Die beiden Meisterschaftskontrahenten Tom Ingram und Ash Sutton holten sich bei den BTCC-Rennen in Croft jeweils einen Laufsieg. Eine Nullnummer von Sutton im ersten Lauf brachte Ingram jedoch die Führung in der Meisterschaft ein.
Zum ersten Lauf präsentierte sich die Strecke nach einem morgendlichen Regenschauer feucht, aber die Sonne sorgte für eine rasche Abtrocknung, und alle Fahrer entschieden sich folgerichtig für einen Start auf Slicks. Beim Start konnte Tom Ingram seine am Vortag herausgefahrene Pole Position gegen Ford-Pilot Dan Cammish verteidigen, während sich dahinter Senna Proctor auf den dritten Platz vorkämpfte. Der Hyundai-Pilot hatte einen Traumstart von Startplatz acht und konnte im Verlauf der ersten Runde mehrere Kontrahenten überholen.
Cammish schaffte es zunächst, den Anschluss an Ingram zu halten, geriet dann aber in Rückstand, als Ingram mühelos schnellste Rennrunde auf schnellste Rennrunde folgen ließ und sich sukzessive absetzte. Proctor musste ebenfalls abreißen lassen, konnte aber immerhin seine unmittelbaren Verfolger Dan Rowbottom und Tom Chilton auf Distanz halten. Hinter Rowbottom und Chilton reihte sich zur Rennhalbzeit der bis dato Meisterschaftsführende Ash Sutton ein. Der Ford-Pilot war nach schwacher Qualifikation nur von Startplatz elf gestartet und hatte sich für den ersten Lauf zudem für den nachteiligeren harten Optionsreifen entschieden, der wie üblich verpflichtend in einem der drei Läufe gefahren werden musste. Trotz der ungünstigen Ausgangslage gelang es Sutton, mehrere Positionen gegen die zum Teil besser bereifte Konkurrenz gutzumachen.
Eine Safety-Car-Phase, ausgelöst durch einen Abflug von Chris Smiley nach einem Kampf mit Gordon Shedden, ließ kurz vor Rennende die Abstände wieder zusammenschrumpfen und brachte Sutton in eine aussichtsreiche Position, gegebenenfalls noch weitere Plätze gutzumachen und nicht zu viele Punkte auf den immer noch in Führung liegenden Tom Ingram zu verlieren. Doch in diesem Lauf schlug das Pech für Sutton unvermittelt zu: Just zum Restart verlangsamte der Ford-Pilot plötzlich und musste mit einem platten Reifen die Box ansteuern. Später fand man eine Schraube in der Karkasse, die vermutlich von den in diesem Jahr zur Vermeidung von Abkürzungen neu aufgestellten (und regelmäßig niedergefahrenen) Holzplanken in den Jim Clark Esses stammte.
Sutton, nun nach seinem Reifenwechsel ans Ende des Feldes zurückgefallen, bot Ingram natürlich die beste Gelegenheit, einen entscheidenden Schritt in Sachen Meisterschaft zu machen. Nach dem Restart setzte sich der Hyundai-Pilot erneut mühelos ab und siegte letzten Endes vor den beiden Local Heroes Dan Cammish und Senna Proctor. Dan Rowbottom und Tom Chilton komplettierten dahinter eine geschlossene Hyundai-und-Ford-Top-Five. BMW-Pilot Daryl DeLeon, Áron Taylor-Smith im Toyota, Charles Rainford in einem weiteren BMW sowie die beiden Hyundais von Dan Lloyd und Adam Morgan komplettierten die Top Ten.
Pechvögel dieses Laufs waren neben Ash Sutton Mikey Doble und Jake Hill. Vauxhall-Pilot Doble war nach erneut starker Qualifikation von Startplatz drei gestartet, verlor dann zwar einige Positionen, lag aber immer noch aussichtsreich auf Platz sechs, als er in der dritten Runde ausgangs der Schikane das Auto verlor und in die Streckenbegrenzung einschlug. Doble konnte die Fahrt zwar fortsetzen und am Ende mit Platz 15 immerhin einen Punkt einfahren, aber es wäre deutlich mehr drin gewesen.
Der amtierende Champion Jake Hill wiederum nahm gar nicht erst am Rennen teil. Die Folgen einer kürzlich durchstandenen Virusinfektion machten sich in den freien Trainings bemerkbar und wirkten sich auf seinen Gleichgewichtssinn aus. An eine Rennteilnahme war nicht zu denken, und so musste die Speerspitze im BMW-Lager die Rolle des Zuschauers einnehmen. Kurzzeitig wurde erwogen, Colin Turkington – der dann auch im zweiten freien Training einige Runden drehte – ins Auto zu setzen. Aber der vierfache BTCC-Champion, seit jeher für seinen Perfektionismus bekannt, fühlte sich nicht wohl mit einem Ad-hoc-Einsatz, und so blieb das Auto mit der Startnummer eins einsam in der West-Surrey-Garage stehen.
Angeblich soll auch Josh Cook mit Helm unterm Arm rund um die BMW-Boxen gesichtet worden sein. Der Mitfavorit auf den Independent-Titel war ohne Auto und Team nach Croft gereist, da sich sein Team BTC Racing kurzfristig dazu entschieden hatte, die Rennen in Croft und Knockhill wegen gesundheitlicher Probleme des Teamchefs auszulassen. Das ist auch eher eine etwas schräge Begründung, dass deswegen das gesamte Team zu Hause bleiben muss, und es schrillen ein wenig die Alarmglocken, nachdem das Team die vergangene Saison mangels Sponsorengeldern komplett ausgelassen hatte. Im Gegensatz zu Cook fand dessen Teamkollege Stephen Jelley für Croft übrigens kurzfristig einen neuen Drive bei Unlimited Motorsport, wo er den Cupra Leon von Rookie Max Hall übernahm, dem zur Saisonmitte die Kohle ausgegangen ist.
Zurück zum Renngeschehen: Der zweite Lauf wurde erneut von der leidigen Regel bestimmt, dass die ersten drei des ersten Laufs nun reglementsbedingt gezwungen waren, auf den harten Optionsreifen zu starten, während der Rest des Feldes freie Reifenwahl hatte – kaum überraschend entschieden sich fast alle für die Soft-Reifen, und Ingram, Cammish und Proctor waren folglich mehr oder weniger chancenlos.
Bereits in der ersten Runde fielen Dan Rowbottom und Tom Chilton über Senna Proctor her, während Ingram seine Führung zunächst gegen Cammish verteidigen konnte. In der zweiten Runde war dann Cammish fällig: Rowbottom überholte seinen Teamkollegen mühelos beim Einbiegen in den Complex und Chilton folgte im Parallelflug in der Hairpin vor Start und Ziel. Nur einen Umlauf später exerzierten die beiden dasselbe Manöver gegen Tom Ingram, womit Rowbottom das Rennen nun vor Chilton anführte. Auf Platz drei arbeitete sich kurz darauf BMW-Pilot Daryl DeLeon vor. Und auch wenn der BMW-Pilot gegen Rennende noch einmal zu Chilton aufschließen konnte, waren die Positionen auf den vorderen Plätzen bezogen, und Dan Rowbottom holte sich am Ende seinen dritten Saisonsieg vor Tom Chilton und Daryl DeLeon.
Dahinter ging es jedoch turbulenter zu. Auf Platz vier hatte sich nach Manövern gegen u. a. Taylor-Smith, Rainford sowie die hart bereiften Ingram, Cammish und Proctor zur Rennhalbzeit Adam Morgan eingefunden, und diese Position sollte der Hyundai-Pilot dann auch bis zur Zielflagge behalten. Die in Sachen Meisterschaftskampf spannendste Situation ereignete sich in der siebten Runde, als der zu diesem Zeitpunkt auf Platz sechs liegende Tom Ingram Meisterschaftskontrahent Ash Sutton im Rückspiegel erblickte. Der Ford-Pilot hatte sich, nun mit vollem Boost und Soft-Reifen ausgestattet, in den ersten Runden von ganz hinten durch das Feld gearbeitet.
Das ungleiche Duell – Ingram mit nur einer Runde Zusatzboost und harten Reifen gegen Sutton mit Soft-Reifen und voller Zusatzleistung – entschied Sutton ohne viel Gegenwehr für sich. Bis zur Zielflagge konnte Sutton dann auch noch sehenswert an BMW-Pilot Charles Rainford vorbeigehen und die Ziellinie am Ende als Fünfter kreuzen. Ingram wiederum musste sich auch noch Toyota-Pilot Gordon Shedden geschlagen geben, der am Ende hinter Rainford und vor Ingram Platz sieben belegte. Aiden Moffat und Dan Cammish komplettierten die Top Ten vor Dexter Patterson im Cupra von Un-Limited, der sich somit den Sieg in der Independent-Wertung holen konnte.
Sowohl Ingram als auch Cammish gelang mit den Plätzen acht und zehn wenigstens noch halbwegs Schadensbegrenzung auf den harten Reifen, aber für Senna Proctor lief es dagegen weniger gut: Der Hyundai-Pilot sah die Zielflagge am Ende nur auf Platz 15 und erhielt dann obendrein noch eine Zehn-Sekunden-Strafe für das wiederholte Überfahren der Track Limits, die ihn schließlich auf den 19. Platz zurückwarf.
Auf die Pole Position für den dritten Lauf wurde dann BMW-Pilot Aiden Moffat gelost, was nicht nur die Chance auf ein wenig Balsam für die in dieser Saison arg geschundene BMW-Seele versprach, sondern Tom Ingram mit Startplatz zwei in eine erneut ideale Ausgangssituation brachte. Doch Meisterschaftsrivale Ash Sutton lauerte nur zwei Reihen dahinter. Und der dritte Lauf sollte dieser Ausgangslage mehr als gerecht werden – er startete direkt mit viel Chaos, Schweiß und Tränen.
Ingram attackierte Moffat gleich beim Start, und beide kollidierten leicht ausgangs der ersten Kurve, was Ingram in einen wilden Quersteher brachte, den er irgendwie – er selbst wusste später auch nicht, wie genau – abfangen konnte. Durch den Quersteher rutschte jedoch Charles Rainford, der sich beim Start gegen den von außen attackierenden Sutton durchsetzen konnte, durch und stellte zunächst einmal eine BMW-Doppelführung her. Den hart bereiften Rainford attackierte Ingram aber sogleich wieder in den schnellen Jim Clark Esses, ließ dadurch jedoch innen eine Lücke, in die sofort Ash Sutton stieß und sowohl an Ingram als auch Rainford vorbeiging. Ingram verlor unterdessen noch eine weitere Position gegen den dahinter lauernden Shedden, holte sich diese aber noch in der ersten Runde in der Hairpin vor Start und Ziel zurück, als er sowohl Shedden als auch Rainford überholte und sich hinter Moffat und Sutton auf Platz drei einreihte.
Rainford fiel dann mit seinen harten Reifen im Verlauf der zweiten Runde zurück und touchierte schließlich Dan Cammish beim Einbiegen in den Complex, was den Ford-Piloten in die Wiese und dann – beim Versuch, sein Auto mit Vollgas abzufangen und wieder gerade auszurichten – exakt in Richtung Scheitelpunkt der nachfolgenden Rechtskurve schickte. Dort räumte der blaue Ford dann wie eine Bowlingkugel die völlig unbeteiligten Chris Smiley, Daryl DeLeon und Dan Rowbottom ab. Mehrere nicht mehr fahrtüchtige Autos standen nun kreuz und quer auf der Strecke, und die deswegen erforderliche Safety-Car-Phase brachte erst einmal etwas Ruhe ins Feld.
Beim Restart in Runde acht wurde es aber sofort wieder turbulent: Ingram überlistete Sutton, setzte sich auf der Backstraight neben dessen Ford und ging vor Tower Hill vorbei auf Platz zwei. Gegen Ende der Runde passierten dann in der Hairpin mehrere Dinge gleichzeitig: Ingram probierte eine aussichtsreich wirkende Attacke auf den führenden Moffat, dahinter bremste sich Shedden innen neben Sutton, während Sutton selbst von ganz außen nach innen stieß und dort zunächst auf den überraschten Shedden traf, dann in Ingram krachte und anschließend irgendwie als Führender aus der ganzen Situation auf die Start-Ziel-Gerade einbog.
Sutton konnte sich in der Folge etwas absetzen, während Ingram nach wie vor hinter Moffat hing. In der elften Runde probierte er schließlich eine Attacke auf den BMW-Piloten in der Kurvenkombination nach Start-Ziel, die Moffat aber konterte. Ingram fehlte es nun an Speed auf der Gegengeraden und von hinten näherte sich Senna Proctor, der sich von Startplatz 19 auf den vierten Platz nach vorne gearbeitet hatte. Wer jetzt naiv dachte, dass Proctor seinen Teamkollegen abschirmen und keinesfalls attackieren würde, täuschte sich: Noch in Tower Hill ging Proctor beherzt an Ingram vorbei und machte nun seinerseits Jagd auf den zweitplatzierten BMW von Moffat.
Diesen attackierte Proctor dann nur einen Umlauf später im Complex und bugsierte ihn zugleich in die Wiese, was Teamkollege Ingram wenigstens ebenfalls einen Positionsgewinn bescherte. Dass Proctor für das Abräumen des BMWs keine Strafe erhielt, war überraschend, aber die Rennleitung hatte zu dem Zeitpunkt vermutlich ohnehin schon aufgegeben. Ingram wiederum konnte sich mit dem verlorenen Platz gegen Proctor nicht zufriedengeben und ging eine Runde später sauber – und vielleicht auch unterstützt vom Kommandostand – an diesem vorbei auf Platz zwei.
Letzten Endes siegte somit Ash Sutton vor Tom Ingram und Senna Proctor. Dahinter fuhr Gordon Shedden einen soliden vierten Platz ein, vor Adam Morgan und dem etwas unglücklichen Aiden Moffat. Sam Osborne, Tom Chilton, Árón Taylor-Smith und Mikey Doble komplettierten die Top Ten in diesem chaotischen dritten Lauf, bei dem nur 15 Autos die Zielflagge sahen.
In der Meisterschaft führt Tom Ingram nun mit acht Zählern Vorsprung knapp vor Ash Sutton. Der Abstand zu Platz drei und vier ist derweil noch größer geworden – Dan Rowbottom und Dan Cammish haben 78 bzw. 89 Punkte Rückstand. Jake Hill ist als amtierender Champion durch sein Aussetzen auf den siebten Meisterschaftsrang hinter Tom Chilton und Adam Morgan zurückgefallen und hat nun schon 130 Punkte Rückstand. In der Independent-Wertung führt trotz seines Ausrutschers im ersten Lauf Mikey Doble vor dem Hyundai-Duo Chris Smiley und Dan Lloyd.
Die Resultate der drei Läufe aus Croft sowie der gesamte Meisterschaftsstand können auf der Website von TSL Timing sowie der BTCC im Detail studiert werden.
Am kommenden Wochenende gastiert die BTCC dann zum inoffiziellen Saisonhighlight auf der wunderbaren Rennstrecke im schottischen Knockhill. Im Vorjahr waren hier die BMW-Piloten Jake Hill und Colin Turkington erfolgreich, bevor dann Toyota-Pilot Rob Huff einen Sieg im dritten Lauf einfahren konnte.
Bilder: btcc.net

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[…] drei zu fahrenden Runden souverän und siegte am Ende verdient und überglücklich, nachdem er die letzten Rennen in Croft gesundheitsbedingt auslassen musste. Teamkollege Rainford gab sich mit Platz zwei zufrieden, […]
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