Ah – endlich mal tagsüber US-Rennen schauen. Dank der Zeitverschiebung hier, fing das Indy 500 morgens um 10 an und das NASCAR Rennen war netterweise um kurz nach 19.00 Uhr zu Ende, so dass man danach noch gemütlich essen konnte. Das F1 Rennen hab ich allerdings verpasst, denn das fing hier um 04.00 Uhr an. Auf die Aufzeichnung kann man sich aber offensichtlich wohl freuen.

Indy 500
Da muss man ehrlich sein – besonders spannend war es dieses Jahr nicht. Erst als Vito Meira aus dem ziemlich unterfinanzierten Panther Team vorne auftauchte, kam etwas Leben in die Bude. Die Runden zuvor, als das Ganassi und Andretti Team vorne rumkurvte waren alles andere als spannend oder gar abwechslungsreich. Schuld daran ist aber in gewisser Weise auch Marco Andretti, der seinen Teamkollegen Tony Kanaan überflüssigerweise in die Mauer schickte. Kanaan schien der einzige zu sein, dem zwischendrin langweilig wurde, und der in der Lage war, die Ganassi Truppe zu jagen. Das gesamte restliche Feld bestand aus Statisten, auch wenn man die feine Leistung zum Beispiel von Ryan Hunter Ray nicht vergessen sollte.
Das man nicht mehr vom Rennen mitbekam, lag aber auch an ABC/ESPN. Die Übertragung war gelinde gesagt großer Mist. Die Emotionen der Kommentatoren (darunter Scott Goodyear und Eddie Cheever) lagen nahe des Gefrierpunktes, die Kamera blieb stur auf den vorderen fünf und selbst wenn die Kommentatoren bemerkten, dass im hinteren Drittel des Feldes der Teufel los war, sah man davon nichts. Dazu kamen unendlich viele Unterbrechungen. Nicht mal die letzten 15 Runden zeigte man am Stück. Die Übertragung läßt Böses für die kommende NASCAR Saison auf ESPN/ABC ahnen.

Aber ein paar Dramen gab es ja dann doch. Die Kollision zwischen Briscoe und Patrick, der Abflug von Alex Lloyd in die Boxengasse, das Duell zwischen Kanaan und Andretti, dass ABC, obwohl mal gerade nicht in der Werbung, grandios verpennte. Aber diese wenige Highlights können die restliche Langeweile leider nicht aufheben. Hoffentlich wird es nächstes Jahr besser, wenn die ehemaligen CC-Teams aufgeschlossen haben sollten.

NASCAR – Coca Cola 600
Im Gegensatz zum Rennen in Indianapolis fand ich das NASCAR Rennen richtig gut. Für ein Langstreckenrennen tat sich unglaublich viel und es war richtig viel Bewegung im Feld. Normalerweise ist so ein Rennen zwischen der 50 und 350 Runde von gepflegter Langerweile geprägt. Man wartet ab, man schaut, was passiert, und sieht zu, dass man seinen Wagen einigermaßen vernünftig auf die sich veränderten Streckenverhältnisse anpaßt. In diesem Jahr tat sich deutlich mehr, was wohl auch daran lag, dass die Teams massive Schwierigkeiten hatten, sich auf die Strecke einstellen zu können. Einzig Kyle Busch und Junior schienen am besten mit dem langen Rennen klar zu kommen, wobei Kyle massive Probleme mit seiner Lichtmaschine hatte, die für die Hochleistungszündung nicht genügend Saft lieferte. Gleich zweimal wurde seine Batterie ausgetauscht, gleich zweimal musste er sich durch das gesamte Feld kämpfen um am Ende wieder vorne zu sein. Das er am Ende nicht gewinnen konnte, was schon fast tragisch.

Aber an tragischen Helden mangelte es in diesem Rennen sowieso nicht. Junior hatte alle Trümpfe in der Hand, als er 100 Runden vor Schluss in die Mauer rutschte. Der Grund war nicht ganz klar. Die Kommentatoren gingen von einem Fahrfehler aus, Junior meinte nach dem Rennen, dass ein schleichender Plattfuss schuld gewesen sei. Jimmie Johnson schien ebenfalls ein siegfähiges Paket zu haben, doch ihm platzte kurz vor Schluss der Motor. Eine Seltenheit bei Hendrick Motorsport. Und dann war da noch Tony Stewart, dem zwei Runden vor Schluss ein Reifen um die Ohren flog. Nach 597 Meilen. Nutznießer war dann mal wieder Kasey Kahne, dem der “Sweep” in Charlotte gelang, also All-Star und Coca Cola 600 zu gewinnen. Kahne ist sicher kein unverdienter Sieger, aber wer ist das nach so einem langen Rennen nicht? Die Fans waren zumindest zufrieden. Aufgefallen ist mir noch das fabelhafte Rennen von Bobby Labonte im etwas unterfinanzierten Rennstall von Richard Petty. Sicher – eine echte Siegchance hatte man nicht, aber Labonte fuhr konstant um Platz 10 rum und zeigte, was ein kleines Team in der NASCAR heute noch erreichen kann. Eine riesige Enttäuschung war dagegen das Ganassi Team. Montoya fiel nur zweimal auf. Einmal, als er sich mit Stewart ein beinhartes Duell auf der Gegengerade lieferte, ein anderes Mal, als er auf die Wiese geschickt wurde. Die permanenten Umbauarbeiten tun dem Team wahrlich gut und dass Montoya schon mit dem dritten Crewchief innerhalb von vier Wochen arbeiten muss, wird ihm nicht helfen. Von Reed Sorenson sah man auch nichts und das in einem Rennen, in dem die Dodge ganz offensichtlich gut sortiert waren.

Nächste Woche gibt es (für deutsche Verhältnisse) endlich mal wieder ein vernünftiges Sonntagabendrennen. Die Betonmeile in Dover steht auf dem Programm. In Dover heißt es auch Abschied nehmen von Fox, deren Übertragungsstrecke für dieses Jahr nach dem Rennen endet.

Und sonst?
TV-Vorschau gibt es irgendwann die Woche. Ansonsten erhole ich mich prächtig. Zwischendurch hab ich mal das “Petersen Automuseum” besucht, in dem einige nette Wagen rumstanden. Fotos folgen wenn ich wieder da bin.

Wie ich gesehen habe, amüsiert Ihr Euch im Chat weiterhin gut :)