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Formel Eins: Rückblick 2012 – Ferrari

von DonDahlmann
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Die Saison ist gelaufen, Zeit also einen Blick zurückzuwerfen. Wie immer schauen wir auf die Leistung der Teams und deren Fahrer.

Die Italiener waren eigentlich die Sensation des Jahres. Mit einem Auto, das die meiste Zeit vielleicht für P5 gut war, bis zum letzten Tag um die Weltmeisterschaft zu fahren, ist schon eine Leistung der besonderen Art. Sicher, Fernando Alonso hat man eine Menge zu verdanken, aber ebenso dem Zusammenhalt im Team und dem Willen, aus einem schlechten Chassis möglichst viel herauszuholen. Dabei war der F2012 nicht wirklich schlecht. In Sachen Reifenverschleiß war der Ferrari sogar richtig gut, es schien, als habe der Wagen mit den ungewohnten Pirelli noch die wenigsten Probleme im Rennen. Probleme gab es aber vor allem mit der ungewöhnlich Vorderradaufhängung (Pullrod) und dem gesamten Heck.

Die Pullrod-Aufhängung war eine große Überraschung. Auf dem Papier bringt sie durchaus Vorteile, nicht aber beim dem flachen Winkel, den Ferrari gewählt hatte. Die Einstellungsmöglichkeiten sind hier arg begrenzt, hat der Wagen auf bestimmten Asphalt mit bestimmten Reifen die Tendenz zu untersteuern, bekommt man das nur schwer wieder weg. Man kann ein wenig mit den Dämpfern rumspielen, in dem man sie etwas weicher macht, was aber den Reifenverschleiß wieder erhöht. Es war sicher kein Spaß den Wagen abzustimmen. Dazu kam, dass Ferrari im Heck lange auf eine sehr konservative Anströmung des Auspuffs gesetzt hatte. Auffallend war auch, dass der Ferrari auf der Geraden zwar sehr schnell war, im DRS-Bereich aber nicht viel gewinnen konnte. Das deutete darauf hin, dass man im Heck zu wenig Abtrieb generierte, was die Kurvengeschwindigkeit massiv reduziert.

Die Probleme waren schon beim Test sichtbar, auch wenn die Zeiten noch einigermaßen ok aussahen. Schon im Februar zeichnete sich der Trend ab, dass der F2012 auf eine schnelle Runde kaum etwas zustande brachte, im Renntrimm aber verdammt schnell war. Die Reifen brauchten einfach zu lange, um ihr Arbeitsfenster zu erreichen, waren sie aber einmal dort angekommen, konnte man dieses Fenster lange halten. Teilweise fuhr Alonso auf 20 Runden alten Reifen noch genauso schnelle Runden, wie die Konkurrenz hinter ihm auf frischeren Pneus. An diesen Punkt funktionierte der Wagen also sehr gut, und das ist auch der Grund, warum man die WM fast gewonnen hätte. Nicht der reine Speed brachte den Erfolg, sondern die Konstanz.

Allerdings wurde Ferrari zu Beginn des Jahres auch durch den Umstand bevorteilt, das kein Team eine Siegesserie hinlegen konnte, und auch die Positionen im Rennen sich immer wieder verschoben. Nur Mark Webber fuhr beständig auf P4, alle anderen fielen aus, weit zurück oder hatten andere Probleme. Es folgte die Zeit, in der McLaren sich mit der Entwicklung verzockt hatte und Red Bull in Problemen steckte, weil die FIA gleich zwei elementare Neuentwicklungen am Unterboden schlichtweg verboten hatte.

Die wirklichen Probleme für Ferrari starteten aber nach der Sommerpause. Es hatte sich intern gezeigt, dass der alte Windkanal in Maranello falsche Ergebnisse für die modernen CFD-System lieferte. Und dies, obwohl man vor zwei Jahren ein ähnliches Problem hatte und die Systeme komplett neu geeicht hatte. Ferrari bemerkte das Problem erst im Sommer, weil die Updates am Auto nichts brachten. Man wich, wie schon einmal, nach Köln in die Fabrik von Toyota aus. Aber man kann die Ergebnisse in unterschiedlichen Windkanälen nicht einfach eins zu eins übernehmen. Aufwendige Anpassungen sind notwendig, alles muss doppelt getestet werden. Die Frontflügel, die man in Spa ausprobierte, brachten gar nicht. Die ersten wirklich brauchbaren Updates gab es erst wieder in Indien.

Mit anderen Worten: Zwischen Juli und Oktober herrschte bei Ferrari mehr oder weniger Entwicklungsstillstand. Gleichzeitig hatte Red Bull das Tempo angezogen und auch McLaren war wieder vorne mit dabei. Man konnte nur Schadensbegrenzung betreiben. Ich dachte mir schon zu Beginn der Rückrunde, dass Ferrari bei Weitem noch nicht mit dem Titel durch sei, 40 Punkte Vorsprung hin oder her. Mindestens einen Sieg würde man holen müssen, und so kam es dann auch.

Ein weiteres Problem stellte Felippe Massa dar, der dieses Jahr völlig von der Rolle war und bis zum Sommer nichts erreichte. Bis Spa hatte er gerade mal 25 Punkte zusammen bekommen (Alonso 139). Wo genau das Problem bei Massa lag, hat Ferrari nie kommuniziert, aber ganz offensichtlich lag Massa das Auto nicht. Spa war sein erstes gutes Rennen, die Updates vor der Asien-Runde veränderten das Fahrverhalten des Wagens so, dass Massa damit besser klar kam. In der letzten Saisonhälfte sammelte er dann 97 Punkte, was ein sehr gutes Ergebnis ist. An der Stelle muss man Ferrari auch mal loben, denn immerhin haben sie an Massa festgehalten. Alternativen gab es auf dem Markt ja genug. Richtig ist, dass man mit Mark Webber für 2013 verhandelt hat und ihn auch genommen hätte. Eine nachvollziehbare Entscheidung, angesichts der Probleme von Massa. Aber auch nach der Absage gab es genug Alternativen für Ferrari, man hat aber Massa nicht einfach abgesägt. Ein durchaus sympathischer Zug der Italiener.

Aber mit all diesen Problemen war ein WM-Titel einfach nicht drin. Man hatte auch nicht mehr oder weniger Pech als die Konkurrenz und am Ende hätte es ja fast noch geklappt. Fernando Alonso hat eine blendende Saison gefahren, am Schluss sein Team aber etwas in die Bredouille gebracht. Angeblich war es der Spanier, der Ferrari dazu gedrängt hat, offiziell bei der FIA um die Klärung der Überholmanöver von Vettel in Singapur zu bitten. Es ist bekannt, das Alonso in der Wahl seiner Mittel neben der Strecke nicht immer zimperlich ist. Lewis Hamilton (obwohl jetzt auch kein Kind von Traurigkeit) kann da ein Lied von singen. Und dann war da ja noch diese Sache in Singapur vor ein paar Jahren, von der Alonso nichts gewusst hat. Angeblich.

Ich hatte eigentlich gedacht, dass der Spanier diese Eigenart in den letzten Jahren etwas abgelegt hatte, aber dem ist wohl nicht so. Zumindest, wenn es um die WM geht. Auch seine plötzlich entdeckte Liebe für seinen Teamkollegen Massa kam mir etwas… spanisch vor. Zu Beginn hat er ihn entweder rüde zurecht gestutzt oder schlichtweg ignoriert. Aber als Ferrari offensichtlich mit Mark Webber und anderen Hochkarätern verhandelte, meldete sich Alonso mit diversen Freundschaftsbekundungen per Twitter.

Für 2013 ist Ferrari extrem gut aufgestellt. Man weiß, wo die Fehler lagen, man weiß, was Alonso zum Siegen braucht. Technische Fehler leistet man sich nicht, die Strategie stimmt ebenso die Arbeit an der Box. Alonso wird der erste Kandidat für die WM sein. Dass man Massa behalten hat, bringt weitere Vorteile, denn Kontinuität ist einer der wichtigsten Bestandteile für ein erfolgreiches Jahr.

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1 Kommentare

Deutscher Auto Blogger Digest vom 13.12.2012 › "Auto .. geil" 14 Dezember, 2012 - 05:33

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