NASCAR – All Star
Es war ein langer und teilweise zäher Riemen, den die NASCAR da ablieferte. Von Mitternacht bis morgens um 5 Uhr gab es eine ebenso sinnlose wie heitere “Burnout Challenge” und zwei Rennen, die beide nicht ganz das versprachen, was das Reglement eigentlich versprochen hatte. Knackige 2 x 20 Runden ging das Quali Rennen zum All-Star und eigentlich hätte man jede Menge Action erwartet, aber vorne passierte nur wenig, außer dass der erstaunliche Sam Hornish jr. mit einem völlig wild abgestimmten Fahrzeug, dass auf der Gerade tatsächlich leicht seitwärts fuhr, damit man in den Kurven besser klar kommt, um ein Haar noch den ebenfalls überraschend starken AJ Allmendinger kurz vor dem Ziel abgefangen hätte, obwohl Hornish zwischendrin irgendwie ins Mittelfeld gerutscht war. Ansonsten tat sich da vorne wenig, aber war ja nicht so schlimm, denn die 4 x 25 Runden des All-Star sollten ja noch kommen.

Man kann nicht behaupten, dass das Rennen wriklich eintönig war. Jedes Segment sah einen anderen Sieger. Wer eben noch unschlagbar schien, kam im nächsten Segment nicht mehr von der Stelle. Allerdings – Kyle Busch sah mal wieder sehr stark aus. Das lag wohl auch daran, dass Toyota einen neuen Motor mitgebracht hatte, bei dem was Neues ausprobierte. Offenbar setzte dieses Experiment jede Menge Leistung frei, denn die Art und Weise, wie Busch am Start sofort allen andren drei bis vier Längen abnahm, war schon beunruhigend. Dann haute er vorne auf zwei Sekunden ab und kontrollierte danach den Abstand. Wäre ihm der Motor nicht (wie bei Danny Hamlin auch) um die Ohren geflogen – vermutlich wäre es sehr schwer gewesen Kyle Busch zu schlagen.

Es versuchten einige Fahrer, vorne ein Wörtchen mitzureden. Greg Biffle sah nach de Aufall von Busch wie der sichere Sieger aus, zwischen drin tauchte auch mal Dale Earnhardt jr. auf und auch Jimmie Johnson schien gute Karten in der Hand zu haben. Am Ende verzockten sich alle. Hieß es vor dem Rennen noch, dass man niemals im letzten Segment mit alten Reifen das Rennen angehen sollte, weil die anderen mit zwei neuen Reifen Kreise um einen fahren würden, zeigte die Mannschaft von Kasey Kahne genau das Gegenteil. Man ließ die alten Reifen einfach drauf und fuhr als erster aus der Box. “Netter Versuch” sagten die Kommentatoren. Drei, vielleicht fünf Runden würde das gut gehen, dass seinen die anderen mit ihren neuen Reifen überlegen. Junior hätte demzufolge durch das Feld pflügen müssen, denn er hatte sogar vier neue Reifen genommen. Aber das geschah alles nicht. Kahne fuhr vorne sicher und am Ende locker seinen Sieg nach Hause. Am Ende erklärte man sich die Haltbarkeit der Reifen mit den kühlen Temperaturen.

Kasey Kahne ist mit Sicherheit kein schlechter Sieger. Er gehört zu den Nachwuchsfahrern, die man 2006 ganz oben auf der Rechnung hatte. 2007 gelang ihm und seinem Team allerdings überhaupt nichts und man kam nicht mal in den Chase. Dass das Evernham Team nun wieder zurück auf der Siegerstrasse ist, wird nicht nur die Inhaber, sondern auch Budweiser freuen, denen man zwischendurch schon eine gewisse Unmut über die Ergebnisse nachsagte. Es gibt in der NASCAR pro Saison nur drei Rennen, die man sehr prestige-trächtig sind. Daytona 500, Indy 400 und das All-Star. Eins davon zu gewinnen reicht aus, um die Sponsoren mindestens ein Jahr ruhig zu stellen.

SpeedTV war für die komplette Übertragung des Wochenendes zuständig, was dazu führte, dass man geschlagene zehn Stunden am Stück über ein und dasselbe Rennen sprach. Man muss dem Sender allerdings mal wieder ein großes Kompliment machen. Verglichen mit den langatmigen Übertragungen von RTL oder Premiere vor jedem Rennen, kann man sich die Vorberichterstattung von Speed immer ansehen. Was zum großen Teil an Kenny Wallace, Jimmy Spencer und John Roberts sind einfach ein Traum-Trio, das genau die richtige Mischung aus Spaß und auch durchaus harter Kritik bietet. Die fünf Stunden Pre-Race waren teilweise kurzweiliger und amüsanter als die beiden Rennen. Es zeigt auch, was man aus einem Sport machen kann. Die NASCAR ist nicht weniger professionell als die Formel Eins, auch wenn es hier nicht ganz so viel Geld aus dem Fenster geschmissen wird. Aber der Spaß am Motorsport hat hier einen ganz anderen Stellenwert. Die “Burnout Challenge” mag sinnlos gewesen sein, aber allein, dass man die Regeln vorher auf einer Papierserviette zusammengedengelt hatte, zeigt, wie hemdsärmelig man so Sachen zumindest nach außen verkauft. Da können die deutschen Sender und die Formel Eins insbesondere eine Menge lernen.

DTM – Eurospeedway
Was soll man da sagen, außer, dass selbst die Rennen der WTCC spannender waren.

ALMS – Salt Lake City
Wie erwartet war das Rennen nicht sonderlich gut, obwohl man dieses Jahr eine kürzere und damit schnellere Variante des Kurses in Salt Lake City fuhr. Ich muss aber auch mal sagen, dass die mangelnde Spannung auch etwas mit der deutschen Moderation zu tun hatte. So gut Stefan Heinrich und Stefan Moser sein mögen – ich kann es nicht mehr hören, dass Volker Weidler ja nun halbtaub ist, weil er ja mal in einem Mazda in Le Mans… usw. Beide, plus Gastkommentator Rene de Boer, schafften es grandios über sämtliche Vorfälle im Rennen hinweg zu quatschen. Und das inkl. der Interviews. Da mir das irgendwann zu blöd wurde habe ich zu Speed gewechselt und siehe da – man bekam vom Rennen tatsächlich etwas mit. Das Duo Heinrich/Moser gehört sicher zu den besseren Kommentatoren in Deutschland, aber sie werden bei MotorsTV auch für jeden Mist eingesetzt. Das kann auf Dauer einfach nicht gut gehen. Wer so viel kommentieren muss, der verliert auch die Frische. Das Rennen war also an sich nicht so schlecht, zu mal sich vorne sehr lange viel tat. Die Porsche, Acura und Audis gaben es sich ziemlich heftig und die Piloten mussten die ganze Zeit alles geben, um ihren Teams einen Sieg zu ermöglichen. Audi hatte dann am Ende richtig Pech, als ein Wagen sich einen Plattfuß einhandelte und der andere beim Überrunden rausgekegelt wurde. Die Acura standen sich ein wenig selbst im Weg, waren aber lange ein echter Gegner. Damit wäre aber die langweiligste Strecke des Jahres abgehakt. Es kann nur besser werden.

BTCC – Thruxton
Drei schöne Rennen der BTCC, die mal wieder zeigte, wieviel Spaß Tourenwagensport machen kann. Und irgendwie haben die Briten es geschafft, die Werks-Seat im Zaum zu halten. Ich hatte wirklich damit gerechnet, dass die gerade auf der Vollgasstrecke in Thruxton alles n Grund und Boden fahren würden. Aber nichts dergleichen. Nur mit ein wenig Glück konnte Jason Plato das dritte Rennen für sich entscheiden. Wie gut das Reglement der BTCC ist, zeigte sich genau in diesem Rennen. Andrew Jordan stand mit einem privat eingestetzten Honda Accord auf dem zweiten Startplatz. Er fiel auf Platz drei zurück, auf dem er sich aber bis zwei Runden vor Schluß halten konnte, bis irgendwas an seinem Wagen kaputt ging. Ein Privatwagen auf Platz drei. So etwas würde man in der Hersteller WM niemals sehen, weil das eine zu große Peinlichkeit für die Hersteller wäre. In der BTCC ist das zwar auch nicht normal, aber die Semi-Werksunterstützten Teams schlucken das und nehmen sich halt vor, beim nächsten Rennen besser zu sein.

WTCC – Valencia
Zwei wirklich erstaunlich gute Rennen der WTCC in Valencia. Ausgerechnet dort, wo man angeblich nicht überholen kann. Wo ich die FIA in den letzten Wochen immer wieder kritisiert habe – jetzt muss ich sie auch mal loben. Die Beschränkung der Drehzahle der Seat hat wohl doch was gebracht. Nicht für die BMW, die weiter Probleme haben, aber immerhin zeigten die Chevy, was geht. Offenbar nimmt die niedrigere Drehzahl den Seat auch etwas Drehmoment ab, denn Chevy konnte da fast problemlos mithalten. Auch ansonsten wurde hart, aber meist fair gekämpft. Ich hab im ersten Rennen, als BTCC und WTCC gleichzeitig liegen, gar nicht gewußt, wo ich zu erst hinschaue soll, so gut war das Rennen der WTCC. Wenn die FIA jetzt noch hingeht und die Rennen etwas verlängert, wäre man einer Weltmeisterschaft wieder etwas näher gekommen.

Und sonst?
Keine Vorschau heute. Grund folgt später in einem weiteren Posting.