Neuer Fahrer, neue Farbe – aber nichts davon half in diesem Jahr das Team nach vorne zu bringen.
Man kann es leider nicht anders sagen: Das war eine schlechte Saison von Aston Martin. Nur 77 Punkte sammelte das Team am Ende ein. Das sind 123 Punkte weniger als noch im letzten Jahr. Und im Vergleich zum besten Kundenteam von Mercedes, in diesem Jahr McLaren, hat man sogar 198 Punkte weniger sammeln können. Man konnte nicht erwarten, dass Aston Martin in einem Übergangsjahr auf dem Niveau von Ferrari unterwegs ist. Dafür fehlen Aston noch die Möglichkeiten, die Ferrari hat. Aber alles in allem war das Jahr für die Briten mehr als enttäuschend.
Die Regeländerungen über den Winter, als die hintere Bereich des Unterbodens beschnitten wurde, traf das Team hart. Da man mehr oder weniger eine Kopie des 2019er-Mercedes einsetze, stand man Anfang 2021 vor dem gleichen Problem wie Mercedes selber. Der Verlust von circa 25 Prozent des Abtriebs im hinteren Bereich des Autos konnte von Aston aber nur teilweise kompensiert werden. Das ist nachvollziehbar, Mercedes hat deutlich mehr Ressourcen zur Verfügung und hat im Laufe des Jahres daher die Nachteile kompensieren können. Hinzu kam natürlich, dass man sich, wie viele Mittelfeldteams, auf das Jahr 2022 konzentrieren wollte. Gleichzeitig hat man das Team neu strukturiert und neue Mitarbeiter gewonnen. Der Fokus lag also ganz eindeutig nicht auf dieser Saison.
Dass man allerdings auch 65 Punkte weniger als Alpha Tauri holen konnte, ist dann schon erstaunlich. Das mag einerseits für das außerordentlich gute Chassis der Italiener sprechen, aber es zeigt auch, dass man in der Saison nicht in der Lage war, das Auto nachhaltig zu verbessern. Das ist ein wenig merkwürdig, auch wenn die oben genannten Probleme eine Rolle gespielt haben. Aber wenn Alpha Tauri das Auto zumindest auf dem Niveau halten konnte, das man zum Start der Saison hatte, dann hätte das Aston gelingen müssen. In einer gewissen Weise ist das auch gelungen, denn man blieb meist hinter McLaren, Alpine und Alpha Tauri. Man kann da nur hoffen, dass sich die Strategie dann 2022 auszahlt.
Selbst ohne die Disqualifikation in Ungarn, als man wegen eines Lapsus bei der Benzinmenge den zweiten Platz von Vettel verlor, hätte die Bilanz nicht besonders gut ausgesehen. Aber immerhin konnte der Deutsche mit dem zweiten Platz in Baku ein gutes Ergebnis holen. Aber der ehemalige Weltmeister konnte in seinem neuen Team zumindest nach außen hin nicht wirklich überzeugen. Es gab ein paar Highlights und man sollte erwähnen, dass er die meisten Überholmanöver in diesem Jahr auf dem Konto hatte. Aber genau das zeigt das Problem des Deutschen. Er startete meist zu weit hinten. Ein paar Mal blieb er in Q1 hängen, seine Auftritte in Q3 waren sporadisch.
Und so viel besser als Lance Stroll war Vettel auch nicht. Am Ende hatte er zwar neun Punkte mehr (43 vs. 34), aber dafür kam Stroll einmal mehr in die Punkte. Der Kanadier hatte allerdings vor allem im Rennen oft Mühe dem Deutschen Paroli zu bieten. Die Rennerfahrung von Vettel ist dann doch um einiges größer, wie man öfter bemerkt hat. Das Team merkte zudem mehrfach an, dass Vettel eine völlig neue Professionalität ins Team gebracht habe. Vor allem das Feedback ans Team und sein technisches Verständnis haben laut Aston enorm geholfen, das Auto zu verstehen und auch interne Strukturen zu verbessern. Hier zahlt sich dann sicher aus, dass Vettel mehr als zehn Jahre in Top Teams unterwegs war.
Stroll blieb in diesem Jahr etwas unter dem Radar. Da manifestiert sich so langsam der Eindruck, der sich über die letzten zwei Jahre etabliert hatte. Lance Stroll ist nicht schlecht, aber kein Norris, Gasly oder Ocon. An guten Tagen kann er über sich hinauswachsen und überraschende Ergebnisse liefern. An anderen Tagen versinkt er im Nirgendwo des Mittelfelds. Stroll ist langsam oder überfordert, aber er hat, zumindest bisher, nicht das Niveau eines Top-Fahrers. Es fehlen die herausragenden Ergebnisse oder Rennen, in denen er begeistern kann.
Es war kein verlorenes Jahr für Aston Martin, weil Vettel es sicher gebraucht hat, um sich im Team richtig einzufinden. Das sollte sich 2022 auszahlen. Aber es war auch ein Jahr, in dem man sehen konnte, wo es in der Organisation noch hapert. Wenn ein Team sein will, dass regelmäßig um Podien kämpft, muss man deutlich nachlegen. Sowohl bei der Technik (was gerade mit dem Neubau des Headquarters passiert) als auch beim Personal und den internen Strukturen.
Bilder: Aston Martin


