Nach dem, muss man wohl so formulieren, Skandal von Spa geht das Leben in der Formel Eins weiter. Monza steht auf dem Programm, und damit die schnellste Strecke des gesamten Jahres. Gleich viermal wird man aus über 320 km/h den Wagen zusammenstauchen, auf der langen Start/Ziel Geraden wird am kurz vor der Bremszone wohl über 340 km/h erreichen. Im Windschatten können es sogar 350 km/h sein. Das irrwitzig schnell für eine Strecke, deren Sicherheit nicht ganz weit oben angesiedelt ist. Ein Abflug hier wird immer mit einem zerstörten Auto enden, selbst wenn mal eine Auslaufzone vorhanden sein sollte. Letztes Jahr flog Kimi Raikkönen beim Anbremsen der Variante Ascari ab. Obwohl er über ein langes und breites Kiesbett rodelte, war der Einschlag heftig und der Finne beklagte sich über Nackenschmerzen. Monza ist also kein Spaß und wenn die Wettervorhersage redet auch noch von Regen.

Das ist wirklich ein Rennen, dass man eher nicht im Regen sehen möchte. Die Geschwindigkeiten gehen im Nassen zwar etwas runter, aber auch nicht so weit, dass man sich entspannt zurücklehnen möchte. Dazu kommt, dass die Gischt im Park von Monza sich nur sehr langsam legt, weil sie zwischen den Bäumen festhängt. So lange es nicht richtig regnet, mag das alles gehen, wenn es schüttet wird das Rennen zu einem Blindflug. Noch ist das letzte Wort in Sachen Wetter nicht gesprochen, aber zumindest für morgen und Samstag sieht es nicht gut aus. Das Rennen am Sonntag könnte trocken bleiben.

Das Wetter wird eine große Rolle am Wochenende spielen. Die Daten, die die meisten Teams bei den Tests vor ein paar Wochen gesammelt haben, kann man zwar nicht komplett, aber zum Teil vergessen. Im Regen und bei solchen Temperaturen ist in Monza seit Jahrzehnten keiner mehr gefahren, also wird man sich am Freitag überlegen müssen, was man macht. Testen, um sich für Sonntag bereit zu halten und um in der Quali gut auszusehen, oder die Trockenabstimmung der Tests nehmen und auf besseres Wetter vertrauen? Man kann den Wagen schließlich nach der Quali nicht mehr umbauen.

Abstimmungstechnisch will man auf dem Kurs wohl eher einen Wagen haben, der leicht übersteuert. Denn in den schnellen Kurven will man sicher nicht mit einem untersteuernden Fahrzeug rumeiern, dass einen Richtung Kurvenrand drückt. Ganz wichtig sind natürlich die Bremsen. Das eigentliche Problem ist aber nicht allein die Hitze der Bremsen, sondern mehr, dass sie sich auf den langen Geraden wieder abkühlen. Man hat also einerseits das Problem, dass die Bremsen in Monza wie sonst nirgendwo belastet werden, andererseits kühlen sie auf den Geraden auch wieder runter. Man muss die Kühlöffnungen genau berechnen – zu viel und die Bremsen packen nicht richtig vor der Kurve, zu wenig, und der Verschleiß steigt zu weit an.

Neben Ferrari und McLaren haben viele Beobachter auch BMW auf der Rechnung. Nach dem Erfolg von Kanada erwartet man die Deutsch-Schweizer weit vorne, aber ich bin mir da nicht so sicher. Die beiden Top Teams haben über den Sommer mächtig nachgelegt und in Valencia sah BMW jetzt auch nicht sonderlich gut aus. Da würde ich, das meine ich durchaus ernst, ein Auge auf Vettel im Torro Rosso haben. Mit dem Ferrari Motor im Heck könnte da was gehen. Die Top Ten sollten für beide STR jedenfalls wieder drin sein.

Gespannt bin ich auch, wo Renault laden wird. Red Bull beklagt sich ja seit Wochen, dass der Renault Motor so schlapp sei, aber dann sehe ich einen Alonso in Spa, auf einer reinen Motorenstrecke, auf Platz vier und die Red Bull im Niemandsland. So schlecht kann der Renault Motor also nicht sein, Alonso Bonus hin oder her.

Kleine Randnotiz – es gibt ein Gerücht, warum der McLaren auch auf feuchten bis nassen Strecken besser liegt, als der Rest der Welt. Mal abgesehen davon, dass Hamilton so Fahrbahnzustände mag, gibt es Berichte, die besagen, dass McLaren einen Weg gefunden hat, die heiße Kühluft der Bremsen in die Reifen zu bringen. Angeblich können die Fahrer bei bestimmten Witterungsbedingungen einen Teil der Abwärme entweder auf die Felge oder die Reifen umleiten.

Mit dem GP in Monza verabschiedet sich die Formel Eins auch aus Europa. Die restlichen Rennen finden alle in Übersee statt.

Und sonst?
TV-Vorschau fürs Wochenende ist online.