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Formel Eins: Vorschau GP von Singapur 2022

von DonDahlmann
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Nach der Corona-Pause startet die Formel Eins am Wochenende wieder in Singapur. Max Verstappen kann schon bei diesem Rennen Weltmeister werden.

Es dürfte, zumindest aus technischer Sicht, ein interessantes Rennen in Singapur werden. Die Formel Eins war zuletzt 2019 vor Ort und in der Zwischenzeit hat sich einiges verändert. Die Strecke, die normalerweise ja zu großen Teilen aus öffentlichen Straßen besteht, hat zwar keine großen Veränderungen erlebt, aber partiell wurde neuer Asphalt aufgetragen. Den Teams fehlen logischerweise Daten, was das Training spannend machen dürfte. Ebenfalls neu ist die Strecke selbstverständlich für die Autos. Die Hitze ist eine Sache in Singapur, wo Temperaturen über 30 Grad auch nach 21 Uhr normal sind. Hitzerennen hatte die F1 in diesem Jahr schon einige, aber die Besonderheit in Singapur ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Das macht die Kühlung von Mensch und Maschinen noch einmal deutlich schwieriger.

Bedeutet dies, dass es besonders viele Ausfälle geben wird? Möglich. Aber weil die Strecke über so wenig lange Vollgas-Passagen verfügt, ist die Belastung für den Motor geringer als auf anderen Strecken. Hinterherfahren ist allerdings ein Problem für die eh gestressten Kühleinheiten der Motoren. Was auch einer der Gründe, warum sich das Feld in Singapur so schnell so weit auseinanderzieht. Wirklich spannende Rennen sind auf dem Stadtkurs eine große Seltenheit und meist kommt der Sieger aus den ersten beiden Startreihen.

Favoriten am Wochenende müssen die Red Bull sein. Perez hat in Monaco gewonnen, Verstappen in Ungarn. Auch wenn der Red Bull auf den engen Strecken nicht ganz so überlegen ist, wie auf anderen Kursen. Die Abstände könnten also geringer sein, auch weil Mercedes auf den langsamen Strecken bei hohen Streckentemperaturen einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Eventuell könnten die Deutschen im Rennen noch eine größere Rolle spielen, da sie in diesem Jahr bei der Strategie auch relativ selten Fehler gemacht haben.

Eine Frage wird sein, ob die Team Updates mitbringen werden. Zeit genug hatte man, die Pause von drei Wochen und die Sommerpause haben die Gelegenheit geschaffen, neue Teile zu produzieren. Ob es einer macht, ist dann wieder etwas anderes. Der Kostendeckel auf der einen Seite und die Tatsache, dass man sich auf die Saison 2023 vorbereitet sprechen eher gegen große Updates. Kleinigkeiten wird man mit Sicherheit bei allen Teams sehen. In einem relativ engen Kampf befinden sich aber weiter Ferrari und Mercedes um P2 in der Team-WM. Auch der Kampf um den Titel des Vize-Weltmeisters ist noch offen.

Ferrari hat die WM logischerweise abgeschrieben. Fällt Leclerc am Wochenende aus und gewinnt Verstappen das Rennen, ist der Niederländer erneut Weltmeister. Aber es ist Ferrari vermutlich auch relativ egal, ob Verstappen in Singapur oder Mexiko seinen zweiten WM-Titel einsammelt. Die Probleme beim Team sind offensichtlich, was die Strategie und die Zuverlässigkeit angeht. Auffallend war aber auch, dass es dem Team nicht gelungen ist bei der Entwicklung einen entscheidenden Schritt nach vorn zu machen. Während es Red Bull gelang den Vorsprung auszubauen, konnte Ferrari allerhöchstens Schritt halten.

Das gilt vor allem für die Rennpace. In der Quali sieht es interessanterweise ganz anders aus. Ferrari konnte in 10 von 16 Rennen die Pole erobern, gewann aber nur vier Rennen. Das macht die Schwäche des Autos im Rennen mehr als deutlich. Es ist eine Kombination aus einem höheren Reifenverschleiß, einer schlechteren Höchstgeschwindigkeit und einer schlechteren Performance in mittel schnellen Kurven. Offenbar ist Red Bull mit dem Honda-Motor in der Lage im Rennen ein aggressiveres Mapping zu fahren, was die Zeitunterschiede über die Distanz erklären würde.

Ähnlich sieht es zwischen Alpine und McLaren aus, die noch um P4 in der WM kämpfen. Aber der Trend ist seit einigen Monaten klar. McLaren verliert, Alpine entwickelt sich in die richtige Richtung. Nur selten kann McLaren dagegen halten. Der Rückstand gegenüber Alpine liegt aber auch zu einem großen Teil an Daniel Ricciardo. Norris hat mit 88 Punkten immerhin 22 Punkte mehr als Alonso (66) und 29 Punkte mehr als Ocon (59). Ricciardo hat 19 Punkte. Wenn man sieht, wie eng die beiden Alpine Fahrer zusammenliegen und das Ricciardo 69 Punkte auf Norris fehlen, wird das Problem sehr offensichtlich. So viel schlechter kann Piastri 2023 kaum sein.

Im Hinblick auf Fahrerwechsel gibt es kaum Neuigkeiten. Wie erwartet hat sich Williams von Latifi getrennt, während Sauber Zhou für 2023 verlängert hat. Damit gibt es noch drei unbesetzte Plätze: Williams, Alpine und Haas. Die große Frage ist, was Alpine macht. Man hätte gerne Gasly, aber Red Bull bekommt Colton Herta nicht und wüsste auch nicht, wen man sonst in den Wagen setzen wollte. Mick Schumacher dürfte bei Helmut Marko nicht hoch im Kurs stehen, aber Alternativen aus dem eigenen Nachwuchs hat man nicht. Bei Williams deutet sehr viel auf eine Verpflichtung von Nyck de Vries hin. Aber nach dessen fulminanten Rennen in Monza, hat wohl auch Alpine Interesse. De Vries ist ab Ende des Jahres ein „free Agent“ weil sein Mercedes Vertrag ausläuft, dementsprechend kann er sich frei entscheiden. Sollte de Vries bei Alpine landen, wäre Schumacher ein Kandidat bei Williams.

Bei Haas scheint die Sache aber noch nicht entschieden zu sein. Ferrari hat Giovanazzi ins Spiel gebracht, aber Günter Steiner ist wohl nur so mittelmäßig begeistert. Sicherlich hätte man gerne Ricciardo, aber was der macht, ist völlig unklar. Vielleicht doch Williams? Oder Testfahrer bei Mercedes? Oder ein Jahr gar nichts und dafür NASCAR oder sonst was? Auch für Schumacher verengen sich die Optionen. Haas oder Williams dürften seine Chancen sein. Das Alpine auf seine Dienste zurückgreifen will, ist eher unwahrscheinlich. Es gibt Gerüchte, dass Audi Schumacher unter Vertrag genommen hat, um ihn 2024 bei Sauber unterzubringen.

Strategie:
C3. C4 und C5 sieht man ja selten, aber Pirelli hat diese Reifen für Singapur nominiert. Die Belastung der Reifen ist in Singapur generell gering, daher die Chance auf die ganz weichen Mischungen zu setzen. Im Fokus stehen primär die Hinterreifen, da die Autos aus den meist langsamen 23 Kurven beschleunigen müssen. Es gilt also den Verschleiß hier besonders im Auge zu halten, denn hier gewinnt man vor allem die Zeit auf der Strecke. Auf der anderen Seite sind die Vorderreifen auch belastet. Da die Autos in diesem Jahr eher zum Untersteuern neigen, leiden die Vorderreifen auch in Singapur. Zusammen mit der großen Hitze dürfte der Stress vor allem für die C4 und C5 sehr groß sein.

Wie viele Stopps es geben wird ist schwer zu sagen. Aber eine Ein-Stopp-Strategie scheint eher ausgeschlossen. Zwei Stopps sind eher wahrscheinlich. Eine Möglichkeit wäre C4 zum Start, C3 dann bei den Stopps. Da die Strecke sich aber über das Wochenende entwickeln wird und vor allem während des Rennens eine deutliche Evolution durchmacht, könnte eine Variante auch sein, den Mittelstint mit den C4 zu verlängern, um dann entweder einen schnellen Stint mit den C4 zu fahren oder gar die C5 zu nehmen. Da das Überholen in Singapur eher schwierig ist, bringen frische Reifen extrem viel, da man die Gegner beim Herausbeschleunigen hinter sich lassen kann.

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