Im Winter gab es wenig neues von der DTM, doch das, was an die Öffentlichkeit gelangte, kam nicht gut bei den Motorsport-Fans an.

Motorsports: DTM Test Hockenheim,
Mattias Ekstroem (SWE, Audi Sport Team Abt Sportsline, Audi RS 5 DTM),
Eigentlich war es eine normale DTM-Winterpause bis zum April. Alle Hersteller testeten Ende Februar auf dem spanischen Circuito Monteblanco und im März stellte man dann fest, dass die gewonnenen Daten wertlos sind, da der Asphalt des Circuito Monteblanco wesentlich aggressiver ist als der auf den anderen DTM-Strecken. Wenn man an die Professionallität der DTM und der teilnehmenden Hersteller denkt, dann ist es schon verwunderlich, dass so ein Fehler unterläuft. Vor allem da es in Spanien mit dem Circuito de Jerez, Circuit de Barcelona-Catalunya, Circuit Ricardo Tormo und Motorland Aragón etliche Alternativen geben würde, die der Charakteristik der meisten DTM-Kurse entsprechen. Der einzige Vergleichstest für Teams und Fahrer war dadurch der offizielle Saisontest in Hockenheim Anfang April. Zwar konnte BMW an zwei Testtagen die schnellsten Zeiten setzen, aber man muss bedenken, dass Mercedes noch sein neues C-Klasse Coupe erproben muss und Audi wahrscheinlich die Sandsäcke im Auto gelassen hat. Falls BMW aber doch diese Saison vorne ist, wird es für die DTM ein ganz großes Problem geben.

Motorsports: DTM Test Hockenheim,
#10 Martin Tomczyk (GER, BMW Team Schnitzer, BMW M4 DTM),
Während der Testfahrten am Hockenheimring haben sich die Hersteller darauf geeinigt, dass die BMW M4 DTM 7,5 Kilogramm leichter als die Modelle von Audi und BMW sein dürfen. Zusätzlich darf man auch noch einen 50 Millimeter breiteren Heckflügel verbauen, der einen Aerodynamischen Vorteil verschaffen soll. Etwas überrascht darf man schon über dieses Zugeständnis für BMW sein, da BMW letztes Jahr den Herstellertitel gewann und 2014 mit Marco Wittmann den Fahrermeister gestellt hat. Eine ähnliche Situation gab es 2014, als Mercedes deutlich hinter Audi und BMW lag und dafür den Wagen weiterentwickeln durfte. Da es jedoch nächstes Jahr ein neues Reglement gibt (keinen neuen Motor), möchte man bei BMW nicht noch Millionen in die Entwicklung des aktuellen Fahrzeuges stecken und so kam man auf die Zugeständnisse für BMW. Man darf gespannt sein, ob BMW ab Saisonauftakt um Siege mitkämpfen kann, denn falls man eventuell sogar dominiert, wird es neue Diskussionen geben.
Auch bei den Performance-Gewichten hat die DTM das Reglement verändert, und jetzt wird es richtig kompliziert. Entscheidend für die Zusatzgewichte, die alle (!) Fahrer eines Herstellers bekommen, ist die theoretisch beste Qualifyingrunde des Fahrer jedes Herstellers. Wenn ein Hersteller mehr als 0,1 Prozent der Rundenzeit vor den anderen Herstellern ist, dann muss der schnellere Hersteller 2,5 Kilogramm zuladen und die anderen dürfen 2,5 Kilogramm ausladen. Dieses System geht bis zu 0,2 Prozent der Rundenzeit bzw. 5 Kilogramm, und die Gewichte werden dieses Jahr nach dem Qualifying vergeben. Etwas genauer hat Motorsport-Total das System aufgeschlüsselt.
Verändert wurde auch das DRS-Reglement. Für dieses Saison wird vor jedem Rennen festgesetzt, wie oft die Fahrer DRS nutzen dürfen. Zusätzlich dürfen die Fahrer den Heckflügel bereits nach der zweiten Rundes des Rennens flachstellen und nach einer Safety-Car-Phase sogar direkt nach dem Restart. Weiterhin muss man aber eine Sekunde hinter dem Vordermann sein und die Fahrer dürfen dann dreimal das DRS-System in einer Runde nutzen. Sobald man das System einmal in der Runde benutzt, verliert man am Ende der Runde die drei möglichen Aktivierungen.
Kalender
Traditionell beginnt die Saison am Hockenheimring, bevor auf dem Red Bull Ring Lauf 3 & 4 ausgetragen werden. In den letzten Jahren gehörten die Läufe auf dem Red Bull Ring nicht nur sportlich zu den Highlights, es gab mit mit der Aussage „Timo, schieb ihn raus“ auch einen Teil Motorsportgeschichte zu sehen bzw. hören. Am Lausitzring dürfte sich ein Besuch für die meisten Motorsport-Fans lohnen, da man zusammen mit der ADAC GT Masters, Formel 4 und IDM Superbike ein Wochenende veranstaltet.
Das einzige Stadtrennen findet Ende Juni wieder in Nürnberg auf dem Norisring statt und man bietet sogar Public Viewing für die EM an. Weiter geht es im Juli in Zandvoort, auch wenn man eigentlich vor zwei Jahren nicht mehr auf der Strecke fahren wollte, da sie nicht sicher genug war. Im August wird man auf dem Moscow Raceway fahren und das ist schon etwas überraschend. Für die deutschen Premiummarken dürfte der russische Markt nur noch minder interessant sein und ein Stadtrennen im Shanghaier Stadtteil Pudong (dort fuhr man schon 2004 und 2010) wäre ein Highlight. Nachdem man 2014 nochmal in Shanghai oder Guangdong fahren wollte, hat man die Pläne wieder beiseite gelegt, und momentan gibt es nicht einmal Gerüchte über ein Rennen in China.
Auf dem Nürburgring fährt man im September wieder auf der Kurzanbindung. Auf eine ähnlich kurze Strecke treffen die Fahrer zwei Wochen Später mit dem Hungaroring. Traditionell geht es dann zum Saisonfinale wieder an den Hockenheimring, und Mitte Oktober ist die Saison 2016 auch schon wieder Geschichte.
| Rennstrecke | Datum |
|---|---|
| Hockenheimring | 06.05. - 08.05. |
| Red Bull Ring | 20.05. - 22.05. |
| Lausitzring | 03.06. - 05.06. |
| Norisring | 24.06. - 26.06. |
| Zandvoort | 15.07. - 17.07. |
| Moscow Raceway | 19.08. - 21.08. |
| Nürburgring | 09.09. - 11.09. |
| Hungaroring | 23.09. - 25.09. |
| Hockenheimring | 14.10. - 16.10. |
Starterfeld
Audi
Bei Audi hat sich zu der neuen Saison am wenigsten getan, was aber eher etwas Positives ist. Nur Nico Müller ist von Team Rosberg zu Team Abt gewechselt und Adrien Tambay den umgekehrten Weg. Ansonsten hat man noch die gleichen Fahrer wie letztes Jahr und auch die Teams sind die gleichen geblieben. Da es letztes Jahr für den Hersteller aus Ingolstadt sehr gut lief, ist er für mich dieses Jahr der absolute Topfavorit.

Red Bull Audi RS 5 DTM #5 (Audi Sport Team Abt Sportsline), Mattias Ekström *** Local Caption *** +++ www.hoch-zwei.net +++ copyright: HOCH ZWEI +++
Als Speerspitze hat Audi wieder das Team Audi Sport Team Abt Sportsline ausgewählt, das diese Saison insgesamt vier Fahrzeuge an den Start bringen. Von diesen vier Piloten haben sogar zwei Fahrer eine sehr gute Chance auf den Meistertitel und wenn ich mir ein großen Favoriten heraussuchen müsste, wäre es wohl Mattias Ekström. In der letzten Saison konnte er bis zum Finale am Hockenheimring um den Titel mitkämpfen und auch sonst gehört er zu den konstantesten Audi-Fahrern. Ekström muss jedoch diese Saison eine Doppelbelastung aushalten, da er noch in der Rallycross-Weltmeisterschaft unterwegs ist. Ähnlich gute Chancen auf die Meisterschaft sollte sein Teamkollege Edoardo Mortara haben, der sich in den letzten Jahren konstant gesteigert hat. Zusätzlich fahren auch noch Miguel Molina und Nico Müller für Abt.
Das Audi Sport Team Rosberg hat mit Jamie Green einen weiteren Titelkandidaten. Letztes Jahr konnte er die Vizemeisterschaft erringen und nach mehr als zehn Jahren in der DTM wäre es Zeit für seinen ersten Titelgewinn. Sein Teamkollege ist Adrien Tambay, jedoch dürften dessen Titelchancen sehr gering sein, da er letztes Jahr mit Abstand der schlechteste Audi-Pilot war und nur drei Punkte sammeln konnte.
Für das Audi Sport Team Phoenix fahren sogar zwei Piloten mit realistischen Titelchancen. Besonders gespannt darf man dabei auf Timo Scheider sein, nachdem er letztes Jahr die wohl schlimmste Saison seiner Karriere hatte. Zum einen kam es zum Skandal am Red Bull Ring und zusätzlich erreichte er nur 51 Punkte – die Hälfte davon durch einen Sieg am Hockenheimring. Die restliche Saison erreichte er nur drei Top 10-Platzierung, aber trotzdem sollte man ihn für diese Saison mit Meisterschaftschancen sehen, denn in einer normalen Saison kommt er eigentlich immer in die Top 5. Auch für seinen Teamkollege Mike Rockenfeller war die letzte Saison nicht unbedingt erfolgreich, doch auch er sollte im Normalfall um den Titel mitfahren können.
| Mattias Ekström | Audi Sport Team Abt Sportsline |
| Miguel Molina | Audi Sport Team Abt Sportsline |
| Edoardo Mortara | Audi Sport Team Abt Sportsline |
| Nico Müller | Audi Sport Team Abt Sportsline |
| Mike Rockenfeller | Audi Sport Team Phoenix |
| Timo Scheider | Audi Sport Team Phoenix |
| Adrien Tambay | Audi Sport Team Rosberg |
| Jamie Green | Audi Sport Team Rosberg |
BMW
Bei den BMW-Fahrern fällt eine Bewertung der Chancen meist recht schwer, da die Fahrer noch nicht so lange in der DTM sind und zumeist noch unkonstante Leistungen zeigen. Auch weiß man noch nicht genau, ob die Bevorteilung durch das geringere Gewicht und den breiteren Heckflügel sich wirklich bemerkbar macht. Zusätzlich hat BMW Timo Glock (BMW Team MTEK -> BMW Team RMG), Augusto Farfus (BMW Team RBM -> BMW Team MTEK) und Maxime Martin (BMW Team RMG -> BMW Team RBM) die Teams wechseln lassen.

Motorsports: DTM Test Hockenheim,
Bruno Spengler (CAN, BMW Team Schnitzer, BMW M4 DTM),
Die beste Fahrerbesetzung hat das Team BMW Team MTEK mit den beiden Piloten Augusto Farfus und Bruno Spengler. Jedoch dürfte Spengler derjenige der beiden sein, der eine Titelchance hat, da Farfus in der letzten Saison nicht immer ins Ziel kam. Bruno Spengler hingegen hat seit 2006 jede Saison in den Top 5 beendet, mit der einzigen Ausnahme 2014.
Neben Timo Glock hat das BMW Team RMG mit Marco Wittmann einen weiteren starken Fahrer. Beide konnten in der letzten Saison nur Einzelerfolge einfahren (jeweils 1 Sieg), aber eine konstante Leistung zeigte eher Wittmann mit seinem sechsten Rang in der Gesamtwertung. Insgesamt wäre es für Wittmann wichtig, wieder die Saison unter den Top 5 zu beenden, damit er zeigt, dass sein Titelgewinn von 2014 keine Ausnahme war, sondern sein wirkliches Können zeigte. Für Glock wird es wohl eher wieder um vereinzelte Siege und Podien gehen als um die Meisterschaft.
Das BMW Team RBM konnte sich mit Maxime Martin einen Meisterschaftsaspiranten sichern. Zwar ist der Belgier erst in seiner dritten Saison, doch bisher zeigte seine Leistungskurve klar nach oben. Hilfreich war dabei sicherlich auch die höhere Anzahl der Rennen in der letzten Saison, sodass Martin bei den letzten vier Rennen zweimal auf das Podium kam. Seinem Teamkollege Tom Blomqvist sollte man noch eine Saison geben, bevor man dauerhaft gute Resultate von ihm erwartet.
Ebenfalls mit zwei Fahrzeugen geht das BMW Team Schnitzer in die Saison. Sowohl Martin Tomczyk als auch António Félix da Costa hatten eine schlechte Saison 2015, in der beide nicht in die Top 10 der Gesamtwertung kamen. Da Costa konnte zwar drei Podiumsplatzierungen einfahren, aber das auch nur bei den Rennen, bei denen BMW durch die BoP einen klaren Vorteil hatte. Prinzipiell sollte man aber von beiden Fahrern erwarten können, dass sie regelmäßig in die Top 10 kommen.
| Bruno Spengler | BMW Team MTEK |
| Augusto Farfus | BMW Team MTEK |
| Tom Blomqvist | BMW Team RBM |
| Maxime Martin | BMW Team RBM |
| Marco Wittmann | BMW Team RMG |
| Timo Glock | BMW Team RMG |
| António Félix da Costa | BMW Team Schnitzer |
| Martin Tomczyk | BMW Team Schnitzer |
Mercedes
Wenn man sich die vergangene Saison der Mercedes-Piloten ansieht, dann war es abgesehen von Pascal Wehrlein eine ziemliche Enttäuschung. Der zweitbeste Mercedes-Fahrer wurde Paul Di Resta auf dem achten Gesamtrang und selbst ein Robert Wickens kam mit einem Sieg nur auf den 13. Gesamtrang. Doch für diese Saison hat man die Silhouette des alten C-Klasse Coupes gegen die neue getauscht, sodass man aerodynamisch einen kleinen Schritt nach vorne gekommen ist. Durch das DTM-Reglement musste jedoch unter der Motorhaube alles gleich bleiben, sodass Mercedes nicht die Chance hat, sich von der Konkurrenz abzusetzen.

Motorsports: DTM Test Hockenheim,
#19 Daniel Juncadella (ESP, Muecke Motorsport, DTM Mercedes AMG C-Coupe),
Traditionell übernimmt Mercedes-AMG DTM Team HWA den Einsatz von vier Fahrzeugen, doch nur zwei der Fahrer sollten realistische Titelchancen haben. Einer dieser beiden ist Paul Di Resta, der bereits in seine siebte DTM-Saison geht und dreimal in der Gesamtwertung unter die Top 3 kam. Ähnlich gute Chancen auf den Titel sehe ich bei Robert Wickens, der in den letzten Jahren oft gute Resultate erzielte, aber auch desöftern nicht ins Ziel kam. Wenn er es diese Saison schafft regelmäßig ins Ziel zu kommen, gehört er zu den Titelkandidaten. Neu im Team sind zudem Daniel Juncadella und Maximilian Götz, aber für beide dürfe es eher um vereinzelte gute Rennergebnisse gehen.
Mercedes-AMG DTM Team Mücke hat mit Christian Vietoris und Lucas Auer zwei neue Fahrer bekommen. Während Vietoris die Top 5 in der Gesamtwertung anpeilen muss, wären für Auer schon regelmäßige Top 15-Resultate ein Erfolg.
Zwei weitere Mercedes werden vom Mercedes-AMG DTM Team ART eingesetzt. Mit Gary Paffett hat man sogar einen Fahrer, der Meisterschaftschancen hat, auch wenn es in den vergangen Jahren nicht ganz so gut lief. Zusätzlich konnte man mit Esteban Ocon den aktuellen GP3-Meister verpflichten und man darf gespannt sein, wie er sich im „Tourenwagensport“ macht. Man sollte in seiner ersten Saison aber noch nicht zu viel erwarten.
| Paul Di Resta | Mercedes-AMG DTM Team HWA |
| Robert Wickens | Mercedes-AMG DTM Team HWA |
| Daniel Juncadella | Mercedes-AMG DTM Team HWA |
| Maximilian Götz | Mercedes-AMG DTM Team HWA |
| Gary Paffett | Mercedes-AMG DTM Team ART |
| Esteban Ocon | Mercedes-AMG DTM Team ART |
| Christian Vietoris | Mercedes-AMG DTM Team Mücke |
| Lucas Auer | Mercedes-AMG DTM Team Mücke |
Übertragungen
Wie schon seit dem Start der neuen DTM wird die ARD auch dieses Jahr wieder übertragen. Weiterhin zeigt man im Hauptprogramm beide Rennen und zusätzlich wird man das Qualifying bei EinsFestival übertragen. Für mich ist das ein sehr löblicher Schritt, der sowohl der DTM als auch EinsFestival helfen sollte. Die Trainings gibt es weiterhin im Youtube-Stream, und wer die deutschen Kommentatoren nicht mag, kann die Rennen auch auf Youtube in Englisch schauen. Eventuell können wir auch die Streams in den DTM-Vorschauen einbetten.
Dieses Wochenende geht es am Samstag um 11:20 mit dem freien Training los. Das Qualifying zum ersten Rennen gibt es ab 13:55 und das Rennen selbst um 16 Uhr. Am Sonntag findet das Qualfying um 12:30 statt und das Rennen gibt es dann ab 14:30 bei der ARD.
Bildquelle: ITR












