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GT3-Report: 24h Nürburgring Vorschau 2026

von Nils Otterbein
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Wie schon in einem der letzten GT3-Reports angekündigt, möchten wir uns auch dieses Jahr intensiv mit dem Favoritenfeld für das anstehende 24h Rennen am Nürburgring beschäftigen. Mit über 40 GT3-Autos ist es das größte Feld seit Bestehen der SP9-Klasse am Nürburgring. Doch ist es wirklich das beste Feld aller Zeiten im Sinne von absoluten Siegfavoriten?

Insgesamt ist das Feld mit 161 Autos erfreulich stark besetzt und das mit Abstand größte Teilnehmerfeld in den bislang krisengebeutelten 2020er Jahren. Nachdem zunächst eine Begrenzung der Teilnehmer auf 150 Autos die Runde machte, lies der Veranstalter noch kurzerhand ein paar weitere Anfragen zu. Seit dem Permit-Auftritt und dem NLS-Rennsieg von Max Verstappen am Ende der letzten Saison ist die Reichweite rund um die Rennszene am Nürburgring so in die Höhe geschnellt, sodass sich über den Herbst und Winter viele neue Rennprogramme entwickelt haben, von kleinen, aber auch großen Teams. Wie nachhaltig diese Entwicklung in Zeiten der weltweiten Energiekrise anhält und wie sich die Starterzahlen nach dem 24h Rennen für den Rest der NLS-Saison entwickeln, bleibt mal abzuwarten.

Ich erinnere auch daran, dass bis in die 2010er Jahre, Felder mit über 200 Autos noch üblich waren. 2007 war es der Rekord mit 229! Mindestens ein Auto pro Box, eher zwei sind also mittlerweile weniger geworden. Im Vergleich zu den „guten alten Zeiten“ hat sich der Fokus vor allem auf die Spitze verteilt. Um die Exoten soll es am Ende des Beitrags gehen. Mit ein paar neuen Projekten wie dem BMW M3 Touring oder den drei HWA Evo sind es im Vergleich zu den letzten Jahren ein paar Farbtupfer mehr geworden im Verhältnis zu den „Autos von der Stange“, die dem Charakter des Starterfeldes leider einen gewissen Reiz genommen haben. Wie ihr vielleicht wisst, sind wir im Racingblog nicht die „Marktschreier“, die alles rund um den Nürburgring in den Himmel loben. Deswegen möchten wir die anstehende Veranstaltung differenziert betrachten und nicht wie manch andere in das Horn des „Besten 24h Rennens aller Zeiten“ blasen.

Vorab kurz das wieder mal komplizierter und „andersgemachte“ Qualifying-Format erläutert: Neu ist, dass die Qualifyings des Donnerstags keine Relevanz für die Startaufstellung der SP9 haben. Alle Teilnehmer der GT3 (dazu auch der SPX und der AT1) sind automatisch für das Top Q1 am Freitagmorgen qualifiziert. Von diesen mehr als 40 Autos wandern nur 20 in die nächste Stufe, das Top Q2. Heißt also: Schaffe ich es hier nicht reinzukommen, starte ich irgendwo zwischen 21 und 40 – ein riesiger Nachteil für die Startphase! Von den 20 kommen noch die besten sieben in das entscheidende Top Q3, um ein Shootout von zwölf Autos für die Pole zu liefern. Bereits dabei sind der Kondo Ferrari, Scherer PHX Audi, KCMG Mercedes, Rowe BMW #1 und der Abt Lamborghini #84 nach den besten Sektorenzeiten bei NLS 1-3 sowie den Qualifier Rennen. Meine Meinung dazu: Ein Qualifying-Format wird nicht besser und schon gar nicht „besser für unsere Fans“, wenn ich es jedes Jahr ändere!

Porsche

Ein Trend, der sich in den letzten Jahren am Nürburgring abgezeichnet hat, ist die zahlenmäßige Überlegenheit der Porsche 911 GT3. Ganze 13 Autos sind in der SP9-Klasse genannt, teils mit alten Bekannten, teils mit Teams, die ihre ersten Gehversuche auf der Nordschleife unternehmen.

Wie immer ist mit Manthey Racing der erste absolute Topfavorit in Form des „Grello“ zu nennen. Erneut konzentriert man sich auf ein Fahrzeug, ohne den „Greeno“ aus der DTM einzusetzen. Mit Kevin Estre, Ayhancan Güven und Thomas Preining ist das bewährte Personal am Start. Matt Campbell, der im Saisonverlauf bislang auf dem Auto saß, wird lediglich Ersatzpilot sein. Bei den vielen Teams nicht unwahrscheinlich, dass er vielleicht doch noch irgendwo unterkommt. Mit sieben Siegen ist Manthey neben Phoenix das erfolgreichste Team beim 24h Rennen. Hier braucht man nicht lange diskutieren: Eine der fünf bis sechs absoluten Topfavoriten.

Letztes Jahr konnte man die Falken Mannschaft auf einem ähnlichen Level vor dem 24h Rennen sehen. Dieses Jahr ist die Mannschaft von „Schnabl Engineering“ wie das Team korrekterweise heißt, eher in einer Außenseiterrolle. Durch den Verkauf von Dunlop an die Marke Falken, hat man zwei Porsche mit zwei unterschiedlichen Reifenherstellern im Einsatz. Das Falken-Auto mit der gewohnten #44, den Dunlop-Wagen mit der #17. Mit Bachler, Schuring, Heinemann, S. Müller, bzw. Andlauer, Menzel, Boccolacci, Picariello sind beide Autos zwar sehr stark besetzt, haben aber in der Saison bisher nicht viel zeigen können. Hinzu kommen die erwartet kalten Temperaturen fürs Wochenende, womit insbesondere Falken nie wirklich zurechtkam. Deswegen dieses Jahr eher Kandidaten für die Top5, mehr wohl nicht. Zu den Sieganwärtern zählt auch Lionspeed GP mit Heinrich, Feller und L. Vanthoor, die außerdem ein weiteres Auto in der vollbesetzten Pro-Am-Klasse einsetzen. Hier gibt es noch Fragezeichen seitens des Teams, was auf der Nordschleife komplett neu ist. Auch in der GT World Challenge fiel man neben dem Sieg in Brands Hatch bereits zwei Mal aus. Nicht geholfen hat auch der Crash von Ricardo Feller im ersten Qualifying des Donnerstags, braucht doch das Team jede Minute Trainingszeit.

Eine Überraschung des letzten Jahres konnte Dinamic GT mit dem dritten Gesamtrang beisteuern. Grund genug für das italienische Team mit Pirelli-Reifen, dieses Jahr auf zwei Fahrzeuge aufzustocken. Hier bleibt abzuwarten, ob der dritte Platz eher ein Effekt des schwächeren SP9-Feldes im letzten Jahr gewesen ist. Ich erinnere daran, dass selbst der Drittplatzierte schon eine Runde Rückstand auf den Rowe BMW am Rennende hatte. Mit diesen massiven Abständen ist mit mehr Top-Autos nicht zu rechnen. Ein Fragezeichen ist hier der Pirelli-Reifen, der letztes Jahr unter Hitze sehr gut funktionierte. Zwar konnte bei den bisherigen Rennen kein relevanter Unterschied zwischen Reifenmarken festgestellt werden – die kalten Temperaturen sollten jedoch hauptsächlich den Michelin-Teams entgegenkommen.

Hinzu kommen noch die neuen Projekte von Teams wie Car Collection, Black Falcon, Hankook, High Class Racing und Mühlner Motorsport – allesamt mit Pro-Am-Zusammenstellungen. Die #48 von Black Falcon mit Assenheimer, Tobias Müller, Dylan Pereira und Dan Arrow könnte eines der Pro-Am-Teams sein, die aufgrund ihrer sehr erfahrenen Piloten überraschend weit vorne landen können. Auf jeden Fall ein klarer Favorit in der Pro-Am!

BMW

Nachdem Rowe Racing letztes Jahr den zweiten Sieg der Teamgeschichte und den 21. BMW-Sieg im einzigen werksunterstützten GT3-Fahrzeug einfahren konnte, können sie dieses Jahr wieder aus den Vollen schöpfen. Rowe Racing setzt dieses Jahr zwei Autos ein, ausschließlich besetzt mit Werkspersonal. Wenn es um Nordschleifen-Kilometer geht, ist die #1 mit K. van der Linde, Marciello, Farfus und Pepper sicherlich einen Tick stärker als S. van der Linde, D. Vanthoor, Max Hesse und Dan Harper in der #99. Auch Schubert Motorsport ist nach vier Jahren wieder zurück – und konnte direkt bei der Rückkehr NLS2 gewinnen. Mit Wittmann, Frijns, Eng und Weerts setzt das Team auf viel Erfahrung. Ein Hindernis könnten jedoch die Yokohama-Reifen sein, die unter den kühlen und womöglich wechselhaften Bedingungen Fragezeichen haben.

Neben den drei Top-Autos gibt es aus dem Hause BMW noch drei Autos „für die Fans“ zu bewundern. Einerseits mit dem M3 Touring als Kombi-Version, der im Vergleich zu den GT3-Autos nur aerodynamisch und gewichtstechnisch leichte Nachteile hat. Der achte Gesamtrang im Qualifiers Rennen hat gezeigt, dass es sich hier um das stärkste Auto in der SPX-Klasse seit dem Glickenhaus handelt, der das gewohnte SP9-Feld etwas ärgern kann. Dazu kommen noch die beiden Projekte von Saugmotoren Motorsport und dem niederländischen Koopmann Racing Team, die zwei der alten Z4 zurückbringen. Beide „Zetti“ werden in der AM-Klasse eingesetzt. Für Koopmann Racing unter dem Initiator Peter Posavac ist unter anderem Rekordteilnehmer Volker Strycek am Start.

Mercedes

Die längste sieglose Serie der vier bekannten deutschen Premiumhersteller hat Mercedes, die zuletzt 2016 siegreich waren. Dazwischen hatte man einerseits Pech durch Unfälle, anderseits durch Zuverlässigkeitsprobleme, die gefühlt immer häufige auftreten, je länger der Mercedes AMG eingesetzt wird. Nachdem Haupt Racing zu Ford gewechselt ist und Getspeed dieses Jahr nur die internationalen Rennserien betreibt, setzt Affalterbach alles auf Winward Racing und den berühmten Verstappen-Effekt. Die Schnelligkeit haben sie gezeigt – doch eine Strafe bei NLS1 und ein Problem an der Aufhängung im Qualifiers Rennens haben bisher die Rennsiege verhindert. Verstappen hin oder her – beide Autos sind mit Verstappen, Juncadella, Auer, Gounon sowie Martin, Engel, Stolz und Schiller identisch gut besetzt.

Eine Überraschung könnte KCMG liefern, die bereits im Top Qualifying 3 dabei sind mit Krohn, Gamou, Pittard und Fukuzumi. Neu dabei ist auch ProSport, die bisher für Einsätze mit Aston Martin bekannt waren. Für ein neues Projekt hat man mit Lulham, Grenier, Christodoulou und Böckmann so ziemlich das Beste, was AMG mit einer Nordschleifen-Permit außerhalb der Winward-Autos zur Verfügung hat.

Im Pro-Am-Feld kommen noch die Einsätze von Schnitzelalm Racing mit Heyer, Fittje, Härtling und Ellis hinzu. Mit Toyo Tires ist ein weiterer Hersteller neu in der GT3-Klasse. Ring Racing hat wohl den Plan, mittelfristig den neuen Toyota GT3 einzusetzen, weshalb sie seit letztem Jahr in der GTWC – und nun am Nürburgring – den Mercedes einsetzen.

Audi

Nach Manthey und Rowe kommen wir nun zum dritten Team, was in den letzten acht Ausgaben zu den Gesamtsiegern gezählt hat, nämlich Scherer Sport PHX. Natürlich handelt es sich hierbei um die Fortführung von Phoenix Racing, die neben Manthey den Rekord mit sieben Gesamtsiegen innehaben. Ganze vier Mal konnte das einstige Team von Ernst Moser, nun von seinem Sohn Ron Moser weitergeführt, mit dem R8 LMS Ultra, dem R8 LMS und dem R8 LMS Evo II in der aktuellen GT3-Ära gewinnen. Durch die aufregenden Fights gegen Max Verstappen war das Auto unter Pilotierung von Christopher Haase bereits oft im Fokus und ist nun auch jenen Fans bekannt, die bisher nicht viel mit der Rennszene am Nürburgring Kontakt hatten. Für dieses Auto gilt: Eine Gesamtsiegchance haben sie womöglich nur, wenn Christopher Haase das Maximum an Fahrzeit bestreitet. Alexander Sims und Ben Green – beide im Audi R8 nicht allzu routiniert – werden womöglich ein paar Sekunden pro Runde in ihren Stints liegen lassen. Ich will es nicht verschreien, aber: Eine Rennunterbrechung, die bei der Wettervorhersage mit eisigen Nachttemperaturen, möglicher Nebelbildung und Regenschauern nicht ausgeschlossen ist, könnte gerade solch einem Team mit leichten Schwächen entgegenkommen!

Da das Preisleistungsverhältnis auf dem GT3-Markt für einen nagelneuen Audi R8 LMS Evo II unschlagbar ist (man spricht in der Szene von einem Listenpreis um die 200.000€!) und das Auto ohnehin ausgereifter nicht sein kann, ist das Modell vor allem bei neuen Teams mit den ersten Gehversuchen im GT3 sehr beliebt. Davon profitiert z.B. ein Team wie Max Kruse Racing, die seit letztem Jahr ihren Fuhrpark nach Einsätzen mit dem VW Golf VII Stück um Stück erweitern. Erstmals sind damit zwei GT3 in der Klasse der alternativen Treibstoffe genannt. Die #19 wird mit u.a. Tom Coronel und Duncan Huismann eine Art niederländische Nationalmannschaft bilden. Das zweite Auto wird durch die Fugel-Familie mit Benni Leuchter pilotiert. Außerdem in der Pro-Am, bzw. reinen AM-Klasse: Erstmals KKrämer Racing, die ebenfalls ihre Aktivitäten – bisher weitestgehend in der Cup2-Klasse – erweitern, sowie Juta Racing aus Litauen, die erstmals zwei R8 an den Start bringen.

Aston Martin

Oft als Exot bezeichnet, setzt Walkenhorst Motorsport wieder drei Aston Martin Vantage ein. Der Sieg bei den 24h von Spa 2024 hat gezeigt, dass das Modell durchaus große Langstreckenrennen gewinnen kann. Auf der Nordschleife haben immer ein paar Quäntchen gefehlt. Auch den letzten NLS-Sieg konnte Walkenhorst noch zu Zeiten der BMW-Einsätze einfahren. Womöglich bräuchte die Pro-Besatzung mit Krognes, Drudi, Thiim und Fernandez-Laser ein Rennen wie Frikadelli Racing mit dem Ferrari 2023, in dem mal alles zusammenläuft. Vielleicht sind gerade hierfür die ungewohnt kalten Temperaturen eine Chance. Die anderen Autos sind in der Pro-Am gemeldet, u.a. mit dem Teamchef himself, der obendrein einen BMW Z4 fahren wird. Etwas überraschend ist auch ProSport mit einem reinen Am-Team noch dabei, trotz ihrem Wechsel zu Mercedes im GT4-Bereich. Finanziert wird der Einsatz von der Großindustriellen Dumarey Familie aus Belgien.

Bei Aston Martin bleibt in den kommenden Jahren abzuwarten, ob vielleicht ein Team wie Comtoyou Racing durch ihre Einsätze auf der ADAC-Plattform in die NLS findet. Dann könnte indirekt auch ein Team wie Walkenhorst eindeutig profitieren.

Ford

Was man als Spätgeborener zunächst nicht vermuten würde: Ford ist nach BMW (21 Siege), Porsche (13 Siege) und Audi (7 Siege) die vierterfolgreichste Marke mit fünf Gesamtsiegen – von 1979 bis 1982 sowie 1987 – natürlich zu völlig anderen Zeiten mit sehr viel Werksunterstützung aus Ford Köln, die das Wort Motorsport wohl gar nicht mehr kennen. Haupt Racing hatte letztes Jahr mit dem vierten Gesamtrang ein sehr starkes Debüt. Womöglich war es der gleiche Effekt wie bei Dinamic GT mit deren drittem Gesamtrang. Nach sehr guten NLS-Läufen und sogar einem Laufsieg in der späteren Saisonphase, ging das Projekt jedoch 2026 eher holprig weiter. Eine Überraschung ist möglich – mehr als ein Platz unter den besten fünf bis acht ist jedoch nicht zu erwarten. Zwei Autos sind in der Pro-Klasse mit Scherer, David Schumacher, Stippler und Maini sowie Olsen, Mies und Vervisch genannt. Frank Stippler soll als Routinier auf beiden Autos eingesetzt werden. Ähnlich wie bei Scherer PHX gilt: Eine Siegchance haben sie nur, wenn sie die stärksten Fahrer am Maximum ihrer Fahrzeit einsetzen, da sie nicht das Gesamtniveau von Teams wie Manthey, Rowe oder Winward haben.

Lamborghini

Ähnlich wie Aston Martin hat auch Lamborghini 2025 in Spa gezeigt, dass sie 24h Rennen gewinnen können. Glücklicherweise hat sich Abt Sportsline dazu entschieden, bei den Nordschleifen-Einsätzen auf den Huracan Evo II zu setzen. Bei der Performance des neuen Temerario könnte es die einzige Chance auf Erfolge in dieser Rennsaison sein. Beide Fahrerteams nehmen sich in Sachen Qualität nicht viel: Die #84 mit Red-Bull-Branding mit Bortolotti, Engstler und Niederhauser wird die Speerspitze sein. In der #130 mit Sonax-Branding werden neben Werksfahrer Marco Mapelli mit Nick Catsburg und Nick Yelloly zwei Fahrer eingesetzt, die sonst eher selten den Lamborghini politieren und für verschiedene Marken unterwegs sind. Catsburg als klassischer Freiberufler, u.a. als Sieger für Frikadelli 2023 – und Yelloly für Acura in den USA. Wenn die Topteams patzen, ist ein Abt-Sieg mit Lamborghini nicht ausgeschlossen. Die kühlen Temperaturen werden dem Auto eher entgegenkommen, um die üblichen Reifenschäden im Huracan zu verhindern.

Erstmals werksunterstützt tritt auch Konrad Motorsport an, erstmals auch mit dem Evo II Modell. Mit Max Paul, Christian Engelhart, Pavel Lefterov und Patricija Stalidzane wird das Team das Pro-Am-Feld durchaus aufmischen können. Im zweiten Jahr ist auch Renazzo, das ehemalige MacChip DKR Team von „Dieter Schmidtmann“ in der AM-Klasse am Start.

Ferrari

Nachdem von Frikadelli Racing seit Monaten nichts mehr zu hören ist und der aktuelle Status der Mannschaft aus Barweiler unbekannt ist, hat sich nur der Einsatz eines Ferrari 296 entwickelt. Wie schon letztes Jahr spannt Kondo Racing mit Rinaldi Racing für den Einsatz zusammen. Die Pole im Qualifikationsrennen und die erste Startreihe von Thomas Neubauer aus dem letzten Jahr haben gezeigt, dass im Team Überraschungspotenzial schlummert. Mit Neubauer, Perel, Marschall und Vermeulen gehört man sicher zu einem Geheimfavoriten, mehr aber auch nicht.

McLaren

Eine der sicherlich auffälligsten Lackierungen liefert Dörr Motorsport, die nach mehreren Jahren einen McLaren GT3 zum 24h Rennen zurückbringen – und das direkt mit einer Retro-Lackierung von Michael Schumachers Benneton aus den 90ern. Das Team versprüht mit Timo Glock, Timo Scheider, Ben Dörr und Marvin Kirchhöfer einen gewissen DTM-Glanz, wird aber realistisch nichts mit den Top10 zu tun haben. Interessant ist die Personalie Kirchhöfer: Für ihn müsste es trotz seiner langen Zeit im GT3-Sport und Werksfahrer von McLaren, das erste 24h Rennen in der Top-Klasse sein.

Zusammenfassung der Favoriten und weitere Klassen + Exoten

Was machen wir nun mit dem Teilnehmerfeld? Um die Eingangsfrage vorwegzunehmen: In Sachen Qualität an der Spitze sehe ich hierin nicht das beste GT3-Feld aller Zeiten. An werksunterstützten Teams und den Fahrerkadern merkt man eben doch, dass im Vergleich zu Jahren wie 2016 bis 2019 das Geld der Hersteller nicht mehr so locker sitzt. Realtisch ist mit beiden Winward Mercedes, beiden Rowe BMW und dem Grello von fünf absoluten Top-Favoriten auszugehen – mit Abstrichen noch der Scherer PHX Audi und der Abt Lamborghini #84. Gehen wir also mal von sieben realistischen Siegkandidaten aus. An Jahre mit zwei bis drei werksunterstützen Teams – vor allem von Audi und Mercedes – kommt das Feld nicht mehr ganz ran. Ich rechne zwar nicht damit, dass wir diese massiven Abstände wie 2025 erleben, als der Manthey Porsche in der Nacht über zwei Minuten Vorsprung hatte, bevor erst nach dem Sonnenaufgang der Rowe BMW plötzlich näherkam, oder der Drittplatzierte Dinamic Porsche nicht mehr in der Lead Lap war, aber: Sollte das Rennen durchgefahren werden, könnten wir das nach der Nachtphase mit großen Abständen am Sonntagmorgen durchaus merken.

Es bleibt zu hoffen, dass das Rennen ohne Unterbrechung durchgefahren wird. Mit wetterbedingten Unterbrechungen 2013, 2016, 2018, 2020, 2021 und 2024 ist die Wahrscheinlichkeit jedoch nicht gering, dass wir ein weiteres Jahr in die Liste aufnehmen können. Bisher positiv: Es sieht zwar nach wenig Niederschlag, vielleicht sogar gar keinem Niederschlag für die beiden Renntage aus. Bei Temperaturen bis nahe dem Gefrierpunkt und einer gewissen Grundfeuchtigkeit in der Luft, könnten die Nacht und der Sonntagmorgen jedoch schwierig werden. Ich erinnere daran, dass NLS1 abgesagt wurde, weil bei drei bis vier Grad Lufttemperaturen, die Reifenindustrie keine Sicherheit mehr garantieren konnte. In diesen Bereich wird es am Wochenende der Eisheiligen jedoch voraussichtlich gehen. Es bleit zu hoffen, dass die Rennleitung die Option mit temporären Code-60-Phasen in einzelnen Nebelbänken wählen kann, um ein Rennen durchzubekommen. Leider ist auch das Reglement trotz der vielen ungewollten Praxisbeispiele bzgl. Parc Fermé nie angepasst worden. Sobald ein Rennen unterbrochen wird, dürfen die Teams praktisch das gesamte Auto revidieren, außer Nachbetankung. Viel Endurance-Feeling würde dann nicht mehr aufkommen, wenn der Fall eintritt.

Wie eingangs erwähnt: Erfreulich sind dieses Jahr ein paar Attraktionen fernab der SP9! Bemerkenswert ist das Projekt von HWA mit drei Autos, die zwar flammenneu sind – und dennoch von der Silhouette an die alte DTM Anfangs der 90er erinnern. Mit Namen wie Luca Ludwig, Sebastian Asch, Bruno Spengler, Markus Winkelhock oder Jamie Green klingt das schon sehr nach DTM, wenn auch teils mit den nachfolgenden Generationen. Das Erfreuliche dabei: Anders als beim M3 Touring, der wohl eine einmalige Sache bleiben wird, ist hier ein längerer Kommittent, auch über 2026 und das 24h Rennen hinaus angedacht. In derselben Klasse SPX (für Sonderfahrzeuge mit Sonderantrag) ist auch noch ein KTM GTX als GT2-Modell am Start. Dazu noch ein spezieller Manthey Porsche als weiterentwickeltes Cup-Modell in der SP-Pro-Klasse. Hier setzt die Griesemann-Gruppe ein Auto mit synthetischem Benzin ein – u.a. mit Dirk Adorf, der ausgewählte Runden im Rennen drehen wird mit Live-Kommentar aus dem Auto.

Die kompetitivsten Klassen kann man eher von oben nach unten lesen – früher war es eher umgekehrt. Zu den ganzen GT3 gesellen sich elf Porsche 911 GT3 Cup in der CUP2-Klasse, 17 Porsche Cayman GT4 CS in der Cup3-Klasse oder 13 GT4-Autos in der SP10-Klasse. Neu ist, dass die GT4 nur (mit Ausnahme eines McLaren Artura Evo in der SP8T) nun einheitlich in die SP10 verteilt werden, unabhängig vom Motorkonzept oder Reifenhersteller – was die Competition und Attraktivität der Klasse deutlich erhöht. Es ist davon auszugehen, dass die Regie im Rennen in regelmäßigen Abständen die kleineren Klassen mit den Klassenständen in den Blick nimmt, zumindest wurde es bei den Qualifiers so betrieben.

Weitere Farbtupfer in den Spezialklassen sind im Bereich der SP4 (2000 bis 2500 ccm) der Subaru WRX, auf dem dieses Jahr etwas überraschend nicht Tim Schrick gemeldet ist. In der SP3T (1750 bis 2000 ccm mit Turbo) sind mehrere VW Golf von Max Kruse Racing genannt, u.a. in der #10 mit dem Teambesitzer höchstpersönlich bei seinem 24h Debüt. In jener Klasse, in der auch das etwas „ulkig“ wirkende Dacia-Projekt von Olli´s Garage dabei ist. Die hubraumschwächsten Autos sind die beiden Toyota GR Yaris und der Bitter Opel Corsa in der SP2T-Klasse.

Unter den seriennahen VLN-Produktionswagen (V-Klassen) hat sich ein gutes Feld in der VT2-Klasse gebildet, die in Front- oder Allrad- und Heckmotoren unterteilt ist. In diesen beiden Teilklassen sind immerhin 14 Autos gemeldet.

Neu unter den etwas eingeschlafenen Cup-Klassen ist neben dem gewohnten BMW M240i Racing Cup mit zehn Teilnehmern, ein neuer BMW M2 Racing Cup, der beim Debüt aber nur drei Teilnehmer verzeichnen kann.

Bleibt noch zu hoffen, dass es nicht allzu wild auf der Strecke zugehen wird und auch von den Fans bei der erwarteten Rekordbesucherzahl nicht zu viele Negativmeldungen auftauchen, ganz unter dem Motto „Respect the ring!“ Danke an den Kollegen Felix aus dem Blog, der uns direkt als frische Ware seine Fotos vom Ring zugeschickt hat!

Bildquelle: Felix Töllich

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