Wenn man 19 von 21 Rennen gewinnt, wenn man 20 von 21 Pole Positions und 765 von 903 möglichen Punkten holt und dann auch noch das Triple, dann hat man nichts falsch gemacht. Aber auch wirklich gar nichts. 

Eine derartig dominante Saison eines Teams hat man schon lange nicht mehr gesehen. Mercedes fuhr auch in diesem Jahr alles in Grund und Boden, die Gegner, die sich teilweise stark verbessert hatten, schauten wieder einmal nur hinterher. Beeindruckend war vor allem die Leichtigkeit, mit der Mercedes die Rennen gewinnen konnte. Lagen Rosberg und Hamilton einmal vorne, konnten die Gegner nur noch zuschauen. Die Abstände waren dementsprechend groß und teilweise absurd. In Australien cruiste Rosberg zum Sieg und Vettel hatte 30 Sekunden Rückstand.

Auch in anderen Rennen sah das nicht besser aus. Noch in Austin brummte Mercedes Red Bull 20 Sekunden und Ferrari 43 Sekunden Rückstand auf. In manchen Rennen nahmen die Mercedes-Piloten schon weit vor der Hälfte des Rennens das Gas raus und passten die Zeiten nur noch an. Wie überlegen vor allem der Mercedes-Motor ist, zeigte man in der Quali. In Brixworth hat man sich ein geniales Motor-Mapping einfallen lassen, mit dem man die Leistung des Motors steuern kann. Schrittweise kann man von Q1 bis Q3 Leistung freigeben. Selbst wenn die Gegner nach FP3 oder Q1 sich in der Nähe der Mercedes wähnten – am Ende waren es doch wieder sieben und mehr Zehntel. Zwar rückten Red Bull und Ferrari näher, aber nie so nahe, dass Mercedes in Gefahr war. Die einzige Pole verlor man in Monaco. Da kommt es dann weniger auf die Leistung und mehr auf die Traktion an. Red Bull war hier über die gesamte Saison etwas stärker.

Mal abgesehen von den Schönheitsfehlern in Spanien und Malaysia war es eine perfekte Saison für Mercedes. Dazu beigetragen hat auch das Chassis. Aldo Costa hat das letztjährige Chassis behutsam verbessert, ohne dass es seine schon vorhandenen Stärken verloren hat. Im Gegenteil. Ein großer Schwachpunkt im letzten Jahr war der hohe Reifenverschleiß bei den Supersoft. Zwar kam Mercedes entgegen, dass Pirelli wegen den neuen Ultrasoft die Reifen 2016 generell etwas härter gemacht hat, dennoch traten die Probleme mit den weichen Reifen 2016 nicht mehr auf. Auch bei den Stintlängen ergaben sich keine Probleme. Auffällig war nur, dass Mercedes immer lieber auf die härtere Variante setzte. Der Verschleiß bei den weichen Reifen war immer noch etwas höher, wie man beim Rennen in Österreich sehen konnte.

Grobe Schnitzer erlaubte sich das Team allerdings in Sachen Zuverlässigkeit. Da hatte in diesem Jahr Hamilton das “große Los” gezogen. Der Brite musste etliche Defekte hinnehmen, die dazu führten, dass er in Spa von ganz hinten starten musste. Sein Motorschaden in Malaysia hat am Ende die WM zu seinen Ungunsten entschieden. Das war Pech, zumal man derartige Probleme bei Mercedes eigentlich nicht kennt. Die Motoren laufen wie ein Uhrwerk.

Gab es sonstige Schwächen im Team? Die angespannte Lage zwischen Hamilton und Rosberg drohte mehrfach zu eskalieren, aber auch nach dem Unfall in Spanien gelang es Wolff und Lauda einigermaßen, den Deckel drauf zu halten. Auch in Sachen PR, was schon eine Leistung war. Dass Hamilton angeblich nach dem Rennen bei Mercedes aussteigen wollte, ist ein Gerücht, dass der Brite nicht dementiert hat. Sollte er mal ein Buch schreiben, dürfte das ein interessantes Kapitel werden.

Zu den Fahrern habe ich schon alles gesagt, aber die Frage bleibt ja, ob Rosberg am Ende halt doch das winzige bisschen schlechter ist. Es fällt mir schwer, die Frage richtig zu beantworten. Ich glaube, die Antwort lautet: Rosberg gehörte 2016 zu den vier besten Fahrern der Welt. Hamilton ist einfach eine eigene Kategorie. Er wird allerdings 2017 beweisen müssen, dass er auch ohne Druck motiviert ist und dass er sein Team mitziehen kann. Eine seiner wenigen Schwächen ist und bleibt seine emotionale Mimosenhaftigkeit. Er sucht den Fehler schnell bei anderen, nicht bei sich. War in den Jahren, als es bei McLaren nicht lief, auch schon so.

Mercedes wird 2017 kein leichtes Jahr haben. Der Weggang von Rosberg schmerzt. Man wird alles auf die Karte Hamilton setzen und schauen, dass man für 2018 wieder einen Top-Fahrer im Team hat.

Bilder: Daimler AG