Es gab keinen Zweifel an der Dominanz von Red Bull. Dafür formiert sich ein interessantes Verfolgerfeld.
Dass Red Bull zum Start der Saison stark sein würde, war klar. Aber dass sie das gesamte Feld in Grund und Boden fahren würden, war dann doch überraschend. Der beste Verfolger war Fernando Alonso, aber dem fehlten am Ende mehr als 38 Sekunden auf die Red Bull. Der Abstand wäre vermutlich noch größer geworden, wenn Verstappen nicht schon nach einem Drittel des Rennens in den Schongang gewechselt wäre. Realistisch gesehen ist der Red Bull mindestens sieben Zehntel schneller als der immerhin zu Beginn gut gehende Ferrari von Leclerc. Der Abstand zu Aston und Mercedes dürfte im Renntrimm ungefähr noch einmal zwei bis drei Zehntel pro Runde betragen.
Dabei sah es in der Quali gar nicht mal so schlecht aus für die Verfolger. Leclerc fehlten zwei Zehntel und das mit einer etwas verschobenen Strategie, da man in Q3 nur einen Run machte und das Auto zudem voll auf das Rennen abstimmte. Mercedes und Aston waren ungefähr gleich schnell und es fehlten sechs Zehntel am Ende die Red Bull. Das war, vor allem aus Sicht von Mercedes besser, als man erwarten konnte.
Aber Mercedes ist unzufrieden. Das Auto ist bei Weitem nicht da, wo man sein wollte und die Frage, ob das verfolgte Konzept richtig ist, fragt man sich mittlerweile auch bei Mercedes. Die Andeutung von Toto Wolff, dass man offen für alle Lösungen sei, deutet darauf hin, dass man eventuell Ende April eine B-Variante des Autos sehen könnte. Aber es gibt auch positives für Mercedes zu vermelden. Der Abstand zu Ferrari ist deutlich geringer geworden. Das gilt sowohl für die Quali als auch für die Rennpace. Da ist also durchaus noch Luft für Mercedes, sich zu verbessern. Dass man von Aston Martin geschlagen wurde, dürfte bei Mercedes allerdings nicht gut ankommen.
Die Aston waren schnell. Nicht nur in der Quali, vor allem im Rennen. Die Rennpace von Alonso im Vergleich zu Mercedes und Ferrari war atemberaubend. Nach einem schlechten Start schnappte er über die Distanz und einem Overcut beide Mercedes und Carlos Sainz im Ferrari, der offenbar große Probleme mit dem Reifenmanagement hatte. Das Paket des Aston stimmt und der Sprung, den das Team innerhalb von einem Jahr gemacht hat, ist schon erstaunlich. Im letzten Jahr war man in der Konstrukteurs-WM auf P7, in Bahrain war man das zwei beste Team. Einen derartigen Fortschritt für ein Mittelfeld-Team hat man sehr lange nicht mehr gesehen. Und da wird vermutlich auch mehr kommen.
Die Leistung von Fernando Alonso war schon bemerkenswert, aber noch mehr hat mich Lance Stroll überrascht. Der hatte bekanntermaßen den Test auslassen müssen und war mit Brüchen in beiden Handgelenken im Paddock aufgetaucht. Ohne eine einzige Runde im Auto qualifizierte er sich in den Top Ten und kam am Ende auf P6. Wenn Stroll mit dem Aston auf Anhieb so schnell ist, bekommt man einen Eindruck davon, wie gut das Auto ist.
Ferrari sieht schlecht aus, anders kann man das nicht beschreiben. In Q1 löste sich das Auto von Leclerc auf. Über Nacht musste man die Batterie an seinem wechseln und im Rennen ging entweder der Motor oder die Elektronik ein. Jedenfalls konnte er das Rennen und den sichereren dritten Platz nicht nach Hause fahren. Ferrari plagte im Rennen vor allem ein sehr hoher Reifenverschleiß. Zwar ist die Strecke in Bahrain bekannt dafür, aber von allen Top-Teams schien Ferrari die größten Probleme zu haben. Red Bull, Aston und Mercedes kamen besser mit dem Abbau der Reifen klar und konnten pushen, während Ferrari im Schongang unterwegs war.
Das können Abstimmungs- und Setup Probleme sein, das kann ein spezifisches Problem auf dem Asphalt auf dieser Strecke gewesen, es kann aber auch daran liegen, dass man ein generelles Problem mit der Aufhängungsgeometrie hat. Letzteres wäre dann ein massives Problem, weil man die nicht mehr ändern kann, ohne ein neues Auto zu bauen. Dazu kommt, dass er Abstand nach hinten geschrumpft ist. Ferrari steht also vor einigen Problemen. Denn sowohl Mercedes als auch Aston werden P2 fest im Blick haben.
Interessant war das Rennen auch im sehr kompakten Feld hinter den Top 4. Die restlichen Teams trennt sowohl in der Quali, als auch im Rennen so wenig, dass es im Moment kein richtiges Hinterfeld gibt. Allerdings gibt es massive Unterschiede zwischen Teams, die auf einer Runde schnell sind und jenen, die eine gute Rennpace haben. Aber interessant ist zunächst einmal ein Blick auf die schnellsten Zeiten von jedem Team aus der Quali:
Haas: 1.30.809
Alpine: 1.30.914
Mclaren: 1.31.381
Alpha Tauri: 1.31.400
Alfa Romeo: 1.31.443
Williams 1.31.461
Das ist bemerkenswert eng und wird sich von Strecke zu Strecke in der Quali verschieben. Im Rennen sah die Sache allerdings deutlich anders aus. Hülkenberg hatte den Haas überraschenderweise in Q3 gebracht, im Rennen ging aber gar nicht zusammen. Ein schlechter Start war das eine, aber die Rennpace war weder bei ihm noch bei Magnussen vorhanden. Es gelang beiden Haas nicht sich aus dem tiefen Mittelfeld zu befreien und der Speed aus der Quali war komplett weg. Tatsächlich schien der Haas im Renntrimm das langsamste Auto im Mittelfeld zu sein.
Anders sah es bei Williams aus. Albon und Sergant hatten beide gute Starts, aber es war vor allem Albon, der Williams nach vorn brachte. Er etablierte sich auf dem zehnten Platz und kämpfte mit Alfa, Alpha Tauri und Alpine um die Punkte. Dabei zeigte der Williams seine Stärke beim Reifenverschleiß und mit konstanten, schnellen Rundenzeiten, die Albon es ermöglichten, seinen zehnten Platz zu halten. Punkte im ersten Rennen sind für Williams ein Geschenk, aber ich gehe davon aus, dass das nicht letzten sein werden. Auch wenn der Williams noch massive Probleme hat, man ist deutlich besser unterwegs, als in den Jahren zuvor.
Auch Alfa Romeo hatte zumindest mit Bottas ein gutes Rennen. In der Quali haben sie mich noch ein wenig enttäuscht, da hatte ich etwas mehr erwartet. Aber im Rennen lief es deutlich besser. Der Finne lag über das gesamte Rennen in den Punkten und lieferte sich gute Duelle mit der Konkurrenz. Der Alfa sieht nicht nach einem Überflieger aus und der Abstand zu den Top 4 ist größer, als er das in den ersten Rennen des letzten Jahres war. Aber im Rennen ist der Alfa, zumindest im Moment, eine echte Bank. P8 für Bottas und damit war Alfa das beste Team aus dem Mittelfeld.
Allerdings auch nur knapp vor dem Alpine von Pierre Gasly. Der hatte einen miserablen Start ins Wochenende, als in der Quali nur Letzter wurde, während Ocon immerhin Q3 erreichte. Aber im Rennen drehte sich das Glück. Während Ocon ein ganzes Bouquet an Strafen einsammelte (insgesamt 20 Sekunden) und am Ende das Auto auch noch abstellen musste, arbeitete sich Gasly methodisch nach vorne. Der Alpine zeigte eine gute Rennpace und Gasly schaffte es auf den neunten Platz und sicherte Alpine Punkte.
Aber zufrieden werden die Franzosen nicht sein. Bei den Tests noch als Tipp für ein Ergebnis auf der Höhe der Mercedes gehandelt, waren Qualifikation und Rennen eine einzige Enttäuschung. Der Alpine ist bei Weitem nicht da, wo man die Franzosen sich selbst erwartet hatten. Ausgehend vom Rennspeed und der guten Qualifikation von Ocon, liegt man eventuell knapp an der Spitze des Mittelfelds, aber weit hinter Mercedes und Aston Martin. Vor allem, dass Aston der Sprung nach vorn geglückt ist, man selbst aber nicht weiter kommt, dürfte beim Mutterkonzern nicht gut ankommen.
Die Probleme hätte McLaren allerdings gerne. Das Auto ist, wie erwartet, schlecht. Schwer zu fahren, wenig Spielraum bei der Abstimmung. Zwar kommt das eigentliche neue Chassis in Baku, und dass die ersten drei Rennen schwer sein würden, war auch klar. Aber das war dann insgesamt doch sehr enttäuschend. Dabei hätte Norris durchaus Chancen auf Punkte gehabt, denn im Renntrimm ging der McLaren erstaunlich gut. Das zeigte sich, als der überrundete Norris relativ problemlos hinter Hamilton und Alonso den Abstand halten konnte. Immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer. Aber beide McLaren wurden auch von technischen Problemen geplagt. Piastri fiel mit einem Elektronik-Problem aus, Norris musste fünfmal an die Box, um Luft für das hydraulische System nachzufüllen.
Alpha Tauri fiel im Rennen nicht weiter auf. Wie in der Liste oben zu sehen, schwimmt man im Mittelfeld mit, hat aber nicht die Pace um sich freizuschwimmen. Die Rennpace ist nicht schlecht, in der Quali sieht es nicht so gut aus. Überraschend war, dass sich Nyck de Vries sehr schwertat. Ihm fehlten in der Quali mehr als sechs Zehntel auf Tsunoda, was schon deutlich ist. Auch im Rennen hatte er nicht die Pace des Japaners, der immerhin Albon im Nacken hing und mit P11 nur knapp an den Punkten scheiterte.
Das war ein interessantes Rennen, aber gut war es nicht. Die Dominanz kann man Red Bull nicht vorwerfen. Enttäuschend ist eher, dass es weder Ferrari noch Mercedes gelungen ist, die Lücke zu schließen. Es sieht eher so aus, als wäre der Vorteil von Red Bull zum Start der Saison größer als im letzten Jahr. Dass Red Bull die ersten drei Rennen in Folge gewinnen kann, ist sehr wahrscheinlich. Und damit hätte Verstappen schon einen gemütlichen Vorsprung in der WM. Dass Aston Martin, Ferrari und Mercedes so eng zusammen liegen, sind auch gute Nachrichten für Red Bull. Denn die drei werden sich vermutlich in den ersten Rennen gegenseitig die Punkte schwer machen, was Red Bull nur recht sein. Allerdings ist Bahrain auch eine etwas eigenwillige Strecke. Jeddah und Australien werden ein klareres Bild schaffen.
Gewinner des Rennens: Aston Martin und Lance Stroll
Verlierer des Rennens: McLaren und Esteban Ocon
Bilder: Ferrari, Mercedes, Aston Martin, Alpine, McLaren, Haas, Williams, Alfa Romeo

































1 Kommentare
Keine Ahnung, wer die schlagen soll;)
Lange
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