Wehe wenn sie losgelassen. So könnte man das Rennen der Nationwideserie am gestrigen Abend überschreiben. Oder auch: “Rechtskurven, halt.” Sage und schreibe drei Stunden brauchten die Piloten gestern, um 80 Runden zu absolvieren, was ohne Unterbrechungen locker in 120 Minuten hätte erledigt werden können. Aber zwei rote Flaggen und insgesamt sieben Cautions ließen das Rennen gestern zu einer Art zähen, alten Kaugummi werden. Schuld daran waren aber nicht mal die Piloten alleine, sondern vor allem die teilweise nicht nachvollziehbaren “full yellows”, wenn an einer Stelle der Strecke irgendwo ein Auto stand, oder irgendein Teil neben der Strecke lag. Immerhin riss man sich gegen Ende des Rennens zusammen und so konnten die letzten 20 Runden einigermaßen flott über die Bühne gebracht werden.

Dabei fing das Rennen noch gesittet an, denn überraschenderweise kamen alle Fahrer schadlos durch die erste Runde, was die Kommentatoren von ESPN auch überraschte. Doch nach vier Runden war Spaß vorbei, als Kertus Davis in der Parabolica in die Mauer rutschte und das provisorische Ding gleich mal um einen Meter verschob. Nach drei Runden hielt man das Feld dann komplett an und wartete 20 Minuten, bis der Schaden behoben war. Rote Flagge Nummero Zwo erschien in Runde 41, als jemand Öl auf der Strecke verteilte. Wieder dauerte es knapp 15 Minuten, bis die Sache erledigt war. Danach folgten noch einmal drei Cautions, darunter die überflüssigste Debris Caution seit langem, als irgendein Teil weit ab jeder Fahrlinie im Staub rumlag.

Die ganzen Unterbrechungen führten zu einiger Verwirrung was die Strategie anging, aber Ende fanden sich eh wieder die üblichen Verdächtigen vorne. Carl Edwards und Kyle Busch waren da zun finden, dazu die Rundkursexperten Scott Pruett, Marcus Ambrose und Patrick Carpentier. Vor allem Ambrose fuhr ein sehr beherztes Rennen. Während der ehemalige V8 Supercars Meister auf den Oval weiterhin nicht so richtig klar kommt, zeigte er in Mexiko was er leisten kann. Am Start wurde er nach hinten versetzt, weil er die Kupplung wechseln musste. Er war schnell unter den Top Ten, doch ein Fehler seiner Crew führte zu einer Durchfahrtsstrafe, die ihn wieder nach hinten warf. Ihm kamen die vielen Unterbrechungen natürlich zu Gute, aber auch sonst war er ziemlich deftig unterwegs und überholte auch gerne mal auf dem Gras. Leidtragender seiner stürmischen Fahrweise war dann in Runde 56 Boris Said, den er nach der ersten Rechts abschoss. Said, eher ein freundlicher Zeitgenosse, tobte und konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden seinen Helm in Richtung Ambrose zu werfen. Am Ende kam für den Mann aus Tasmanien ein zweiter Platz raus. Seine beste Platzierung in einem NW Rennen.

Ganz vorne überraschte mich Kyle Busch. Und das gleich zweimal. Zum einen weil er sich den Sieg holen konnte. Bisher hatte ich ihn als Rundstreckenspezialist nicht so auf dem Schirm, aber die Meinung muss ich wohl ändern. Er war deutlich schneller als der Rest der Welt und leistete sich auf der staubigen Piste nicht einen Fehler. Er blieb auch dann geduldig, als er hinter Scott Pruett feststeckte, der beim letzten Restart vor ihm lag. Statt wie Montoya den Gegner abzuräumen, wartete er auf einen Fehler von Pruett, den dieser auch wegen seiner nachlassenden Reifen schnell machte. Danach musste er zwar noch den anstürmenden Ambrose auf Distanz halten, aber das gelang ihm relativ locker. Überrascht hat mich auch Toyota. Ich habe nicht erwartet, dass die auf einem Rundkurs so gut sein würden, aber vermutlich liegt es in dem Fall schon mehr am Gibbs Team. Wahrscheinlich könnte man einen alten Pontiac Motor reinbasteln und der Wagen wäre immer noch schnell.

Dass das Rennen ein eher zäher Knochen war, lag aber auch an ESPN. Für den zwischenzeitlichen Stromausfall konnten sie nun nichts, aber für die unzähligen Werbeunterbrechungen gerade am Anfang des Rennens schon. Wenn das Rennen schon andauernd von Yellows eingebremst wird, will man in den wenigen Runden, in denen mal gefahren wird, nicht auch noch Werbung sehen. Zum krönenden Abschluss verpennten sie auch noch das entscheidende Überholmanöver, als Busch an Pruett vorbei ging. Den Kommentatoren merkte man zudem an, dass sie sich auf der Rundstrecke nicht wohl fühlen. Rusty Wallace gilt zwar als Rundstreckenexperte, davon merkte man allerdings wenig. Im Grunde waren alle technischen Informationen kaum brauchbar und die Höhe war dann die Bemerkung, dass auf einem Rundkurs die Aerodynamik und der Abtrieb nicht so wichtig seien. Sicherlich ist die Aerodynamik auf einem Oval empfindlicher, aber die Aussage klang, als könne man auch mit einem nacktem Gitterrohrrahmen fahren und wäre immer noch schnell. Insgesamt hat sich ESPN nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

DTM – Oschersleben
Für Oschersleben war das DTM Rennen gar nicht mal schlecht. Die Kartbahn in der Nähe von Magdeburg ist fahrerisch gar nicht so schlecht und recht anspruchsvoll, nur leider ist sie viel zu schmal. Überholen geht nicht mal mit der Brechstange, weil man sich dabei den eigenen Wagen verbiegt. Es geht nur, wenn der Vordermann einen Fehler macht oder man auf Start/Ziel vor dieser elenden 90° Grad Ecke einen Tacken schneller ist. Aber wie gesagt – dafür war das Rennen dann nicht mal schlecht. Jedenfalls ab Platz sechs, also im Mittelfeld. Dort gab es man es sich relativ gut, da Ekström den ganzen Betrieb aufhielt und sogar Ralf Schumacher zeitweise in der Lage war, an den Punkten zu schnuppern. Es balgten sich also die Herren Ekström, Rockenfeller, Prémat, Kristensen, Paffett, Engel und Schneider. Und das machten sie sehr fair und es war trotzdem schön anzusehen, wie die Fahrer verzweifelt nach einer Lücke suchten. Vorne tat sich dagegen gar nichts. Timo Scheider hatte die Sache im Griff und Martin Tomczyk durfte mal wieder nicht kam nicht an ihn ran. Nein – ernsthaft: Scheider war das gesamte Wochenende unschlagbar und Tomczyk sah nie so aus, als könne er Scheider angreifen. Er hielt sich offenbar etwas zurück und dachte ans Punktekonto.
Mercedes sah zumindest im Rennen nicht so schlecht aus. Allerdings ist der 08er Wagen bisher nicht der große Wurf. Man ist eigentlich nicht viel schneller als der Jahreswagen, wie man im Zweikampf zwischen Schumacher und Schneider sehen konnte. Audi hat eben diesen Riesenschritt gemacht und ich glaube nicht, dass man die vier Zehntel die da fehlen so schnell wieder wird aufholen können. Da stellt sich sowieso die Frage, warum die DTM nicht auch zu Platzierungsgewichten greift. (Jaja, ich weiß. Hersteller, Marketing, Werbung, PR….). Mann des Rennens war allerdings Markus Winkelhock. Mit dem 07er Audi landete er auf Platz sechs und fuhr ein ruhiges und gutes Rennen. Er hielt sich aus allem raus und profitierte von den diversen Durchfahrtsstrafen der Konkurrenten. Am Ende nagte er sogar am Heck von Paul di Resta, aber da war kein Vorbeikommen.

Die Übertragung der ARD war mal wieder solala. Irgendwie wirkt Claus Lufen zunehmend gelangweilter und die Übertragungen werden dann gut, wenn das Duo Sohmer/Reuter übernimmt. Die sind wirrklich sehr aufmerksam und Reuter ist ein angenehm kompetenter Mensch ohne das ihm anmerken würde, einen Markenbezug zu haben. Abgewöhnen sollte sich die ARD auch endlich mal den Show/Musikteil am Ende des Rennens. So etwas macht vor einem Rennen Sinn, aber nicht nachher, wenn alle die Interviews und die Siegerehrung sehen wollen. Ein Blick in die USA könnte da helfen.

DTM – Rahmenrennen
Wenig spektakuläres gibt es von den Rahmenrennen zu berichten. Beide Rennen des Polos Cups kamen nicht an das Niveau der Rennen aus Hockenheim, was zugegebenerweise auch eher schwer ist. Aber hier wurden die Probleme der Strecke allzu deutlich. Wenn man nicht mal mit einem Polo überholen kann… was soll man da sagen. Das Rennen des Seat Cups war auch nicht allzu dolle, Nummer Zwo habe ich auch nicht gesehen. Der Porsche Cup war da schon etwas abwechslungsreicher, auch wenn es hier ebenso statisch zuging. Trotzdem war es faszinierend zu sehen, wie sich die Fahrer im Zentimeterabstand rundenlang belauerten und auf einen Fehler warteten. Daraus zog das Rennen dann auch seine Spannung, zumal Uwe Alzen leider schnell draußen war. Der überholt ja, wie wir wissen, gerne immer und überall.

Und sonst?
Fast vergessen: Das FIA GT Rennen. Lief irgendwie etwas an mir vorbei, weil ich das DTM Rennen gesehen habe und man beim DSF eh nicht viel sah. Das lag ausnahmsweise nicht an den Werbeschaltungen des DSF, sonderm am Nebel in Silverstone. Gegen Ende wurde das Rennen aber regelrecht dramatisch und kann jedem nur empfehlen, sich die Aufzeichnung anzusehen.

ALMS, IRL und ChampCar hab ich noch nicht gesehen, wird auch schwer die Woche, da ich viel unterwegs bin. V8 Supercars habe ich nur zur Hälfte gesehen, da ich tatsächlich dabei eingeschlafen bin, was schon wieder alles über das Rennen sagt :)

Vorschau auf das kommende Wochenende – volles Programm. F1, GP2 & Porsche Supercup auf der langweiligen Strecke von Barcelona, IRL fährt in Kansas, die ELMS in Monza und Sprint Cup nebst Nationwide sind in Talladega unterwegs.

Morgen kein Update, deswegen hier schon mal das Programm bis einschließlich Mittwoch.

21.04.2008

Aufz. 16:30 Uhr   Seat Cup   Oschersleben   Premiere
Aufz. 19:40 Uhr   ALMS   Long Beach   MotorsTV
Aufz. 20:45 Uhr   IRL   Motegi   Premiere
Aufz. 22:45 Uhr   V8 Supercars   Hamilton   MotorsTV
Aufz. 23:45 Uhr   Porsche Cup   Oschersleben   Premiere

22.04.2008

Aufz. 12:15 Uhr Formel Eins Bahrain Premiere
Aufz. 15:45 Uhr   V8 Supercars   Hamilton   MotorsTV

23.04.2008

Aufz. 09:35 Uhr British F3 Oulton Park MotorsTV
Aufz. 10:30 Uhr British GT Oulton Park MotorsTV
Aufz. 12:40 Uhr Belcar Zolder MotorsTV
Aufz. 19:10 Uhr   ALMS   Long Beach   MotorsTV
Aufz. 19:30 Uhr Formel Eins Bahrain Premiere
Aufz. 00:00 Uhr   Porsche Cup   Oschersleben   Premiere