Sebastian Vettel, jüngster Formel Eins Weltmeister aller Zeiten, hat viel zu tun. Der neue RB7 will demnächst getestet werden und dann sind da die ganzen Interviewtermine und Sponsorenverpflichtungen. Seit neustem ist er auch Markenbotschafter für Head & Shoulders und im Rahmen der Präsentation seiner neuer Rolle, habe ich mit ihm ein paar Worte wechseln können.
Herr Vettel, die letzten Wochen waren vermutlich ziemlich stressig.
Klar, aber auch aufregend. Es war natürlich jede Menge los, aber das hat auch Spaß gemacht. Die schönste Zeit ist aber doch, wenn man ein wenig Zeit für sich hat, um die ganze Sache etwas einsacken zu lassen.
Vermutlich war die ruhigste Zeit bei den Reifentests in Abu Dhabi?
Ja, das kam auch noch. Aber man im Auto etwas Zeit für sich und vor allem kommen keine Fragen (lacht). Es ist eine Art aktive Erholung gewesen.
Die 2011er Saison steht praktisch ja schon vor der Tür, jedenfalls was die Arbeit am neuen Auto angeht.
Das geht ziemlich schnell und im Moment ist noch viel los in Sachen Medienarbeit. Für die Fahrer steht nicht mehr so viel Arbeit an. Ich fliege noch ein oder zwei Tage nach England in die Fabrik. Da stehen Tests im Simulator an und natürlich ein paar Meetings. Wir wollen die Saison Revue passieren lassen, aber auch schon nach vorne blicken. In England selber arbeiten alle schon wieder Hochtouren am neuen Auto. Durch die Regeländerungen kommt ja einiges Neues, das müssen wir anpassen. Ein großes Fragezeichen sind natürlich die Reifen. Wir haben bei den Tests einen ersten Eindruck gewinnen können, aber der finale Reifen war das ja noch nicht. Richtig weiter geht es für mich ab jetzt, wenn die Arbeit im Simulator weiter geht und dann kommen natürlich die Testfahrten im Februar.
Wie weit hat ein Fahrer bei einem Konstrukteur wie Adrian Newey Einfluss auf die Konstruktion auf ein neues Modell?
Da hat man schon Einfluss. Wir reden viel miteinander und da wird dann auch über die Schwächen eines Wagens gesprochen. Die Probleme des RB5 aus dem Jahr 2009 konnten wir in der abgelaufenen Saison sehr gut beheben und so wird das auch mit dem RB6. Wir müssen das natürlich auch kommunizieren, sonst kommen wir nicht weiter. Klar, Adrian sucht immer nach dem Limit und der Grenze dessen, was machbar ist und er hat viel gelernt in den letzten Jahren. Es mag Dinge geben, die auf dem Papier etwas bringen, aber wenn der Fahrer damit nicht zurechtkommt und deswegen Fehler macht, verliert man am Ende mehr, als man gewinnt. Da muss man das Gleichgewicht halten und Adrian weiß das sehr genau.
Probiert man neue Komponenten zunächst im Simulator aus?
Das auch. Die Simulationen werden immer besser und das hilft sehr dabei, neue Teile einschätzen zu können. Wichtig ist dabei allerdings, dass die Komponenten, die nicht zu unserem Auto gehören, nicht vergessen werden. Dazu gehört zum Beispiel die Strecke und ihre Beschaffenheit, die möglichst genau sein muss. Auch die Reifen sind wichtig, das heißt, wie sie sich verhalten. Wenn hier etwas nicht genau stimmt, ist die Simulation sinnlos. Aber diese Dinge werden immer besser.
Sind diese Tests im Simulator nicht fürchterlich langweilig?
Naja, es geht. Man muss sie aber genauso ernst nehmen, wie jeden anderen Test auch. Natürlich ist es nicht zu 100 % vergleichbar. Aber man kommt dem echten Auto immer näher. Die Kräfte, die auf einen Rennwagen einwirken, kann man natürlich nicht simulieren, aber es wird wirklich immer besser und genauer.
Wie war Ihr Eindruck von den Pirelli-Reifen? Eher ein Vorteil oder ein Nachteil für Red Bull?
Das ist extrem schwer zu sagen, weil es eben noch nicht der Reifen war, der im nächsten Jahr gefahren wird. Generell hat Pirelli aus dem Test viel mitnehmen können. Die Vorderreifen haben einen sehr starken Eindruck gemacht, bei den Hinterreifen hat den dieses Level noch nicht ganz erreicht. Natürlich weiß Pirelli, dass sie noch viel zu tun haben, weswegen es ja noch nicht die endgültigen Reifen für 2011 waren. Aber für uns war es wichtig, einen ersten Eindruck zu bekommen, zumal die Charakteristik der Reifen wohl doch so bleiben wird. Die Tests haben uns schon einen Eindruck vermittelt, wie das Auto reagiert und was man am Auto noch machen muss.
Eine wichtige Frage wird wohl das Graining sein.
Ja, klar, aber hier reagiert Pirelli natürlich auch ein wenig darauf, was verlangt wird. Also soll der Reifen zum Beispiel ein ganzes Rennen halten? Diese Frage können wir noch nicht beantworten, das wird man die Tests im Februar abwarten müssen. Aber wenn da ein Limit im Verschleiß sein sollte, werden wir halt sehen, wann es ein oder zwei Stopps geben wird.
Es bei all den Neuerungen schwer eine Prognose für 2011er Saison zu geben. Aber Ferrari wird nach der knappen Niederlage sicher wieder ein Hauptgegner sein.
Erst einmal müssen wir sehen, dass wir unsere Position halten, was nicht leicht sein wird. Ferrari und McLaren werden mit Sicherheit wieder um die WM kämpfen, so wie das aber immer der Fall ist. Mercedes darf man nicht unterschätzen und die werden alles dransetzen vorne dabei zu sein.
Ihr letztes Rennen war das „Race of Champions“ wo sie viel Zeit mit Schumacher verbringen konnten. Tauscht man sich da auch über die Saison aus? Mal abgesehen von den Betriebsgeheimnissen.
Wir kennen uns ja schon länger. Ich sehe in erster Linie da den Menschen Michael Schumacher, nicht den Rennfahrer. Er ist natürlich immer noch ein Vorbild für mich und wir haben ein gutes Verhältnis. Wir freuen uns, wenn wir wie beim RoC eine etwas entspanntere Zeit haben.
Der Spaß steht im Vordergrund.
Wenn wir im Auto sitzen, ist der Spaß dann schon eher sekundär, da will man den anderen schlagen (lacht).
Apropos Spaß gibt es eigentlich Serien, die sich neben der Formel Eins noch reizen? Siehe Kubica oder Räikkönen?
Auf jeden Fall die Rallye, das würde mich schon reizen. Das möchte ich in der Zukunft schon mal ausprobieren. Aber im Moment ist dafür noch nicht die Zeit, da ist mir die Formel Eins wichtiger. Man muss vielleicht nicht gerade anfangen, wo die Bäume direkt an der Piste stehen.
Wie sieht eigentlich das Sportprogramm im Winter aus?
Im Winter relaxt man etwas, da gönnt man sich etwas Pausen. Man geht weniger raus und läuft seine Strecke. Aber im Grunde treibe ich jeden Tag Sport. Laufen, Fahrrad, Krafttraining und Koordinationsübungen, da kommt einiges zusammen und das hört im Winter natürlich nicht auf. Vor dem Start der Saison zieht man das Programm natürlich wieder an.
Disclosure: Das Interview fand auf Vermittlung einer Agentur statt. Teil des Deals war die Namensnennung des Sponsors.

7 Kommentare
Cooles Interview, Danke!
Gute Frage, gutes Interview. Gut gemacht! :)
Danke!
Was, nur Namensnennung, keine Verlinkung? Amateure. :)
(Also, die Agentur.)
Danke Dir vielmals, Don!
Was mich noch interessieren würde: Wie waren Deine persönlichen Eindrücke von Sebastian? Nimmst Du ihm das ab, dass er sich mit Michael so gut versteht? Für mich sah das beim ROC immer ein wenig so aus, als ob Sie sich nur vor laufender Kamera in den Armen hielten *grins*
Achso: Ich werde jetzt nur noch Head and Shoulder Produkte kaufen! :D
Er macht schon einen lockeren Eindruck. Das Problem an so Interviewtagen ist halt, dass sie sehr lang und ermüdend sind. Dafür war er aber sehr freundlich und hat, wie man lesen kann, sehr ausgiebig geantwortet.
Ich denke schon, dass die beiden sich gut vertragen, aber wie Vettel ja selber sagt: Man ist und bleibt halt auch ein Konkurrent.
[…] Und doch weiß man, dass sie durchaus Lust dazu haben. Sebastian Vettel unterstrich in einem Interview mit dem Racingblog, dass er Spaß an einer Rallye haben würde. Und wer glaubt nicht, dass ein Lewis Hamilton, […]
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