Das war dann schon eine faustdicke Überraschung, die Renault heute in der Quali geboten hat. Ich hatte in der Bilanz der ersten drei Rennen zwar schon mal angedeutet, das man die Franzosen nie unterschätzen sollte, aber das sie so schnell wieder vorne dabei sind, war nicht direkt zu erwarten. Das zweite Platz von Alonso ist sicher mit einem leichteren Auto zustande gekommen, aber das Piquet jr. ebenfalls den Sprung in die Top 10 geschafft hat und auch während des gesamten Wochenendes immer in der Nähe seines Teamkollegen war, spricht dafür, dass man bei Renault einen Teil der Probleme im Griff hat. Der Abstand in Q3 betrug zwischen Piquet und Alonso gerade mal sieben Zehntel. Wenn Alonso leicht und Piquet schwer ist, dann dürfte Renault zumindest auf Augenhöhe mit McLaren und BMW sein. Etwas deutlicher wird das Bild, wenn man sich die Zeiten aus dem 2. Freien Training anschaut, wo man wohl im Renntrimm unterwegs war. Da lagen beide Renault nur knapp hinter Raikkönen. Die Zeit von Alonso ist also nicht nur deswegen zustande gekommen, weil der mit Luft im Tank unterwegs war. Das Erstarken von Renault könnte dem Rennen morgen auch die nötige Würze geben.

Etwas enttäuscht ist man wohl bei McLaren. Hamilton und Kovalainen fuhren sich die Seele aus dem Leib, aber mehr als Platz fünf und sechs waren einfach nicht drin. Die rund drei bis vier Zehntel Rückstand auf Ferrari halten sich seit dem Winter konstant und es gelingt den Briten nicht aufzuholen. Das ist dann schon etwas alarmierend, zumal mit der Strecke in der Türkei ein Kurs folgt, der ebenfalls mit vielen schnellen Kurven gesegnet ist. Dazu kommt, dass BMW mittlerweile offenbar schneller unterwegs ist. Das gilt zumindest für Kubica. Heidfeld ist weiter etwas von der Rolle und die Gründe dafür sind mir schleierhaft. Es mag daran liegen, dass Kubica mit den neuen Bridgestone Reifen besser klar kommt, oder der Wagen mehr seinem Fahrstil entspricht. Der Abstand in den letzten Qualis war jedoch schon fast eklatant, auch wenn BMW Heidfeld heute mit viel Sprit im Tank auf die Reise schickt.

Ebenfalls enttäuschend: Williams. Hier liegt es, laut Rosberg, ebenfalls an der härteren Mischung die Bridgestone mitgebracht hat. Man hat in Spanien ähnliche Probleme wie in Malaysia, wo man die Reifen nicht richtig auf Temperatur bringen kann. Da müssen die Briten schnell was ändern, aber meist hat das, so hat man mir das mal erklärt, mit einer grundsätzlichen Geometrie der Hinterachse zu tun, die man nicht einfach mal so ändern kann, weil man dafür fast den gesamten Wagen umbauen muss, bzw. ein B-Modell braucht.

Der Rest ist dann in der üblichen Reihenfolge. Red Bull gefällt mir weiter überhaupt nicht, vor allem Coulthard, der es zum zweiten Mal in diesem Jahr nicht in Q2 geschafft hat. Honda kam zwar auch nicht in Q3, aber man steigert sich konsequent und ist nicht mehr so weit von Toyota entfernt.

Das Alonso zumindest in den ersten 10 Runden morgen vorne mitmischen will, gibt dem Rennen etwas Würze, nach dem sich die Aussicht auf Regen komplett zerschlagen hat.