So langsam festigt sich das Bild in der Formel Eins, was die Rangfolge angeht. Auch wenn man bei manchen Zeiten vorsichtig sein muss.

Team der Woche scheint Williams zu sein. Die Zeiten, die Massa und Stroll fahren, sind außerordentlich gut. So gut, dass man sich schon fragen muss, ob Williams in Sachen Testprogramm etwas leichter unterwegs sein könnte. Traditionell ist Williams aber ein Team, das sehr konservativ an die Tests ran geht, auf der anderen Seite spielen sie auch nicht rum, wie das vermutlich gerade Red Bull macht. Leider fehlen uns ja die Stint- und Sektorenzeiten, aber augenscheinlich ist Williams gut unterwegs. Die 1.19.4 min von Massa heute waren zwar auf den Ultrasoft, doch der Unterschied zu den Supersoft scheint auch in diesem Jahr nicht so groß zu sein. Unterstrichen wurde dies durch Mercedes, wo Hamilton heute ganze 20 Runden mit mindestens halbvollem Tank auf den Ultrasoft unterwegs war. Und eine 1.19.4 min muss man halt auch erst mal fahren, egal wie schwer oder leicht das Auto ist. Derartige Zeiten hat man von Red Bull, Force India oder Renault bisher noch nicht gesehen. Nur Ferrari kam bisher in diese Region, die allerdings dann mit den Soft. Bedeutet, dass Williams ein sehr gutes Auto hat und der Mercedes-Motor des Jahrgangs 2017 noch mal an Leistung zulegen konnte.

Klar ist aber auch, dass Mercedes immer noch einen guten Vorsprung hat. Die 1.19.3 min von Bottas heute auf Supersoft sind ungefähr die Region, die man erwarten konnte. Aber da scheint noch Luft nach oben zu sein. Vergleicht man den Abstand, der 2016 zwischen der schnellsten Testzeit und der Quali-Zeit lag, so waren das rund 8 Zehntel. Theoretisch müsste also eine 1.18.5 drin sein für den Mercedes. Zieht man den Reifenfaktor hinzu und schaut auf die 1.19.9 min auf den Soft von Ferrari aus der letzten Woche, dann sind die Italiener entweder gleichauf oder sogar einen Tacken davor. Nimmt man zurückhaltend an, dass zwischen frischen Soft und den Supersoft rund 1,5 Sekunden liegen, hat man ebenfalls eine 1.18.5 min. Leider konnte Ferrari gestern nur wenig fahren, da Räikkönen einen leichten Abflug hatte. Untypisch für den Finnen, aber Ferrari nannte keine Ursache für den Unfall.

Red Bull schaut sich das Treiben vorne weiterhin gelassen an. Die 1.20.4 min von Verstappen waren aber nicht schlecht, da sie auch auf den Soft gefahren wurden. Vorausgesetzt, die Spritmengen stimmten bei den Läufen einigermaßen überein, dann kommt man gefühlt auf einen Abstand von Red Bull zu Ferrari und Mercedes von 0,5 Sekunden, was ungefähr meiner Einschätzung entspricht. Sollte Mercedes wie im letzten Jahr in der Quali mittels “Boost-Mood” noch 0,2 bis 0,4 Sekunden zulegen können, dann ist der Abstand allerdings groß. Allerdings stellt sich dann aber die Frage, wie die Rennpace und der Reifenverschleiß bei den Teams sind. Das sind völlig unbekannte Faktoren.

Es ist angesichts der Zeiten aus der letzten und aus dieser Woche durchaus möglich, dass Williams zumindest zu Red Bull aufgerückt ist. Wie gesagt: Man muss erst mal ein Auto haben, dass diese Zeiten fahren kann. Und der FW40 kann es.

Wer ins Mittelfeld gehört, ist klar: Force India, Renault, Haas und Toro Rosso. Völlig unklar ist die Reihenfolge. Zwischen den vier Teams liegen gefühlt nur wenige Zehntel, insgesamt mögen es im Moment vielleicht 5 oder 6 Zehntel sein. Das verschiebt sich auch jeden Tag ein bisschen und wird vermutlich auch während der Saison so bleiben. Logischerweise sollte Renault sich gegen Ende des Jahres vorne etwas absetzen können, da das Team die größten Reserven hat. Aber es sieht so aus, dass sich die Rangfolge von Strecke zu Strecke ändern wird. Jedenfalls kann man sich jetzt schon auf enge Zweikämpfe der acht Fahrer freuen.

McLaren laboriert weiter rum. Bisher lag die Aufmerksamkeit ja mehr auf Honda und deren Motorenproblemen, aber jetzt rückt auch das in vielen Bereichen komplexe Chassis auf die Bühne. Erstaunlicherweise war McLaren gestern mal wieder mit “Flow Wiz” auf dem Auto unterwegs. Diese grüne, etwas zähe Flüssigkeit, die Strömungswege der Luft auf dem Auto nachzeichnet. Das Muster der Flüssigkeit vergleicht man dann mit den CFD- und Windkanaldaten. Meist pinselt man das Auto dann ein, wenn man neue Teile ausprobiert, die eher experimentell sind. Aber McLaren hat in dieser Woche kein Update ans Auto geschraubt, man fährt mit der Aero-Konfiguration der letzten Woche, weil man die wegen der Motorprobleme nicht genug testen konnte. Dass man aber in der zweiten Woche Flow Wiz draufschmiert, deutet darauf hin, dass man sich auch beim Chassis nicht in allen Bereichen sicher ist.

Das liegt, so McLaren, auch an Honda. Weil die Japaner nicht die volle Leistung des Motors freigeben, fehlen dem McLaren 15 bis 18 km/h auf der Geraden. Die Werte, die man so sammeln kann, stimmen also nicht zu 100%. Auch deswegen versucht man wohl, sich mit Flow Wiz zu helfen. Aber der Eindruck verstärkt sich, dass McLaren-Honda weiter eine große Baustelle ist. Und auch noch mindestens bis zum Start der Europa-Tour bleiben wird.

Die offene Frage ist, ob McLaren nun vor oder hinter Sauber liegt. Eigentlich müssten sie knapp davon sein, vor allem in der Quali, wenn Honda mal Leistung freigibt. Aber im Rennen kann die Sache dann wieder anders aussehen. Bei Sauber tut man sich schwer. Die 1:21.824 min aus der letzten Woche scheinen wirklich das zu sein, was der Sauber im Moment kann. Selbst wenn da noch drei, vier Zehntel kommen – mehr erwarte ich nicht. Damit fehlen Sauber 3 bis 3,5 Sekunden auf die Spitze. Nimmt man das Mittelfeld, ist es mindestens eine Sekunde auf P14. Der Hoffnungsschimmer für Sauber-Fans: Die testen immer sehr konservativ.

Bilder: Daimler AG, Ferrari, Red Bull Mediahouse/Getty Images, Force India, McLaren F1, Sauber F1, Renault Sport, HaasF1, Williams F1