Nach drei Rennen ist zwar etwas zu früh um eine Bilanz zu ziehen, aber ein Zwischenfazit vor dem Rennen in Barcelona, wo alle Teams mit ziemlich großen Änderungen an der Aerodynamik auftreten werden, kann man schon mal ziehen.

– Ferrari
Wie im Winter schon abzusehen, sind die Weltmeister auch dieses Jahr das Team, was zu schlagen gilt. Das erste Rennen in Australien war ein Ausrutscher, geprägt auch von Materialproblemen, die man jetzt wohl im Griff hat. Seit Malaysia läuft es bei den Roten und das so deutlich, dass sie eigentlich keine richtige Konkurrenz haben. Als problematisch sehe ich bei Ferrari allerdings noch die Performance in der Quali, die man sehr konservativ angeht. Man verlässt sich auf den schnelleren Rennspeed und hofft, dass BMW und McLaren vorher tanken müssen. Das kann aber gerade im Falle McLaren schnell mal in die Hose gehen und auch BMW wird nicht ewig so früh zum Tankstopp müssen. Wenn es mal schlecht läuft, finden sich die Ferrari dann nur auf Platz vier oder schlechter. Das kann im Rennen fatal sein. Zu den Piloten gibt es nicht viel zu sagen. Ich halte Raikkönen weiterhin für den stärkeren Mann, der, wenn es eng wird, psychisch besser gerüstet ist, als Massa.

– McLaren
Sind die noch Nummer Zwei? Auch wenn Malaysia und Bahrain keine sonderlich guten Rennen waren, darf man die Briten natürlich nicht abschreiben. Aber eine wirklich klare Nummer Zwei sieht anders aus. Im Moment muss sich McLaren eher nach hinten orientieren, denn BMW rückt massiv auf und ist teilweise schon auf Augenhöhe. Sorgen macht McLaren vor allem das etwas zickige Chassis, dass sich als launische Diva darstellt. Mal geht es wie Sau, mal versinkt fast im Mittelfeld. Bei McLaren hält man sich sehr bedeckt, was die Gründe angeht, und große Aero-Updates habe ich bisher nicht gesehen. Kann also sein, dass man im Bereich der Aufhängung, oder unter dem Wagen etwas verändern muss. Die fehlenden Zehntel hat das Team aber schnell reingeholt, wenn man das Problem gefunden hat. Lewis Hamilton hat gerade so etwas wie eine Mini-Krise. Oder sagen wir mal so – ausser dem glücklichen Rennen in Australien, wo er ja quasi nicht verlieren konnte, hat er seit dem Sieg beim Rennen in Fuji kein überzeugendes Rennen mehr abgeliefert. Gleichzeitig macht Kovalainen klar, dass er nicht zum Bremsen zu den Engländern gekommen ist. Logischerweise wird der Finne eher nicht der Siegeskandidat Nummer Eins bei McLaren sein, aber wenn Hamilton weiter so schwächelt, könnte die Sache bald anders aussehen.

– BMW
Man führt die Konstrukteurs WM an und hat beide Piloten in der Fahrer WM aussichtsreich positioniert. Besser hätte der WM Start nicht laufen können. Der neue Wagen geht auf allen Strecken gut und man hat auch noch Reserven. So schnell wird man BMW nicht aus den Top 3 bekommen. Die Frage ist – kann BMW aus eigener Kraft schon gewinnen? Die Münchner selber sagen: “Vielleicht, aber eher nein.” Man visiert als mögliche Strecken Montreal und eventuell Monaco an. Viel hängt aber davon ab, ob sich McLaren wieder fangen wird. Meinem Gefühl nach ist BMW dran, aber nicht vorbei. Das Rennen in Barcelona wird da viel Aufschluss drüber geben. Zu den Fahrern muss man wenig sagen. Heidfeld hadert ein wenig mit kleinen Fehlern, aber das geht Kubica auch so. Ich sehe beide als mögliche Siegkandidaten in der ersten Saisonhälfte, aber so richtig fehlt mir da noch der Glaube dran. Allerdings: wenn es ein Team gibt, dass sofort da ist, wenn Ferrari oder McLaren Fehler machen, dann ist es BMW. Man ist in der gemütlichen Rolle des Jägers.

– Toyota
Obwohl Williams vor Toyota in der WM Wertung steht, sehe ich die Japaner davor. Warum? Weil Toyota mir das ausgewogenere Paket zu haben scheint. Damit ist nicht nur der Wagen gemeint, sondern vor allem die Fahrerpaarung. Mit Nico Rosberg mag Williams den zurzeit vielleicht besten Fahrer im Feld haben, mit Nakajima haben sie aber leider auch jemanden, der noch nicht aus dem Mittelfeld raus kommt. Da ist man bei Toyota mit Glock und Trulli weiter. Auch wenn der Deutsche nocht nicht auf dem Niveau von Trulli ist, kommt er langsam in Schwung. Toyota ist es zum ersten Mal gelungen, einen Wagen hinzustellen, der eine sehr gute Basis hat, wenn nach vorne auch noch viel fehlt. Mit der nötigen Entwicklung sollten die Japaner in der Lage sein, ihr Kundenteam im Laufe des Jahres zu distanzieren.

– Williams
Damit habe ich schon viel zu Williams gesagt. Leider haben sie die Winterergebnisse nicht in die Saison retten können und es gibt Probleme mit der Performance des Wagens, der zwar wohl noch Potential hat, was aber nicht leicht zu finden ist. Offenbar hat Williams vor allem Probleme mit der sehr harten Mischung von Bridgestone, weil man die Hinterräder dann nicht auf Temperatur bekommt. Rosberg fährt sich die Seele aus dem Leib, aber mehr als Platz Fünf wird schwer sein. Nakajima ist weiterhin ein Problemfall. Während Riosberg regelmäßig in die Top 10 fährt, bleibt der Japaner um Platz 16 hängen. Den Sprung in die zweite Quali-Runde hat er zwar zweimal geschafft, dort blieb er dann allerdings weiter unter den Möglichkeiten des Wagens. Wenn Williams gegen Toyota, Renault und Red Bull in der WM eine Chance haben will, dann muss Nakajima schnellsten aufholen.

– Renault
Auch wenn die Franzosen den schlechtesten Saisonstart seit 2001 (!) haben – man darf sie einfach nicht abschreiben. Ein Teil der Probleme bei Renault hat man wohl verstanden. Es liegt an der Aerodynamik, bzw. an den Schwingungen, die die Luftströme am Wagen verursachen. Manche Teams setzen an bestimmten Stellen Dämpfer ein (ähnlich wie die Massedämpfer vergangener Tage), Renault hat die allerdings nicht. Der Grund ist laut der Zeitung MSA einfach: man hat keinen sogenannten J-Damper, weil man auf den erst durch die Zeichnungen aufmerksam wurde, die der McLaren Techniker letztes Jahr mit ins Team brachte. Der Wagen ist insgesamt schlecht ausbalanciert, was wohl Alonso das Leben schwer macht. Auf der anderen Seite sagt man dem Spanier schon nach, dass er die Lust verloren hat. Siege sind weit entfernt und die 1.5 Sekunden, die Renault im günstigsten Fall fehlen, sind in dieser Saison nur schwer wettzumachen. Möglich ist es allerdings, wie Ferrari 2006 gezeigt hat. Zu Piquet jr. fällt mir momentan noch nicht viel ein, da er wegen Alonsos Lustlosigkeit und dem schlechten Wagen schwer zu beurteilen ist.

– Red Bull
Die Österreicher haben klare Fortschritte gemacht und vor allem Mark Webber scheint der neue Wagen zu liegen. Aber so richtig überzeugen konnte mich das eigenwillige Fahrzeug bisher nicht. Man sollte aber vielleicht dabei auch nicht die Renault Motoren aus den Augen lassen. Es gab Berichte, dass der Motor auf Grund seines Ansprechverhaltens mit dem Wegfall der Traktionskontrolle nicht so richtig klar kommt und schwieriger zu fahren sei. David Coulthard sah in den letzten Rennen etwas unglücklich aus. In Australien kam er noch in die Top 10, in Malaysia war es nur der 12 Platz, in Bahrain scheiterte er an der ersten Hürde. Es gibt Gerüchte, dass er noch in diesem Jahr mit Sebastian Vettel den Platz tauschen soll, damit der Deutsche in diesem Jahr nicht noch von einem anderen Top Team weggeschnappt wird.

– Honda
Der Ross Brawn Faktor ist bei den Japaner deutlich zu spüren. Der neue Wagen ist allerdings, trotz seiner sehr konservativen Bauweise, auch nicht schlecht und stellt eine gute Basis da. Beide Piloten meckern wenig, sagen allerdings auch, dass man noch einges verbessern muss. Auffällig ist, dass Honda vom reinen Rennspeed her durchaus dabei ist, in der Quali allerdings noch leichte Probleme hat. Ich habe durchaus das Gefühl, dass man mit ein Updates schnell in die Region von Williams und Renault vorstoßen kann. Wenn es ein Team in diesem Jahr gibt, dass man im Auge behalten sollte, dann wohl Honda. Zu den Fahrern gibt es wenig zu sagen. Beide sind konstant, wenn auch nicht extrem schnell. Sollte die Formkurve bei Honda zum Jahresende weiter nach oben zeigen, wäre dies ein Team, dass für Alonso eine echter Alternative darstellen könnte.

– Torro Rosso
Die Probleme von STR sind vielfältig. Einerseits hat man sich mit dem Einsatz des alten Wagens ein wenig verzockt, andererseits schwebt über dem Team das Damoklesschwert des Verkaufs. Die Situation mit Red Bull war genial, weil man sich keine Sorgen machen musste. Wie das mit einem neuen Investor aussieht, ist eine andere Sache. Wie schnell Investoren Geld rein- und wieder rausziehen hat man ja an Midland/Spyker und Super Aguri gesehen. Das macht keine gute Stimmung im Team. Dazu kommen drei Ausfälle von Vettel, der langsam merkt, dass er mit Sebastian Bourdais jemanden an seiner Seite hat, der kein Nasenbohrer ist. Im Gegenteil. Was Bourdais an Speed in der F1 fehlt, macht er mit seiner Erfahrung wieder wett. Er kann ein Rennen lesen, er hat ein Gefühl dafür, wann er Gas geben muss und wann er sich zurückhalten soll. Ich hoffe sehr, dass der neue Wagen, der erst in der Türkei kommt, STR weiter nach vorne kommt, denn die Kombi Vettel/Bourdais könnte im Haifischbecken des Mittelfeldes für viel Spaß sorgen.

– Force India
Zum Wagen gibt es wenig sagen. Man ist deutlich besser als im letzten Jahr, vor allem im Renntrimm. Aber der Abstand nach vorne ist zu groß und man wird die Lücke höchstens halten können, aber nicht schließen. Die Verpflichtung von Fisichella hat dem Team sehr gut getan und der Römer fühlt sich offensichtlich auch deswegen pudelwohl, weil man ihm ein warmes Bett gebaut gebaut hat. Peter Sauber meinte mal, dass Fisiso ein extrem sensibler Fahrer sei, der viel Zuspruch und Aufmerksamkeit benötigen würde. Die bekommt er bei den Indern wohl. Der Schwachpunkt im Team ist zurzeit Adrian Sutil. Ich konnte die Lobesarien auf ihn nie so richtig nachvollziehen, und dieses Jahr scheint mir Recht zu geben. Das er mit dem neuen Wagen, der auf Fisichella zugeschnitten ist, Probleme hat ist in Ordnung. Dass er allerdings weiterhin so viele Fehler macht, ist nicht gut. Die Liste der Fahrer, die gerne in die F1 wollen ist groß, unter anderem liegt da auch ein Robert Dornboos auf der Lauer, den ich für eine sehr gute Alternative halte.

– Super Aguri
Eigentlich ohne Wertung. Was sollen die Japaner auch machen. Honda hält sie gerade mal eben so am Leben, der Investor hat kalte Füsse bekommen und die Zukunft ist unsicher. Dazu muss man mit dem Honda-Gurke aus dem letzten Jahr klar kommen. Kein Spaß und vor allem: keine Chance. Bei diesem Team hängt alles von einem neuem, potenten Geldgeber ab, der so leicht nicht zu finden sein wird.

IRL – Danica Patrick
Leider ist der erste Sieg einer Frau in der IRL/ChampCar/CART Serie hier etwas kurz gekommen, da ich das Rennen bis gestern auch nicht gesehen hatte. Es spielt aber auch keine große Rolle, wie der Sieg zustande gekommen ist. Das sie einen Spritpoker gewonnen hat – geschenkt. Man muss erst einmal in der Position sein, auch so ein Rennen zu gewinnen. Das geht nicht, wenn man zu langsam ist.
In den USA gilt Patrick als die schnellste Frau seit Jahrzehnten. Da steckt allerdings auch ein wenig Hype drin. Wenn man sich ihre nackten Karrierezahlen anschaut, sieht das nicht ganz so überzeugend aus. Das wird vielleicht ein wenig deutlicher, wenn man sie mit Kathrine Legge vergleicht. Beide waren, allerdings nicht zeitgleich, in der Formel Atlantic unterwegs. Während Patrick in zwei Jahren (03/04) eine Pole, fünf Podien und eine schnellste Runde gelang, sind die Zahlen bei Legge in nur einer Saison (05) folgermaßen: 3 Siege und fünf Podien. Beide erreichten allerdings in der Meisterschaft einen dritten Platz. Entdeckt wurde Patrick von Rahal Letterman Racing, die sie 2005 in die IRL holten. Im ersten Jahr überraschte sie mit einer schnellstes Runde und einem 12 Platz in der Meisterschaft. Immerhin vor Scott Dixon. 06 lief es mit einem neunten Platz auch nicht schlecht, auch wenn die großen Highlights fehlten. Letztes Jahr kratzte sie hier und da mal an einem Sieg, zum Beispiel beim vorletzten Rennen in Detroit, als sie nur um 0,4 Sekunden hinter Tony Kanaan am ersten Platz vorbei schoss. Sie ist sicher keine Milka Duno, aber ist sie wirklich so der Überflieger?

In den USA dreht man gerade komplett durch. Danica Patrick war auf vielen Titelbildern der Sportabteilungen und hier und da auch auf den Titelbildern. Bei ESPN bekam man sich kaum noch ein, in den Foren wird hingebungsvoll gelobhudelt. Das liegt auch ein wenig daran, dass Danica jetzt nicht gerade aussieht, als sei gegen einen Feuerlöscher gelaufen. Sie ist bildhübsch, schnell und schlagfertig – ein Traum für die Werbeindustrie, die es noch lieber hätte, wenn Patrick vielleicht noch Single wäre, aber sie ist mit ihrem ehemaligen Physiotherapeuten Paul Edward Hospenthal verheiratet. Der wird allerdings immer hübsch im Hintergrund gehalten. Sie ist im Moment, und ganz besonders nach ihrem ersten Sieg, ein aufgehender Stern am US-Vermarktungshimmel, was immer gerne genommen wird.

Das soll aber ihren Sieg in Motegi nicht schmälern. Wenn Danica Patrick ein gutes Auto hat, dann ist sie in der Lage in den Top 5 mitzufahren. Wer dann am Ende ein Rennen gewinnt ist, wie man weiß, in der IRL auch ein wenig Glücksache. Ein Sieg gibt auch jede Menge Selbstbewußtsein und dürfte ihr Standing bei AGR deutlich verbessern. So was kommt vor dem Indy 500 gerade rechtzeitig.

Der Sieg paßt auf jeden Fall perfekt zum Saisonstart der IRL. Erst ein Sieg eines IRL Teams, dann mit Rahal der Rookie eines Ex-ChampCar Teams, jetzt der Sieg einer Frau. Besser hätte es für die IRL nicht laufen können, sag ich mal ganz wertfrei.

Und sonst?
Termine vom Wochenende sind für Eure Planung schon mal online

24.04.2008

Aufz. 09:35 Uhr   V8 Supercars   Hamilton   MotorsTV
Aufz. 13:45 Uhr Formel Eins Bahrain Premiere
Aufz. 14:50 Uhr   V8 Supercars   Hamilton   MotorsTV
Aufz. 16:35 Uhr   LMS   Spanien   MotorsTV
Aufz. 18:30 Uhr Formel Eins Bahrain Premiere
Aufz. 21:00 Uhr   V8 Supercars   Hamilton   MotorsTV
Aufz. 22:45 Uhr   ALMS   Long Beach   MotorsTV