Das Jahr 2016 wird sicherlich nicht als das beste Jahr aller Zeiten in die Weltgeschichte eingehen. Motorsportmäßig fand ich persönlich das Jahr leider auch eher sehr durchwachsen. Motorsport, wir müssen mal reden.

Normalerweise läuft das mit dem Jahresrückblick auf der Seite ja so: Es gibt die Kategorien und dann beschreibt jeder zu der jeweiligen Kategorie ein Ereignis beziehungsweise nennt ein Rennen oder einen Fahrer. Es gibt nur ein Problem: Ich bin wahnsinnig schlecht darin, mich an spezielle Szenen oder Momente, die ich gesehen habe, zu erinnern. Das Problem bestand schon die letzten Jahre, dieses Jahr kommt noch ein neues hinzu: Der Motorsport und ich, wir haben ein Beziehungsproblem. Man möge mir verzeihen, dass ich deswegen dieses Jahr mal auf die Liste verzichte (weil ich eh wenig beizutragen hätte), sondern mein Problem mit dem Motorsport versuche, ihn Worte zu fassen…

Weißt Du Motorsport, es funktioniert nicht mehr wirklich mit uns. Zumindest nicht mehr auf allen Ebenen. Das liegt sicherlich auch an einigen Veränderungen in meinem Leben, dennoch könnte ich, wenn ich wollte, Dir genügend Zeit schenken, damit wir auf einer vernünftigen Ebene eine Beziehung führen können, allein: Ich will es nicht, weil es mich schlichtweg nicht mehr wirklich begeistert. Es gibt nur zwei Serien, von denen ich versuche, jedes Rennen zu gucken: Indycar und Formel 1. Bei der Formel 1 dürfte das dieses Jahr zu 70% funktioniert haben, bei der Indycar nur zu 30%, weil die Rennen leider sehr oft für mich zeitlich blöd lagen. Alles andere war einfach nicht in der Lage, mich großartig zu begeistern. Mit GT-Rennen konnte ich noch nie viel anfangen, das mag mein persönliches Problem sein. Die WEC ist sicherlich eine spannende Serie, bloß sind mir die Rennen zu lang und blöderweise ist man grade dabei, das, was sie für mich spannend und sehenswert macht, mit Anlauf gegen die Wand zu fahren, nämlich die LMP1-Kategorie. Die Super GT, Super Formula und die V8 laufen einfach nicht zu meinen Zeiten. Die DTM guck ich schon mal recht gerne nebenbei weg, ist aber auch nichts, wo ich vor Freude an die Wand springe, wenn es läuft. Die WTCC ist mal abgesehen vom internationalem Kalender der Schatten einer Weltmeisterschaft. NASCAR hat mich dieses Jahr ehrlich gesagt quasi gar nicht interessiert, der Chase hat mich so wenig begeistert wie noch nie. Ich glaube, ich habe in etwa acht NASCAR-Rennen gesehen.

Und ich frage mich natürlich: Warum ist das so? Schwere Frage, schwere Antwort. Ich glaube, es hat einfach eine gewisse Entfremdung stattgefunden. Diese kam natürlich nicht von heute auf morgen, schon die letzten zwei Jahre habe ich gemerkt, dass mein Interesse für Motorsport nicht mehr in dem Maße vorhanden ist, wie es das früher einmal war. Ich muss nicht mehr, selbst wenn ich Zeit habe, Samstag und Sonntags morgens um 9 anfangen zu gucken und abends um 18 Uhr erst aufhören. Vielleicht habe ich mich in den Jahren einfach am Sport “übersehen.” Das wäre eine Möglichkeit, allerdings ist mir das zum Beispiel beim Fußball (abgesehen von der Nationalmannschaft, aber das hat andere Gründe) nicht passiert. Woran liegt es also dann?

Vielleicht muss ich mich erstmal fragen, was ist denn die Faszination an Motorsport? Für mich war das und ist das immer noch die Zweigliedrigkeit des Sports: Die Technik auf der einen und der menschliche Aspekt (Fahrer) auf der anderen Seite. Und mit Technik meine ich jetzt nicht Prototypentechnik wie in der F1 oder WEC, sondern allgemein den technischen Aspekt des Sports. Und ich glaube, genau deswegen gucke ich F1 immer noch sehr gerne. Im Gegensatz zu einer nicht unbedeutenden Menge von Motorsportfans, die der Entwicklung der Formel 1 der letzten zehn Jahren ja sehr kritisch gegenüberstehen, habe ich kein großes Problem damit. Auch wenn ich mir im Gegensatz zu früher keine freien Trainings mehr anschaue, freue ich  mich tatsächlich noch auf jedes Rennen. Nun hat die F1 ja auch ein verhältnismäßig eingefrorenes technisches Reglement, allerdings ist das immer noch sehr fortschrittliche Technik, die dort verwendet wird und es ist die Königsklasse des Motorsports.

Daraus bezieht die Formel 1, glaube ich, einen Hauptteil der Faszination für mich. Es sind die besten Fahrer in den (zumindest zusammen mit den LMP1-Prototypen) am weitesten entwickelten Autos in einer Rennserie, die global über 20 (+ x) Rennen auskämpft, wer Weltmeister wird, und das vor zehntausenden Zuschauern an der Rennstrecke und vermutlich irgendwas um die 75 Millionen (+ x) pro Rennen weltweit vor den Bildschirmen. Und das hat die Formel 1 trotz ihrer teilweise absurden Politik, die auch dazu gehört, für mich bis heute nicht verloren. Vielleicht ist es eben das. Vermutlich kommt mir der technische und “Branchenprimus”-Aspekt einfach bei der NASCAR und den GT-Serien zu kurz. Warum ich dann die Indycar auch sehr gerne mag, obwohl sie weder technisch besonders fortschrittlich ist, noch die größte Formel-Serie auf diesem Planeten ist, kann ich mir auch nicht so richtig erklären. Vermutlich liegt es an meine grundsätzlichen Affinität zum amerikanischen Sport und zu Formel-Serien,

Der Racingblog macht natürlich auch einen gewissen Teil an der Motorsportbegeisterung aus. Es hat und macht immer noch viel Spaß sich hier hauptsächlich im Chat über das Renngeschehen auszutauschen. Allerdings gab es dieses Jahr dann leider doch eine gewissen Anzahl Vorfälle im Chat, die das ganze etwas weniger schön gemacht haben. Eine große Bitte für 2017, auch wenn ich kein Chatmoderator mehr bin: Respektiert andere Meinungen, solange sie nicht rassistisch, sexistisch, beleidigend oder sonst wie diskriminierend sind. Seid nett und hilfsbereit zueinander und lasst uns die gute Chatkultur bitte erhalten.

In diesem Sinne: Auf ein tolles Jahr 2017!