Japan im Frühjahr? Ja, Japan im Frühjahr, weil die FIA ihren Kalender und die damit verbundenen Flüge etwas umweltfreundlicher gestalten will (lol).
Nach dem dann doch überraschenden Ergebnis in Australien sollte Red Bull in Japan wieder da sein, wo sie die letzten Jahre waren: ganz oben. Das Auto ist wie gemacht für die Strecke von Suzuka und dementsprechend deutlich sollte auch das Ergebnis ausfallen. Es ist davon auszugehen, dass Verstappen in Japan den Ton angeben wird und Perez sich dahinter einreiht. Die Frage ist nur, wie groß der Vorsprung von Red Bull sein wird. Im letzten Jahr holte Verstappen die Pole mit 0,6 Sekunden Vorsprung vor Piastri. Das Rennen gewann er mit 20 Sekunden vor Norris.
Die Reihenfolge dürfte in diesem Jahr vermutlich nicht allzu viel anders aussehen, aber die Abstände sollten vor allem im Rennen geringer sein. Dabei setze ich vor allem auf McLaren, die auch im letzten Jahr sehr stark waren. Die schnellen Kurvenpassagen liegen dem Auto gut, dazu kommt, dass eine entscheidende Schwäche des Autos in Japan nicht so zum Tragen kommt. Der McLaren hat kein besonders effektives DRS, aber in Japan gibt es nur eine DRS-Zone, was helfen sollte. Die Rennpace von McLaren ist zudem sehr gut. Allerdings würde ich jetzt nicht davon ausgehen, dass die Briten Red Bull unter massiven Druck setzen können.
Gespannt darf man auch auf Ferrari sein. Das Auto ist offensichtlich gut oder hat zumindest eine gute Basis. Dass man in Australien einen relativ ungefährdeten Doppelsieg einfahren konnte, war ein deutliches Zeichen. Allerdings hatte man auch ein wenig Glück, dass McLaren bei der Strategie für Norris etwas daneben lag. Der hätte durchaus eine Chance auf den zweiten Platz gehabt, wenn McLaren ihn früher gestoppt hätte. Aber wie gut der SF-24 auf der schnellen Strecke in Suzuka sein wird, ist schwer zu sagen. Chancenlos auf ein Podium sind sie sicher nicht, aber so leicht wie in Australien dürfte es auch nicht werden.
Während Ferrari bisher zufrieden sein kann, brennt bei Mercedes schon wieder der Baum. Der W15 ist keineswegs besser als sein Vorgänger. Die beiden ersten Rennen haben das deutlich gezeigt. Man hat zwar ein Chassis, das weniger komplex in der Abstimmung ist, aber schneller ist das neue Konzept auch nicht. In Australien war man im Vergleich zum letzten Jahr sogar langsamer. Das mag zu einem Teil auch den Umständen des Rennens geschuldet sein, aber es war deutlich, wie schwer man sich vor allem in der Qualifikation tut.
Mercedes selbst ist sich des Problems bewusst, weiß aber auch nicht so ganz, woran es liegt. In frühen Trainingssessions ist man gut dabei, aber in den später am Tag stattfindenden Sessions geht dann wieder gar nichts. Es scheint, dass der W15 extrem wetterfühlig ist und schon bei geringen Temperaturschwankungen extreme Ausschläge bei der Performance hat. Ein wenig erinnert mich das an den Toyota TF106/B der ebenfalls so eine Wundertüte war. Manchmal lief vor allem die B-Variante des Chassis gut, manchmal wieder gar nicht. Schuld daran war die sehr ungewöhnliche Hinterrad-Aufhängung und das „No Keel“ Design des Chassis.
Das hat der W15 beides nicht, leidet aber augenscheinlich unter ähnlichen Problemen. Hierfür die Ursache und vor allem eine Lösung zu finden, dürfte nicht ganz so einfach werden. Mercedes vermutet das Problem in der hinteren Aufhängungsgeometrie, ist sich aber auch nicht komplett sicher. Das Auto hat Speed und es ist nicht langsam, aber es ist halt immer dann langsam, wenn man es braucht. Auch der Rennspeed stimmt bei Mercedes nicht.
Dazu kommt eine eklatante Schwäche in Hochgeschwindigkeitspassagen. Im ersten Sektor in Jeddah verlor Hamilton fast eine Sekunde auf den voraus liegenden McLaren. Das deutet darauf hin, dass vor allem der erste Sektor in Suzuka nicht gut für Mercedes aussehen wird. Aber hier genau verliert man dann einen großen Teil der Zeit. Spoon und die R130 werden auch nicht gerade die großen Freunde des W15. Dies natürlich vorausgesetzt, dass Mercedes in Japan das Auto unverändert einsetzt. Man hat in Australien zwei verschiedene Unterböden getestet, vielleicht bringen die ja etwas. Klar ist aber, dass das Auto grundlegende Probleme hat und Mercedes mal wieder enorm viel Zeit verliert, diese Probleme zu lösen.
Das könnte Aston Martin in die Hände spielen, die ebenfalls einen mauen Start in die Saison hatten. Oder vielleicht sollte man besser sagen, dass sie da sind, wo sie gegen Ende der Saison 2023 waren. Aber ein Schritt nach vorn ist das neue Auto nicht. Gegenüber Red Bull, Ferrari und McLaren hat man verloren, mit Mercedes liegt man auf Augenhöhe. Was für den Aston in Japan spricht, ist seine gute Performance in den Highspeed-Bereichen, weswegen ich sie auch etwas vor Mercedes sehe. Aber wie in den letzten Rennen dürfte es eng zwischen beiden Teams werden.
Dahinter sortiere ich die RB ein. Tsunoda war in Australien erstaunlich stark und konnte Q3 erreichen. Auch die Rennpace stimmte, zumindest bei ihm. Zudem wird RB in Japan ein erstes Update am Auto haben, was etwas Performance bringen könnte. Ich schätze die RB in Japan relativ stark ein und durchaus mit Chancen auf Punkte. Die wird vor allem Daniel Ricciardo im Blick haben müssen, denn schon nach zwei Rennen steht der Australier unter Druck. Bisher hat Tsunoda ihn leicht im Griff und Helmut Marko hat auch schon fallen lassen, dass man sich mehr erwartet. Wo genau die Probleme von Ricciardo liegen, ist nicht bekannt, aber offenbar hat er grundsätzlich Probleme mit dieser Generation von Autos. Jedenfalls hat sich Liam Lawson schon in Position gebracht.
Im Hinterfeld bin ich auf die Haas und die Williams gespannt. Die Haas hatten einen extrem guten Start in die Saison, die Williams eher nicht so. Teamchef Vowles wird nicht müde zu sagen, dass man enttäuscht ist, aber auch nicht viel anderes erwarten konnte, da mit einem Chassis am Start ist, dass man buchstäblich ein paar Tage vor dem Test fertig gebaut hat. Immerhin wird Sargeant in Japan wieder sein Auto zurückbekommen. Aber es scheint eher zu sein, dass Williams, nicht ganz unähnlich zu Mercedes, noch damit beschäftigt ist, überhaupt eine Abstimmung für alle Komponenten zu finden.
Ganz hinten reihen sich dann Sauber und Alpine ein. Bei Sauber hat sich Audi wohl seufzend dazu entschlossen, schleunigst mehr Geld und Personal nach Hinwill zu bringen. Aber das neue Chassis James Key ist jetzt auch nicht das allerbeste. Was mich jetzt weniger überrascht, ich halte Key weiter nicht für den richtigen Mann bei Sauber. Aber vielleicht wird es ja was mit der Unterstützung von Audi. Bei Alpine geht weiterhin nichts, was auch nicht überraschend ist, angesichts des schlechten Chassis. Was schon mehr überrascht, ist die Tatsache, dass sich auch personell nichts ändert. Ich hatte damit gerechnet, dass man langsam die verlorenen Talente aus den letzten 8 Monaten ersetzt, aber bisher ist das Funkstille. Dafür werden die Gerüchte lauter, dass Renault den ganzen Laden verkaufen will, um nur noch Motoren zu bauen.
Strategie:
In Suzuka gibt es immer nur C1, C2 und C3, weil die Belastung auf die Reifen in der R130 und den Esses zu hoch ist. Die Strecke stellt nicht nur eine außergewöhnliche Herausforderung für Autos und Fahrer dar, sondern testet auch die Reifen: sowohl in Bezug auf den Verschleiß – aufgrund der hohen Rauheit und Abrasivität des Asphalts – als auch durch die Kräfte und Belastungen, denen sie in den verschiedenen Kurven der Runde ausgesetzt sind.
Aufgrund der Energie, die durch die Reifen fließt, und der Belastung, der sie ausgesetzt sind, ist ein Zweistopper die häufigste Strategie. Bei niedrigeren Temperaturen könnte jedoch auch eine Ein-Stopp-Strategie möglich sein, insbesondere für Fahrer, die ihre Reifen schonen. Andererseits könnte es dadurch schwieriger werden, die Reifen im richtigen Betriebsfenster zu halten, vor allem, wenn sie bei einer Ausfahrt aus der Box auf Temperatur gebracht werden. Ein Einstopper verringert auch die Wirksamkeit des Undercuts, der in Suzuka normalerweise sehr nützlich ist, auch wenn die harten und mittleren Mischungen die bevorzugten Rennmischungen sind.
Nach dem Großen Preis von Japan werden am Dienstag und Mittwoch zwei Tage lang Pirelli-Reifentests mit Sauber und RB stattfinden, um Konstruktionen und Mischungen für die nächste Saison zu entwickeln.




1 Kommentare
mal nicht die inters vergessen am wochenende
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