem hinteren Mittelfeld alle Chancen bei der Konstruktion des neuen Chassis hatte, ist das enttäuschend.
Williams hatte sich, ähnlich wie Mercedes, zu Beginn der Saison für eine Variante mit extrem kleinen Seitenkästen entschlossen. Das hat nicht funktioniert und die B-Variante, die man zur Mitte der Saison brachte, war mehr eine Notlösung. Das Auto glich durchaus dem Mercedes, wenn es um schwankende Leistungen des Chassis ging. Auf manchen Strecken funktionierte das Auto leidlich, auf anderen überhaupt nicht.
Da halfen die guten Leistungen von Alex Albon auch nicht weiter. Der holte vier der acht Punkte. Zwei Punkte sicherte sich der brave Lafiti, weitere zwei kamen von de Vries in seinem sensationellen Rennen in Monza. Immerhin kann man sagen, aber insgesamt ist das zu wenig. Die beiden anderen Team aus dem Hinterfeld, Alpha Tauri und Haas, holten 35 und 37 Punkte. Der Abstand von Williams zu diesen Teams ist zu groß.
Immerhin hatte man mit Albon einen fähigen Fahrer im Team, der den Williams mehrfach sogar in die letzte Quali-Session hievte. Seine Auftritte, auch in den Rennen, gehörten zu den positiven Dingen der diesjährigen Saison von Williams. Sein sehr sympathisches Auftreten hat dem Team ebenfalls viel positive Berichterstattung eingebracht. Insgesamt ist Albon ein Gewinn für Williams und die Vertragsverlängerung war ein „no brainer“.
Nicholas Latifi stand immer im Schatten seiner Teamkollegen in den vergangenen Jahren und das war mit Albon nicht anders. Der Kanadier, dessen Vater ein Großsponsor des Teams war, hatte nicht wirklich das Talent, was es in der F1 braucht, um in ein besseres Team zu kommen. Ein freundlicher, fairer und zuverlässiger Fahrer, aber mehr eben auch nicht. Ob sein Nachfolger, Logan Sargeant, dann Albon mehr unter Druck setzen kann, wird sich zeigen.
Bleibt die Frage, was Dorilton Capital denn nun mit Williams anfangen will. Es gibt Gerüchte, dass Porsche beim Team einsteigen könnte, was ich aber auch erst glaube, wenn es unterschrieben ist. Aber was passiert mit dem Team, wenn man weiter die rote Laterne im Feld hat? Wie sieht der Langzeitplan von Dorilton aus? Denn Geld verdient man so eher nicht, wenn man immer nur auf dem letzten Platz ist. Ich kann keine Richtung oder Vision erkennen, die das Team nachdrücklich nach vorn bringen würde.
Sicherlich kann man kaum davon ausgehen, dass Williams es nicht darauf anlegt, um den Weltmeister Titel zu fahren. Das Mittelfeld ist Ziel des Teams, vor allem regelmäßige Punkte. Aber was danach kommen soll und wie man das erreichen will, steht in den Sternen.
Bilder: Williams F1


