Während Ferrari vermutlich die letzten WM-Chancen aufgeben muss, sah sich Mercedes am Sonntag in Japan erneut von starken Red Bull unter Druck gesetzt.
Ist es einfach Pech? Und wie viel Pech kann man als Team haben? In nur drei Rennen hat Ferrari den WM-Titel verloren. Drei Rennen, in einer Saison, die 20 Rennen hat. Hamilton hat jetzt 59 Punkte Vorsprung, es gibt noch 100 Punkte zu gewinnen. Natürlich – die Defekthexe kann auch noch den Briten treffen. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass sich die Dramen von Ferrari im Mercedes-Team wiederholen? Klar – ein Motorproblem und ein geplatzter Reifen oder ein ungestümer Max Verstappen können wieder alles ändern. Aber das ist nicht das Problem von Ferrari.
Zwei derartige blöde technische Probleme in zwei Rennen sind schon merkwürdig. Wie kann in einer Serie, in der jedes noch so winzige Teil immer und immer wieder geprüft wird, wo sogar das Öl während der Sessions auf Mikrofragmente des Motors überprüft wird um einen drohenden Motorschaden zu entdecken – wie kann es also passieren, dass eine Zündkerze den Dienst quittiert? Wie kann es passieren, dass bei Räikkönen und Vettel in Malaysia identische Fehler auftraten? Die Antwort: Qualitätsmanagement. Hier gibt es offenbar in den letzten Wochen oder Monaten Lücken bei Ferrari. Ausgerechnet bei einem Team, das in den Jahren zu vor eine blütenweisse Weste in diesem Segment hatte.
Der frühe Ausfall von Vettel bedeutete für Hamilton aber nicht, dass er vorne Ruhe hatte. Red Bull übte, auch durch verschiedene Strategien, mächtig Druck auf Mercedes aus. Die konterten wiederum mit einer Opferstrategie für Bottas, der seine Reifen bis fast zur Mitte des Rennens durchschleppen musste. Damit konnte er dann den Angriffen von Verstappen entgegenwirken, die Hamilton fast den Sieg gekostet hätten.
Der versuchte Undercut von Red Bull in Runde 21 musste von Mercedes sofort gekontert werden. Aber es ergab sich das nächste Problem, dass der dann vorne liegende Ricciardo seine Reifen mit guten Rundenzeiten bis Runde 25 durchzog. Mercedes tat das einzig richtige und opferte Bottas, in dem man den Finnen bis Runde 30 draussen ließ. Er ließ Hamilton in Runde 28 vorbei und setzte sich vor Verstappen. Die Aktion, die erst durch den Stopp von Bottas beendet wurde, kostete Verstappen rund 1.4 Sekunden. Aber war das auch entscheidend für das Rennen?
Nein – zwar dampfte der Red Bull schnell den Rückstand auf knapp zwei Sekunden ein, kam dann aber auch nicht weiter. Hamilton, der Sorge um seine Vorderreifen hatte, kontrollierte den Abstand geschickt, kam seinerseits aber auch nicht weg. Verstappen legte noch eine Schlussattacke ein, aber die reichte nicht.
Dennoch war es erstaunlich, wie gut der Red Bull in Japan ging. Ein Blick auf die gesammelten zehn schnellsten Runden offenbart enge Abstände:
BOT: 1.33.588 min
RAI: 1.33.700 min
RIC: 1.33.953 min
VER: 1.34.013 min
HAM: 1.34.103 min
Die erstaunliche Pace von Bottas zeigte, dass Hamilton noch Luft nach oben hatte. Gleichzeitig 4 Zehntel in 10 Runden nun wirklich viel. Es zeigt auch, dass Vettel, hätte er sich Hamilton in der ersten geschnappt, dass Rennen durchaus hätte gewinnen können. Vom Speed her war der Ferrari auf Augenhöhe mit den Mercedes. Wie schon in Malaysia.
Das Red Bull aber in Singapur, Malaysia und Japan so eng dran war bedeutet, dass man die Mannschaft auch bei den letzten vier Rennen vorne erwarten kann. Horner gab an, dass man auf den Geraden so um die sieben Zehntel verlieren würde, was ich für eine leichte Übertreibung halte. Mercedes hat gegenüber dem Renault noch Vorteile beim Boot, hier verliert der Renault Zeit.
Weiter hinten etablierte sich mal wieder Force India als „best of the rest“ vor den überraschend starken HaasF1. Die hatte man in Japan so stark nicht erwartet. Williams rettete gerade so einen Punkt vor den MacLaren. Deren Aufwärtstendenz aus den letzten Rennen wurde ausgerechnet beim Heimrennen gestoppt. Auch wenn Alonso Massa im letzte Drittel des Rennens im Diffusor hing, hatte er keine Chance am Williams vorbei zu gehen. Massa konnte die Überlegenheit seines Motors ausspielen und den Spanier auf Distanz halten.
Ferrari bleibt in diesem Jahr nicht mehr viel, als bei den letzten Rennen eine gute Figur zu machen und auf das Pech von Hamilton zu hoffen. Eine Mini-Chance ergibt sich aus der Tatsache, dass der Brite schon seit Spa seinen letzten Motor drin hat und für manchen Rennen auf einen anderen Motor aus dem Pool zurückgreifen muss. Da kann was schief gehen, muss aber nicht. Aber selbst wenn dem Briten ein Motor hoch geht und selbst wenn er dann wegen eines Motorwechsels irgendwann am Ende des Feldes starten muss – die Erfahrung zeigt, dass er selbst dann genug Punkte einfahren kann.
Bilder: Daimler AG, Ferrari, Force India
(Heute mal was weniger, ich hänge in einem schlechten Internet in Spanien)






